Krieg vor Ort

1939:

3. Sept.:

Um 6.00 Uhr hat der Krieg begonnen. Das Schicksalsrad rollt, aber wie wird alles enden?

 

4. Sept.:

Räumung von Rastatt und Orten am Rhein

 

15. Sept.:

Der Beschuss von französischer Seite blieb aus.

 

19. Sept.:

Ende des Polenkrieges. Die Freude ist gedämpft durch die Meldung der ersten Gefallenen. Wie furchtbar, dass noch einmal unsere Jugend in einem Krieg verbluten muss.

 

28. Sept.:

Vertrag mit Russland. Wer hätte das gedacht?

 

28. Dez.:

Erste Kriegsweihnacht. Berge von Päckchen gehen an die Front. Die Rheinbunker sind alle belegt.

1940:

20. Jan.:

Welche Kälte! Der Rhein zugefroren!

 

15. März:

Malsch erstmals ohne Soldaten. Die Heere am Rhein lie­gen sich fast ohne Schuss gegenüber.

 

9. April:

Dänemark und Norwegen werden besetzt.

 

10. Mai:

Schwere Kämpfe an der Westgrenze.

 

17. Mai:

Von Hagenau aus wurde Rastatt beschossen. Nach Malsch kamen 278 Leute aus Plittersdorf.

 

28. Mai:

Überm Rhein sind schwere Kämpfe im Gange. Ein bren­nendes, elsässisches Dorf erhellt die Nacht. Wie furchtbar ist der Krieg!

 

22. Juni:

Der Krieg mit Frankreich ist zu Ende.

 

6. Juli:

Wir machen wieder Soldatenpäckchen. (834)

 

17. Sept.:

Bombenangriffe auf England - aber auch bei uns werden Städte mit Bomben belegt.

1941

1. Dez.:

Ein Jahr ist wieder vergangen. Viel Leid ist über Deutsch­land gekommen. Schlimm war der Balkankrieg. Als der Krieg gegen Russland verkündet wurde, waren wir alle wie gelähmt.

1942:

Jan.:

Am 2. Weihnachtsfeiertag Aufruf zu einer großen Pelz- und Wollsammlung. Nun wussten wir, dass unsere Soldaten tatsächlich schutzlos dem russischen Winter preisgegeben sind. Tausenden von Soldaten sind Hände und Füße erfroren.

 

30. April:

Die Todesnachrichten häufen sich.

 

4. Mai:

Welle um Welle der feindlichen Flieger brausen durch die Nacht. Im »Kaiser« wird ein allgemeiner Luftschutzkeller gebaut.

 

2.Sept.:

Das 4. Kriegsjahr beginnt. Viele Opfer mussten gebracht werden, aber noch viele werden folgen. Möge unser Dorf auch weiter unter Gottes Schutz stehen.

 

3. Sept.:

Karlsruhe in Flammen. Im Keller spürten wir das Erzittern der Erde beim Einschlag der Bomben.

 

9. Sept.:

Die schönen Weinbrenner-Häuser sind zerstört. Wer beschreibt das Elend in den Wohnvierteln. Tausende haben Hab und Gut verloren, viele flüchten nach Malsch. Alle Wirtssäle sind mit Möbeln gefüllt.

 

15. Okt.:

Tag der Toten - Malsch in tiefer Trauer. Kaum ein Tag ohne Todesnachricht und immer neue Opfer.

 

6. Dez.:

Am Nikolaustag gegen 8.00 Uhr ertönt die Sirene. Entlang der Berge standen die Leuchtbomben, auch                       »Christbäume« genannt. Ganz nahe bei Malsch fielen die Brandbomben in Wiesen und Gärten, über 1200.

1943:

Febr.:

Der Name Stalingrad schließt alle Trauer, Sorge und alles Grauen in sich ein. Weihnachten: Fliegerangriffe, Deutschlands Städte in Trümmer, Rückzüge überall. Die Sorge drückt zu schwer auf das Herz, als dass man sich zu einer Niederschrift der Ereignisse aufraffen könnte.

1944:

Silvesterabend:

Dieses fünfte Kriegsjahr war furchtbar. Der Glaube an einen guten Ausgang ist erloschen. Die Todesnachrichten häuften sich in unserem Dorf, schwere Opfer, die umso schwerer zu ertragen sind, als man ihre Sinnlosigkeit erkennt. Die Heimat wurde mit einem Bombenhagel überschüttet. Durch zwei Angriffe wurde in Karlsruhe alles, was schön und kulturell wertvoll war, zermalmt. In den Straßen versperren die Trümmerberge den Weg, und gespenstig klaffen die leeren Fensterhöhlen der ausgebrannten Häuser. So wie Karlsruhe liegen auch Mannheim, die wundervolle Altstadt von Frankfurt und viele andere deutsche Städte in Trümmern. An einem Septembersonntag traf auch Gaggenau das furchtbare Geschick. Und wer könnte jene Nacht vergessen, in der auch Pforzheim ausgelöscht wurde. Die -Geschwader der feindlichen Flieger donnerten über die Dächer von Malsch. Das Getöse war so furchtbar, dass alles in die öffentlichen Luftschutzkeller floh, um dem Lärm zu entgehen. Dann stiegen im Osten die Feuersäulen hoch und blutigrot färbte sich der Himmel. Unter den berstenden Mauern Pforzheims wurden viele tausend Menschen begraben. Viele Stunden hatte man 1944 im Keller verbracht. Nicht selten erklang 2 bis 3 mal nachts das Sirenengeheul. 1944 war wohl die traurigste Kriegsweihnacht, die wir erlebten und in der Silvesternacht dröhnte der Donner der Kanonen. Der westliche Himmel ist rot-weiß geflammt vom Widerschein der Abschüsse. Die Gedanken wandern zu unseren deutschen Soldaten, die sich verzweifelt wehren. Man weiß aber: Der Untergang ist gewiss und der Gedanke lässt uns erzittern. Wie mag dieses bittere Ende aussehen?

 

Eine »Presseschau« der vergangenen Wochen lenkt unsere Erinne­rung vielfach zurück auf ein zentrales Thema jener letzten Tage vor dem Untergang des sog. »Dritten Reiches«. Die Bombardierung deutscher Städte, besonders der uns nahen Stadt Pforzheim. Ein Ereignis, das in der Nacht zum 23. Februar 1945 auch an der Malscher Bevölkerung nicht spurlos vorüberging, sondern auch bei uns Angst und Schrecken verbreitete. In einer ihrer letzten Kriegstagebucherinnerungen (DG 206) berichtet Lore Ernst hierüber:

Das letzte Kriegsjahr war furchtbar. Der Glaube an einen guten Aus­gang ist erloschen. Die Todesnachrichten häuften sich in unserem Dorf, schwere Opfer, die umso schwerer zu tragen sind, als man ihre Sinnlo­sigkeit erkennt. Die Heimat wurde mit einem Bombenhagel überschüt­tet. Durch zwei große Angriffe wurde in Karlsruhe alles, was schön und kulturell wertvoll war, zermalmt. In den Straßen versperren die Trüm­merberge den Weg, und gespenstig klaffen die leeren Fensterhöhlen der ausgebrannten Häuser. So wie Karlsruhe liegt auch Mannheim, die wundervolle Altstadt von Frankfurt und viele andere deutschen Städte in Trümmer. An einem Septembersonntag traf auch Gaggenau das furcht­bare Geschick. Mit Entsetzen hörte man das Einschlagen der Minen, sah man die Rauch- und Staubwolken hochsteigen. welche den Him­mel für Minuten verdüstern. Das Ausmaß des Elends erfuhr man erst im Laufe des Tages. Und wer könnte je jene Nacht vergessen, in wel­cher Pforzheim ausgelöscht wurde. Die Trümmer der Stadt wurden zu einem riesigen Hügel angehäuft. der - heute noch von weitem sicht­bar - im Volksmund die Bezeichnung »Monte Scherbelino« trägt.

 Das weiße Licht einer Vollmondnacht lag über unserem Dorf, als die Geschwader der feindlichen Flieger über die Dächer von Malsch don­nerten. Sie flogen so tief, dass man sie mit dem bloßen Auge als dun­kle Riesenvögel erkennen konnte. Das Getöse war so furchtbar, dass alles in die tiefen öffentlichen Luftschutzkeller floh, nur um dem ner­venzerrüttenden Lärm zu entgehen. Der Vorüberflug dauerte endlos. Und dann stiegen im Osten die Feuersäulen auf. Blutigrot färbte sich der Him­mel und unter den berstenden Mauern Pforzheims wurden viele tausend Menschen begraben. Wie viele Stunden hatte man in diesem Jahr in den Kellerräumen verbracht. Nicht selten erklang zwei bis drei Mal das ner­venaufpeitschende Heulen der Sirenen in der Nacht, und wie oft traf uns der grauende noch im Kellern