ehemalige Gasthäuser


Neue Broschüre zu alte Wirtschaften in Malsch 2017

Zur Ausstellung "Traditionelle Wirtschaften in Malsch", im September 2017, brachten die Heimatfreunde ein neues Begleitheft heraus. 25 Wirtschaften werden dort umfassend behandelt. Das A4 Heft mit 76 Seiten und 350 Abbildungen kann für 5 € erworben werden.
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Warum gibt es den "Malscher Büttel".

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Berichte von Alten Malscher Wirtschaften von Eugen Nies - ab 2006

 

Wirtschaften gab es in früheren Zeiten in Malsch schon immer recht viele, und dies sogar oft nahe beieinander. Da brauchen wir uns nur im alten Ortszentrum ein wenig um zusehen. Denn dort lagen sie ja dicht beieinander. Und alle hatten damals ihr Ein- und Auskommen, das Rössl, die Krone, der Sternen, der Schwanen, der Mahlberg und der Ochsen, um nur die ganz nahe beieinander liegenden Lokale vorweg zu nennen. Aber: Es gibt sie alle heute nicht mehr. In der Vorstellung der Gaststätten nicht so sehr um die „Geschichte“ dieser Lokale. Darüber hat Lore Ernst in ihrem Buch „Die Geschichte des Dorfes Malsch“ ausführlich berichtet. Hier soll die  Erinnerung an eine gar nicht so arg lang zurückliegende und von den heutigen Älteren, vor allem von den Eltern und Großeltern erlebte Vergangenheit noch einmal lebendig werden lassen.

Beginnend im Westen von Malsch, nahe der Bahnlinie


Gasthaus zur Traube

Die Fotos sagen über die „Traube“ schon einiges aus: Sie war sicher eine gute Vesperwirtschaft und bot auch noch Übernachtungsmöglichkeit in einigen Fremdenzimmern an. Sohn Otto war  Metzger und die betriebene Landwirtschaft lieferte auch so manches für die Versorgung der Gäste.

 Ganz deutlich kann man aber erkennen, dass sowohl vor dem Eingang, und zwar beidseitig, wie auch hinter dem Haus laubenartige Gästenischen, sozusagen eine Art kleine „Biergärten“ eingerichtet waren. Und diese wurden insbesondere von der Stammkundschaft immer gerne angenommen. Aber auch im Innern gingen die Wirtsleute besondere Wege: Dort war im Nebenzimmer phantasievoll eine „blaue Grotte“ eingerichtet, für die damalige Zeit eine exotische Seltenheit. Die „Traube“ weist aber noch eine besondere Eigenart auf:  Sie ist die „Jüngste“ aller in Malsch heute nicht mehr existierenden Wirtschaften. Denn sie wurde erst im Jahre 1902 erbaut. Der damalige erste Wirt, August Otto Kunz (1871 - 1959), ein Stiefbruder des früheren Löwenwirts Hermann Kunz, war vor 1902 schon als Wirt auf der „Linde“ tätig. Danach betrieb er dann das neue Haus  „Traube“ bis etwa 1930 zusammen mit seiner Frau Anna und den Kindern.

In der Gartenlaube                                         Die große Wirtsfamilie der Traube                          Streichholz-Werbebriefchen

Die Zeit Ende der 20er Jahre war wirtschaftlich gesehen aber eine sehr schwierige Zeit. Und so beschlossen die Alten, einen ganz anderen „wirtschaftlichen“ Versuch zu wagen: Mutter Anna, eine sehr tapfere und mutige Frau, wanderte damals mit fünf Kindern und etwas Barvermögen in ein Land, in dem schon einige Malscher Familien lebten, nämlich nach Argentinien, aus, um dort ein neues Glück zu versuchen. Der Vater wollte dann später mit den anderen Kindern nachkommen. Dabei muss dann aber doch einiges schief gelaufen sein. Denn der Vater kam mit dem Rest der Familie nicht nach, und Mutter Anna mit Tochter Luise kehrte auch nicht mehr zurück. Nach 1930, übernahm Ludwig Jordan, der spätere Ochsenwirt, das Gasthaus in Pacht. Nach ihm wurde das Lokal bis etwa 1950 weiter vermietet, um dann endgültig geschlossen zu werden.   


Restauration zum Rössl

Die Malscher nannten diese Wirtschaft schlicht und einfach immer bloß s’ Rössl.

 Dank den Recherchen von Lore Ernst und Wilhelm Wildemann ist bekannt, dass an diesem Platz schon vor dem „Rössl“ das kleine jüdische Wirtshaus des David Maier Neuburger, die „Rebekka“, im Volksmund damals auch “Rehbiggs“ genannt, stand.

Von der alten Adlerbrücke her kommend wurde zwischen Hauptstraße, Dorfbach und Adlerstraße an Stelle der abgerissenen Judenwirtschaft 1910 das „Rössl“ neu erbaut, und zwar von Emil Hornung, damals noch Mahlbergwirt. Doch bevor der Neubau vollendet war, starb er. Was dann aus seiner Witwe mit ihren vier Töchtern wurde ist im  Beitrag "bei's Striggers" nachzulesen.

Im Gasthaus Rössl wurde 1929 die Große Karnevalsgesellschaft Malsch, kurz GroKaGe genannt, gegründet, dessen erster Präsident damals Schlossermeister Emil Kühn, in Malsch bekannt unter dem Sondernamen „dä Maläschdä“, war.

Dieser übergab dann bald  den Wirtschaftsbetrieb an das Malscher Ehepaar Karl Gräßer, dä Männls-Karl (1898-1986), und seine Frau Katharina, geb. Ochs (1899-1990). 

Das Haus gehörte dem damaligen Schulrektor Zimmerman. Das „Rössl“ war ein sehr schönes und gut gehendes Lokal und mit herrlichen Fenstern ausgestattet. Das Haus erfuhr dann ab 1935 eine radikale Veränderung. Das „Rössl“ wurde geschlossen und vom Besitzer an die „Sparkasse Malsch“ verkauft, welche bald danach als „Bezirkssparkasse“ weitergeführt wurde. Der damalige Sparkassenleiter Karl Schindler durfte dann im 1. Obergeschoss einziehen und Familie Gräßer im 2. Obergeschoss weiter wohnen.

Das Haus steht heute noch, wenn auch umgebaut, und dann geführt zunächst als Textilhaus Späth,  dann Balzer, Keilpreis und jetzt durch eine Billigtextilkette betrieben.


Gasthaus zur Krone

Die „Krone“ gehört, zumindest dem Namen nach, zu den „alten“ Malscher Wirtschaften. Sie stand früher am Platz des heutigen „Löwen“ und erst seit etwa 1830 an der bekannten Stelle.

Von den Kronenwirts, die vor seinen Eltern des letzten Kronenwirts die Wirtschaft betrieben,  ist bekannt, dass die Wirte eine Familie Herm aus dem Albtal waren. Diese gaben dann 1931 die „Krone“ auf.

Ab da zogen dann, von Würmersheim kommend, die  Eltern Albert Oberle (1901-1972) und Lina, geb. Kümmerle (1902-1991) auf die Wirtschaft auf. Tochter Elsa war damals sieben Jahre alt und er, der Sohn Albert, gerade geboren.

 

Vater Albert ging an Werktagen einer geregelten Arbeit in Karlsruhe nach, während Mutter Lina die Ganz schlimm aber war dann die Zeit von 1939 bis 1947. Denn Vater Albert war ja von Anfang bis Ende des Krieges Soldat und kehrte erst 1947 aus Gefangenschaft wieder heim. Über diese harte Zeit war die „Krone“ aber nie geschlossen und von der Mutter zusammen mit den zwei Kindern und einigen Helferinnen am Leben erhaltenWirtschaft, Küche und Kinder allein versorgte.

Sohn Albert erlernte dann ab 1947 bei Konrad Kühn das Metzgerhandwerk, schloss dieses auch mit der Meisterprüfung ab, was dann auch der „Krone“ sehr gut tat. Denn besonders ab da war sie als gute Vesperwirtschaft, aber auch als Verkaufsstelle für prima Hausmachersachen bekannt.

Die Malscher verstanden auch vor dem Krieg schon, Fastnacht zu feiern. Und da ja einige der Malscher Wirte nicht nur Mitglied, sondern sogar im Elferrat der GroKaGe vertreten waren, wechselten die Narren in der Vorkriegszeit das „Narrenlokal“ turnusmäßig unter den Wirtschaften Adler, Krone und Mahlberg.

Das Haus wurde aber nicht nur als Wirtschaft, sondern über viele Jahre hinweg in zwei Nebenräumen auch anderweitig genutzt:       

In der Hauptstraße:

  • Hut-Salon Maria Steidel (später Tondera)
  • Schuh-Kühn  Friedrich Kühn (später gegenüber)
  • Drogerie Lutz  Friedrich Lutz und Sohn
  • Fahnen-Huck   Gertud Huck

In der Kronenstraße:

  • Gemüse- und Obsthandel Georg Reichert, dä Bierwirtschorsch (bis zum Umzug in die Schwanenstraße)

1962 übergaben die Eltern Obert die Wirtschaft mit allem drum und dran an ihren Sohn Albert,  der dann 1973 den Betrieb aufgab. Ihm folgte anschließend  noch bis 1984 Metzgermeister Rüdiger Knam nach, bis das gesamte Anwesen von der Eigentümerin, der Brauerei Huttenkreuz, an die  Fischer Uhren-Optik GmbH verkauft und später umgebau wurde.                          


Gasthaus zum Rebstock

Diese Wirtschaft, dä Räbstock, wie alte Malscher sagten, steht heute noch, fast unverändert, in der Muggensturmer Straße, direkt neben dem Theresienhaus. Zu diesem bestand ja auch eine ganz besondere Beziehung. Denn dort, wo heute das Areal des Theresienhauses steht, befand sich bis ins 20. Jahrhundert hinein eine Ziegelei. Und diese gehörte dem Ziegler Wilhelm Krotz, der damals im späteren „Rebstock“ mit seiner Familie wohnte.

Als sich dann um die Jahrhundertwende der Abbau der lehmigen Erde nicht mehr lohnte, die Anlage also erschöpft war, wollte Wilhelm Krotz zusammen mit seiner Frau Karolina, geborene Werner aus Wintersdorf, im Wohnhaus, damals Spitalstraße Nr. 584, eine „Schankwirtschaft mit Branntweinausschank“ eröffnen. Als dies bekannt wurde, liefen einige damalige Malscher Wirte dagegen Sturm. Deren Einspruch wurde aber vom „Großherzoglichen Bezirksamt“ in Ettlingen zurückgewiesen, mit der Begründung, dass es in diesem Ortsviertel, vor allem im Neudörfel, noch keine Wirtschaft gibt und die Bevölkerungszahl von Malsch sicher noch zunehme. Die „Festhalle“ war damals ja noch nicht gebaut.

Und so konnte der „Rebstock“ Anfang 1910 eröffnet werden, allerdings erst nach Erfüllung von einigen amtlichen Auflagen.

Der „Rebstock“ ist sicher eine der jüngsten „ehemaligen“ Malscher Wirtschaften. Der Name „Rebstock“ passte auch gut zur Lage dieses Gasthauses. Denn es befand sich fast wie am Eingang zu vielen Malscher Weinbergen, zum Kapplfell, Maidlesgrund, Minichwingert, Heerweg, Eschpig  unn zu dä Germät.

Erst Jahre später verkaufte dann Wilhelm Krotz das frühere Ziegelei-Gelände an die Pfarrgemeinde Malsch, auf welchem diese dann das Theresienhaus erbaute. 

Nachdem Tochter Luise einen zur Wirtschaft passenden Ehepartner, den Küfermeister und Schnapsbrenner Otto Buchmaier gefunden und 1921 auch geheiratet hatte, ging der gesamte Betrieb, Wirtschaft und Brennerei, auf die jungen Eheleute über. Vater Wilhelm Krotz ist ja schon 1914 gestorben. Und Mutter Karolina war auch schon 1920 an der damals in Malsch wütenden Ruhr verstorben und dann aus hygienischen Gründen im sogenannten „Ruhrfeld“ auf dem Friedhof zusammen mit anderen von dieser Seuche Hingerafften  beerdigt.

Nach dem Tod von Otto Buchmaier 1945 führte seine Frau Luise die Wirtschaft mit Unterstützung ihrer Kinder noch bis 1950 weiter. Danach wurde das Lokal nacheinander an einige Brauereien verpachtet und von diesen mit Pächtern belegt. Endgültig wurde die Wirtschaft dann 2003, geschlossen,  nachdem die letzten Pächter bei Nacht und Nebel verschwunden waren.

Der „Rebstock“ war zwar keine große und besonders „vornehme“ Wirtschaft, er war aber immer in seinen guten Zeiten von den Malschern gern angenommen.


Gasthaus zum Mahlberg

Der "Mahlberg" ist hier mit aufgeführt, da lange Zeit leerstehend, jedoch wieder bewirtschaftet.

Wenn alte Malscher an den „Mahlberg“ denken, dann kommt ihnen meist zunächst das Ehepaar Klenk in den Sinn.

Doch vor denen waren ja noch andere Wirtsleute auf dieser Wirtschaft: Die Eheleute Staiger, und dann noch Otto Reichert, ein Sohn vum Reichorts Välte, mit seiner Frau. Erst dann, nämlich 1931, kamen die Klenks nach Malsch. Er, Willi, 1897 in Stuttgart geboren und von Beruf Schreinermeister (!), verlobte sich 1927 mit der bei der Brauerei Franz in Rastatt beschäftigten Büroangestellten Anna Uhrig aus Plittersdorf und heiratete sie auch 1929 in Rastatt.

Wie dann die Anna so um 1929/30 herum mitbekam, dass der „Mahlberg“ in Malsch frei werden würde, war dies für die beiden ein  Zeichen des Schicksals. Und so packten sie auch gleich zu und wurden 1931 Wirtsleute in Malsch. Der „Mahlberg“ war damals auch das Stammlokal der SPD. Und 1933 übernahmen doch die Nazis das Regiment in Deutschland. Also wurde die Wirtschaft kurzerhand geschlossen und jeglicher Betrieb verboten. Dies betraf damals aber auch einige Malscher Vereine.  Doch  1935 wurde das Verbot wieder aufgehoben, und der „Mahlberg“ wie auch das Vereinsleben blühte wieder auf, vor allem für die „Concordia“ und einige Sonder-Abteilungen des TV.

das junge Wirtsehepaar Klenk
das junge Wirtsehepaar Klenk
Hans Henkenschuh und dei Wirtsleute in der Gaststube, ca. 1947
Hans Henkenschuh und dei Wirtsleute in der Gaststube, ca. 1947
Dorfpolizisten(Eccard u.Kirchner)auf dem Kontrollgang imMahlberghof, ca. 1938)
Dorfpolizisten(Eccard u.Kirchner)auf dem Kontrollgang imMahlberghof, ca. 1938)
Familie Müllerhinter der Theke,ca. 1960
Familie Müllerhinter der Theke,ca. 1960
Wirtsleute Müller, ca. 1964
Wirtsleute Müller, ca. 1964

Nach der Währungsreform 1948 begann ja die gute Zeit der „D-Mark“, also ging es betrieblich wieder bergauf. Und so ging es dann weiter bis Anfang 1954. Denn da wollten die Klenks aufhören und die Wirtschaft in jüngere Hände geben. Da bot sich für das Ehepaar Karl und Maria Müller eine Chance auf. Denn er, der Karl, kannte sich als alter Cordler in dieser  Wirtschaft doch recht gut aus. Und seiner Frau Maria war dieses Haus längst vertraut, denn sie war schon von Anfang an, also seit 1930, bei den Klenks in der Küche wie auch als Bedienung im Lokal über viele Jahre hinweg beschäftigt. So war es ja auch kein Wunder, dass sie im „Mahlberg“ auch ihren späteren Ehemann Karl kennen lernte.

 

Also übernahmen die Müllers 1954 den „Mahlberg“ von den Klenks und versorgten ihre Gäste zusammen mit ihren  drei Kindern nicht nur zur

Zufriedenheit der Sangesbrüder, sondern auch der  anderen Gäste. In dieser Zeit trainierten auch die Gründungsmitglieder des Tischtennisclubs im Lokal. Und der Kleintierzuchtverein veranstaltete im Saal seine erste Ausstellung.

Aber auch für sie kam eines Tages die Zeit des Aufhörens. Denn sie  mussten die Wirtschaft im April 1964 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. In der Zeit danach wurde das Lokal noch einige Male weiter verpachtet, stand lange Zeit leer und wird heute wieder betrieben.


Gasthaus zum Dachsbau

Der „Dachsbau“ ist eine der wenigen Wirtschaften in Malsch, die vom Anfang an bis zum endgültigen Schließen in der Hand einer Familie, der Augenstein’s, waren, und dies von 1873 bis 1972, also fast 100 Jahre lang.

 

Der Name Augenstein war davor schon lange mit dem „Wirtschafts“-Leben in Malsch verbunden. Kein Wunder! Waren sie doch alle, soweit wir es zurück verfolgen können, Wirte, Metzger, Bierbrauer oder Küfer von Beruf. Und dies schon lange vor dem „Dachsbau“. So findet man bei Lore Ernst in der „ Geschichte des Dorfes Malsch“ (Seite 226/227) , dass dieses Geschlecht früher schon den „Hirschen besessen“ hatte. Aber auch der „Bären“ in Neumalsch wurde von  Anfang an, also nach 1810, von Johannes Augenstein betrieben. In den Kirchenakten wird er ausdrücklich als Bärenwirt und Posthalter beschrieben. Sein Enkel Karl Theodor, ein Sohn des Metzgers Theodor Augenstein, war es dann, der 1873 das alte Forsthaus an der damaligen Straße nach Muggensturm kaufte, dieses umbaute, das Schankrecht erwarb und auch sein selbstgebrautes Bier ausschenken durfte. So entstand damals der „Dachsbau“.

Von den sechs Kindern wurden zwei Pfarrer. Ein Sohn, Stephan Ludwig (1884-1968),erlernte das Küferhandwerk, wurde 1904 Soldat im Kaiserlichen Heer, ging anschließend auf Wanderschaft und übernahm dann 1910 den Dachsbau. Im 1. Weltkrieg war er 4 Jahre lang im Krieg. In dieser Zeit wurde die Wirtschaft  von den Eltern und Geschwistern geführt. 1919 heiratete dann Stephan, wie er immer genannt wurde, Ida Zimmer (1894-1958). Die beiden betrieben dann, in den späteren Jahren gemeinsam mit Tochter Katharina, die Wirtschaft.

Der „Dachsbau“ war ein allgemein beliebtes Lokal, nicht nur nach Beerdigungen zum Trost finden, sondern auch für gesellige Gruppen, insbesondere für die Kolpingfamilie, den früheren Gesellenverein. Zur Beliebtheit der Wirtschaft trug aber auch die im Garten angelegte und überdachte Kegelbahn viel bei. Buben hatten ihre Freude daran, konnten sie doch ab und zu durch’s Kegelaufsetzen  ein bisschen Taschengeld verdienen.

Auch der nach dem Krieg von Katharina ins Leben gerufene Lepra-Strickkreis fand in den Dachsbau- Räumen Platz genug, um anderen Notleidenden helfen zu können. Danach hielt Katharina Augenstein die Wirtschaft am Sonntagmorgen bis 13.00 Uhr für Stammgäste (und solche, die es wussten,) immer noch offen. Der Lepra-Kreis aber durfte bei ihr bis zu ihrem Tod am 24.11.1985 weiterarbeiten.


Gasthaus zum Hirsch

Der „Hirsch“ gehörte zu den „alten“ Malscher Wirtschaften. Das Gasthaus befand sich früher an ganz anderer Stelle (Lore Ernst S. 434) und erst später dann gegenüber der St.Cyriak-Kirche.

 Schon vor 1927 betrieb der Zimmermann Josef Kastner mit seiner Frau Cäcilie dieses Lokal  und war wegen des hausgemachten hervorragenden Schwartenmagens bekannt.   Der damalige Pfarrer Berberich ärgerte sich, dass sonntags der „Hirsch“ auch während des Gottesdienstes gut besucht war.

 Ein Zimmermann auf einer Wirtschaft? Vater Theodor und Bruder Eugen  waren ja auch Zimmerleute. Als der Vater 1929 starb, übernahmen die Brüder dann gemeinsam die Zimmerei. Es ist doch nun wahrscheinlich, dass dem „Hirschwirt“ Josef zwei Berufe auf Dauer aber zuviel wurden und er die Wirtschaft deshalb Ende 1932 aufgab.

Dieses Aufgeben kam aber dem damals arbeitslosen Josef Ochs gerade recht. Und so übernahm er kurzentschlossen zusammen mit seiner Frau Sophie, geborene Balzer, die Wirtschaft. Zeitzeugen berichteten immer wieder, dass das Lokal in den folgenden Jahren eine recht fröhliche Zeit erlebte, waren doch die „Ochsen“ in Malsch als sangesfreudige musikalische Familie bekannt.

Als die beiden 1939 dann zunächst auf den Heuberg gingen und bald darauf  den „Alten Fritz“ in Ettlingen übernahmen, kam die lange und gute Zeit von Karl Rubel und seiner Frau Sofie, geb. Burkhart. Die beiden hatten bis dahin schon eine Wirtschaft in Berghausen betrieben, waren also keine unerfahrenen Neulinge.


Gasthaus zum Löwen

Das war einmal der „Löwen“. Und das Kino im Nebenbau, d`Flohkischt genannt, gibt es auch nicht mehr.
Das war einmal der „Löwen“. Und das Kino im Nebenbau, d`Flohkischt genannt, gibt es auch nicht mehr.

Auch diese Wirtschaft gehörte zu den ältesten Gasthäusern von Malsch und wurde seit Menschengedenken von der alteingesessenen Küferfamilie Kunz betrieben.

Laut Lore Ernst (Geschichte des Dorfes Malsch, S. 449) hieß das Haus bis 1838 „Krone“ und erst aus Anlass der sogenannten „Schildgerechtigkeits-verleihung“ vom damaligen Besitzer erhielt es den Namen „Löwen“.

Und so kann man dies heute noch am fast unveränderten  Haus, gegenüber der ehemaligen Stadtmühle, lesen, auch wenn die Wirtschaft  inzwischen geschlossen ist. Noch einige Zeit über das Kriegsende 1945 hinaus wurde die Wirtschaft von Hermann Kunz und seiner aus Ottersdorf stammenden Frau Stefanie, geb. Uhrig geführt.

Wer aber war Luise Hofmann?  Gehörte sie auch zur Familie? Offiziell, also „legal“ bestimmt nicht. Denn inzwischen konnte recherchiert werden, dass sie auch aus Ottersdorf stammte, Luise Lott hieß und schon sehr früh Vollwaise geworden war. Wie sie mit Stefanie Uhrig verwandt oder nur gut befreundet war, ist nicht bekannt. Die künftige Löwenwirtin Stefanie war jedoch nur bereit, nach Malsch zu heiraten, wenn sie auch dieses arme Mädchen in die Ehe mitbringen durfte. So geschah es dann auch. Und die damals 14jährige Luise wurde in der Familie Kunz ohne Juristerei an- und aufgenommen. „Hofmann“ hieß sie  erst später durch Heirat.(nach Erzählung der Kinder der Luise, Tochter Klara (Klärlä) und Sohn Pius. Diese kleine „Geschichte“ bestätigt auch, was viele alte Malscher mir immer wieder gesagt haben: Stefanie Kunz war eine herzensgute Frau!

 Sohn Herbert, ein gelernter Metzger, war als Nachfolger vorgesehen, konnte die Wirtschaft aber erst 1952 übernehmen, nachdem er als künftige Wirtin die Kriegerwitwe Klara Bornhauser geheiratet hatte.

 Während Metzgermeister Herbert in der hauseigenen Schlachtung für hervorragende Wurst und Frischfleisch sorgte, versorgte Klara die Gäste in der Wirtschaft, alte und junge, und sehr oft auch  Herberts Sportskameraden vom FV Malsch.

 Nach Herberts Tod (1967) führte Klara die Gaststätte mit Hilfe ihrer Töchter Brigitte und Ingrid noch bis 1995, ab 1987 allerdings nur noch halbtags, weiter. Damals waren vor allem Rentner, aber auch Kartenspieler, insbesondere „Dreierles“- und „Binokel“-Spieler, gern gesehene Stammgäste und von Klara immer gut versorgt.

In diese Zeit fällt auch eine besondere Ehrung durch Bürgermeister Dieter Süß anlässlich ihres 75sten Geburtstages.

Nach Klaras Tod (1995) übernahm dann Tochter Brigitte die Wirtschaft und gab diese  erst 2001 endgültig auf.

Um den „Löwen“ ranken sich viele „Geschichten“, wie die letzte Wirtin, Brigitte, erzählte:

„Schon in meiner Jugend haben wir immer wieder gehört, dass es früher von Starks Keller hinüber  zum „Löwen“ einen unterirdischen Gang gegeben haben soll. Wir haben auch oft danach gesucht, aber nie etwas Konkretes gefunden. Doch eines ist sicher, dass nämlich im Eiskeller unter der Brauerei, dem späteren Kino, an einer speziellen Maschine abwechselnd ein Esel oder eine Ziege angebunden waren, die ständig im Kreis herumlaufen mussten, wenn Eis hergestellt werden sollte. Unser Großvater Hermann hatte auch manchmal einen spitzbübischen Humor. So schickte er eines Tages ein paar Fremde nach Waldprechtsweier, sie sollten sich dort nach einer Attraktion, nämlich „Krabben mit weißen Hinterteilen“ erkundigen. Was die dann erlebten, kann man sich ja  gut vorstellen. Ein ander Mal schickte er am Löwen vorbeiziehende Schulkinder wieder heim mit dem Hinweis: Geht widdor hoim, heit isch doch kei Schul, eior Lehror isch doch uffm Säilesmarkt!  So gäbe es noch manches zu erzählen."


Gasthaus zum Sternen

Der „Sternen“ gehörte auch zu den „alten“ Malscher Wirtschaften, wenn auch nicht zu den ganz alten. Bereits 1695 bewarb sich der Malscher Bürger Hans Philipp Maier um das Schildrecht für sein neugebautes Haus, Ecke Ettlinger- und Dorfstraße. Und dies mit Erfolg, denn die Schildgerechtigkeit wurde ihm vom zuständigen Amt dann auch erteilt, trotz heftigen Widerspruchs der schon vorhandenen anderen Wirte.

Die später folgenden „Kastner“ gaben erst 1889 nach 160 Jahren Familientradition die Wirtschaft auf, um dann nur noch (bis auf den heutigen Tag) ihre in der Nähe neu erbaute Metzgerei  zu betreiben.

Die Zeit nach der „Ära Kastner“, also nach 1899:  Doch was unmittelbar danach geschah, bleibt für trotz vieler Recherchen weitgehend im Dunkeln. Mit Sicherheit weiß man, dass das Ehepaar Eugen und Lina Harlacher, die späteren Adlerwirts, wenn auch nur für kurze Zeit, den „Sternen“ bewirtschaftete, so etwa bis Ende 1938. Der Sohn Eugen wurde in der  „Sternen-Zeit“ der Harlachers geboren.   Anschließend folgte dann wieder nur für ganz kurze Zeit  ein Ehepaar Heck. Zeitzeugin Mathilde Bechler, geb. Karcher, konnte dies bestätigen, denn die Hecks sind nach der Zeit im „Sternen“ bei den Karchers in der Durmersheimer Straße  eingezogen.

Karl Weingarten erinnert sich:

„Mein Großvater Thomas Geiger, äm Egide sei Sohn, war von 1910 bis 1915  zusammen mit seiner Frau Frieda, geb. Neukert, auch auf dem Sternen, wobei unsere Oma im Jahre 1915 allein die Wirtschaft betreiben musste, da ihr Mann bis zu seiner Verwundung als Soldat im Krieg war. Nach dem Krieg war unser Opa bei der Gemeinde als Feldschütz beschäftigt. Da er aber schon immer ein „Rossbauer“ war und sogar eine richtige Kutsche besaß, verdiente er sich  nebenbei mit dieser noch etwas Geld dazu. So bot er an, Menschen per Kutsche nach Karlsruhe, aber auch nach Baden-Baden, zu fahren. Das konnte sich damals nur die Malscher Prominenz leisten. So denkt mir noch gut, dass zu seinen Kunden auch Karl Stockmaier gehörte.“ 

Mehr Informationen sind aus der Zeit von 1899 bis 1938 vorhanden. Um so erfreulicherweise aber war die Resonanz auf der Suche bezüglich der Zeit danach, also ab etwa 1938.

Das Ehepaar Eugen und Berta Knam zog auf den „Sternen“ auf. In dem großen Haus hatten damals aber auch noch einige Familien Platz, wie die Buhlingers mit Sohn Edwin (s`Geggorles), ans Hettels, die Familien Klein, Kunz und Reiter.

Der „Sternen“ war damals ein allseits beliebtes Lokal, vor allem auch für Gäste, die zur „Sperrstunde“ nicht gleich heimgehen wollten. Für diese gab es  hinnädrinn eine kleine Extrastube, den damaligen Ortspolizisten Hernorhonsl unn Mucks-Alwies nicht bekannt (oder doch ?). Ein ideales Nest für Kartenspieler!  Bis der Krieg begann.

Doch nach 1945 kam auf das Gasthaus fast über Nacht eine ganz andere, neue Aufgabe zu. Plötzlich gab es  in Malsch über 1300 Vertriebene und Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Und diese mussten damals nicht nur schnell untergebracht werden, sondern brauchten auch einen Raum, ein Haus, wo sie sich treffen, versammeln und organisieren konnten.

Und dazu bot sich der „Sternen“ geradezu an, zumal das Ehepaar Knam 1948 die Bewirtschaftung aufgab und das Ehepaar Seidel - aus dem Sudetenland vertrieben - den „Sternen“  übernahm.

1946 war für Alt-Malscher ein ganz besonderes Jahr. Da wurden, sozusagen über Nacht, über 1300 Menschen nach Malsch eingewiesen. Einige davon waren gerade noch rechtzeitig geflohen, die meisten von ihnen aber waren Vertriebene aus ihrer seit langer Zeit angestammten Heimat in Jugoslawien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Tschechei. Und dies bloß, weil sie Deutsche waren und sich zu ihrem Deutschtum auch bekannten.

 Dabei durften sie so gut wie nichts von ihrem Hab und Gut mitnehmen, nur was sie am eigenen Leib trugen und (manchmal) in eine erlaubte Holzkiste passte.

Das damalige Elend und Leid  haben die Heimatfreunde e.V. in einer besonderen Ausstellung  aufzeigen.

 Was hat dies alles mit dem Thema „Alte ehemalige Malscher Wirtschaften“ zu tun?

Schon zu Zeiten der Wirtsleute Knam trafen sich Flüchtlinge, wie sie bei uns in Malsch allgemein genannt wurden, immer wieder im „Sternen“. Nachdem die Eheleute Franz und Josefa Seidl, selbst Vertriebene aus Südmähren, 1948 die Wirtschaft übernommen hatten, entwickelte sich das Lokal rasch zu einem Zentrum für die Vertriebenen aus allen Regionen, zu einem Ort, wo man sich traf, sich organisierte, sich wohlfühlte, also zu einer Art zweiten Heimat. Für entsprechende Stimmung sorgte Tochter Hermine immer wieder mit ihrer Handharmonika durch Lieder aus der Alten Heimat. Die Seidls, er gelernter Metzger und sie eine hervorragende Köchin, investierten viel in das Lokal, mussten auch Schulden machen, was vor allem Franz Seidl bedrückte. Er verstarb zwei Jahre später.

Die Witwe Josefa gab nicht auf und heiratete 1952 noch einmal, den Josef Leopold. Auch er stammte aus der Heimat der Seidls. Die beiden betrieben dann den „Sternen“ noch bis 1962.

 Für die Integration der Neubürger mit der Malscher Bevölkerung gingen damals vom „Sternen“ viele Impulse  aus, waren doch Malscher Volksmusiker (wie z.B. dä Alo vun dä Nei Olag, dä Fauthä Sepp vun dä Hohl unn dä Kraftä Helmut vum Soubuggl), aber auch die Wienorle vum Würths Paul, die Salzstängle vum Dietzäbeck unn dä Wei / Moschd vum Vielsäcker Josef  für beide Seiten verbindende Faktoren.           

 Schon am 1. Januar 1963 zogen  neue Pächter, das Ehepaar Hermann und Emilie Hitscherich, er aus der Rosenstraße kommend (ein Sohn vom Hitscherich-Schütz)  und sie von Kuppenheim stammend, auf den „Sternen“ auf. Ganz unerfahren waren ja beide nicht mehr, hatten sie doch vorher schon oft, besonders in Fastnachtszeiten, reichlich Erfahrung durch Mithilfe draußen im „Kreuz“ bei Hermanns Schwester Veronika und Schwager Alois Hornung sammeln können.

An Werktagen war Hermann zwar in einem Betrieb in Kuppenheim-Oberndorf beschäftigt, doch an den Wochenenden war er als Wirt voll in seinem Element, meist hinter der Theke, während Emilie um das leibliche Wohl der Gäste besorgt war. Sie war eine ausgezeichnete Köchin, besonders, was die „einfachen“ Dinge wie Saure Nierle und dergleichen betraf. Ihre Abo-Essen waren damals fast ein Renner, vor allem aber preiswert.

 Ihre beiden Töchter halfen auch tatkräftig mit, besonders an Wochenenden und in Hochbetriebszeiten. Bis die Mädchen dann heirateten. Sie unterstützten ihre Eltern zwar immer noch, so gut es ging. Aber irgendwann wurde die Wirtschaft für die „Alten“ doch zuviel. Und so kündigte Hermann Hitscherich schweren Herzens den Pachtvertrag im Sommer 1966.

Danach, also nach 1966, zogen die beiden wieder in ihr eigenes Haus in Neumalsch ein.

Hermann starb, 87 jährig, 2002. Emilie zog zu Ihrer Tochter Doris nach Rastatt.

Nach 1966 geschah im „Sternen“ nicht mehr viel. Es zog zwar noch einmal ein Ehepaar Lewiki als Pächter auf, aber nur für kurze Zeit. Schließlich wurde das gesamte Anwesen vom Eigentümer Ludwig Kastner an den „Coop“ Supermarkt verkauft, aber bald danach abgerissen.


Gasthaus zum Ochsen

Dieses Haus an der Ochsenbrücke war es für  Buben und Mädchen während der Kriegszeit ein gern angenommener Ort. Dort konnte man sich neben dem damaligen Pflicht-Dienst im Jungvolk und später in der HJ auch noch, quasi heimlich treffen, um zusammen mit Kaplan Mangold wenigstens etwas Religiöses zu erfahren, zu besprechen und auch zu tun.

Die Zeitzeugin Hedwig Gräßer, geb. Hornung, erzählte, dass „damals“ die Gestapo im Pfarrhaus zweimal plötzlich auftauchte, um den denunzierten Kaplan zu überprüfen. Das erste Mal konnten sie nichts Belastendes finden. Beim zweiten Mal aber suchten die Geheimpolizisten gezielt nach Liedmaterial, in welchem (angeblich) zum Widerstand gegen das damalige Regime aufgefordert und das vom Kaplan mit den jungen Menschen in den Gruppenstunden auch gesungen wurde. Und sie fanden in seinen Unterlagen das gesuchte Lied. ABER es war ein Lied aus dem 16. Jahrhundert, von Johann Walter (1490 - 1570) gedichtet und vertont.

Der Text der ersten Strophe lautet: Wach auf, wach auf, du deutsches Land! Du hast genug geschlafen. Bedenk, was Gott an dich gewandt, wozu er dich erschaffen. Bedenk, was Gott dir hat gesandt und dir vertraut sein höchstes Pfand, drum magst du wohl aufwachen.

Das war ein Lied aus der Reformationszeit! In jeder der fünf Strophen ist von Gott (und von Deutschland!) die Rede. Und das sollte aufwieglerisch sein? Also zogen die Gestapoleute wieder ab, und Kaplan Mangold, ein Bach-Fan und hervorragender Organist, durfte in Malsch bleiben.

 

Der Ochsen war damals außerdem auch noch Probenlokal für den Malscher Kirchenchor, da das Theresienhaus durch Kriegsfolgen anderweitig belegt war.

Für die Jungen war das ja sogar romantisch, weil halt gewagt. Die damaligen Kapläne gingen schon ein Risiko ein und die Wirtsleute auch. Der Wirtschaftsbetrieb war meist eingestellt, da die Männer im Krieg waren. Um so höher muss man das damalige Angebot der Frauen des Hauses werten.

Nach der Zeit der Eheleute Ludwig und Sofie Jordan (geb. Balzer, ä Herichsweise)  übernahm ca. 1941 Metzgermeister Adam Knauber  die Metzl, während seine Frau Katharina, geborene Fritsch, zusammen mit Helfern aus ihrer Familie die Gäste in der Wirtschaft versorgte, solange es halt ging.

Nach Kriegsende war der „Ochsen“ vor allem nach den Singstunden des Kirchenchores (wieder im Theresienhaus) geradezu ein Zufluchtsort, um danach noch etwas Zünftiges vespern zu können. Unser Ausruf „Käthor, ä Portion haiße Flaischwurschd; s’kon ruig än gonzor Ring sei!“ klingt uns in der Erinnerung heute noch in den Ohren! Das waren damals endlich wieder gute Zeiten, wo man in einer Wirtschaft so richtig vespern konnte.

Die Knaubers gaben sich auch alle Mühe, ihre Gäste zufrieden zu stellen.


Näheres über die Metzgerei des Adam Knauber: hier klicken

 

Warum die Knaubers 1954/55 die Wirtschaft und Metzgerei dann aufgaben, ist nicht bekannt. 1955 zog dann ein anderes Pächter-ehepaar, Norbert und Genoveva Nägele, aus dem mittleren Schwarzwald kommend, auf den „Ochsen“ auf und betrieb wie alle vorherigen Pächter sowohl das Lokal als auch den Laden.


Gasthaus zum Schwanen

Dank Lore Ernst ist bekannt dass auch diese ehemalige Wirtschaft zu den ältesten von Malsch gehörte. Sie lag auch lange Zeit im Mittelpunkt des Dorfes, nämlich an der Kreuzung zweier wichtiger Verkehrswege, der Straße von der Hardt ins Gebirge und dem uralten Weg von Nord nach Süd, der sogenannten Alten Straße, dä Alt Stroß, wie unsere Eltern dazu sagten. Dieser besonderen Lage verdankte der „Schwanen“ wie auch die anderen in  der Nähe liegenden Wirtschaften lange Zeit eine lebhafte geschäftliche Betriebsamkeit.

Aber auch nach dem Ausbau der Landstraße draußen in der Ebene, der heutigen B 3, war das Lokal immer gern angenommen, vor allem, wenn man gut „speisen“ wollte. Denn beide letzten Wirtinnen, Mutter Josefine wie Tochter Frieda, waren als hervorragende Köchinnen bekannt.

Über die schon erwähnten „letzten“ Wirtsfrauen erzählte Christel Storz (ehemaliges Modehaus Späth) sinngemäß folgendes:

Der Wirt Cyriak Karcher, ein Bruder ihres Großvaters Fritz, und dessen Ehefrau Josefine betrieben die Wirtschaft über lange Zeit mit viel Erfolg, war doch die Kochkunst der Wirtin, wie schon gesagt, allgemein bekannt. So erinnerte sich auch Gertrud Krone, s’ Kaiserwirts Gertrud, lebhaft an die damalige große und schöne Schwanen-Hochzeit der Frieda mit Fritz Bürck, einem Bruder des Oberen Müllers aus Waldprechtsweier.

Als dann bald darauf Mutter Josefine die Leitung der Wirtschhaft den Jungen überließ, (Cyriak war ja schon 1927 gestorben!), begann die letzte Ära des „Schwanen“ als Wirtschaft.

 

Die Tochter stand bezüglich Kochkunst  ihrer Mutter in nichts nach. Ihre Beefsteaks mit Soße waren weit bekannt. Aber auch ganz einfache Dinge, wie z.B. Schweineripple mit Brot und Senf waren immer begehrt, und dies damals für 2 Mark. Dass es oft, vor allem in der Fastnachtszeit, auch lustig zuging, zeigt das folgende Bild mit den Malscher Volksmusikern Alo, Kurt Fischer, Otto Kiefer, Willi Balzer und (als Band-Leader) Erwin Späth:

Die Wirtschaft war aber auch ein beliebter Treffpunkt für „besondere“ Kreise. So konnte man immer wieder unsere damaligen Hausärzte Dr. Götz und Dr. Essig zusammen mit Apotheker Schönberger antreffen, wobei manchmal noch der Holzhändler Albert Kohlbecker dabei war. Aber auch allein stehende Lehrkräfte, vor allem Frl. Lina Völker und August Harbrecht nahmen dort fast regelmäßig ihr Mittagessen ein. (Es war gut und billig)

Um berufliche Probleme zu besprechen, trafen sich dort oft Handwerkergruppen, so z.B. irgendwann einmal auch die Malscher Schreiner, warum auch immer. Wie es dann ans Zahlen ging, hatte jeder einen größeren Geldschein dabei. Darauf Wirtin Frieda: Ja glauwäd dänn dir, ich bin ä Geldwechslinstitut? Zahlät halt s’nächste Mol, wänn dor widdor kommät!

Typisch Frieda.Hier ein paar Beispiele Ihrer allgemeinen Sprüche:

„Buwä, gähn doch hoim, do ischs billiger!“      Oder

„Ich geh jetz ins Bett. Wänn dor hoim gähn, legts Geld grad uff dä Disch!“

Umgekehrt kam es aber auch vor, dass ein Gast zu ihr sagte:

„Frieda, gib mor mol 20 Mark, dasse zahlä kon!“

Sie war vor allem großzügig, auch gegenüber ihrem Ehemann Fritz. Tagsüber war er voll in der Mühle beschäftigt. Abends aber half er auch in der Wirtschaft mit aus. Und dafür hatte Frieda dann auch nichts gegen seine zwei bis drei Viertele Rotwein. Man kann sagen, die beiden lebten ein relativ ruhiges Leben. Sie hatten ja keine Kinder. 

Außerdem gibt es noch einen Zeitzeugen, Peter Ecker, der besonders in der letzten Zeit von Frieda und Fritz den beiden oft beratend und auch tätig geholfen hat:

„Mir denkt noch recht gut, dass ich öfters Leute sagen hörte: Wu gähmor heit Owäd no? Und dann wie oft  die Antwort: Ha zu dä Frieda in dä Schwonä! Darin zeigte sich doch die enge Verbundenheit zwischen Gast und Wirtin. Das war doch schon ein fast familiäres Verhältnis, geprägt von der herzensguten Art und viel Toleranz, ja Menschlichkeit der beiden Wirtsleute. So war damals der „Schwanen“ für viele Gäste im sprichwörtlichen Sinne ein zweites Zuhause.

Und nicht zu vergessen: Kater Felix. Er erst machte das Dreigestirn komplett. Obwohl nur als „freier“ Mitarbeiter tätig bekam er sehr viel Zuneigung von Frieda. Wer kannte nicht den sorgenvollen Blick aus dem Fenster von Frieda, wenn er mal wieder zu lange auf Achse war. Kam Felix dann endlich wieder zurück, dann wurde er von ihr mit den feinsten Sachen verwöhnt. Und Fritz? Er ließ sich dann manchmal zu harten Äußerungen hinreißen, wie z. B. Dämm rotä Bock gehts do hinn jo bessor wie mir! Frieda hat dies aber immer mit seligem Lächeln einfach überhört.

 

Besonders die Winterabende waren immer sehr gemütlich. Da saßen Frieda und Fritz am Ofen, schnarchten oft leise, manchmal auch lauter vor sich hin. Wollte dann ein Gast noch etwas zu trinken, waren die beiden sich meist nicht einig, wer nun bedienen soll. War Frieda dann richtig wach, dann sagte sie zu ihrem Fritz: Hol halt äm Karle noch ä Bier. Fritz brummte dann, gehorchte aber und brachte dem Karl sein Bier mit dem guten Rat: Jetz longts awwor so longsom, gell, du gehsch ball hoim!“  Und noch etwas muss ich erwähnen! Ab und zu werde ich auch erinnert an Friedas Beefsteaks. Denn ihr spezielles Rezept hat sie noch rechtzeitig meiner Frau überlassen. Und das war gut so! Denn die schmecken heute immer wieder so gut wie früher, halt wie von Frieda“.

 

Frieda starb 1970. Die Hinterbliebenen versuchten zunächst, für das Gebäude eine für sie sinnvolle Nutzung zu verwirklichen, was leider scheiterte. Deshalb wurde das Anwesen dann 1981 verkauft und zwei Jahr später endgültig abgerissen, um einem neuen Bau, so wie er heute noch steht, Platz zu machen. Es gibt noch ein kostbares Bauteil aus dem „Schwanen“, die Mittelsäule der Wirtschaft.



Gasthaus Zur Eintracht

Das traditionsreiche Lokal Zur Eintracht hat zum Ende 2006 endgültig seine Pforten geschlossen. Aus diesem Anlass erschien in den BNN am 23. 02. 07 ein ausführlicher Zeitungsbericht. Hier wird deshalb über die Zeit davor, also der ersten und zweiten Stippig-Generation,  berichtet.  Und die begann mit dem Großvater des letzten Stippig-Wirts, beide Georg genannt..

Mit Sicherheit wissen wir, dass der erste Stippig-Wirt aus Prinzbach im Kinzigtal stammte und bei der Brauerei Franz in Rastatt als Bierbrauer arbeitete. Er lernte Juliane Reiter aus Waldprechtsweier kennenund beide heirateten im Jahre 1900. 

Damals war auch das der Brauerei Franz gehörende Gasthaus „Eintracht“ frei geworden. Also war es doch für den gelernten Bierfachmann fast logisch, hier einzusteigen und die Wirtschaft zu pachten. Und so geschah es  auch. Nicht nur die Wirtschaft florierte dann, sondern auch die Familie begann rasch zu wachsen. Denn der Ehe entsprossen bald vier Mädchen und vier Buben: Anna, Luise, Maria, Johanna, und Franz Karl, Bernhard, Josef (Sepp), Georg (Schorsch).

 

Doch der Vater musste 1914 als Soldat in den Krieg, wo er dann wie so viele andere auch gefallen ist.

Jetzt stand die Mutter allein da mit ihren acht Kindern. Und die Brauerei machte bald Druck: Entweder das Haus käuflich übernehmen oder ausziehen! Eine Wohnung finden für eine Kriegerwitwe mit acht Kindern? Schier unmöglich! Also kaufte sie von der Brauerei mit dem in früheren Zeiten ersparten Geld das Anwesen ab. So kam die „Eintracht“ damals in den Besitz der Familie Stippig. Dass dann die Kinder, vor allem die älteren, immer kräftig mithelfen mussten, zumal auch noch Landwirtschaft betrieben wurde, ist doch selbstverständlich.

Und so ist es auch fast selbstverständlich, dass der älteste Bub, der Franz Karl, in Erwartung seiner künftigen Tätigkeit, bei der Metzgerei Schuler in Rastatt das Metzgereihandwerk erlernte. Im Januar 1936 heiratete er dann die Erna Anna Zimmer und betrieb ab da zusammen mit ihr die Wirtschaft, er hauptsächlich draußen im Schlachthaus, in der Räucherkammer und in der Schnapsbrennerei,  sie dagegen in der Wirtschaft und besonders in der Küche.

Doch davor „lernte“ Erna erst noch das spezielle Kochen in der Gastronomie, und zwar im Hotel Erbprinz in Ettlingen. Kein Wunder also, warum das Haus in der Folgezeit einen so hervorragenden Ruf hatte. Gleich nach der Hochzeit wurde auch renoviert. So wurde der Saal im Obergeschoss zu Fremdenzimmern mit Warm- und Kaltwasser um- und eine zentrale Koksheizung eingebaut. 1939 wurde Tochter Christa und 1940 Sohn Georg geboren.

Der Vater musste als Soldat in den Krieg und kam erst 1947 aus Gefangenschaft wieder heim, jedoch als ein gebrochener Mann und sehr krank.

Nach dem Umbau 1954
Nach dem Umbau 1954

Nach Kriegsende richteten damals die Amerikaner in der Wirtschaft ihr Offizierskasino ein. Ab etwa 1947 konnte dann wieder so richtig Fastnacht gefeiert werden. Dabei erlebte die „Eintracht“ wieder fröhliche Zeiten, auch am Aschermittwoch beim traditionellen Saueressen. 

 

Aus der unmittelbaren Nachkriegs-Zeit sollte noch über eine heute kaum mehr verständliche Besonderheit berichtet werden. Damals verlief die Zonengrenze zwischen Malsch und Muggensturm. Wirtschaftlich war die amerikanische und französische Zone aber streng gegeneinander abgegrenzt. Also durfte (konnte) die „Eintracht“ ihr Bier nicht mehr von der Brauerei Franz in Rastatt erhalten. Deshalb, nur deshalb, bezog dann die Wirtschaft ab da das Bier von der Brauerei Schrempp-Printz in Karlsruhe, was den „Rastattern“ aber gar nicht gefiel.

 

1954 begann dann ein großer Umbau. Das Haus wurde aufgestockt, modernisiert und vor allem neue Gästezimmer eingerichtet. Leider verunglückte Franz Karl 1969 mit seinem Moped tödlich. Und so übergab Wirtin Erna am 1. Januar 1971 den Gasthof an ihren Sohn Georg und seine Frau Ingrid. Im Januar 1981 ist Erna verstorben.