Bäckereien

Bei der näheren Betrachtung dieser Gruppe fällt auf, dass es früher bis zu 15 Bäckereien gab. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass in den meisten Häusern vor allem Brot doch selber gebacken wurde. Oft wurde zwar zuhause der Teig gemacht, um dann das Brot in einem Bäcker-Backofen backen zu lassen.

Und noch etwas fällt auf:

Nur von dreien der alten Beäckereien wissen wir mit Sicherheit, dass sie aus alten Malscher Geschlechtern abstammen, nämlich dä Kastnorbegg, dä Balzorbegg unn dä Hitschorichbegg. Alle anderen sind, früher oder später, von auswärts nach Malsch zugezogen. Und alle haben sie in Malsch, bis in die Neuzeit hinein,  ihr „Brot“ verdient.

Bäckerei Werthwein

Trudel Werthwein hinter der Ladentheke
Trudel Werthwein hinter der Ladentheke

Geschichte der Bäckerei Werthwein, von Donald Werthwein:

Karl (Karlo) und Trudlinde (Trudel) Werthwein aus Karlsruhe kannten Malsch schon recht gut. Vor allem Trudlinde hatte sich bereits vor dem Krieg oft in Malsch bei Verwandten aufgehalten, dem Ehepaar Pottiez, den Besitzern der Ziegelei am Bergwald. Während des zweiten Weltkriegs und auch danach hatte sie als Kunstgewerblerin im Waldhaus in der Mal- und Schnitzwerkstätte gearbeitet. So war es keine Überraschung, dass Karl, als er die Chance hatte das Café Fritz in Malsch zu pachten, zugriff, um sich selbständig zu machen. Er war 25 Jahre alt. 

 

Von Anfang an waren Cafébetrieb und Absatz von Konditoreiwaren erfolgreich. Was weniger gut ging, war der Verkauf von Brot und Backwaren. Das hatte natürlich Gründe. Die meisten Malscher waren mit einem der damals zahlreichen Bäcker im Ort verwandt und kauften selbstverständlich dort ein. Hinzu kam, dass Karl evangelisch war, das hatte in einem katholischen Dorf zu jener Zeit noch eine gewisse Bedeutung. Dadurch ließ sich Karl aber nicht entmutigen. Er war von der Qualität seiner Backwaren überzeugt und behielt den hohen Standard seiner Produkte bei. Dies allein genügte schon, um seinen Kundenstamm zu erweitern. Noch viel wichtiger scheint aber, dass Karl ein sehr geselliger Mensch war. Er begegnete jedem Menschen ohne Vorurteile, war hilfsbereit und hatte immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Wen wundert es, dass er rasch im Malscher Vereinsleben auftauchte. Als ehemaliger Badisch-Elsässischer Jugendmeister im Boxen zog es ihn natürlich zum damals sehr regen Malscher Boxsport hin. Er wurde auch Mitglied im Schützenverein sowie dem  Hundesportverein, dem er ein Leben lang verbunden blieb. Mit großer Begeisterung wirkte er in der GroKaGe mit. Er tanzte im Landgrabenballett und gehörte zum Elferrat. Diese und weitere Aktivitäten führten dazu, dass „Karlo“ Werthwein sehr bald von den Malschern akzeptiert wurde.  Dem Umsatz in seinem Geschäft hat es auf jeden Fall nicht geschadet. 

 

Gewerbeanmeldung und Geschäftsumschreibung

Zu Beginn des Jahres 1957 konnte Karl mit seiner Leistung zufrieden sein. Im Nebenzimmer seines Cafés lief Malschs erster öffentlicher Fernseher, seine Schwarzwälder Kirschtorte hatte nahezu Kultstatus, sein Konditoren-Eis (Zitroneneis nur mit Zugabe von Sekt hergestellt) hatte im vergangenen Sommer Rekordumsätze erzielt und er überlegte sich, ob er nicht einen zweiten Gesellen einstellen sollte.  

 

Doch dann sollte alles anders werden. Karls Ehefrau litt plötzlich unter heftigen Asthma-Anfällen, die in immer kürzeren Abständen erfolgten. Der Hausarzt Dr. Eberhard Essig fand schließlich die Ursache. Die Bäckerei in der Hauptstraße 145 war in baulich schlechtem Zustand, das Druckwasser aus dem ansteigenden Gelände hinter dem Gebäude hatte die Wände durchfeuchtet und zu Schimmelbefall geführt. Im Haus steckte der Schwamm, wie man damals sagte. Das Ehepaar war fassungslos, als Dr. Eberhard Essig prophezeite: „Noch ein Jahr in diesem Haus, Karl, und wir können deine Frau auf dem Friedhof besuchen.“  

 

Innerhalb kürzester Zeit musste Karl nach einer Alternative für sein Geschäft Ausschau halten. Nach einigen Wochen Suche von Karlsruhe bis zum Bodensee wurde er in Palmbach fündig. Dort konnte eine Bäckerei gepachtet werden mit einer Option zum Kauf des Gebäudes.

 

Am 21. September 1957 meldete er seinen Betrieb in Malsch ab und eröffnete am dritten Oktober die Bäckerei in Palmbach. Doch schon nach bald wurde ihm klar, dass die Besitzerin das Gebäude überhaupt nicht verkaufen wollte beziehungsweise den Kaufpreis ständig in die Höhe trieb. Trost fand man damals bei den häufig aus Malsch anreisenden Freunden und Bekannten, die den doch recht langen Weg nach Palmbach nicht scheuten, um Karlo und Trudel zu besuchen. Trudlinde ging es zu dieser Zeit schon etwas besser, die Asthma-Anfälle kamen in längeren Abständen und waren nicht mehr so heftig.  Anfang 1958 brachten Malscher Besucher dann die Nachricht, dass die Bäckerei Gräßer in der Kreuzstraße  zum Verkauf angeboten würde. Frau Hörmann, die Besitzerin, hatte sich entschlossen, das Haus zu verkaufen. Es begann eine hektische Zeit. In wenigen Wochen wurde alles geregelt, und schon vor Ostern 1958 konnte die Familie in der Kreuzstraße 3 einziehen. 

 

Karl und Trudel Werthwein
Karl und Trudel Werthwein

Karls Wunsch, in der Kreuzstraße wieder ein Café zu eröffnen wurde jedoch nie erfüllt. Die zuständige Behörde genehmigte den Betrieb nicht, weil in den dazu vorgesehenen Räumen die vorgeschriebene Deckenhöhe um wenige Zentimeter unterschritten war. Die erforderlichen Umbaumaßnahmen, um die Decken zu erhöhen, konnte sich Karl nach dem Kauf der Bäckerei nicht mehr leisten. Kapital hatte auch der Umbau des Verkaufsraums verschlungen. Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, aber die Kreuzstraße war eine der Hauptverkehrsadern durch Malsch. Von Sulzbach kommend führte die Verbindung nach Muggensturm von der Kelter zur Kreuzstraße, über die Hauptstraße und die Ochsenbrücke zur Muggensturmer Straße. Der Verkehr im und durch den Ort nahm ständig zu, und die Kreuzstraße war noch in beide Richtungen befahrbar. Kunden, die die Bäckerei verließen, mussten von einer Treppe im Laden direkt auf die Straße treten, was im starken Verkehr in der Kreuzstraße äußerst gefährlich war. Aus diesem Grund wurde dieser Eingang vermauert und der Zugang zum Laden auf die Seite des Hauses verlegt. Dazu wurde das Hoftor, das sich direkt an der Straße befand, etwa zwei Meter tiefer im Hof eingebaut. Durch den Absatz an der Treppe gab es nun kein Gedränge mehr beim Zutritt oder Verlassens des Ladens. Ein weiterer Vorteil bestand in der Möglichkeit, nun vor dem Geschäft zu parken.  

 

Aus dem Café Werthwein war die Bäckerei und Konditorei Werthwein geworden. Weiterhin wurden hochwertige Torten, selbst hergestelltes Speiseeis und alle erdenklichen Backwaren angeboten. Ein neuer Kundenstamm konnte in der Kreuzstraße auch dazugewonnen werden: Die Kinder auf dem Weg zur Kinderschule versorgten sich in der Bäckerei mit ihrem Vesper. Der Umsatz an Bretzeln, Laugenwecken und Schneckennudeln stieg merklich.

 

Damals war der Verkauf von saisonalen Produkten noch stark von bestimmten Tagen abhängig. Neujahrsbrezeln konnte man nur an Silvester anbieten, Berliner gab es nur vor Fastnacht, Osterlämmer gingen nur am Ostersamstag gut, Dambedeis wurden ausschließlich  am Nikolaustag verkauft und erst dann kamen Weihnachtgebäck, Stollen und Früchtebrot in die Auslage.  

 

Die 60er Jahre brachten neue Herausforderungen. In den 50er Jahren hatte kaum jemand daran gedacht, dass gut zu essen ein Problem werden könnte. Aber nun begann man, auf seine schlanke Linie zu achten. Der Umsatz von Buttercremetorten sank rapide, der Verkauf von Schlagsahne ging extrem zurück. Obstkuchen und leichtere Käse-Sahnetorten wurden mehr nachgefragt.  

 

Die Arbeit im Sommer wurde für die Malscher Bäcker nun stärker zur zeitweiligen Belastung. Auch sie hatten entdeckt, dass sie ein Recht auf Urlaub hatten. Man sprach sich zwar untereinander ab, um wie andere in den sonnigen Süden ziehen zu können, aber die zurückgelassene Kundschaft stand Schlange vor den noch offenen Geschäften. In der heißesten Jahreszeit liefen die Öfen auf Hochtouren. Wen wundert es, dass Karl beschloss, seinen Backofen von Kohle auf Ölbefeuerung umzustellen um sich die Arbeit etwas zu erleichtern.  

 

Glück hatte Karl, als er bei einem Ausflug in den Schwarzwald von einer Bäuerin das Rezept für ein besonderes Landbrot erhielt. Die Herstellung war zwar etwas aufwändiger als bei einem normalen Weizenmischbrot, aber sie lohnte sich. Sogar von Karlsruhe kamen Kunden, um sein Schwarzwälder Landbrot zu kaufen. Es blieb bis zur Aufgabe der Bäckerei einer der beliebtesten Artikel im Angebot. Mindestens genauso beliebt waren allerdings seine Schokoladebananen, mancher Malscher träumt heute noch davon.

 

Anfang der 70er Jahre führten steigende Energiekosten dazu, dass sich der alte Ofen nicht mehr rechnete. Der gemauerte Ofen brauchte lange Vorheizzeiten und war sehr bedienungs- und wartungsintensiv. Tagelang ruhte der Ofen zum Auskühlen, bevor man ihn abreißen konnte, und selbst dann mussten Handschuhe getragen werden, weil das Mauerwerk noch heiß war. Ein bedienungsfreundlicher, moderner Stahlofen trat an seine Stelle. 

Ein Teil der Backstube
Ein Teil der Backstube

Ab Mitte der 1970er Jahre begannen für die Bäckerei Werthwein schwierige Zeiten. Die Konkurrenz durch Supermärkte wurde immer spürbarer und die mobil gewordenen Malscher kauften auch außerhalb des Ortes ein. 1976 erlitt Karl einen Herzinfarkt und das Geschäft blieb fast ein Jahr geschlossen. Als Karl 1977 die Bäckerei nach seiner Genesung neu eröffnete, war die treue Stammkundschaft allerdings sofort wieder im Laden. 

In den folgenden Jahren hatte Karl aber mit weiteren Problemen zu kämpfen. Einerseits war die Kreuzstraße zur Einbahnstraße geworden und nur noch von der Friedrichstraße anzufahren, andererseits führten zahlreiche Straßenarbeiten sowie Neu und Umbauten in der Nachbarschaft immer wieder zu langen Totalsperrungen der engen Straße. Manche Kunden nahmen den Fußmarsch auf den „Schwanenbuckel“ nicht mehr in Kauf und blieben weg. Die Folge war ein Umsatz, der gerade noch ausreichte, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Im Jahr 1990 beschlossen Karl und Trudlinde, den Betrieb endgültig aufzugeben und in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Die Bäckerei Werthwein auf dem Schwanenbuckel in der Kreuzstraße war Geschichte. Karl achtete allerdings darauf, dass sein Backofen praktisch bis zu seinem Tod Im Jahr 2009 funktionstüchtig blieb.


Bäckerei Lefrank

dä Beggä-Done: Sein Name war Anton Lefrank, und er war der Großvater vuns Bändors Flora in der Hauptstraße. Auf alten Bildern erkennt man noch die große Eingangsstaffel vor dem Haus, das ja erst kürzlich dem „Fortschritt“ weichen musste. Der Backbetrieb wurde aber bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt.

 


Bäckerei Löb

dä Schlämmor-Begg hieß offiziell Ferdinand Löb, war Jude und musste als solcher im Zuge der Judenverfolgung im dritten Reich seinen Betrieb einstellen. Uns Buben denkt aus jener Zeit aber noch, dass es bei ihm besonders feine Matzen gegeben hat, insbesondere in den jüdischen „Tagen der ungesäuerten Brote“. Und seine Schneckennudeln waren auch nicht schlecht. Der Laden befand sich dort, wo später d’Hoinorich-Gärtnorn ihren Berieb einrichtete.

 


Bäckerei Heinzler

dä Hoinzlor-Begg: Seine Bäckerei befand sich in dem kleinen Gässchen zwischen Adlerstraße und dä Hohl, also fast hinter der Arztpraxis Dr. Götz.  Anselm Heinzler musste das Backen  noch in den 20er Jahren wegen einer Mehlstauballergie, ganz besonders aber auch wegen neuer Konkurrenz im Neudörfel, durchs Mayorbeggä, einstellen. Seine 10 Kinder ernährte er später dann durch langjährige Tätigkeit als Feldschütz. 1869 in Sulzbach geboren, starb er 87jährig in Malsch.

 

 


Bäckerei Hitscherich

s’Hitschorichs-Beggä hatten ihren Laden ebenfalls in der Adlerstraße neben s’Hügle Ferdnonds Friseurgeschäft. Mangels „Nachfolger“ wurde die Bäckerei kurz nach Kriegsende geschlossen. Das schöne Fachwerkhaus  fiel dann in späteren Jahren (leider) einem „modernen“ Umbau zum Opfer.                                           

 

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Bis nach dem 2. Weltkrieg, überlebenden Bäckereien in Malsch:

Bäckerei Rexer

s,Rexorbeggä: Weiter draußen, also Richtung Bahnhof, gab es früher ja keine Bäckerei, so dass der Betrieb recht gut florierte. Und dies über drei Generationen Der Malscher Stammvater, Wilhelm Rexer, begann den Backbetrieb zusammen mit seiner aus Bühlertal stammenden Ehefrau Karolina schon 1912, aber nicht im längjährigen Stammhaus an der Adlerbrücke, sondern erst einmal im Gasthaus zur Krone, und zwar in einem Seitenbau vum Kronäbuggl her. Er selber kam von Langenbrand bei Pforzheim. Von Anfang hieß sein Motto: „Packen wir’s an“. Dies übertrug sich 1949 dann auch auf seinen Sohn Albert und

 

1973 auf den Enkel Walter, wobei aber deren Ehefrauen Berta und Annemie nicht vergessen werden dürfen. Die Ära „Rexer“ endete erst 2001 mit der Weiterführung des Betriebes durch die Firma Nussbaumer.

Erwähnenswert ist sicher noch, dass Wilhelm seinerzeit oft mit dem Handwagen voller Backwaren sogar nach Sulzbach gezogen ist, um die Menschen dort mangels einer eigenen Orts-Bäckerei mit seinen Erzeugnissen zu versorgen.


Bäckerei Meier

s’Maiorbeggä  kamen anfangs der 20er Jahre nach Malsch, er, Josef, aus Eisental und seine Frau Stephanie, geb. Zink, aus Sachbachwalden. Das Haus im Neudörfel, in dem sie eine Bäckerei einrichteten, war vorher eine Schlosserei vum Maläschdä, genau so, wie ja auch das Anwesen, in welchem die Rexers ihre Bäckerei betrieben.


Nach dem 2. Weltkrieg übernahm dann Sohn Hermann zusammen mit seiner Frau Enma und Tochter Luise die Backstube und den Laden, auch trotz einer erheblichen Kriegsverletzung, bis er dann etwa 1980 altershalber aufhörte. Unvergesslich sein immer mittwochs gebackenes Bauernbrot und die gefüllten Schillerlocken an Jahrmarktsonntagen.


Bäckerei Hörmann

Bäckerei Hörmann 1931       -        Bäckermeister Hörmann
Bäckerei Hörmann 1931 - Bäckermeister Hörmann

s’Hörmonns  auf dem Schwanenbuckel übernahmen 1931 die dortige Bäckerei von Bäckermeister Kretz, der damals nach Ettlingen ging. Adolf Hörmann wie auch seine Frau Friedel kamen aus Zweibrücken und führten den Betrieb erfolgreich weiter, bis Adolf 1940 als Soldat in den Krieg musste. Ende 1944 aus dem Lazarett (sehr krank) nach Hause entlassen durfte er dann wenigstens daheim im August 1945 sterben.

 

Ab 1947 wurde dann die Bäckerei von Walter Soller und seiner Frau Hedwig, geb. Glastetter, später  von Karl Gräßer und seiner Frau Maria, geb. Kühn, und anschließend, als dieser die Bäckerei Fritz übernahm, von Karl Werthwein zusammen mit seiner Frau Trudlinde, geb. Boppel bis fast in unsere Tage weitergeführt.

 


Bäckerei Melcher

Stefan Melcher   - Tochter Maria und Ehefrau Emma (Tür)
Stefan Melcher - Tochter Maria und Ehefrau Emma (Tür)

s’Melchorbeggä:  Der erste bekannte Melcherbeck kam aus Oberweier, hieß mit Vornamen Eduard und wurde von den Malschern daher kurz und bündig dä Eddäbegg genannt. Er   betrieb seine  Bäckerei in der Hauptstraße, fast gegenüber dem früheren Gasthaus Rössel. Aus seiner Ehe mit der Malscherin Helena Kühn entsprossen zwei (uns bekannte) Kinder, sein Sohn und Nachfolger Stefan und dessen Schwester, die später dann auch einen Bäcker, nämlich den Hitschorichbegg, grad gegenüber auf der anderen Bachseite, heiratete.          

Melchers Sohn Stefan erlernte zwar auch das Bäckerhandwerk,, jedoch trieb es ihn erst einmal hinaus in die weite Welt. Und man soll es kaum glauben: Er suchte sein Glück bei Goldgräbern in Afrika. Mal wieder daheim auf Urlaub lernte er im Gasthaus Adler die aus Sachbaldwalden stammende  Emma Bohnert kennen, verliebte sich in sie, heiratete sie, und blieb in Vaters Backstube, auch bald als Nachfolger.

Mangels männlicher Nachkommen mussten die beiden Töchter im Betrieb oft mithelfen, Maria viel in der Backstube beim Vater, Friedl mehr im Laden bei der Mutter. Und so sind die Melchorbeggä vielen älteren Malschern heute noch in guter Erinnerung.


Bäckerei Fritz

Bäckerei, davor Eltern und Sohn Richard 1930, Café um 1939
Bäckerei, davor Eltern und Sohn Richard 1930, Café um 1939

s’Fritzäbeggä : Kurz nach dem ersten Weltkrieg kaufte Bäckermeister Emil Fritz aus Plittersdorf zusammen mit seiner Frau Elisabeth, geb. Siedler aus Malsch, ein Haus in der Hauptstraße  und baute  im Erdgeschoss  eine Bäckerei ein. In den dreißiger Jahren wurde in den oberen Räumen auch noch ein Café  eingerichtet. Sohn Emil, heute ein anerkannter Kunstmaler, brachte seine künstlerischen Fähigkeiten bei der Gestaltung der Räume  mit ein. Sein Bruder Richard erlernte bei seinem Vater das Bäckerhandwerk und bediente sonntags im Café die legendäre Eismaschine. Die Leute brachten dazu die Zutaten für das köstliche Eis meist selbst mit. Besonders an Fastnacht , beim Kappenabend, war immer viel los. Die ältere Schwester Hilda hatte dann immer viel zu tun und wurde dabei später auch von Richards Frau Lina immer kräftig unterstützt. Die beiden halfen aber auch oft im Laden  aus. Noch in den 40er Jahren war das Haus eine gute Adresse zum Feiern.

Leider wurde Mutter Elisabeth noch in den letzten Kriegstagen bei einem Bombenangriff durch Splitter tödlich getroffen. Vater Emil und Sohn Richard führten den Backbetrieb bis etwa 1953  noch weiter, bis sie dann, aus gesundheitlichen Gründen, die Bäckerei an Bäckermeister Karl Gräßer übergaben.

Noch eine kleine Anektode. 1947/48 fuhr Richard auf einem alten, klapprigen Motorrad zusammen mit Robert Kratzmeier viele Abende nach Durlach, um dort Vorbereitungskurse auf die Meisterprüfung zu besuchen. Und dies, obwohl Richard aus dem Krieg mit einem Holzfuß heimgekommen war. Beide haben diese Prüfung dann auch im Juni 1948 bestanden.

 

Bäckerei Kastner

Bäckerei Kastner um 1980 - Bäcker Hermann Kastner Sen.
Bäckerei Kastner um 1980 - Bäcker Hermann Kastner Sen.

s’Kastnorbeggä : Die „Kastner“, ein altes Malscher Geschlecht, unter ihnen einige Vögte, Bürgermeister und auch Ratschreiber. Und ein solcher war sicher auch der Vater von unserem  ersten Kastnorbegg Hermann senior, denn dessen Bäckerei hieß bei den Malschern oft nur dä Ratschreiworbegg. Hermann war mit Barbara Kühn aus Waldprechtsweier, und sein Sohn, ebenfalls Hermann geheißen, war mit Julia Schwab aus Busenbach verheiratet. Die Gründung des Betriebes geht vermutlich noch bis vor 1900 zurück. Der Junior Hermann übernahm dann nach Ende des 2. Weltkrieges die Backstube und den Laden vom Vater, wobei er immer wieder tatkräftige Hilfe, vor allem im Laden, durch seine Schwester Laura Ihli erfahren durfte. Etwa 1965 wurde die Bäckerei altersbedingt geschlossen.

 


Bäckerei Wetzel

Valentin Wetzel mit erster Ehefrau - Rosenstraße - Valentin Wetzel mit zweiter Ehefrau
Valentin Wetzel mit erster Ehefrau - Rosenstraße - Valentin Wetzel mit zweiter Ehefrau

dä Wetzlbegg : Die Bäckerei befand sich in der Rosenstraße, zweites Haus rechts. Der erste Malscher Wetzel, Bertold mit Vornamen, kam aus Kuppenheim. Die Zeit ist leider nicht bekannt.  Dieser übergab den Betrieb später an seinen Sohn Valentin, den alte Malscher mit Sicherheit noch kennen. Dessen erste Frau, Carolina Hitscherich, brachte sechs Kinder zur Welt. Nachdem sie gestorben war, heiratete Valentin ein zweites Mal, diesmal  Anna Hornung. Und an diese Frau erinnern sich bestimmt auch noch viele. Unter den noch folgeneden Kindern war zwar auch ein Bube, Sohn Emil, der später aber dann aus gesundheitlichen Gründen den Bäckerberuf leider nicht ausüben konnte. Daher wurde dann die Bäckerei nach dem Krieg bis 1948 anderweitig verpachtet, bis sie dann Jahre später endgültig zugemacht wurde.

 

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass Valentins erste Frau während der Abwesenheit ihres Mannes als Soldat im  ersten Weltkrieg, der Not gehorchend, selber Brot gebacken und im Laden auch verkauft hat.

 


Bäckerei Reichert

s’Reichertsbeggä : Der Betrieb befand sich in der Römerstraße, gegenüber vom Sodorwassorle Kastnor. Der Gründer hieß Vinzenz Reichert und kam aus Waldprechtsweier. Er übernahm eine dort schon befindliche Bäckerei von Bäckermeister Raber, der sich dann in Gernsbach niederließ. Der Übergang auf Vinzenz Reichert, ein Mann mit herrlichem Doppelspitzbart, vollzog sich 1929. Wann dieser dann seinem Sohn Fritz den Betrieb übergab, konnten wir leider nicht herausfinden, ebensowenig, wann Fritz den Backbetrieb nach dem Krieg dann endgültig einstellte.

 

Erwähnenswert vielleicht noch, dass im gleichen Anwesen zur Zeit der Rabers Lore Ernst gewohnt hat. Und sie hat sich nach Aussage einer Raber-Tochter damals ganz herzlich und liebevoll um die Raberkinder gekümmert. Auch  d a s  war unsere Lore Ernst !

 


Bäckerei Dietz

Bäckerei Dietz, ca. 1935
Bäckerei Dietz, ca. 1935

s’Dietzäbeggä : Der älteste Malscher Dietz hieß Karl und kam aus Boxberg. Karl blieb vermutlich während der damals obligatorischen dreijährigen Gesellen-Wanderschaft bei uns in Malsch „hängen“  und heiratete hier dann seine Frau Balbine Degler aus Geroldsau. Exakte Zeit-Daten waren nicht zu erfahren. Seinem Sohn Pius und dessen Ehefrau Carolina Kunz übertrug er  1896 die Leitung des Backbetriebes. Pius übergab dann die Bäckerei 1936 dem Sohn Josef und dessen Ehefrau Anna Seekircher. Zwischen 1940 und 1948 ruhte der Betrieb, kriegsbedingt. Erst 1974 ging dann die Bäckerei auf deren Sohn Bernhard über, und dies mit großem Erfolg bis auf den heutigen Tag.

Nicht zu vergessen die langjährige und tatkräftige Mithilfe, vor allem im Laden, durch Josefs Schwester Franziska.


Bäckerei Balzer

Hermann Balzer, 1925    -    Luftbild Bäckerei Balzer, 1960
Hermann Balzer, 1925 - Luftbild Bäckerei Balzer, 1960

s’Balzorbeggä : Gründer der Bäckerei war im Jahre 1900 der Bäckermeister Josef Balzer, der Großvater des heutigen Eigentümers Dieter Balzer.Während des ersten Weltkrieges wurde die Bäckerei, da er selbst Soldat war, von seinem Sohn Karl weitergeführt. Nach dem Krieg aber baute Sohn Hermann den Betrieb weiter aus, um ihn schließlich 1935 zusammen mit seiner Frau Rösel Herm zu übernehmen. Unvergessen seine Speiseeis-Produktion in jener Zeit, auch in „Milchkannen“ für seine Kundschaft, Eis mit Eiern, Milch, Zucker und nur natürlichen Aromastoffen! Über die Kriegszeit war das Geschäft zeitweise verpachtet. Nach dem Krieg aber wurde es von Hermann nicht nur fortgeführt, sondern auch modernisiert.

1968 übergab er es dann seinem Sohn Dieter, Konditor- und Bäckermeister,  und dessen Ehefrau Monika Schmitt. Die Bäckerei ist seit einigen Jahren geschlossen. Der Sohn - ebenfalls Bäckermeister - hat zwischenzeitlich in der Haupstraße ein neues Geschäft eröffnet.


Bäckerei Kratzmeier

Karl Kratzmeier 1966, Robert Kratzmeier 1952,  Robert Kratzmeier in der Backstube 1970
Karl Kratzmeier 1966, Robert Kratzmeier 1952, Robert Kratzmeier in der Backstube 1970

s’Kratzmaiors : Karl Kratzmeier kam 1914 von Neibsheim nach Malsch, heiratete die Pauline Hoffart, oine vuns Londls. Noch vor Kriegsbeginn kaufte er von einem in die Römerstraße wechselnden Bäcker, Rudolf Raber, dessen bisheriges Backhaus in der Mozartstraße. Da er von 1914 bis 1918 im Krieg war, konnte er den Backbetrieb erst ab 1918 beginnen. Diesen übergab er dann Ende 1952 seinem 1923 geborenen Sohn Robert, der die Bäckerei mit viel Engagement, ja Idealismus, trotz kaputtgeschossener Hand, bis 1995 weiterführte. Nebenbei war er ja auch viele Jahre Obermeister seiner Bäckerinnung.


Es gab früher aber noch zwei weitere Geschäfte, die zwar keine alltäglichen Dinge, wie Brot, backten, trotzdem aber ganz feine Sachen wie Kuchen, Torten, Pralinen und dergleichen herstellten und verkauften,  unsere Malscher Konditoreien : Friedrich Pfeiffer, bei der ehemaligen Eintrachtbrücke, und Arnold Lorenz, kurz nur s’Arnoldä genannt, neben der Metzgerei Kastner. Der Vollständigkeit halber dürfen diese nicht ganz vergessen werden.