Tankstellen

Tankstellen gibt es ja erst, seit es Autos gibt. Die ersten Tankstellen in Deutschland wurden 1900 errichtet. Die erste Tankstelle in Malsch wurde nicht im Dorf, sondern weit draußen in Neumalsch errichtet. HIer  beginnt auch die Vorstellung:

  • Tankstelle Zimmer
  • Tankstelle Hornung
  • Tankstelle Emil Kühn
  • Tankstelle Richard Maier
  • TankstelleKiefer
  • Tankstelle u. Fahrdienst Ferd. Werner


Tankstelle Zimmer

die erste richtige Tankstelle von 1928 mit Marie beim Betanken eines Motorrades
die erste richtige Tankstelle von 1928 mit Marie beim Betanken eines Motorrades

 

Im Hausgang der heutigen „Schwarzwaldpforte“, im Haus der Eheleute Ludwig und  Marie Zimmer (+1968), stand anfangs lediglich ein kleines Benzin-Fass mit maximal 50 Liter Inhalt, aus welchem von Marie bei Bedarf Benzin in einen Messeimer (än Oimor mimä Schnobä dro) von Hand gepumpt und dann in den Fahrzeugtank geschüttet wurde. Kam mal ein Motorrad und brauchte „Mischung“, dann fügte sie die benötigte Menge Öl dem Benzin erst noch zu und verrührte das Gemisch mit einem Holzstab.

 

So hat das in den 20er Jahren damals begonnen.

Das änderte sich erst, als 1928 die Firma Dabolin vor dem Zimmer-Haus eine Tankstelle mit moderner Hand-Zapfsäule und unterirdischem Tank errichtete.

der Übergang von Standard auf Esse, 1939
der Übergang von Standard auf Esse, 1939

Danach wechselten die Sprit-Lieferanten einige Male. 1939 übernahm Esso von der Firma Standard letztendlich die Spritbelieferung, wie auf dem Foto zu erkennen ist: „Oben“ noch „Standard“ und „unten“ schon „Esso“ zu lesen:  Nachdem Sohn Ludwig (1915-2001) aus Kriegs-gefangenschaft heimgekehrt war, wurde ihm als KFZ-Meister von der Mutter auch die Tankstelle übergebehn. Zusammen mit seiner Frau Maria, geb. Bechler

modernisiert, 1951
modernisiert, 1951

(*1922) führten die beiden dann den Gesamtbetrieb, er mehr in der Werkstatt, sie fast aus-schließlich an den Zapfsäulen.  1951 wurde die Anlage von ihnen dann wesentlich erweitert. 



Tankstelle Hornung

Gasthaus Kreuz mit Tankstelle
Gasthaus Kreuz mit Tankstelle

Vor dem „Gasthaus Kreuz“, gegenüber der Tankstelle Zimmer, wurde auch schon früh, bereits 1927, eine zweite Tankstelle in Neumalsch eröffnet. Diese war von Anfang an mit (damals) relativ modernen Zapfsäulen ausgestattet.

Die endgültige Stilllegung der Tankstelle erfolgte dann (aus wirtschaftlichen Gründen) im Jahre 1970.                                               

 

 

links: der Erstbetreiber und damaliger Kreuzwirt Karl Hornung

rechts: Familie Hornung im Gasthaus Kreuz,, Alois Hornung, Ehefrau Veronika, Tochter Hannelore und eine Bekannte

 



Tankstelle Emil Kühn

Dorf einwärts, nach dem Bahnübergang, gab es früher erst wieder gegenüber der alten „Post“ in der heutigen Sézanner Straße die nächste Tankstelle, nämlich die des  Schlossermeisters Emil Kühn.

Unter diesem Namen kannte ihn damals in Malsch niemand, er für alde Mälschor ganz einfach dä Maläschdä war. Als solcher, vor allem jedoch als langjähriger Feuerwehrkommandant wie auch als besonders Aktiver bei der GroKaGe Malsch war er aber schon  bekannt in Malsch.

Schon 1930 ließ er vor seinem Haus eine kleine Tankstelle errichten, deren Zapfsäule aber am Rand des Gehweges zur Straße hin, also auf Gemeindeeigentum stand, wie der Lageplan vom 27.3.30 deutlich zeigt. 

Infolge des Krieges (1939-1945) wurden 1940 auch in Malsch zunächst alle Tankstellen stillgelegt. Tochter Elsa erklärte daraufhin der Gemeindeverwaltung, dass sich in den Tanks aber noch einige Reste von Benzin und Öl befinden. Was dann damit geschah, konnten wir nicht mehr erfahren.

 

Wir wissen nur, dass die Tankstelle nach dem Krieg, also nach 1945, nicht mehr in Betrieb genommen wurde. Entfernt wurde die Zapfsäule (und die Tanks?) jedoch erst Ende 1951.


Tankstelle Richard Maier

Ende der 20er, anfangs der 30er Jahre errichtete auch Richard Maier in seinem Haus Ecke Hauptstraße und Weitgasse, gegenüber s’Eisejuddä, eine für die damaligen Verhältnisse moderne Tankstelle, die Zapfsäule schon mit Handpumpe bedienbar. Da es aus dieser Zeit weder Bilder noch Dokumente gibt, sind wir auf Berichte von damaligen Zeitzeugen angewiesen.

 

Ein solcher, damals in der Nachbarschaft lebender junger Malscher, Ludwig Gräßer, hat uns nach Befragung einiges Interessantes dazu wissen lassen:  „Wir wussten, dass die Leute in dem Haus Juden waren. Dass sie aber Maier hießen, war uns so gut wie nicht bekannt. Denn bei uns und vielen Malschern wurden sie nur s’Schmuls oder so ähnlich genannt. Dieser Sondername soll von einem hebräischen Vornamen kommen, so sagte man uns. Der Übername diente vielleicht auch bloß zur Unterscheidung von den vielen anderen „Maier“, die damals in Malsch lebten. Die Familie konnte mit dem Sohn Siegbert noch rechtzeitig ausreisen

Das Fachwerkhaus steht heute noch so wie ehedem da. Neben der Tankstelle wurden Stall und Scheuer für den Viehhandel des Vaters Richard gebraucht. Erst als Josef Holl, der Käufer des Hauses vor der Ausreise der Familie Maier, das Anwesen an Otto Kiefer weiter verkaufte, mussten Stall und Scheuer der darin vorgesehenen Autoreparaturwerkstatt weichen.“

Soweit die Erinnerungen von Ludwig Gräßer 

Da bereits 1937 das Betreiben einer Tankstelle von Amts wegen allen Nichtariern untersagt war, musste auch Richard Maier seinen Betrieb aufgeben.Das Haus aber steht immer noch da, heute schon, wie nur wenige noch in Malsch, ein wertvoller Zeitzeuge vergangener Malscher Handwerkskunst.


Tankstellen Kiefer

Anton Kiefer (1894-1960) war gelernter Mechaniker und hatte als solcher schon in den 20er Jahren in seinem Haus in der heutigen Adlerstraße eine Reparaturwerkstatt, insbesondere für Zweiräder,  eingerichtet, weshalb er in Malsch auch dä Fahradkiefer genannt wurde.

So war es nur eine Frage der Zeit, dass ihm am 26. August 1952 auch die Erlaubnis zur Aufstellung einer beweglichen Zapfstelle für Benzin in seinem Hause erteilt wurde.

Kiefer-TAnkstelle im Hof in der Adlerstraße
Kiefer-TAnkstelle im Hof in der Adlerstraße

Dazu wurden in seinem Keller drei Fässer mit je 200 Liter Inhalt und ein weiteres im Hof aufgestellt. Am Hof-Fass war dann die einfache Tankanlage mit Handpumpe und zwei 5- Liter-Glasbehältern angeschlossen. War dieses Fass mal leer, dann wurde wieder per Hand aus einem Kellerfass Benzin ins Hof-Fass nachgepumpt. Das ging so weiter, bis den Kiefers im März 1960 der Betrieb dieser Anlage aus Sicherheitsgründen untersagt wurde, vor allem auch deshalb, weil Tankanlagen in bewohnten Häusern nicht mehr zulässig waren. 

Kurz zuvor hatte Anton Kiefer ein Angebot der Fa. Gasolin angenommen, eine von dieser wieder errichteten Tankstelle in der Hauptstraße im Hause Holl, also im früheren Anwesen des Richard Maier, als Pächter zu betreiben.

Anton Kiefers Sohn Otto, inzwischen Kraftfahrzeugmeister geworden, stieg dann in Vaters Fußstapfen ein und erwarb bald darauf das gesamte Anwesen käuflich von der Familie Holl.

Um darin dann auch eine richtige Kfz-Werkstatt einrichten zu können, mussten Stall und Scheuer umgebaut werden. Und so folgte auf diesem Grundstück auf die frühere Tankstelle des Juden Richard Maier wieder eine Tankstelle, nämlich die des Anton und dann des Otto Kiefer. Dieser hat die Tankstelle samt Kfz-Reparaturbetrieb dann aus Altersgründen zum Ende 1992 aufgegeben.


Tankstelle und Fahrdienst Ferdinand Werner

Tankstelle Werner in der Hauptstraße
Tankstelle Werner in der Hauptstraße

Über den zeitlichen Anfang der Werner-Tankanlage liegen keine Dokumentationen vor. Sie stand vor dem Hauptgebäude an der Straße.

Zur Eigenversorgung des Betriebsautos von Ferdinand Werner, der vor allem mit Fahrrädern und Nähmaschinen handelte, diente eine zweite im Hof errichtete Tanksäule. Denn Ferdinand Werner bot seinen PKW, einen der ersten in Malsch, auch für Notfahrten in umliegende Krankenhäuser an. Heute würde man sagen, das war das erste Taxi-Unternehmen in Malsch. So erzählte uns Eugen Gräfinger (*1923), damals bei Werner beschäftigt, dass er für besonders dringende Fahrten auch mitten in der Nacht, besonders oft als „Geburtshelfer“ einspringen musste. Auch bei schlimmen Fällen half das Werner-Auto schnell aus. So denkt es auch Klara Kühn

Ferdinand Werner, Tochter Trudel, Schwiegersohn Johannes Kunz und Tochter Ellies
Ferdinand Werner, Tochter Trudel, Schwiegersohn Johannes Kunz und Tochter Ellies

(*1937), geb. Schwan, dass sie 1941 in fast aussichtslosem Zustand mit schwerer Lungenentzündung auf Anweisung vom alten Dr. Essig mittels Werners Auto mitten in der Nacht ins Kinderkrankenhaus nach Karlsruhe gefahren wurde.

Tanken für jedermann war also nur an der Zapfsäule vor dem Haus möglich.

 



Tankstelle Schmitt

Tankstelle vor der alten Kelter in der Friedrichstraße
Tankstelle vor der alten Kelter in der Friedrichstraße

Theodor Schmitt führte schon seit 1925 einen handwerklichen Meisterbetrieb, damals noch in der Mühlstraße gegenüber dem Ffarrgässel. Im April 1938 erhielt er vom Bezirksamt Rastatt auch die Genehmigung zum Betreiben einer Tankanlage bei seinem neuen Betrieb in der Friedrichstraße. Diese stand aber nicht auf seinem Gelände, sondern vor der damaligen Kelter auf Gemeindeeigentum.

Im Frühjahr 1942 wurde die Tankanlage im Rahmen der damaligen kriegsbedingten Zwangsbewirtschaftung von Amts wegen stillgelegt. Erst im Juli 1947 wurde sie wieder in Betrieb genommen. Nachdem Schmitt diese den modernen Erfordernissen nicht mehr entsprechende Anlage der Fa. ESSO AG 1951 abbauen ließ, wurde an der gleichen Stelle eine modernere Anlage der Fa. ARAL samt dem noch vorhandenen 3000 Liter fassenden Esso-Tank in Betrieb genommen.

 

Infolge der Betriebsverlagerung in die heutige Sézanner Straße (1969) wurde auch diese Tankanlage dorthin verlegt.

 

Nach der 1980 erfolgten Betriebsübergabe an Sohn Eugen und nach dessen Tod wurde die Tankstelle noch bis 2004 von seiner Frau Magdalena weitergeführt. Ab da wurde der Betrieb von der EFA Tankstellenbetriebe GmbH übernommen