Wirtschaft Dachsbau

Der „Dachsbau“ ist eine der wenigen Wirtschaften in Malsch, die vom Anfang an bis zum endgültigen Schließen in der Hand einer Familie, der Augenstein’s, waren, und dies von 1873 bis 1972, also fast 100 Jahre lang.

 

Der Name Augenstein war davor schon lange mit dem „Wirtschafts“-Leben in Malsch verbunden. Kein Wunder! Waren sie doch alle, soweit wir es zurück verfolgen können, Wirte, Metzger, Bierbrauer oder Küfer von Beruf. Und dies schon lange vor dem „Dachsbau“. So findet man bei Lore Ernst in der „ Geschichte des Dorfes Malsch“ (Seite 226/227) , dass dieses Geschlecht früher schon den „Hirschen besessen“ hatte. Aber auch der „Bären“ in Neumalsch wurde von  Anfang an, also nach 1810, von Johannes Augenstein betrieben. In den Kirchenakten wird er ausdrücklich als Bärenwirt und Posthalter beschrieben. Sein Enkel Karl Theodor, ein Sohn des Metzgers Theodor Augenstein, war es dann, der 1873 das alte Forsthaus an der damaligen Straße nach Muggensturm kaufte, dieses umbaute, das Schankrecht erwarb und auch sein selbstgebrautes Bier ausschenken durfte. So entstand damals der „Dachsbau“.

Von den sechs Kindern wurden zwei Pfarrer. Ein Sohn, Stephan Ludwig (1884-1968),erlernte das Küferhandwerk, wurde 1904 Soldat im Kaiserlichen Heer, ging anschließend auf Wanderschaft und übernahm dann 1910 den Dachsbau. Im 1. Weltkrieg war er 4 Jahre lang im Krieg. In dieser Zeit wurde die Wirtschaft  von den Eltern und Geschwistern geführt. 1919 heiratete dann Stephan, wie er immer genannt wurde, Ida Zimmer (1894-1958). Die beiden betrieben dann, in den späteren Jahren gemeinsam mit Tochter Katharina, die Wirtschaft.

Der „Dachsbau“ war ein allgemein beliebtes Lokal, nicht nur nach Beerdigungen zum Trost finden, sondern auch für gesellige Gruppen, insbesondere für die Kolpingfamilie, den früheren Gesellenverein. Zur Beliebtheit der Wirtschaft trug aber auch die im Garten angelegte und überdachte Kegelbahn viel bei. Buben hatten ihre Freude daran, konnten sie doch ab und zu durch’s Kegelaufsetzen  ein bisschen Taschengeld verdienen.

Auch der nach dem Krieg von Katharina ins Leben gerufene Lepra-Strickkreis fand in den Dachsbau- Räumen Platz genug, um anderen Notleidenden helfen zu können. Danach hielt Katharina Augenstein die Wirtschaft am Sonntagmorgen bis 13.00 Uhr für Stammgäste (und solche, die es wussten,) immer noch offen. Der Lepra-Kreis aber durfte bei ihr bis zu ihrem Tod am 24.11.1985 weiterarbeiten.