Denkmale - Wegkreuze - Ausgrabungen

 

 

Gruppenleiter Gerhard Bullinger

Hebelstrasse 19  76316 Malsch   Tel. 07246-1860


  • Wegkreuz- oder Sühnekreuz
  • Heimat als Herausforderung und Aufgabe - Zum Beispiel: Kleindenkmale

  • Experte für Kleindenkmale zu Besuch in Malsch
  • Am Ende eines Jahres
  • Etwas von Denkmalschmierern und über die menschliche Dummheit
  • Etwas über die Flur- und Steinkreuze unserer Gemeinde
  • Das Zimmer´sche Kreuz und der menschlichen Dummheit zweiter Teil
  • Ausstellung „Kleindenkmale in Malsch“ im Malscher Rathaus

Wegkreuz oder Sühnekreuz? 

 

Bei unseren Nachforschungen etwas über die Geschichte und den Werdegang der Malscher Feldkreuze in Erfahrung zu bringen sind wir auch auf eine alte Flurkarte aus dem 19. Jhdt. gestoßen und tatsächlich sind auf diesem Dokument eine Anzahl Wegkreuze  vermerkt und erfaßt worden. 

 

Eines davon hat unsere ganz besondere Aufmerksamkeit erregt. An der Einmündung des Bietigheimer Weges in die alte Verbindungsstraße Neumalsch – Muggensturm       (heute L 567) ist auf dieser historischen Karte ein Kreuz eingezeichnet was durchaus der Gewohnheit entsprach, Feldkreuze an viel begangenen und häufig befahrenen Wegen zu errichten.

Soweit so gut.  Doch handelt es sich bei dem in der Karte eingetragenem Kreuz wirklich, wie von uns zuerst vermutet um das Feldkreuz von 1716 welches vor einigen Wochen wieder aufgestellt worden ist?

Tatsächlich sind Zweifel angebracht, nicht weil der gegenwärtige Standort nicht mit dem auf der Flurkarte eingetragenen Platz übereinstimmt; das wäre u.a. mit dem Bau der Autobahn bzw. der Überführung glaubhaft zu erklären.

 

Oder aber handelt es sich bei dem Kreuz auf der Karte möglicherweise um das alte Ziegelhofer Sühnekreuz,  von dem uns der verdienstvolle Heimatforscher Otto August Müller aus Bühl vor mehr als 70 Jahren schon berichtet hat?

Danach befand sich auf dem altem Kulturland des zur Grundherrschaft der Zisterzienserabtei Herrenalb gehörenden Weilers „Cyegelhouen“ der Ziegelhofbrunnen. Schnitter hätten an einem heißen Sommertag daraus getrunken und sind an dem Trunk gestorben. Ihnen zum Gedächtnis sei dann dieses „Sühnekreuz“ erstellt worden.

Das stark verwitterte, nur etwa 80 cm aus dem Erdreich schauende Kreuz ist leider nach dem Jahre 1965 verschwunden. Geblieben ist eine undeutliche Fotografie aus den dreißiger Jahren und die Erkenntnis, dass damit wohl ein weiteres Kulturmal unserer Vorfahren verloren gegangen ist.


schön gepflegtes Wegkreuz (1896) am Ortsausgang nach Waldprechtsweier
schön gepflegtes Wegkreuz (1896) am Ortsausgang nach Waldprechtsweier

Heimat als Herausforderung und Aufgabe

Zum Beispiel: Kleindenkmale

Wer einmal über einen längeren Zeitraum in der Fremde gelebt hat, weiß die Heimat zu schätzen. Heimat ist nicht dort, wo wir uns gerade wohl fühlen, Heimat ist dort, wo wir verwurzelt sind, es sind die unverwechselbaren Ortsbilder, es sind die Menschen und ihre Tätigkeiten und es ist die typische Landschaft im farbigen Wechsel der Jahreszeiten an die wir uns in der Fremde erinnern.

In Landschaften haben sowohl archäologische Stätten als auch Klein- und Naturdenkmale ihren überlieferten Platz, sie sind überkommen von unseren Vorfahren von deren Leben und Schaffen sie dem Interessierten erzählen.

Was wäre das fränkische Madonnenländchen ohne seine zahlreichen Bildstöcke oder auch unsere badische Heimat ohne seine Vielfalt an Wegkreuze?

Die in den 60-er und 70-er Jahren durch den Bau von Siedlungen, Straßen, Kanalisation etc. einsetzende starke Veränderung des Landschaftsbildes hat dazu geführt, daß binnen weniger Jahrzehnte ein nicht unerheblicher Teil dieser Kulturdenkmale verloren gegangen ist.

Auch war mit dem Bruch mit der Tradition in Deutschland ein weiteres Element dazu gekommen, das wenig Wert auf Erhaltung solcher Kleindenkmale legt und so verschwand wohl manches Kreuz und manch historischer Grenzstein als Relikt einer anderen, vermeintlich längst vergessenen Zeit unter den Schaufeln der Bagger.

Die Fachleute unterscheiden die Kleindenkmale in drei Hauptgruppen, die da sind:

Kleindenkmale im eigentlichen Sinn. Beispiel: Feldkreuz oder Grenzstein.

Gelände- und Bodendenkmale. Beispiel: Hohlweg oder altes Wegepflaster.

Unselbständige Kleindenkmale. Beispiel: Hauswappen oder Marienschrein an Hausfassade.

Von Wegkreuzen

Wegkreuze, in der Literatur auch als Kruzifix, Feld-, Flur- oder Hochkreuze bezeichnet, stellen eine beachtliche und sehr augenfällige Gruppe unter den Kleindenkmalen dar. Sie gelten, neben den historischen Grenzsteinen, sozusagen als das Modellbeispiel eines Kleindenkmals. Da sich die Hochkreuze fast nur in früher katholischen Gebieten finden lassen, sind sie sowohl Glaubens- als auch Geschichtszeugniss.

renoviertes Wegkreuz im Gewann Haft
renoviertes Wegkreuz im Gewann Haft

Die Gründe für die Stiftung solch eines Kreuzes waren sicher vielfältig. Oft war wohl damit die Erfüllung eines Gelübdes verbunden, wenn sich auch heute die Absicht des Stifters nicht mehr klar zu erkennen gibt. Der Glaube war eng mit dem täglichen Leben verbunden und so sind uns die Feldkreuze auch ein Zeichen der Volksfrömmigkeit früherer Generationen.

Nach einer Übersicht unseres Mitgliedes Eugen Heinzler befanden sich allein auf der Gemarkung von Malsch 30 Feldkreuze, von denen 28 noch erhalten sind.

Eines der Verschwundenen wurde in den 60-er Jahren nach seiner Beschädigung durch einen Autounfall wenig respektvoll zum Auffüllen eines Brunnens mißbraucht. Beides, das Desinteresse an einem beschädigten Feldkreuz sowie das gedankenlose „Plattmachen" eines historischen Brunnens ist verwerflich und kann nur als Negativbeispiel dienen. Dank eines glücklichen Zufalls konnten damals durch die Aufmerksamkeit eines Malscher Bürgers zumindest die beiden Nebenfiguren dieses Flurkreuzes gerettet werden.

Das zweite nicht mehr vorhandene Feldkreuz stand auf dem Gelände der ehemaligen Sägerei Lehmann, heute Fa. Eckerle. Am Weißen Sonntag 1944 erfolgte vom Murgtal her ein Angriff anglo-amerikanischer „Jabos" auf Malsch, bei dem zwei Frauen, die sich zum Kreuz unter die daneben stehenden Tannen geflüchtet hatten, getroffen wurden. Eine überlebte diesen Angriff nicht.

Auch das Kreuz war zerstört, über dessen weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Es kann als positiv gewertet werden, daß sich die meisten der Kreuze in einem guten bis sehr guten Erhaltungszustand befinden was nicht zuletzt dem Engagement einiger Bürgerinnen und Bürger sowie der Unterstützung durch den Bauhof der Gemeinde zu verdanken ist.

Ohne dieses, oft in der Stille vollführte Engagement wäre wohl Manches schon verloren oder in einem traurigen Zustand.

Doch Arbeit gibt es noch in Hülle und Fülle. Als Anregung sei in Stichworten aufgelistet:

Erforschung der Historie der Feldkreuze (hier berühren sich Ahnen- und Kleindenkmalforschung).

Exakte Vermessung.

Maßnahmen zur besseren Erhaltung (z.B. Schutzdächer).

Pflege übers Jahr; vielleicht lassen sich Paten für die einzelnen Kreuze gewinnen, das könnten Vereine, Institutionen, Firmen oder auch Freundeskreise sein.

Erstellen einer vollständigen Dokumentation und deren Fortschreibung.

(Damit ließe sich in fernerer Zukunft ein kleines Handbuch erstellen, vielleicht auch unter Einbeziehung der Feldkreuze von Sulzbach, Völkersbach und Waldprechtsweier die ebenfalls nen reichen Schatz solcher Kleindenkmale besitzen).

Dieser Aufsatz wollte anknüpfen an einen Artikel, erschienen im Juni 2000 im „Gemeindeanzeiger" der unter der Überschrift „Von Kleindenkmalen" (Historische Grenzsteine) auf die so häufig übersehenen Kulturmale unserer Heimat hingewiesen hat.

Der damals geäußerte Wunsch des Verfassers, daß sich auch in Malsch eine tätige Gruppe von heimatkundlich interessierten Bürgerinnen und Bürger zusammenfinden möge, konnte mit der Gründung des Vereines „Heimatfreunde Malsch", fast auf den Tag genau zwei Jahre später verwirklicht werden.

Ein weites Feld heimatgeschichtlicher Themen wartet nun darauf, erforscht, bearbeitet und dokumentiert zu werden.


Berichte aus dem Arbeitskreis:

Experte für Kleindenkmale zu Besuch in Malsch

Günter Meier, Vorstand der „Gesellschaft für die Erforschung und Erhaltung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg e.V.“, kurz GEEK genannt, war vor kurzem zu Besuch in Malsch.

Herr Meier, Verfasser des Buches „Kleindenkmale im Landkreis Karlsruhe“ beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Materie und gilt als ausgewiesener Kenner weltlicher und sakraler Kleindenkmale im südwestlichen Raum.

Uns vom Arbeitskreis „Kleindenkmale und Wegkreuze“, ging es darum, bei solch einem erfahrenen Fachmann den einen oder anderen Rat einzuholen und aus diesem Grunde wurden einige ausgewählte Objekte auf Malscher Gemarkung besichtigt.

Den Anfang machte der alte Dreimärkerstein zwischen Malsch, Sulzbach und Völkersbach in der gleichnamigen Waldabteilung „Drei Marken“.

Es ist offensichtlich, dass in naher Zukunft Maßnahmen zur Sicherung dieses historisch wertvollen Steines, gesetzt wurde er im September 1811, getroffen werden müssen. Mehr und mehr versinkt er im Boden und Abriebspuren von Reifen zeigen, welch gefährdeten Standort er hat.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Erfassung der historischen Grenzsteine diskutiert. Für einen Teil der noch vorhandenen Steine auf Malscher Gemarkung wurden, von der GEEK standardisierte Erfassungsbogen angelegt.

Danach schauten wir uns die beiden, als letzte in Malsch verbliebenen Steinkreuze (sog. Sühne- oder auch Schwedenkreuze) an. Dabei konnten wir nebenbei auch einen, in eine Mauer eingelassenen Zehntstein studieren.

Lobend äußerte sich Herr Meier über die Steinmetzarbeit am wieder aufgestellten Flurkreuz beim Fuchseck. Überhaupt sind die meisten der Malscher Feldkreuze in einem recht ordentlichen und gepflegten Zustand.

Interessante Details waren zu dieser Art von Kreuzen zu erfahren die hier gar nicht alle aufgezählt werden können

Nur soviel: Wem fallen schon die Schwurhände des gekreuzigten Christus auf oder wer weiß, daß der eingemeißelte Totenkopf den, durch den  Tod von Jesus erlösten Adam symbolisieren soll (Kreuz am Fuchseck)?

An einem sehr alten Feldkreuz an der Sulzbacher Straße machte uns H. Meier auf eine gemeißelte Hasenpfote aufmerksam; nach seinem Urteil ein Hinweis auf den Namen der Stifterfamilie.

Aber auch Fragen blieben unbeantwortet und sind Anregung für künftige Forschung z.B.: Was ist der Grund zur Darstellung eines Lothringer Kreuzes am Sockel des Flurkreuzes im Pfuhl ?

Warum wurden so auffallend viele Feldkreuze um die Jahre 1716 und 1719 aufgestellt ?


Flurkreuz an der Straße nach Sulzbach
Flurkreuz an der Straße nach Sulzbach

Am Ende eines Jahres

pflegt man sich zu bedanken. So ist es Sitte und Brauch seit altersher und auch wir vom Arbeitskreis wollen uns an diese feine Gepflogenheit halten, kurz innehalten und uns erinnern wie viele fleißigen Hände an der Pflege unserer zahlreichen Malscher Kleindenkmale mitgewirkt haben.

Gerade der vergangene, ungewöhnlich heiße Sommer hat uns alle gefordert dafür zu sorgen, so manchen Strauch, so manchen im Frühjahr gepflanzte Blumenstock über Wochen hinweg immer wieder mit Wasser zu versorgen.

Es ist uns ein Bedürfnis an dieser Stelle einmal namentlich Bürgerinnen und Bürger aus unserer Gemeinde nennen zu dürfen, die sich jahraus, jahrein, unserer Kleindenkmale, ganz besonders unseren landschaftsprägenden Feld-und Flurkreuze annehmen. Dies geschieht  meist in aller Stille und ohne großen Aufhebens.

Diese Menschen sind wie ein Bindeglied zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, zwischen unseren Vorfahren, die unter vielen Entbehrungen diese Glaubenszeugnisse gestiftet haben und unseren Nachkommen, welche diese Tradition fortführen mögen.

Feldkreuz von 1872            Durmersheimerweg                        Fa. Hebelwerke

 

Feldkreuz von 1934            Hauptstr./Kaufmannsbrunnenweg  Mathilde Gräfinger

 

Feldkreuz von 1883            Grüne Gärtel                                   Stefan Herzog

 

Feldkreuz von 1885            Muggenst.Str./R.-Wagner-Str.        Fam. Heinrich

 

                                                                                                   Fam. Laubenstein

 

Feldkreuz von 1714            An der L 607 n. Muggenst.             Carola Heinzler

 

Feldkreuz von 1716            Heerweg                                         Fam. Haller

 

Feldkreuz von 1896            Ortsende n. Waldpr.weier              Liesel & Eugen Knam

 

Feldkreuz von 1819            An der L 607 n. Sulzbach              Hilde & Kuno Hartmann

 

Feldkreuz von 1872            Lange Anwendel                            Viktor Abeska

 

Feldkreuz von 1767            Brunnenweg-Pfuhl                         Veronika Kühn

 

                                                                                                  Johanna Hitscherich

 

Feldkreuz von 1844            Bahnübergang                                Veronika Kühn

 

Feldkreuz von 1878            Am Federbach                                August & Maria Lang

 

Feldkreuz von 1818            In der Haft                                       Anna Lang & Angelika Becker

 

Feldkreuz von 1801            Jahnstr.                                           Edeltraut & Kurt Kassel 

 

Lourdesgrotte                     St. Cyriak                                        Hedwig Gräßer 

Bildstock                            Beginn Heerweg                              Resel Bechler         


Etwas über die Flur- und Steinkreuze unserer Gemeinde

Die Vorläufer der auf unserer Gemarkung so zahlreich anzutreffenden Feldkreuze sind die unscheinbaren Steinkreuze, im Volksmund auch Pest-, Sühne- oder Schwedenkreuze genannt. Die meisten von ihnen stammen aus der Zeit des 15. und 16. Jhd. Von diesen, meist tief eingesunkenen und oft kaum kniehoch aus dem Boden ragenden Kleindenkmalen sind ein Großteil aus dem Landschaftsbild verschwunden. In Malsch sind, einschließlich aller Ortsteile nur noch drei dieser Kleindenkmale vorhanden.

Die ab dem 17. Jhd. gestifteten, hoch aufragenden Feld- und Wegkreuze treffen wir in traditionell katholischen Landstrichen an.

Die Menschen damals hatten keinen Einfluss darauf in welche Kirche sie gingen. Die Religion bestimmte der Landesherr.

Während die evangelischen Christen Gott durch Gebet, Lied und das Bibelwort verehrten, wollten und wollen die Katholiken weiter noch ihren Glauben durch Symbole  z. B. durch Bildstöcke und Kreuze ausdrücken.

Die Gründe, die zur Kreuzstiftung geführt haben, die persönlichen Verhältnisse der Stifterfamilien und die das Werk ausführenden Steinmetze liegen oft im Dunkeln. Dies trifft besonders bei den frühen Kreuzen zu. Von einigen anderen aber, vor allem aus dem 19. Jhdt. ist uns noch Einiges überkommen.  So ist anzunehmen, dass viele Kreuze unserer näheren Heimat von den Bildhauern Gebstein aus Baden-Baden-Lichtental, Kern von Ettlingen und Herbstrith aus Niederbühl angefertigt wurden.

 

Die Kosten für ein Hochkreuz betrugen um 1850 etwa 120 bis 170 Gulden. Was der Gulden in der damaligen Zeit wert war, kann man daran erkennen, dass z. B. der Monatslohn eines Schreiners 3 bis 5 Gulden betrug. Daß bei manchen Stiftern aber auch schon damals gespart wurde sieht man daran ob die Inschrift eingemeißelt oder nur mit Farbe aufgemalt wurde.

Übrigens steht das älteste Hochkreuz des Landkreises Karlsruhe in Malsch-Waldprechtsweier beim Rathaus. Es stammt aus dem Jahre 1600 und wurde erst vor kurzem von dem aus Malsch stammenden Steinmetz W. Grimm erneuert


Etwas von Denkmalschmierern und über die menschliche Dummheit

Es gibt Dummheiten und Albernheiten jeglicher Art; die spielen sich in der Ferne ab und berühren uns dann weniger schmerzhaft, doch um so schlimmer fühlt man den aus den Fugen geratenen Zeitgeist wenn man, wie jetzt an einem unserer alten Feldkreuze auf unserer Gemarkung geschehen, die dort angebrachten Schmierereien sieht.

(Das Pfuhlkreuz wurde 1767 vom damaligen Stabhalter (Bürgermeister) Philip Gräßer gestiftet, ist sehr aufwendig und schön gestaltet und trägt als Seltenheit über dem Namen des Stifters ein angedeutetes Lothringer Kreuz).

 

Wie haben sich die Zeiten und mit ihr die Beliebigkeit von Moral und ethischem Empfinden geändert ! Was noch vor weniger als einer Generation für (berechtigte ) Entrüstung gesorgt hätte, wird heutzutage mit einem gleichgültigen Schulterzucken abgehandelt.

 

Gleichwohl kann man stolz sein auf den überwiegend gepflegten Zustand der Flurkreuze unserer Gesamtgemeinde und man soll sich nicht entmutigen lassen, sich auch weiter um den Erhalt und die Pflege unsere Kleindenkmale zu sorgen.

 

Ein kroatisches Sprichwort besagt: „Gott sitzt hoch, aber er sieht weit“ und von

 

Albert Einstein ist überliefert, dass er sinngemäß einmal gesagt haben soll:

„Zwei Dinge scheinen sicher zu sein: Die Unendlichkeit des Weltalls und die menschliche Dummheit; doch beim Weltall habe ich noch Zweifel“.

 

Vermutlich während den Pfingstfeiertagen hat man am sogenannten „Pfuhlkreuz“, am Brunnenweg zwischen Papierfabrik und Bundesstraße B3,  Schmierereien angebracht die so sehr in den Sandstein eingedrungen sind,     dass  sie mit herkömmlichem Abwaschen und Reinigen nicht mehr zu entfernen sind.

 


Das Zimmer´sche Kreuz und der menschlichen Dummheit zweiter Teil

 

Es sind nun nahezu zwei Jahre vergangen als wir an dieser Stelle über die Schmierereien am sogenannten Pfuhlkreuz beim Brunnenweg berichteten; das war sozusagen der menschlichen Dummheit erster Teil.

Doch gibt es offensichtlich auf dieser Welt keine Torheit die nicht durch eine noch größere übertroffen werden kann.

 

Sei es aus Übermut, Gedankenlosigkeit oder hohlköpfigem Halbstarkengebaren wurden der Figur des gekreuzigten Christus am Zimmer´schen Kreuz an der Straße nach Völkersbach nahe der Einmündung zum Kaufmannsbrunnen die Beine abgeschlagen und weitere Beschädigungen ausgeführt.

Doch keine Lichterketten, kein medial inszenierter Aufschrei, keine Betroffenheitsrituale wie bei anderer Gelegenheit gewohnt, fanden statt. Seit nahezu einem viertel Jahr schaut der zerstörte Herrgott nun herunter auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge und sicherlich auch auf die Schwachköpfe denen solch eine Tat eingefallen ist.

 „Vom Übermut zum Frevel ist der Weg nicht weit“ hat ein kluger Mann einmal gesagt (Carl Spitteler). Welche pädagogischen Lehren mag ein Heranwachsender aus all dem ziehen? Doch offensichtlich die, dass man für einen angerichteten Schaden nicht unbedingt gerade stehen muss und zur Wiedergutmachung verpflichtet ist. (Abgesehen davon, dass außer der materiellen Zerstörung auch religiöse Gefühle verletzt werden, die trotz der ausgeprägten Säkularisation unserer Gesellschaft immer noch vorhanden sind).

Was bleibt, sei den Verantwortlichen zur inständigen Ermahnung ins Stammbuch geschrieben:

„Gottes Mühlen mahlen langsam,
mahlen aber trefflich klein;
ob aus Langmut er sich säumet,
bringt mit Schärf´ er alles ein.
(Logau, Sinngedichte)

Doch soll nicht versäumt werden, einiges Wissenswertes über die Geschichte dieses gar nicht so alten Wegkreuzes zu berichten. Errichtet wurde es erstaunlicherweise während der Zeit des dritten Reiches  was manchen Zeitgenossen überraschend mag, und zwar im Jahre 1934.

Papst Pius XI. verkündete damals vom April 1933 bis zum 2. April 1934 ein außerordentliches Heiliges Jahr. Eben diese Tatsache geht auch aus der Inschrift hervor die am Sockel des Wegkreuzes angebracht ist: Auf der Vorderseite  lautet sie:

Wir beten dich an Herr Jesus Christus
Und preisen dich
Denn durch dein hl. Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Auf der Rückseite lesen wir:
Im hl. Jahr 1934 errichtet aus Dankbarkeit, zu Gottes Ehr,
der Nachwelt zur Lehr
von Anton Zimmer und seiner Ehefrau Theresia, geb. Fauth.

Interessant ist auch der Anlass der zur Errichtung dieses Kreuzes geführt hat. Es war die Dankbarkeit, die den Müller der oberen Mühle zu dieser Stiftung veranlasst hat. Die Dankbarkeit, dass ihm elf (!) gesunde Kinder geboren worden waren und er ein gutes Auskommen mit dem Betrieb seiner Mühle hatte.

Übrigens hat es auf Grund von Straßenbaumaßnahmen in den letzten 70 Jahren schon dreimal seinen Standort wechseln müssen was aber immer ohne Beschädigung vonstatten ging.

Dankbar wollen wir auch sein, dass Frau Mathilde Gräfinger, geb. Zimmer, die Enkelin des Stifters sich schon seit Jahrzehnten um die Pflege und den Erhalt des Kreuzes kümmert. Dafür ein aufrichtiges „Vergelt´s Gott!“.



Grenzstein aus dem Jahre 1702
Grenzstein aus dem Jahre 1702

Ausstellung „Kleindenkmale in Malsch“ im Malscher Rathaus
Nach dreiwöchigem Verlauf wurde die Ausstellung
In Stein gehauen, aus Stein geformt – Kleindenkmale in Malsch
am 16. November 2007 geschlossen.

Es war keine spektakuläre Schau, doch vielleicht gerade in ihrer bescheidenen Aufmachung lag ein Reiz, der erfreulicherweise von vielen Malscher Bürgern mit einem Besuch honoriert worden ist. Ein Stück „Heimat“ sollte gezeigt werden und diese Absicht ist offensichtlich angekommen. 

Dafür wollen wir uns recht herzlich bei allen Besuchern aufrichtig bedanken.

Unser Dank gilt natürlich auch der Gemeindeverwaltung, die uns, neben mannigfacher Unterstützung, mit den Räumlichkeiten des Rathauses,  das Forum zur Ausstellung anbot, sowie Herrn Bürgermeister Himmel, der es sich nicht nehmen lies, die Ausstellung persönlich zu eröffnen.