Bienenzuchtverein Malsch e.V. (1945)


Gemeindeanzeiger 26. Januar 1924
Gemeindeanzeiger 26. Januar 1924

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50jähriges Jubiläum des Bienenzuchtverein Malsch (1945 - 1995)

 

50 Jahre sind seit der Gründung des Bienenzuchtvereins Malsch vergangen, und ich soll Ihnen ein wenig aus dieser Zeit erzählen. Das ich dies tue, der ich im Umgang mit Bienen keine Erfahrung habe, bewahrt Sie heute sicherlich vor einem Fachvortrag. Ich habe mir einfach mal die Mühe gemacht im Protokollbuch, dem Buch der Überlieferung zu blättern. Mögen meine Worte ihnen, den älteren Imkern alte, vergessene Erinnerungen wachrufen und ihnen allen ein wenig vor Augen führen, welche Sorgen, aber auch Freuden den Verein und seine Mitglieder in dieser Zeit begleitet haben.

  Unser heutiges Jubiläum ist nicht gleichbedeutend mit 50 Jahren Bienenzucht in Malsch. Aus alten Überlieferungen wissen wir, dass mindestens seit 1912, wahrscheinlich aber schon wesentlich früher, Bienenhaltung in Malsch betrieben wurde. Die damaligen Imker waren aber bis zur großen Katastrophe 1945 dem Imkerverein Ettlingen angeschlossen. Danach war die große Imkerschaft mit all Ihren Untergliederungen und Ortsvereinen in Folge der politischen und militärischen Ereignisse aufgelöst. Ohne Führung und ohne Mittel standen die Imker vor der schwierigen Aufgabe einer Neuorganisation.

  Der damalige erste Vorsitzende des neugegründeten, nordbadischen Imkervereines Herr Haegermann machte es sich deshalb zur vordringlichsten Aufgabe, die Neugründung von Ortsvereinen beschleunigt zu veranlassen. Bereits am 25. November 1945 begannen deshalb 17 mutige Männer und Frauen, nämlich Alois Hotz, Friedrich Schlager, Franz Rubel, Josef Reichert, Sebastian Kistner, August Schmitt, Josef Stippig, Dr. Friedrich Schlager jr. Alois Kunz, Anna Hoffart, Rosa Reiter, Anna Schindler, Michael Müller, Hermann Kohm, Karl Hirth, Ludwig Schindele und Emma Durm nachmittags um 15.00 Uhr in der Eintracht mit der Neugründung des Bienenzuchtvereins Malsch. Leider weilt heute keines der genannten Gründungsmitglieder mehr unter uns.

  Die hiesigen Bienenzüchter hatten Herrn Studienrat a.D. Friedrich Schlager mit der Einberufung dieser Versammlung beauftragt, nachdem dieser sich zuvor von der zuständigen Militärregierung in Ettlingen die notwendige Genehmigung eingeholt hatte. Zum 1. Vorsitzenden wurde Friedrich Schlager gewählt. Er gab einen kurzen Überblick über die katastrophale Lage nach den Kriegswirren und dem verheerenden Hagelwetter am 21. Juni. Nach diesem Unwetter waren von ursprünglich 392 Bienenvölkern noch ganze 169 übrig. Das war ein Verlust von 223 Völkern, oder 57%. Damit hatte Malsch die größte Verlustziffer in ganz Nordbaden. Aufgrund der schwierigen Lage beschloss man, sich einmal in der Woche am Samstagabend zum Gedanken-. und Erfahrungsaustausch in einem Gasthaus zum Bienenschoppen zu treffen.

  Sicherlich ist Ihnen aufgefallen, dass zu den Gründungsmitgliedern auch einige Frauen gehörten, die in Abwesenheit ihrer Männer durch Krieg und Gefangenschaft die Bienenzucht weiter betrieben. Niemand von ihnen sprach von Unterdrückung oder gar notwendiger Emanzipation. Sie leisteten einfach ihre Arbeit, um damit auch den Wiederaufbau, das Überleben der eigenen Familie und damit auch der Gesellschaft zu sichern. Schon im ersten Vereinsjahr wurde unter Anleitung von Alois Kunz mit dem Bau der Belegstelle begonnen, denn mit der Königinnenzucht steht und fällt die Bienenzucht, damals wie heute.

  Aufgrund der verschiedenen Besatzungszonen - amerikanisch und französisch - konnte sich Waldprechtsweier nicht dem Ortsverein Malsch anschließen und mussten sich nach Gaggenau orientieren.

  Das größte Problem der Anfangszeit dürfte die Beschaffung von Zucker als Winterfutter und die damit verbundene Abgabepflicht von Honig, sie betrug 2 kg gegen insgesamt 6 kg Zucker pro Volk, gewesen sein. Den Imkern, die nicht in der Lage waren, ihren Abgabeverpflichtungen nachzukommen, musste Stundung gegen eine eidesstattliche Erklärung, dass kein Honig mehr vorhanden war, gewährt werden, wozu eine eigene Kommission gegründet wurde.

Als vordringliche Aufgabe für die Imker wurde deshalb die Wanderung empfohlen, um damit den Bienen die Möglichkeit zu geben, sich einen Teil des Winterfutters selbst zu beschaffen. Es wurde vorwiegend nach Neuburgweier in die Goldrute gewandert und auch beim wöchentlichen Bienenschoppen viel über verschiedene Zuchtrichtungen diskutiert. Fast neidisch könnten wir heute sein, wenn wir vom Bienenschoppen im Schwanen, den es ja auch nicht mehr gibt, hören, in einer Zeit, in der man noch Zeit hatte.

  Schon bald nach ihrer Einrichtung war auch von der Belegstelle, mit deren Führung Herr Imkermeister Hotz beauftragt war, Gutes zu berichten. Von den beispielsweise 1947 aufgestellten 575 Königinnen wurden 365 begattet. Dies sind 71%. Das waren weit mehr, als andere Belegstellen vermelden konnten. Man war sich zwischenzeitlich auch darüber einig, dass der Stamm Peschitz die unserer Gegend am besten angepasste Zuchtrichtung sein soll, die auch einen guten Honigertrag verspricht. Was den Ertrag angeht begleitet uns immer wieder der gleiche Wunsch, dass doch das nächste Jahr ein gutes Honigjahr werden möge. Am Jahresanfang steht halt immer die große Hoffnung, und am Ende ist der Honigeimer nur selten voll, obwohl sich jeder redliche Mühe gab.

  Das Jahr 1948 brachte nicht nur eine neue Währung, sondern mit August Reiter auch einen neuen ersten Vorsitzenden. Kurze Zeit später, am 6.2.1949 starb sein Vorgänger und Gründer Friedrich Schlager. Wie sehr er dem Bienenzuchtverein verbunden war, bringen seine mit letzter Kraft, kaum noch lesbar zu Papier gebrachten Worte, „für den Bienenverein alles Glück“ zum Ausdruck. Es scheint, dass er fruchtet, dieser Wunsch des Sterbenden, denn es geht aufwärts. Aber es kommen auch Wolken auf Wolken von Stäubemitteln gegen Maikäfer, Kartoffelkäfer und Obstschädlingen. Zum ersten Mal ist auch davon die Rede, dass eine Milbenseuche bis Bühl vorgedrungen ist, und Fälle von Faulbrut in Karlsruhe und Durlach bekannt wurden. Der damalige Seuchenwart Alois Kunz, der die Technik erlernt hatte, hätte gerne die Völker untersucht, wenn, ja wenn nur ein Mikroskop zur Verfügung gestanden hätte. So mussten die Bienenproben eben nach Freiburg geschickt werden, aber so viel stand fest, die Bienenzucht war nicht mehr ohne Verluste zu betreiben.

  Um das Maß vollzumachen, brannte am 3.11.1949 auch noch die Belegstelle ab. Es ist anzunehmen, dass dort übernachtende Landstreicher wegen der großen Kälte ein Feuer entfachten, das zur völligen Vernichtung der Belegstelle führte. Dennoch schreitet die Aufwärtsentwicklung fort.

  Maßnahmen gegen das Giftspritzen werden erwogen, und eingeladene Referenten berichten über neue Zuchtmethoden aus Amerika und Frankreich. Zwischenzeitlich sind auch die Imkerfreunde aus Waldprechtsweier zum Ortsverein Malsch gestoßen und über gemeinsame Versammlungen mit den Rastatter Imkern wird berichtet.

  Unerfreulicher ist dagegen die Feststellung von Herrn Revierförster Wicht. der bei einem Vortrag den Rückgang der Lachnieten im direkten Zusammenhang mit der starken Schädigung der Tanne sieht. Bemerkenswert finde ich, dass Herr Wicht dies bereits 1950 feststellte, während manche das fortschreitende Sterben unseres Waldes heute noch nicht wahrhaben wollen, und Verantwortliche nur wenig geeignete, auch grenzüberschreitende Maßnahmen ergreifen.

  1954 wird eine neue Satzung erstellt. Danach wird Vorstand und Verwaltung nur noch alle zwei Jahre gewählt. Die nun auch erfolgte Nichtbesteuerung des Zuckers zu Futterzwecken führte zwar zu einer verbilligten Beschaffung, doch schon war auch das Zollamt auf dem Plan, um zu prüfen, ob die gemeldeten Völker auch vorhanden seien. Im Protokollbuch steht zu lesen: ‘Und

wenn unsere Lieblinge nicht stechen würden, ja dann würde der Zöllner wohl auch von dem verfütterten Zucker noch eine Probe nehmen.'. Mit der Verbilligung des Zuckers ist auch das Finanzamt auf die Imkerei aufmerksam geworden. Die folgenden Jahre lassen eine gleichermaßen große Angst vor dem Finanzamt, wie auch vor den auftretenden, immer neuen Bienenkrankheiten, erkennen.

  Ein gemeinsamer Ausflug führte im August 1952 nach Heidelberg und ins Neckartal. Langsam spürt man den beginnenden Wohlstand, und die seltenen gewordenen Versammlungen werden weniger besucht. Auch die Zucht auf der Belegstelle ist rückläufig. Es sind Überlegungen zur Einführung von Heidevölkern im Gange, wobei die Mehrheit diesen Gedanken wieder verwirft, weil Heidevölker für unsere Gegend nicht geeignet sind, und die Gefahr der Vermischung besteht.

Das Jahr 1952 findet wegen seiner hohen Temperaturen besondere Erwähnung. Durch die tropische Hitze kam die gesamte Vegetation allmählich zum Absterben. Blumen und Blüten, die sich mit Mühe und Not erhalten hatten, brachten keinen Honig. Durch Wanderung brachte das Jahr dennoch einen befriedigenden Honigertrag, wenn auch als Preis der Verlust vieler Bienen zu beklagen war. War es also ein gutes, war es ein schlechtes Bienenjahr? So ganz klar und einstimmig wird diese Frage wohl nie zu beantworten sein. Der eine stellt sein Licht unter den Scheffel, der andere hat's tonnenweise, weil er noch das halbe Winterfutter dabei hat. Die Wahrheit dürfte wie immer in der Mitte liegen. Aber! - Wir sollten den Umgang mit unseren Bienen auch ohne besonders gute Honigernte nicht gering achten, gibt es uns doch ein wenig von der lebendigen Natur, die in unserer volltechnisierten Zeit soweit von uns abgerückt ist. Manche Imker werden sich noch erinnern, wie man damals mit dem Fahrrad zur Plotzsägemühle fuhr, um nach den Völkern zu sehen. Heute kaum noch vorstellbar - aber schön war es doch.

  Oftmals erwähnt der Berichterstatter Jahre mit schlechten Ergebnissen, ja sogar von der Notwendigkeit, mitten im Sommer füttern zu müssen und folgert zurecht, dass viel Idealismus dazugehört, unter diesen Umständen, und den damit verbundenen Kosten, mit der Imkerei überhaupt weiterzumachen. Dennoch wird die Belegstelle instandgesetzt, und über den neuen Zuchtstamm Sklenar gesprochen. Das Volk stellt sich als sehr brav und stechunlustig

heraus.

  Dann ein weiterer Höhepunkt, der Ausflug 1957 nach Frankreich. Man höre und staune. Mit zwei Bussen, und der gute Wein - das waren noch Zeiten. Aber die Zeit eilt immer weiter. Der Beitrag steigt, die Bienenzucht stagniert, es gibt viele Ehrungen, aber auch Kritik. Ein neuer Lichtblick scheint die Gründung eines Züchterringes zu sein, aber der Erfolg bleibt aus.

  Im Jahresbericht 1959 sinnt der Schriftführer über Trachtverhältnisse auf dem Mond nach. Ahnte er wohl voraus, dass wenig später der erste Mensch seinen Fuß dorthin setzen wird. Im selben Jahr, kommt die Hiobsbotschaft: Milben in Malsch.

  Von diesem Jahr wird auch berichtet, dass sich die Imker über die Einwinterung keine Sorgen machen mussten. Zum ersten Mal seit 1945 war mehr Zucker vorhanden, als die Imker Geld hatten. In der Folgezeit fruchtete auch das Bemühen um Neupflanzungen von Akazien. Hierbei hat sich Forstwart Eugen Müller besondere Verdienste erworben.

  1961 mussten dann zwei Jahreshauptversammlungen abgehalten werden, da sich in der ersten kein Vorstand finden ließ. Beim zweiten Anlauf erklärte sich dann August Reiter bereit, das Amt für zwei weitere Jahre anzunehmen.

  Am 20. Januar 1963 wird dann Otto Koch zum 1. Vorsitzenden gewählt. Seinem scheidenden Vorgänger wird für 15jährige Vorstandstätigkeit eine Urkunde mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden überreicht. Eine weitere gute Nachricht war die Mitteilung des Landratsamtes, dass die Milbenseuche und die Faulbrut als erloschen zu betrachten sind.

  Aber schon kommt von den Imkern ein neues Klagelied. Nach einem sehr strengen Winter, mit Temperaturen bis minus 25 Grad waren die meisten Völker eingegangen. Vielleicht war es dann gut, dass 1963 kein Honigjahr wurde. Der Zorn und Ärger über die erlittenen Verluste wäre dann unerträglich geworden. So hat die Natur dafür gesorgt, dass sich die Gemüter beruhigten, und das Jahr ausschließlich zur Nachzucht genutzt werden konnte. Diese, so zeigte das kommende Frühjahr, war auch sehr erfolgreich, obwohl auch gleichzeitig wieder Verluste durch Spritz- und Stäubemittel zu verzeichnen waren. Es gibt anscheinend nur eine Lösung zu dieser Frage, nämlich die Obstbaumbesitzer davon zu überzeugen, dass für eine gute und vollkommene Befruchtung der Blüten und damit auch eines guten Ernteertrages die Arbeit der Bienen eine zwingende Voraussetzung ist. Fortlaufend wurden die Imker in Vorträgen über bessere Zuchtmethoden unterrichtet, und immer wieder konnte man von Erfolgen hören. Die Bienenkästen waren plötzlich übervoll, aber leider nur mit Bienen, so dass der Schriftführer darüber nachdachte, wie einträglich es sein könnte, die Bienen einzeln zu verkaufen, wenn diese nur jemand wollte.

Die Zuchtarbeit war nun so weit vorangeschritten, dass die Belegstelle in gemeinschaftlicher Arbeit erweitert werden musste und zusammen mit den Imkern aus Karlsruhe betrieben werden konnte. Es hatte sich auch bewährt, dass die Wanderung mit den Völkern nicht mehr vom Verein organisiert und gesteuert wird, sondern von jedem individuell oder in Gruppen durchgeführt werden konnte.

  Auch in der Verwaltung des Vereins trat nun wieder eine Veränderung ein, denn nach 17 Jahren Schriftführertätigkeit gab Franz Reichert sein Amt 1969 an Ernst Haustein weiter.

  Für die Imker bricht ein neues Zeitalter an, die Europabeute wird eingeführt. Wie alles Neue wird sie von manchen spontan, von anderen mit Skepsis angenommen. In einer Versammlung meint ein Imker trocken: „Überlassen wir es der Europabiene, ob sie sich im neuen Zuhause wohlfühlt und urteilen wir darüber nächstes Jahr.“.

  In der Jahreshauptversammlung 1975 wird an das 30jährige Bestehen erinnert. Zurückblickend konnte man feststellen, dass sich der Verein gut entwickelt hat. Die, beim wieder gut besuchten Imkerschoppen ausgetauschten Erfahrungen trugen Früchte, und auch die vielen Vorträge und Filme in den verschiedenen Versammlungen waren für die Imker immer wieder beeindruckend und lehrreich. Auch die vielen Besuche einer Gruppe von Imkern in Mundingen hinterließen ihre Spuren und veranlassten die Malscher Imker verstärkt zur Pflege der Waldameise. Im Frühjahr ist wieder von Bienensterben bis hin zum Totalverlust vornehmlich bei Ablegern die Rede. Erstmals wird zur Frühjahrseröffnung der Belegstelle ein kleines Fest abgehalten.

  Von einem sehr guten Honigjahr wird 1976 berichtet. Deshalb war es auch möglich, nach einer durchgeführten Sammlung dem Altersheim eine Spende von einem halben Zentner Honig zukommen zu lassen. Damit wollten sich die Imker auch für die gute Ernte bedanken, und wieder einmal, wenn auch in gewohnter Stille etwas für die Öffentlichkeit tun. Da sich das Betreiben einer Belegstelle nach Ansicht der Karlsruher Imker nicht mehr lohnt, kündigen diese 1978 den Benutzungsvertrag. Dennoch wird weitere Zusammenarbeit in Freundschaft vereinbart.

Am 27. Juni 1978 stirbt der Ehrenvorsitzende August Reiter. Nahezu 15 Jahre hatte er in schwieriger Zeit die Geschicke des Vereins gelenkt und seine Erfahrungen auch danach als Verwaltungsmitglied in den Dienst der Imkerei gestellt, wofür ihm Dank und Anerkennung gebührt.

  Eine erhebliche Änderung in der Verwaltung bringt uns die Jahreshauptversammlung am
14. März 1981. Vorstand Otto Koch und Schriftführer Ernst Haustein stellen sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl. Otto Koch wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

  Im November 1982 stirbt der Ehrenvorsitzende Otto Koch. Drei Jahrzehnte war er als zweiter und erster Vorstand für den Bienenzuchtverein verantwortlich tätig. Über die Ortsgrenzen hinweg war er durch seine ausgeglichene und liebenswürdige Art ein stets gerngesehener Gast und Mitarbeiter auch im badischen Imkerbund. Seiner heute nicht mit Achtung, Dankbarkeit und Respekt zu gedenken hieße drei Fünftel der Vereinsgeschichte einfach zu unterschlagen. Ein treuer Wegbegleiter war ihm der zweite Vorsitzende Friedebert Baumann, dem wir an dieser Stelle genauso herzlich danken wollen. Er übergab 1983 nach 20 Jahren sein Amt an Karl Haustein.

  Sein Nachfolger im Amt des 1. Vorstandes wurde Anton Kohm, in dessen Händen die Vereinsführung auch noch heute liegt. Unter seiner Anleitung wurde auch gleich mit dem Bau einer neuen Schutzhütte auf der Belegstelle begonnen, deren Finanzierung jedoch erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Durch Spenden der Imker und verschiedener Institutionen konnte jedoch auch dieses Problem gelöst werden. In Eigenarbeit und mit viel Fleiß bei den Bauarbeiten

und der Rekultivierung, sowie der Erstellung des Lehrbienenstandes, welcher am

6. Juni 1982 eingeweiht wurde, konnte so die Belegstelle wieder zum Aushängeschild des Bienenzuchtvereins Malsch gemacht werden. Auf die Baugeschichte eingehend stellte der Vorsitzende fest, dass bereits 1980 der Baubeschluß gefaßt wurde. Der Grund war die starke Verbreitung des Parasiten Varroa, der zu dieser Zeit von vielen verharmlost wurde. Heute sind sich alle Experten einig, dass sich die Varroatose nicht mehr ausrotten lässt, und der Imker mit diesem Problem leben muss. An die Schulen appellierte Anton Kohm, die neue Einrichtung auch für Unterrichtszwecke zu nutzen.

  Um den Verein auch rechtlich auf eine solide Basis zu stellen, beschließen die Mitglieder 1984 wieder eine Satzungsänderung. Der Bienenzuchtverein Malsch wird in das Vereinsregister beim Amtsgericht Ettlingen eingetragen. Mit der Bepflanzung der Gänseweide entfalten die Imker eine

Aktivität, die weit über den eigentlichen Vereinszweck hinausgeht. In Zusammenarbeit mit dem Ökologiebeirat der Gemeinde wurden 24 verschiedene einheimische bienenfreundliche Gehölze ausgesucht. Die 1150 gepflanzten Flurgehölze bieten aber auch vielen nützlichen Tierarten Nist- und Schutzplätze, erweitern deren Nahrungsangebot und wirken dadurch auch einer Schädlingsvermehrung entgegen. Darüber hinaus wurde durch diese Maßnahme der Ortseingangsbereich, von Muggensturm kommend, freundlicher gestaltet, so dass auch für den Betrachter ein angenehmeres Bild entstand.

  Am 2. Juni 1985 konnte die große Malscher Imkerfamilie ihr 40jähriges Bestehen feiern. Pater Braun, selbst den Bienen sehr verbunden, zelebrierte einen Waldgottesdienst, bei dem mehrere hundert Malscher Bürger und ein Jugendchor einen würdigen äußeren Rahmen bildeten. Zahlreiche Abordnungen benachbarter Imkervereine bekundeten durch die Teilnahme ihre Verbundenheit mit den Malscher Imkern. Dem wirtschaftlichen Erfolg des Jubiläums ist der ideelle Wert der Veranstaltung weit voranzustellen, denn der Lehrbienen- und Infostand war fortwährend von wissenshungrigen Besuchern belagert, bei denen sichtlich Interesse an den Bienen und Verständnis für die Probleme der Imker geweckt werden konnte. Wenn es dann noch der Wissenschaft gelingt, so schreibt der Chronist, mit neuen Mitteln der Varroa-Plage Herr zu werden, und das bedrohliche Waldsterben zum Stillstand zu bringen, dann hat auch die Imkerei trotz schwieriger gewordener Umweltbedingungen eine reelle Überlebenschance. Leider ist beides bis heute Wunschdenken geblieben.

  In der Jahreshauptversammlung des kleinen Jubiläumsjahres wurde Alois Knam zum 2. Vorsitzenden gewählt, und Hermann Rastetter erfuhr für seine 25jährige Tätigkeit als Kassier eine besondere Ehrung. Gesundheitlich stark angeschlagen stellte er sein Amt zur Verfügung. So scheiden immer wieder wertvolle Mitarbeiter krankheitsbedingt aus dem Vorstand aus oder der Tod nimmt sie gar für immer von uns, und mit Ihnen jeweils einen reichen Schatz an Erfahrung. Ähnlich ergeht es uns ja auch mit unseren Bienen. Einmal ist es ein harter Winter oder sonst ein unerklärliches Sterben, das die Völker reduziert. Zum anderen haben wir kaum eine Seuche einigermaßen im Griff, kommt schon wieder die nächste auf uns zu. Aber ich denke, hier haben die jeweiligen Seuchenwarte großartige Arbeit geleistet, wofür wir Ihnen zu großem Dank verpflichtet sind. Sehr nützlich und hilfreich für die Nachzucht und Vermehrung der Völker war aber zweifellos die hervorragende Zuchtarbeit auf der Belegstelle. Von allen dort tätigen wurde unschätzbar wertvolle Arbeit geleistet. Es hat sich bestätigt, dass es trotz aller Schwierigkeiten richtig war, die Belegstelle zu errichten und zu erhalten. Hierbei hat sich, gerade in der Aufbauzeit, und in Zeiten des Mißerfolges, Imkermeister Alois Hotz große Verdienste erworben.

  Ähnliche Gedanken, aber in personeller Hinsicht haben bestimmt auch Anton Kohm und seine Verwaltung bewogen, als sie sich entschlossen, im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde die Kinder auf den Lehrbienenstand einzuladen, um diese neben süßem Honigschlecken auch mit dem Leben und Arbeiten der Bienen vertraut zu machen.

  Mehr für den Imkernachwuchs tun zu können, erhoffte man sich auch bestimmt mit der Einrichtung eines Bienenstandes im Jahre 1989 auf dem Gelände der Hans-Thoma-Schule. Mit großem Interesse und Begeisterung begann unter der Anleitung von Herrn Konrektor Karl Weber eine Bienen-Arbeitsgemeinschaft ihre Tätigkeit. Zunächst von Erfolg gekrönt, freute man sich auf den ersten Honig. Aber die Freude währte nicht all zu lange. Hier hat sich sehr deutlich gezeigt, dass bei rein biologischer Behandlung die Bienen den Varroabefall nicht überleben können.

Heute fliegen aber in der Schule die Bienen wieder, und wir können hoffen, dass von den dort interessierten Schülern der eine oder andere vielleicht einmal als Jungimker zu uns kommt. Diese Hoffnung ist den Versuch Bienen-Arbeitsgemeinschaft in der Schule allemal wert. Das dafür allerdings vom Kultusministerium keine Lehrerstunden mehr zur Verfügung gestellt werden, halte ich für eine Sparmaßnahme am falschen Platz.

  1989 wird auch von einem überdurchschnittlichen Honigjahr berichtet. Kaum ein Imker hatte mehr ein leeres Honiggefäß zur Aufnahme der Ernte. Die drei großen Orkane im folgenden Frühjahr haben durch umstürzende Bäume und zerstörte Bienenkästen der Imkerei dann wieder so, sehr geschadet, dass der Honigvorrat schnell verbraucht und die Freude über eine sehr gute Ernte nur kurze Zeit währte.

  Der Zuchterfolg des folgenden Sommers war für den Berichterstatter sicherlich der Anlass zu folgender Überlegung: „Von unseren Bienen sollten wir lernen, wie auch eine menschliche Gemeinschaft harmonisch und zufrieden zusammenleben kann.“. Hatte es zuvor doch in der Verwaltung nur schwerlich abzuwendende Auflösungserscheinungen gegeben. Zu diesem Thema fällt mir aber auf, dass es beim Bienenzuchtverein Malsch bisher außerordentlich lange Amtszeiten der Verantwortlichen gab. Bedenken wir, dass wir beim jetzigen Jubiläum mit Anton Kohm erst den vierten Vorsitzenden im Amt haben, können wir bestimmt davon ausgehen, dass wir mit ihm als Vorstand, zumal er jetzt Ruheständler ist, auch noch das 60. Jubiläum feiern können.

Wie wichtig und richtig es ist, auch über den Verein menschlich zusammenzuarbeiten kommt auch durch die große Honigsammelaktion "Solidarität mit russischen Kindern“ 1992 zum Ausdruck. Mit 81 Tonnen Honig konnte der deutsche Imkerbund einen großen Beitrag zur Linderung der Lebensmittelnot im freier gewordenen Rußland leisten, woran auch der Bienenzuchtverein Malsch beteiligt war.

  Unter den Imkerfreunden ist auch die Geselligkeit nie zu kurz gekommen. Neben dem Imkerstammtisch führten zahlreiche Ausflüge - meist mit der Besichtigung einer imkerlichen Anlage verbunden - zu immer neuen Zielen. Das jährliche Imkerfest ist wie die Adventsfeier zu einer festen Einrichtung geworden, auf die wir auch künftig nicht mehr verzichten wollen. Zu all diesen Aktivitäten sind immer wieder fleißige Hände notwendig, ohne deren uneigennütziges Zutun neben der Arbeit, ein geselliges Zusammenleben nicht möglich wäre. Deshalb wollen wir heute ganz besonders allen, die in irgend einer Form dazu beigetragen haben, dass der Bienenzuchtverein Malsch trotz aller Schwierigkeiten sein 50jähriges Bestehen feiern kann, herzlich danken.

  Einen ganz besonderen Dank all denen, die in diesem halben Jahrhundert an verantwortlicher Stelle die Geschicke des Vereins geleitet haben. Stellvertretend für alle finanzielle und ideelle Unterstützung wollen wir der Gemeinde Malsch danken. Ohne all diese Hilfen wäre es nicht möglich gewesen, den heutigen Stand zu erreichen, und das Imkertum aus der Wilhelm-Busch-Idylle herauszuführen, ohne den Charakterzug der Beschaulichkeit und stillen Heiterkeit einzubüßen.

Leider wird die Arbeit der Imker immer schwieriger und differenzierter, denn die sensiblen Bienen sind trotz ihres sprichwörtlichen Fleißes mehr und mehr gefährdet durch Seuchen, Parasiten und

sonstigen Schäden aus der Umwelt, und wären ohne imkerliche Hilfe nicht mehr lebensfähig. Der Kampf mit Monokulturen, dem zunehmenden Waldsterben und dem Einsatz von Herbiziden und Pestiziden wird die Imker immer in die Reihe derjenigen stellen, die sich für einen verbesserten Umweltschutz einsetzen.

  Die Honigbiene hat eine nicht wegzudenkende ökologische Bedeutung. Sie ist die Bestäuberin von rund 80% aller Wild- und Kulturpflanzen und erhält damit eine artenreiche Natur. In der Tat ist der mittelbare Nutzen der Bienen durch ihre Bestäubungstätigkeit im Obst- und Gartenbau, sowie in der Landwirtschaft schätzungsweise mit über einer Milliarde DM zu bewerten, also dem zehn- bis fünfzehnfachen des Honigertrages. Wer sich also der Bienenhaltung und -zucht verschrieben hat, hegt, pflegt und beschützt die Bienen zum Nutzen der Allgemeinheit und leistet damit einen unschätzbaren Dienst für eine bessere und gesündere Umwelt. Setzen wir also liebe Freunde, wo immer wir in diesem Verein stehen, unbeirrt unsere Arbeit zum Wohle Aller fort.

  In diesem Sinne herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag!

Malsch, im Juni 1995

 

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