ehemalige Ladengeschäfte

Wenn man sich heute, mit diesem Thema beschäftigt, dann wird man sich erst so recht bewusst, wie des frior als gwä isch bei uns in Malsch. Mänsch hadds do än Houfä Lädä gewwä, die heit faschd alle nimme exischdierä dän!  Weshalb hänn mir soviele kloine Lädle au broucht?

 

Erinnern wir uns noch, warum es bei uns auf dem Dorf vormittags äm Elfe und nachmittags äm Viere, zumindest den Sommer über, gliddä hat? Das war doch ein unüberhörbares Signal für die Hausfrauen, jetzt aber schleunigst heim zu gehen, um das Mittagessen beziehungsweise abends das Vesper herzurichten. Und wenn dann noch irgend etwas einzukaufen war, dann sind die Frauen recht froh gewesen, wenn die Wege zum nächsten Laden nicht lang waren. Viele wichtige Nahrungsmittel, also Kartoffeln, Mehl, in Stannen eingemachte Gemüse wie Bohnen, Sauerkraut, Rüben, auch Salzfleisch, vor allem aber Schmalz, waren ja fast immer im Keller vorhanden. Trotzdem musste  doch oft noch  so manche Kleinigkeit schnell eingekauft werden. Und da waren kurze Wege Gold, sprich Zeit wert. Also wurden auch in allen Teilen des Dorfes Läden gebraucht. Daher waren in Malsch  viele solcher, wenn auch oft kleinere Läden.

Beginnend von Westen kommend:

Lebensmittel-Kolonialwaren

  • Lebensmittel Kühn
  • Kolonialwaren Kraft
  • Lebensmittel Lorenz
  • Lebensmittel Gräfinger
  • Spezerei Hasenfuß
  • Kolonial-u. Sattlerwaren Neukert
  • Lebensmittel Knörr, Kesselgasse
  • Lebensmittel Knörr, Friedrichstraße
  • Tabakwaren Kohm
  • Lebensmittel Geiger
  • Lebensmittel Knam
  • Feinkost Deubel
  • Lebensmittel Müller/Halfinger
  • Pfannkuch Filiale
  • Lebensmittel Kunz
  • Lebensmittel Edelmann
  • Fisch- und Küchenartikel Speck
  • Lebensmittel Buchmaier


Spezialgeschäfte

  • Kolonial-u. Manufaktur-Waren Eugen Kunz
  • Eisen- u.Kolonialwaren Emil Kunz
  • Lebensmittel - Stoffe Kastner
  • Strickwaren Huck
  • Lebensmittel-Hüte - Bekleidung Kühn
  • Blechnerei Kunz
  • Lebensmittel - Haushalt- waren Schäuble
  • Haushaltwaren - Elektro- fachgeschäft Nies
  • Textilhaus Späth
  • Steingut Strickfaden
  • Baustoffhandel Kunz
  • Weinhandlung Brennerei Schindler
  • Schuhhaus Hirth
  • Schuhhaus Wickenhäuser
  • Schuhhaus Kühn
  • Schuhhaus Kunz


Lebensmittel - Kolonialwaren

Lebensmittel Kühn

s’Kiehnä Elsa: Bedient wurden die Menschen von  Elsa Balzer, geborene Kühn, anfangs aber auch von ihrer Schwester Klara Fauth. Die beiden waren Töchter des Schlossermeisters Emil Kühn, vom Maläschdä, wie er bei uns allgemein genannt wurde. Der Laden befand sich in der Hauptstraße, heute Sézanner Straße, gegenüber der Sturmstraße. Weiter draußen gab es damals keinen weiteren Lebensmittelladen mehr. Deshalb hat man bei ihr auch so gut wie alles fer’d Kiche einkaufen können.  


Kolonialwaren Kraft

d’Klärlä: Die Inhaber hießen Florian und Klara Kraft, geborene Nies. Der Laden befand sich im Neudörfel, nahe der früheren Festhalle. Allein schon aus dem Laden-Namen geht ja hervor, wer darin meistens tätig war. Dä Flore war halt mehr im Lager, im „Magazin“ beschäftigt. Bei dä Klärlä hat es sogar „Kolonialwaren“ gegeben; so stand es ganz groß über den beiden Schaufenstern. Mir denkt dies noch sehr gut, weil ich in diesem Haus ja geboren bin. Und etwas anderes denkt mir auch noch sehr gut: nämlich die guten Fische aus ganz großen Blechdosen, vor allem Rollmöpse, Bismarckheringe und ganz besonders die Bratheringe mit der feinen Haut. Der Laden war von 1927 noch bis 1961 in Betrieb.


Lebensmittel Lorenz

d’Maddäise: Die Inhaberin hieß Franziska Lorenz. Ihr Laden war nicht groß. Sie bot halt vor allem die wichtigsten Lebensmittel zum Kauf an. Der Laden befand sich dort, wo später die „Genossenschaft“  ihr Lager in der Richard-Wagner-Straße einrichtete. Ihr Ehemann Valentin betrieb im gleichen Anwesen eine gut gehende Schlosserei. Franziska war eine herzensgute Frau, vor allem den Kindern der Umgebung gegenüber. Denn die bekamen von ihr so manches geschenkt, allerdings nur, wenn sie auch „anständig“ waren. So erzählte zum Beispiel Leopold Kassel, dä Kassls-Bolde, dass er nur dann ebbäs vunnorä griegt hadd, wenn er ganz artig zu ihr sagte: Maddäise, sei doch so gud unn gib mor ......  .  Warum sie nicht Fränzl, sondern Maddäise genannt wurde oder werden wollte, habe ich auch noch erfahren können: einfach deshalb, weil ihr Vater dä Hoinrich Maddäis war.


Lebensmittel und Haushaltwaren Gräfinger

s’Gräfingors: Die Inhaber hießen Florian und Klara Gräfinger. Sie hatten ihren Laden in der Richard-Wagner-Straße, in dä Hohl, gegenüber der Bäckerei Dietz. Das Geschäft versorgte aber Klara die meiste Zeit allein, denn Florian arbeitete  als Maschinenschlosser in Ettlingen.In späteren Jahren übernahm dann noch für einige Zeit deren Schwiegertochter Maria geborene Kastner, des Sohnes Paul Gräfingers Ehefrau, die Weiterführung des Geschäftes, bis es sich halt nicht mehr lohnte. Neben Lebensmitteln konnte man aber bei ihnen auch sonstige, im Haushalt ständig gebrauchte Dinge wie Stopfgarn, Faden, Nadeln und dergleichen kaufen. Begonnen hatten die beiden 1927, zu Ende ging dann der Betrieb 1972.  


Spezereihandlung Hasenfuss

d’Hasäfuße: Der kleine Laden wurde von Eugenia Hasenfuß betrieben, während ihr Ehemann Martin anderweitig  beruflich tätig war. Kinder bekamen feine, wenn auch kleine Gudsle (zum Dreigewwä). Ihr Geschäft führte sie bis ins hohe Alter weiter, bis sie ihren Laden dann zumachen musste.

 Neben den wichtigsten Lebensmitteln gab es auch noch viele andere Sachen wie Schick, Duwwak (Tabak) und sogar Petroleum fer’d Stall-Laternä. In fast allen Lebensmittel-geschäften in jener Zeit war dies der Fall. Da konnte man im Frühjahr sogar die wichtigsten Sämereien einkaufen. Unsere Mütter und Großmütter hatten kaum Zeit zum Einkaufen; also waren kurze Wege, vor allem beim Besorgen der wichtigsten Dinge für die Küche, aber auch vieler notwendiger Kleinigkeiten für den  bäuerlichen Alltag, viel wert. Und dies möglichst in  einem Laden.


Kolonialwaren und Sattlerwaren Neukert

Rosa Neukert geb. Zimmer (zweite von rechts)
Rosa Neukert geb. Zimmer (zweite von rechts)

s’Glebborles: Der kleine Laden befand sich in der heutigen Dr.-Heinrich-Götz-Straße. Während Ehemann Anton im Telegraphenzeugamt arbeitete, stand seine Frau Rosa im Laden und bediente ihre Kundschaft in ihrer freundlichen Art. Zu kaufen gab es ebenfalls fast alles, aber auch Sattler-Erzeugnisse wie z. B. Gaislriemä und Schuhneschdl, da ja der Vater von Anton im selben Haus eine guthehende Sattlerei betrieb. Der „Sondername Glebborle“ ist kein Schimpfname, sondern rührt daher, weil - so erzählt man glaubhaft - an der Ladentür nicht die übliche Schell, sondern ein glepperndes Monstrum, halt ä Glebbor angebracht war. Und daher übertrug sich dies als Übername dann auch auf den Ehemann Anton, der damals ja der Initiator für eine kleine Volksmusik-Gruppe war. Diese Gruppe, bei der auch dä Herichsweiß  mitspielte, hieß bei den Malschern dann auch schlicht und einfach bloß d’Glebborles-Mussig.


Lebensmittel Knörr

s’Knärrä in dä Kesslgass bzw. d’Ochsä Sofie: Bei den Menschen der unmittelbaren Umgebung hatte früher der Laden den einfachen Namen: d’Eigäne. (Ja nicht verwechseln mit s’Eigäns im Ewwordorf!)  Warum d’Eigäne? Weil die Betreiberin, die Ehefrau von Karl Knörr, mit Vornamen Eugenia hieß. Ihr Ehemann Karl war ja in den Rastatter Schlossanlagen als Gärtner voll beschäftigt. Bevor Eugenia in der Kesselgasse 1930 ihren Laden eröffnete, betrieb sie aber schon ein kleines Geschäft in der Waldprechtsstraße, nämlich dort, wo später, also nach ihr, die schon genannte Hasäfuße unter eigener Regie den dortigen Laden weiterführte. Eugenia Knörr schloss dann ihr Geschäft 1942. Zu gleicher Zeit war aber auch ihr Sohn Karl im Krieg gefallen.

Das Ehepaar Sofie und Josef Ochs, die früheren Hirschwirts von Malsch (1933 bis 1937), betrieben nach zweijähriger Tätigkeit auf dem Heuberg dann von 1939 bis 1942 die Wirtschaft „Zum Alten Fritz“ in Ettlingen. Als dann Josef aber 1942 zu den Soldaten musste, beendete auch Sofie ihre Wirtstätigkeit in Ettlingen, um in Malsch den Knörr’schen Laden in der Kesselgasse weiterzuführen. Dazu musste sie aber nach den damaligen Vorschriften erst einmal ein volles Jahr in einem Karlsruher Betrieb volontieren, um dann endlich, nach bestandener Eignungsprüfung, ein solches Geschäft auch führen zu dürfen.  Und das tat sie dann  mit großem Erfolg, nämlich von 1943 bis 1968!. Bei ihr konnte man es außer dem Üblichen sogar noch Gemüse sowie auch allerlei Kurzwaren, vor allem aber Nähutensilien, von der Stecknadel bis zum feinsten Seidengarn,  kaufen


Lebensmittel Knörr

s’Knärrä in dä Friedrichstroß: Der Betreiber des Ladens, Karl Knörr, war ein Sohn von Karl und Eugenia Knörr aus der Kesselgasse. In seiner Jugendzeit erlernte er erst einmal (wie sein Vater?) einen landwirtschaftlichen Beruf auf dem Augustenberg und arbeitete anschließend auf einem großen Hofgut in Biblis. Bald aber wanderte er (aus ganz persönlichen Gründen) als Zwanzigjähriger nach Argentinien aus, lernte dort die Deutsch-Argentinierin Hilda Limprich kennen und  heiratete sie. Dort wurde auch Tochter Eugenia geboren. Deren Großmutter Eugenia aber lockte die Familie durch den Kauf eines Bauplatzes 1932 wieder nach Malsch zurück. Also wurde in der Friedrichstraße auch gebaut und ein Ladengeschäft ähnlich dem der Eltern eingerichtet. Karl Knörr starb im Krieg 1942 den Heldentod; Mutter Hilda aber betrieb den Laden  bis 1950 noch weiter. Danach führte Tochter Eugenia diesen bis in die 70er Jahre  weiter, um anschließend dann als „Otto-Agentur“ noch tätig zu sein.


Tabakwaren Kohm

’Kohmä Lädl in dä nei Olag: Woher kommt dieser Name? Der Laden wurde von Rösl Reichert bis kurz nach 1950 geführt. Dass der Laden aber in der Zeit davor bereits von Anton Kohm und dessen Ehefrau betrieben wurde, wissen nur noch wenige. Doch  eine 90jährige Malscherin, d’Kohmä Bert, oine vunns Londls, hatte aufgeklärt. Denn sie wusste auch, dass die vorherigen Ladenbesitzer sogar mit dem „Zigarren-Kohm“ aus Karlsruhe verwandt waren, was sie selber aber nicht war.  


Lebensmittel Geiger

s’Geigor-Bertholds in dä Mozartstroß: Er kam aus der Sippe der „Waldmoischdor“, und seine Frau Rosa war eine geborene Heinrich. In den letzten Jahren, also bis nach 1950, bediente immer deren Tochter Rösl. Angeboten wurden fast ausschließlich Lebensmittel.  


Lebensmittel Knam

d’Knommä Ros: Der Laden von Rosa Knam befand sich in der Weidgass. Da sie ledig war, musste sie halt vieles allein schaffen, wobei sie aber doch manchmal auch nachbarschaftliche Hilfe erfahren durfte. Erst nach 1950 gab sie altershalber und auch zeitbedingt dann ihr Geschäft auf.  


Lebensmittel  und Feinkost Deubel

d’Däiwls Friedl: Jetzt sind wir bereits in der Ortsmitte, etwas oberhalb der alten Sparkasse. Den dortigen Lebensmittelladen betrieb so etwa seit Kriegsbeginn die Tochter des Konditors Arnold Lorenz. Über dessen Geschäft, iwwors Arnoldä, werden wir bei der Betrachtung der Malscher Backwarenhersteller noch gesondert berichten. Frieda, oder Friedl, wie sie von Malschern gern genannt wurde, war aber schon eine etwas besondere Geschäftsfrau, denn sie legte neben dem üblichen Lebensmittelsortiment ganz großen Wert auf auserlesene Produkte. So konnte man bei ihr zum Beispiel auch insbesondere feine, erlesene Pralinen, aber auch exquisite Weine und Liköre kaufen und war später auch einer der ersten Selbstbedienungsläden. Im Dezember 1971 musste dann auch sie den Laden schließen.


Lebensmittel Müller / Halfinger

s’Schneidormillors: Die Erstbetreiber hießen Müller, und der Mann war Schneidermeister. Daher der Name!  Diese beiden, also Anton Müller und seine Frau  Magdalena, geb. Kistner,  versorgten in dem kleinen Haus gegenüber dem früheren Gasthaus zur Krone ihre Kundschaft, bis sie dann etwa 1930 den Laden ihrer Tochter Johanna übergaben. Nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes heiratete Johanna dann Otto Harlfinger aus Freiolsheim. Und ab da hieß das Geschäft bei

Johanna, Schneidermüllers Tochter
Johanna, Schneidermüllers Tochter

vielen Malschern dementsprechend auch  s’Harlfingers.  Im wesentlichen verkaufte Johanna alle möglichen Lebensmittel, jedoch ohne so viele andere alltägliche Dinge wie in anderen Läden. Aber zu besonderen Zeiten bot sie auch schon mal besondere Dinge an, zum Beispiel an Sylvester  Knaller und Raketen. Ein alter Malscher Fastnachter erzählte uns auch, dass es bei ihr jedes Jahr die schönsten Lärvle zu kaufen gab. In den 70er Jahren musste sie dann, wie so viele andere, ihren Laden halt schließen. Was vielen noch denkt: sie hatte, so erzählt man sich heute noch, die besten Mohrenköpfe von Malsch.


 Pfannkuch-Filiale

 

dä Pfonnkuch: Dieses Geschäft befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden zuletzt genannten. Deshalb gab es dort auch nicht das große Sortiment von Grundnahrungsmitteln. Pfannkuch, eine Filiale einer (damals) großen Handelskette, bevorzugte daher lieber Spezialitäten, vor allem viele Sorten Fisch. Das konnten sich die kleinen Läden schon aus kühltechnischen Gründen gar nicht leisten. Deshalb ging der Laden auch relativ gut. Trotz einigen Standortwechseln gab es den „Pfannkuch“ bei in Malsch noch recht lange. 


Lebensmittel Kunz

dä Hansa:  Eine Zeit lang befand  sich das Geschäft in Blechnermeister August Bornhausers Anwesen, zeitweise aber auch im Hause des Uhrmachers Oskar Knam. Der Inhaber Otto Kunz war ein Sohn des alten Löwenwirts Hermann Kunz.

 

 

 


Lebensmittel Edelmann

Zeugnis der Maria Hornung
Zeugnis der Maria Hornung

d'Edlmonns Maria im Fischweier

Mit Hilfe von lieben Nachbarn und Schulkameradinnen konnte noch einiges in Erfahrung gebracht werden, was es nunmehr ermöglicht, über diesen Laden zu berichten.

 Maria Hornung, wie sie früher hieß, wurde 1925 in Waldprechtsweier geboren und besuchte in Malsch die Volksschule bis 1940. Nach dem sogenannten „Pflichtjahr" bei Oskar Knam in Malsch und anschließendem erfolgreichem Besuch einer Privat-Handelsschule in Karlsruhe war sie bis Dezember 1944 bei der „Landesbauernschaft Baden-Elsass" in Mosbach beschäftigt, wie aus ihrem Dienstzeugnis aus jener Zeit zu ersehen.

Erst 1949 eröffnete sie dann ihren Lebensmittelladen im „Fischweiher". Und das war gut so. Denn die Bewohner da draußen waren dafür sehr dankbar, zumal der nächste Laden zum Einkaufen der täglichen Lebensmittel bis dahin erst weiter drin im Dorf lag. Also lief ihr Geschäft recht gut, bis, ja bis sie 1971 den Laden krankheitshalber wieder aufgeben musste.


Fischgeschäft und Küchenalltagsartikel Speck

Geschäft in der damaligen Hauptstraße (jetzt Sézanner Straße)
Geschäft in der damaligen Hauptstraße (jetzt Sézanner Straße)

Bei dä Helänä newwor dä Aldä Post

Die Besitzerin hieß Helene Speck, geborene Hartmann. Früher war das Anwesen nur als Wohnhaus genutzt. Als Helenes Ehemann Franz Speck 1948 endlich aus

der Kriegsgefangenschaft wieder heimkam und als gelernter Kaufmann gleich wieder in seinen alten Beruf - Spezialist für Verpackungsmaterial aller Art - einstieg, also als Zulieferer für viele Malscher Betriebe tätig war, keimte in Helene bald die Idee, auch einen eigenen Betrieb aufzumachen. Lebensmittelgeschäfte gab es ja schon viele. Aber „Fisch-Läden"? Eingelegte Salz- und Bratheringe konnte man ja in vielen Geschäften kaufen. Doch frische Fische? Die gab es damals so gut wie nur beim „Pfannkuch" mitten im Dorf. Und Fische waren in jener Nachkriegszeit ein gern gekaufter Fleischersatz-Artikel, nicht nur für Freitage, sondern besonders auch in der Karwoche. 

So entstand der neue (junge) Laden gleich nach der Währungsreform 1948. Angeboten wurden neben üblichen notwendigen Alltagsartikeln für die Küche ganz besonders frische Fische. Tochter Renate erinnert sich noch lebhaft, wie der Vater damals mit seinem Fahrrad mit Hilfsmotor, den Anhänger mit den Fischen in Holzfässern beladen, wöchentlich die Ware herbeischaffte.

Und das Geschäft lief gut. Bald wurde auch noch eine Annahmestelle für die Wäscherei Bardusch in Ettlingen eingerichtet.

Daneben belieferte Franz Speck seine Malscher Kundschaft weiterhin mit Tüten, Beuteln und Einschlagpapier und was sonst noch notwendig war. Als Franz dann 1970 starb, gab auch Helene den Laden auf. Sie war ja inzwischen auch schon im „Rentenalter" angekommen.


Lebensmittel Buchmaier

Wohnhaus mit Buchmaier-Laden
Wohnhaus mit Buchmaier-Laden

s’Buchmaier Marias Lädl im Fischweier 

1953 errichteten Anton und Veronika Renz (Blases vun dä Hohl), die  Großeltern von Maria Buchmaier, der Ehefrau von Seppi Buchmaier, draußen im Fischweier, Ecke Friedrich-Ebert- / Albert-Schweitzer-Straße ein Wohnhaus mit Laden. Und schon im Jahr darauf wurde darin von Tochter Maria ein Lebensmittel-Laden eingerichtet.  

Auch dieser kleine Laden wurde von den Menschen spontan angenommen, war er doch ein richtiger „Tante-Emma-Laden“, also mit so vielen Dingen für den Alltag, vor allem für die Küche. Durch ihre Menschenfreundlichkeit sorgte Maria aber auch dafür, dass bei ihr gern ein Schwätzchen abgehalten werden konnte. Besonders am Sonntag-Morgen, wenn Geschäfte normalerweise „zu“ hatten, konnte man bei ihr (wie in so manchen anderen Läden ja auch) immer noch anklopfen, um ein Fläschchen Maggi, Salz oder

Maria Buchmaier mit ihrer guten Kundin Inge Lang
Maria Buchmaier mit ihrer guten Kundin Inge Lang

Essig, um nur einiges anzudeuten, schnell noch zu bekommen. Und wenn man mal gerade kein Bargeld hatte, hat man auch bei ihr „anschreiben“ lassen können, halt bis zum nächsten Zahltag des Ehemannes. 

Dankbar waren die Menschen auch dafür, dass man bei ihr täglich frisches Brot kaufen konnte, vom Robert Kratzmaier gebacken und Ehemann Seppi abgeholt. 1963 gab Maria dann den Laden auf. Bis 1970 wurde er dieser noch anderweitig vermietet, um dann entgültig geschlossen zu werden.

 


Spezialgeschäfte

In vielen Geschäften in Malsch konnte man früher unglaublich verschiedene Dinge sozusagen aus einer Hand erwerben. (Vorläufer unserer heutigen Supermärkte)  Und davon gab es in Malsch eine ganze Reihe.

Kolonial- und Manufakturwaren Eugen Kunz

Geschäft im Oberdorf, Postkarte um 1920
Geschäft im Oberdorf, Postkarte um 1920

s’Eigäns: Schon die Tatsache, dass einige Läden in Malsch allein durch den Vornamen des Besitzers genug beschrieben waren, zeugte doch von großem Vertrauen der Kundschaft, zumal besonders die Hausfrauen beim Einkaufen von oft ganz verschiedenen Dingen (in  e i n e m  Laden) halt viel Zeit sparen konnten

Es ist bekannt dass Eugen Kunz (* 1868) zusammen mit seiner Frau MariaWallburga (* 1870), geb. Görger, 1896 das stattliche Anwesen Ecke Haupt- und Römerstraße, die frühere Köllreuter-Apotheke, käuflich erworben hat, um darin ein Colonialwarengeschäft einzurichten. Verkauft wurden aber von Anfang an nicht nur täglich notwendige Lebensmittel, wie Salz, Zucker, Essig, Öl, Mehl,  Gewürze und dergleichen, sondern auch Textilien, Kurz- und Eisenwaren bis hin zum Petroleum, aber auch Sensen und sonstige landwirtschaftliche Kleingeräte. Das war sicher nur möglich, weil Eugen Kunz nach einer Kaufmanns-Lehre in der Firma Wacker, Ettlingen, erst noch einige Jahre als „Handelsvertreter“ tätig war.

1935 übergaben die beiden dann das Geschäft ihrem Sohn Albert und dessen Ehefrau Balbina, eine Tochter vuns Dietzäbeggä. Als Albert 1965 starb, führte seine Frau den Laden noch bis 1971 allein weiter. Erst dann wurde das Geschäft endgültig geschlossen.

Eugen und Walburga hatten aber noch drei weitere Kinder, die Mädchen Marie und Johanna und den Sohn Emil.

Und für Emil wurde in den Jahren 1929/30 das stattliche Geschäftshaus, heute Waldprechtsstraße 4, erbaut. Ab da gaben die Eigäns im Ewwordorf dann den Handel mit Eisenwaren aller Art auf, weil sich Sohn Emil in dem neuen Laden neben dem üblichen „Sonstigen“  gerade darauf spezialisieren wollte. Und so kam es dann ja auch! 

Eugen und Maria Walburga Kunz (1894)
Eugen und Maria Walburga Kunz (1894)
Albert und Balbina Kunz, 1950
Albert und Balbina Kunz, 1950


Eisen- und Kolonialwaren Emil Kunz

Beim Emil (Kunz): 1931 heiratete Emil die Maria Antoni aus Karlsruhe. Ab da betrieben die beiden dann das neue Geschäft in der Waldprechtsstraße gemeinsam

Selbstverständlich wurden neben dem Schwerpunkt „Eisenwaren“ auch  in der Küche täglich benötigte Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker, Salz usw. verkauft. Daneben wurde das Angebot noch wesentlich erweitert, nämlich um den Sektor „Haushaltswaren aller Art“. Und die Malscher nahmen dies dankbar an. So konnte man früher den Emil, manchmal auch zusammen mit seiner Schwester Marie, das Kundendienst-Wägelchen durch die Straßen ziehend, sehen.

1934 wurde Sohn Konrad, der Nachfolger, geboren. Und als dieser 1960 dann die Maria Jaschke aus Schwanheim bei Heidelberg geheiratet hatte, konnten die „Alten“ ihren Betrieb in aller Ruhe den „Jungen“ übergeben.

ABER: Diesen Laden gibt es heute noch! Und das Besondere an ihm: Beim „Konrad“, wie man  heute den Laden oft vereinfacht  nennt, da kann man auch bloß mal ein paar Holzschrauben,  Unterlagscheiben, Sprengringe oder Dübel, um nur einige Beispiele zu nennen, bekommen, ohne gleich ganze Päckchen, so wie in den Supermärkten, kaufen zu müssen. Und das wissen viele Bastler und vor allem Heimwerker, nicht nur Malscher, zu schätzen.

 Noch etwas sollte erwähnt werden: Dass inzwischen Konrads Sohn, ebenfalls Konrad genannt, also „Konrad jun.“, gemeinsam mit seinen Eltern die Kundschaft bedient, ist ein gutes Zeichen für den Fortbestand. Gründer Eugen könnte stolz sein, dass sein Werk nunmehr schon in der vierten Generation weitergeführt wird.


Lebensmittel und Stoffe Kastner

s’Schwonähonsä: Wo sich dieses Geschäft befand, wissen sicher noch alle alten Malscher, nämlich ganz nahe an der ehemaligen Ochsenbrücke. Woher kommt aber dieser eigenartige Name? Bekannt ist, dass Johannes Kastner (daher auch die ehemalige Inschrift über der Ladentür „J. Kastner“) 1880 das Anwesen Ecke Kreuz-Adlerstraße, früher Spitalstraße 597, käuflich erworben hat. Vorher hatte er aber eine dreijährige kaufmännische Lehre bei der Malscher Firma Merkel, Tabak-Handlung und Fabrikation, erfolgreich durchgemacht. Und da er der Sohn des Schwanen-Wirtes Johannes Baptist Kastner, des „Schwanen-Hans“, und dessen Ehefrau Magdalena, geb. Rübel aus Oberweier war, übertrugen die Malscher den Übernamen des Vaters auch auf dessen Sohn, den Gründer des oben genannten Ladens. Da er der einzige Überlebende  von elf Kindern aus der Schwanen-Hans-Ehe war, kann man diese Namensübertragung gut verstehen.

Johannes Kastner heiratete 1885  die Anna Weishaupt. Und ab da führten die beiden das Geschäft gemeinsam, bis sie es dann 1920 ihrem Sohn Hermann übergaben. Anna Weishaupt starb 1928, Johannes Kastner erst 1937. Hermann betrieb als neuer Firmeninhaber zusammen mit seiner Ehefrau Sofie, geb. Hitscherich, des damaligen Lammwirts älteste Tochter, den Laden.

 Verkauft wurden insbesondere sogenannte Aussteuerware (Bettzeug, Tischwäsche), aber auch Schurzstoffe, Kleider- und Anzugsstoffe, Unterwäsche, Handarbeitswolle, Krawatten, Taschentücher, Reißverschlüsse, Knöpfe und viel anderes Kleinzeug, wie Nadeln, Garne u.dgl. Daneben wurden, wie ja früher in vielen Läden üblich, wichtige Grundnahrungsmittel und sogar Rauchwaren angeboten.

 „Ladenschlusszeiten“ im heutigen Sinne gab es damals so gut wie nicht. Denn die Kundschaft, auch solche droben vom Gebirge, also besonders aus Freiolsheim und auch aus Völkersbach, 

Sofie Kastner im Jahre 1965, 1897-1992
Sofie Kastner im Jahre 1965, 1897-1992
Hermann Kastner im Jahre 1965,  1895-1974
Hermann Kastner im Jahre 1965, 1895-1974

kam wann sie wollte oder etwas dringend brauchte, oft auch „hintenherum“, auch abends oder auch sonntags. Ja es kam sogar vor, dass ein junger Mann am Heiligen Abend noch schnell ein Weihnachtsgeschenk für seine Braut suchte und auch fand. Hermann und Sofie Kastner gaben ihren Laden 1972 altershalber auf.  



Strickwaren Huck

Striggor-Brigg
Striggor-Brigg

s’Striggors : „Es waren einmal zwei Brüder...“, so könnte diese Erinnerung auch anfangen. Denn da gab es in Malsch Anfang des letzten Jahrhunderts tatsächlich zwei Brüder, die miteinander einen florierenden Handel mit Strickwaren aller Art betrieben, so von Haustür zu Haustür,  von Malsch aus bis weit in die Acherner Gegend. Und dies waren der Bertold und der Georg Huck, im Volksmund kurz nur s’Striggors genannt. Irgendwann aber beschlossen die beiden, sich häuslich, also in festen Läden, niederzulassen, der eine etwas außerhalb, der andere mehr in der Ortsmitte. Der Sonder-Name s’Striggors blieb aber an beiden,

dä Ladäeigong in dä Addlorstroß
dä Ladäeigong in dä Addlorstroß

nämlich am Bertold wie auch am  Georg, hängen. Mit ihm, dem Striggorschorsch,  wollen wir unsere Erinnerungen beginnen.

 Georg war eng befreundet mit Emil Hornung, dem ehemaligen Mahlbergwirt und dem späteren Erbauer des Gasthauses Rössel. Doch bevor er dort Wirt werden konnte, starb er und hinterließ eine Frau mit den vier Töchtern Anna, Marie, Hedwig und Klara. Auf dem Sterbebett, so erzählte man mir, habe er seinen Freund Georg Huck inständig gebeten, sich nach seinem Tod doch um seine Familie zu kümmern. Und so heirate später unser Georg die aus Schiftung stammende Witwe Emma Hornung, geb. Lorenz, zusammen mit ihren vier Töchtern. So wurden aus den vier Hornung-Mädchen im Volksmund bald auch vier Stricker-Mädchen.

Wie damals üblich, wurden im Laden viele alltägliche Nahrungsmittel (offen!) verkauft. Der Schwerpunkt des Angebotes lag aber neben Kautabak (Schick!) insbesondere bei Schaffschuhen, Holzschlappen, Wolle und vielen sonstigen Dingen für den Alltag.

 Nach Georgs Tod führte dann Mutter Emma den Laden mit Hilfe ihrer Töchter weiter, übergab diesen dann später der Tochter Hedwig. Und Hedwig betrieb das Geschäft zusammen mit Schwester Marie noch bis 1954 weiter. (Mutter Emma war schon 1945 gestorben.)

Nach 1954 wurde dann der Betrieb durch die Firma Baumann noch weitergeführt. Und schließlich richtete darin die Fa. Fertig bis in unsere Tage einen Reinigungs-Salon ein.  

 

Die vier Stricker-Mädchen:

Angefangen bei der letzten, bei der Hedwig. Sie ist die, an welche sich die meisten noch gut erinnern, stand sie doch lange Zeit im Laden. Sie war mit Sebastian Lang, dem Longä Baschdl, verheiratet und starb ja erst 1995 Die Marie hieß Müller, weil sie mit Karl Müller, ämmä Glunggor, verheiratet war. An sie erinnern sich auch noch viele  Leute  gut, half sie doch oft ihrer Schwester im Laden aus. Die dritte, die Anna, wurde von vielen auch sofort erkannt, war sie doch die Frau vum Wetzlbegg im Ewwordorf. An die vierte aber, die Klara, können sich die meisten nicht erinnern. Das hat einen ganz einfachen Grund. Sie war verheiratet mit Alois Balzer, dem Balzor Alwies, oinor vuns Herichs, und starb bei der Totgeburt ihres einzigen Kindes. Da kann man jetzt sicher auch verstehen, warum sie vielen Malschern so gut wie nicht mehr denkt.


Lebensmittel, Bekleidung und Hüte Kühn

s’Striggorbertoldä.

Neben den üblichen Grundnahrungsmittel verlegte Bertold aber den Schwerpunkt seines Angebotes auf Kappen, Hüte, Krawatten und Schirme.   

Nach Heimkehr aus dem Krieg führte dann Schwiegersohn Josef Kühn, gelernter Schneidermeister, zusammen mit seiner Frau Luise das Geschäft weiter, allerdings unter späterer Aufgabe des Lebensmittelbereiches. Dafür aber verlegte er sich mehr auf den Sektor „Bekleidung“. Ja bei ihm konnte man sich die feinsten Maßanzüge schneidern lassen.  

Später wurde dann der Laden an einen Apotheker aus Karlsruhe verpachtet, bis dann der Sohn der beiden, Gerald, selber darin eine Apotheke betrieb.

 Bekannt war, dass beide Hucks ganz streng auf peinlichste Sauberkeit in ihren Läden bedacht waren. Und die beiden Söhne der Kühns waren in ihrer Jugendzeit, wohin sie auch kamen, immer bloß s’Striggors ihnä Junge.


Blechnerei und Installationen Kunz

Ferdinand Kunz, der Gründer, ca. 1900
Ferdinand Kunz, der Gründer, ca. 1900

s’Blechnormaxä: Bereits 1875 wurde om Uffgong zum Soubuggl von der damals noch ledigen Franziska Maier, oine vuns Maior-Michls, ein Laden eingerichtet, und zwar in dem heute noch existierenden dortigen Altbau.

Kurz darauf kam ein junger Blechner und Installateur, Ferdinand Kunz (1851 - 1912), mit dem auf  der „Walz“ erworbenen Meisterbrief wieder nach Malsch, sah die junge Frau, verliebte sich in sie - und schon drei Jahre später, also 1878, wurde dann auch geheiratet.

Ab da finden wir in dem Anwesen nicht nur den Laden der Franziska, sondern auch ein gut gehendes Blechner- und Installationsgeschäft.

Sohn August Max wurde vom Vater handwerklich  ausgebildet und als Nachfolger herangezogen.

Bald nach der Heirat von August Max Kunz (1894 - 1959) mit Veronika, geb. Lang (1897 - 1976), ein Nachbarmädchen, wurde  neben dem Altbau ein modernes Gebäude mit Laden und Werkstatt errichtet.

Warum der Gesamtbetrieb dann bei den Malschern allgemein nur s’Blechnormaxä genannt wurde, weiß heute kein Mensch mehr so richtig. Denn August Max Kunz wurde immer, so sagte man uns, mit seinem ersten Vornamen angesprochen.

August Max Kunz, ca. 1930
August Max Kunz, ca. 1930

Der zweite Sohn der beiden erhielt die Taufnamen Max (imilian) August(inus). Dass er dann (immer noch) dä  junge Blechnormax, genannt wird, ist ja für Malscher verständlich.

Doch zurück zur Ladenbetreiberin Veronika. Bei ihr konnte man alle möglichen Dinge für den Haushalt, aber auch allerlei Spielzeug für Kinder kaufen.

 Das Ladengeschäft wurde dann 1960 aus Altersgründen aufgegeben.

 

Drei Blechnerlehrlinge, ca. 1941: Otto Hirth, Berthold Hoffart, August Max Kunz
Drei Blechnerlehrlinge, ca. 1941: Otto Hirth, Berthold Hoffart, August Max Kunz


Lebensmittel und Haushaltwaren Schäuble

s’ Schaibles:  Offiziell war das Geschäft bis in unsere Tage hinein nach dem Erbauer und Inhabers des stattlichen Anwesens, nach  OTTO  SCHAEUBLE  benannt. Älteren Malschern denkt aber noch gut, dass der Laden etwa bis zum Ende des ersten Weltkrieges in Malsch nur Beis Maischä hieß.

 Die Gründung geht nämlich zurück auf Josef Maisch, einen Malscher Bauernsohn. Von diesem weiss man, dass er 1910 beim Anblick des brennenden Rathauses vor Angst und Schreck einen Herzschlag erlitten hat.

 Sein Sohn Josef heiratete später die aus Kuppenheim stammende Wirts- und Metzgertochter Berta Hertweck, starb aber bald darauf. So heiratete die junge Witwe bald wieder, und zwar den schon genannten und auch aus Kuppenheim stammenden Otto Schäuble. Und da Otto sowohl gelernter Blechner als auch Einzelhandelskaufmann war, passte er ja gut in dieses Geschäft. Doch es war ihm einfach zu klein. Anfang 1930 errichtete er dann das heute noch stehende Geschäftshaus am Kirchplatz, für die damalige Zeit geradezu ein Monumentalbau. Seine Zielstrebigkeit war deutlich zu erkennen an dem über seinem Schreibtisch hängenden Spruch

O scheue nicht den Morgen, der Müh’ und Arbeit gibt.

Es ist so schön zu sorgen für Menschen, die man liebt.

li: Hildegard Bertsch, geb. Schäuble
li: Hildegard Bertsch, geb. Schäuble

Die Familie Schäuble wurde  im 2. Weltkrieg hart getroffen, erst durch den Tod des ältesten Sohnes Heinrich in Stalingrad und später dann auch noch durch den bei einem Fliegerangriff auf Bruchsal verschütteten und umgekommenen zweiten Sohn Erich. Die Jüngste, Tochter Hildegard, führte dann, erst zusammen mit den Eltern und später auch mit ihrem Ehemann, das Geschäft weiter. Infolge einer schweren Behinderung musste sie dann das Geschäft vor einigen Jahren aufgeben. Heute befindet sich in dem Gebäude das Blumengeschäft Reiss.


Haushaltwaren und Elektrofachgeschäft Nies

Ladengeschäft in der Hauptstraße (damals Adolf-Hitler-Straße), 1936
Ladengeschäft in der Hauptstraße (damals Adolf-Hitler-Straße), 1936

Beis NIESä Lina:

An die Beschreibung dieses Ladens gehe ich mit ganz besonderer Freude heran, ist es doch das Geschäft, in dem ich einen Großteil meiner Jugendzeit verbracht und erlebt habe, aber ganz besonders auch, weil die Lina (1899-1974) ja unsere Mutter war. Obwohl  Vater Otto (1900-1977)  eigentlich der “Chef“ war, wurde der Ladenbetrieb bei den Malscher Leuten so gut wie immer nach der Lina benannt. Und das mit gutem Grund! Denn  sie und nicht ihr Ehemann Otto stand ja fast immer Laden Und nicht nur im Laden. Ich denke jetzt spontan an die „Büchsenmaschine“ im Nebenraum. Wie vieleDosen von ihr erst von Hand „abgeschnitten“ und später dann (gefüllt) „zugemacht“ wurden, kann man nur erahnen! Und was da alles „in jener Zeit“ sogar heimlich, meist bei Nacht, erledigt wurde, wissen auch nur diejenigen Menschen, die damals genügend Mut besaßen, auch mal „schwarz“ zu metzeln und zu ihr auch viel Vertrauen hatten. Nur gut, dass Lina schweigen konnte. Schweigen, wo einem der Mund manchmal mit Macht aufgehen wollte, war Gott sei Dank eine besondere Stärke von ihr. Da half ihr oft ein besonderer Grundsatz, indem sie, wenn nötig, unhörbar zu sich selber sagte : „Geschl, halt dei Gosch!“  

Doch nun zu „ihrem“ Laden. Das Haus wurde 1900 erbaut. Mit Sicherheit wissen wir, dass darin zeitweise die „Sparkasse“, später dann der „Pfannkuch“ untergebracht waren, ehe Schneidermeister Vinzenz Reichert das Anwesen kaufte und seinen Sohn Wilhelm darin einen   Lebensmittelladen betreiben ließ.

 Von Vinzenz Reichert erwarben dann unsere Eltern 1935 das Haus, nachdem Vater Otto 1933 die Meisterprüfung als Elektroinstallateur abgelegt hatte. Und dies als gelernter Bauschlosser beim Schlosser-Done. Otto war damit der erste „Elektromeister“ in Malsch. Praktische Fertigkeiten hierzu erwarb er sich in einigen Karlsruher Elektrofirmen, aber auch im „Gaswerk“ Malsch, welches in der damaligen Frühzeit der jungen Elektro-Technik mit einem eigenen Generator unser Dorf mit Strom, also nicht nur mit Gas, versorgte. Die theoretischen Kenntnisse erwarb er sich mühselig durch längeren Besuch von Wochenend-Kursen in Karlsruhe, und dies sogar oft mit dem Fahrrad. Das kann man sich so heute  gar nicht mehr vorstellen.

Dieses Haus lud unsere Eltern ja geradezu ein, darin auch ein Ladengeschäft zu eröffnen. Die Konkurrenz sah dies damals aber gar nicht gern. Drum war der Anfang ja auch nicht leicht. Otto (und nicht Lina!) musste daher erst noch eine Art Eignungsprüfung vor der Handwerkskammer ablegen, und dabei nachweisen, dass er nicht nur von „elektrischen“ Dingen etwas versteht, sondern auch in Sachen „Haushaltwaren“ fachkundig anbieten kann und daher auch verkaufen darf.

Den Haushalt der Familie versorgte damals über viele Jahre Hildegard Föry, eine treue und zuverlässige Hilfe, so dass sich Mutter Lina nicht auch noch  darum kümmern brauchte.

Bald waren die Anfangsschwierigkeiten überwunden, und das Geschäft lief gut. Angeboten wurden in erster Linie natürlich Elektroartikel aller Art, von Glühbirnen und Batterien über Bügeleisen und Zimmerlampen bis hin zu Staubsaugern, Kühlschränken und Elektroherden. Aber auch sonst noch alles mögliche, was immer zum Führen eines  Haushaltes gebraucht wurde, insbesondere alle Arten von Gscherr. Otto dagegen war oft draußen auf den Baustellen zu finden bei den Monteuren, aber auch daheim in seinem kleinen Büro, um halt den nötigen Schreibkram zu erledigen. Zeitweise waren in seinem Handwerksbetrieb  bis zu 20 Leute beschäftigt. Da fanden sogar Männer wie Karl Deubel (d’Biddlschell) und Franz Buhlinger (dä Dullor) auch in ihren alten Tagen noch Arbeit!   

So ging das dann jahrelang weiter, auch über die schwierige Kriegszeit hinweg. Was war das eine Freude, wenn dann nach dem Krieg mal wieder genug Eindünstgläser eingetroffen waren, oder wenn es Taschenlampen und Glühlampen und Batterien und so viel anderes, jetzt auch ohne „Bezugschein“, gab.

 Zwei besondere Höhepunkte im Ablauf eines Jahres sollten aber doch noch kurz erwähnt werden. In der Adventszeit, also vor Weihnachten, musste so manches im Laden umgestellt werden. Denn da wurden vor allem Spielwaren für Kinder angeboten. Da war immer was los! Und nicht nur Kinder, sondern auch die Großen hatten ihre Freude daran.

 Doch am zweiten Weihnachtsfeiertag, am Stephanstag, wurde der Laden schon wieder unter Mithilfe der ganzen Familie aus- und umgeräumt, denn Sylvester und Neujahr standen ja gleich danach vor der Tür. Und das spezielle Angebot hierzu war groß, von einfachen Schießblättle, Salzpropfor unn Knall-Fresch  bis hin zu den herrlichsten Raketen, also alles mögliche an Feuerwerkskörpern.

Lina in ihrem Zentrum
Lina in ihrem Zentrum

Wir, die Familienangehörigen, können dies alles noch so recht nachfühlen, waren wir doch oft in den Geschäftsbetrieb mit eingebunden. Neben den im Büro zeitweise tätigen Frauen Maria, Anneliese und ganz besonders Helga (bis zur Geschäftsaufgabe) war Tochter Liesel besonders mit der Buchhaltung betraut. Und da der als Vaters Nachfolger vorgesehene Sohn Karl, wie so viele andere, aus dem Krieg (Stalingrad) nicht mehr heimgekommen war, erlernte ich vor meinem Studium beim Vater erst einmal den Beruf des Elektroinstallateurs, selbstverständlich mit Gesellenprüfung. Denn so konnte auch ich damals meine „elektrischen“ Kenntnisse gut einbringen. Vor allem aber hatte ich dabei gelernt, was „schaffen“ heißt.  Auch  meine Frau Hedwig war oft im Einsatz, im Lager wie auch im Laden, besonders dann, wenn es der Mutter mal nicht gut ging, was in ihrer letzten Zeit ja oft, fast regelmäßig der Fall war.   

 So hat halt alles seine Zeit, auch im Leben eines Menschen. Eines Tages musste Lina aus gesundheitlichen Gründen den Laden aufgeben. Das war so mitten der 60er Jahre. Und auch Otto übergab seinen Handwerksbetrieb, zwar etwas später, an einen von ihm in jungen Jahren ausgebildeten  Elektromeister.

Was aber immer bleiben wird, ist eine gute Erinnerung und ein Gefühl der Dankbarkeit, nicht nur bei uns, den Angehörigen und den sechs Enkelkindern von Otto und Lina, sondern auch bei vielen Malschern, wie man uns immer wieder sagt.


Textilhaus Späth

ursprünglicher Sitz des Geschäfts in derHauptstraße
ursprünglicher Sitz des Geschäfts in derHauptstraße

In diesem Bericht geht es um das Textilhaus Späth in der Hauptstraße,

in Malsch "Späthä Friedel" genannt. Rainer Walter von den Heimatfreunden Malsch schrieb die kleine Firmengeschichte nach einem Gespräch mit Christel Storz, Tochter von Frau Friedel Späth, auf.

 Frau Frieda Lydia Späth, geborene Karcher, arbeitete von 1937 bis 1939 in Stuttgart als Hausdame. Dort lernte sie ihren damaligen Ehemann Erich Flick, der gegenüber wohnte, kennen und lieben. Am 6. April 1940 heirateten sie und sie zogen nach Posen (Polen). Erich Flick wurde von der Wehrmacht dienstversetzt. Die Tochter Christel kam 1944 zur Welt. Die Geburt der Tochter war der Grund zur Rückkehr in ihren Heimatort Malsch. Im März 1944 fiel der Ehemann an der Front.

Frau Flick war auf sich allein gestellt. Sie verliebte sich 1951 in den aus der russischen Gefangenschaft entlassenen Schulkameraden Erwin Späth. 1951 war Hochzeit.

Nun gründeten sie ein Fahrgeschäft mit Textilien. Mit ihrem Borgward Isabella und

Anhänger besuchten sie gemeinsam alle Jahrmärkte in der Region.

In der Hauptstraße, gegenüber der Schönberger Apotheke, eröffneten sie 1954 ein Textilgeschäft mit 25 Quadratmetern. Der Platz in diesem Haus wurde zu klein und man nahm die Möglichkeit an, das Haus im ehemaligen Gasthaus Rößle, später Sitz der Bezirks-Sparkasse Malsch, 1969 zu ersteigern. Damals boten auch die Metzger Edwin Kastner sowie Hermann Zimmer mit. Es wurde in 1000 Mark-Schritten geboten. Den Metzgern wurde irgendwann der Betrag für das Haus in angeblich schlechtem Zustand zu teuer und sie stiegen aus der Versteigerung aus. Das Haus wurde nach Planung des Architekten Franz Reichert komplett umgebaut. Die Möglichkeit, das Sortiment enorm zu erweitern, wurde genutzt. Es gab Damen,- Herren- und Kindermode zu kaufen und ganz besonders geschätzt war die umfangreiche Kurzwaren-abteilung. Es konnten Kunden aus Nah und Fern begrüßt werden. Die Kunden schätzten den Service von Frau Späth und Mitarbeitern.

Vor dem Umbau
Vor dem Umbau
Nach dem Umbau
Nach dem Umbau

Das Geschäft wurde am 1. Januar 1990 an die Tochter Christel Storz übergeben. Durch die Übergabe wurde das Sortiment grundlegend geändert. Daraufhin gab es keine Heimtextilien und Kinderbekleidung mehr zu kaufen. Nach wie vor war der Änderungsservice im Hause Späth groß geschrieben. Das Stammpersonal war über Jahrzehnte das Kapital der Firma. Nach dem Tod der Mutter Friedel erfüllte sich Christel ihren Herzenswunsch, der zweite große Umbau erfolgte. Das Geschäft sollte modernsten Ansprüchen entsprechen. 

Christel musste Anfang des Jahres 2000 krankheitsbedingt das Geschäft schließen. Sie wollte das Geschäft an die Tochter Monika oder den Sohn Erich übergeben, die jedoch wegen ihres eigenen Berufes kein Interesse zeigten. Daher übernahm Ralf Balzer, danach Firma Keilbach jeweils für 3 Jahre das Geschäft. Seit 2006 befindet sich der Filialist NKD in den Räumen.


Steingutwaren Strickfaden

Beim Häffele: In diesem Laden konnte man auch viele Dinge kaufen, vor allem aber Häfelchen (Häffele) aller Art: Kochhäffä, Souhäffä, Mosthäffele, Millichhäffele, Nochthäffele, Schmalzhäffele  aber auch größere Gebilde aus Ton, sogenannte Stonnä, zum längeren Aufbewahren von rohem Gemüse den Winter über. Über so viele verschiedene Häffeles-Arten kam dann der Betreiber Lorenz Strickfaden  zu seinem besonderen, sehr eigenartigen „Namen“.

 Er, der Lorenz,  bediente ja vor allem die Tankstelle und die Reparaturwerkstätte für Fahrräder. Im Laden aber betreute meistens seine Frau Stephanie zusammen mit Tochter Liesel die Kundschaft.

Während ich dies niederschreibe, kommt mir spontan ein Ausdruck in den Sinn, der mit dem Thema „Häffele“, oberflächlich betrachtet,  ja kaum was zu tun hat, nämlich das Wort „Haffäkäs“. Oder vielleicht doch?

Im volkstümlichen Sprachgebrauch  versteht man darunter oft etwas Einfaches, nicht sehr Wertvolles, nichts Kostbares und nichts Teures. Beim weiteren Nachdenken fand ich dann aber doch noch eine sinnvolle, plausible Deutung:

Früher stellten die Landfrauen, wie unsere Mütter ja auch noch, manchmal einen  Teil der frischen Milch in sogenannten Millichhäffälä zum „Sauerwerden“ auf; so sagte man damals dazu. Der dabei gewonnene Rahm wurde abgeschöpft und zum Kochen oder zum Butter-Plumbä verwendet. Die restliche, saure Milch, sogenannte gstonnene Millich, ließ man „abtropfen“ und zu einem ganz einfachen, aber guten und billigen Käse werden, dem sogenannten Bibbeleskäs. Dieser war dann zwar nicht so kostbar wie z. B. Schweizer Käse, Camembert, Maasdamer oder ähnliche Sorten. Aber er kostete ja so gut wie nichts, und man hatte ihn fast immer zum Vespern (und auch für die jungen, grad ausgeschlüpften Bibbele; daher auch der Name Bibbeleskäs!) zur Verfügung! Stimmt´s, Ihr Frauen?

Jetzt wissen wir also, dass än Haffäkäs an sich nichts Minderwertiges, sondern ebbäs Guts gewesen und auch heute noch ist. So hat er also doch etwas mit unserem Thema Häffele zu tun, weil er halt erst über den Weg eines besonderen Häfelchens zum Bibbeleskäs werden konnte! So hängt er, dä Haffäkäs, zumindest sprachlich, doch mit unserem Häffele etwas zusammen. Und wo kann man ein besonderes „Häffälä“ tatsächlich noch finden können? Bei den beiden Konrad Kunz in der Waldprechtsstraße kann man ein solches auch heute noch finden und kaufen.

Die Übergabe an Tochter Luise und deren Ehemann Karl Karcher erfolgte erst 1963, kurz vor Lorenz Strickfadens Tod. Endgültig geschlossen wurde der Laden dann 1996.


Baustoffhandlung Kunz

Die Familie Kunz im Jahre 1903 (von links nach rechts): Eugen Kunz, Hermann Kunz, Theodor Kunz, Marie Bader, Franz Kunz (kleines Kind), Maria Kunz, geb. Brisach und Laura Würzburger
Die Familie Kunz im Jahre 1903 (von links nach rechts): Eugen Kunz, Hermann Kunz, Theodor Kunz, Marie Bader, Franz Kunz (kleines Kind), Maria Kunz, geb. Brisach und Laura Würzburger

Etwas versteckt, im Herzen von Malsch, fand man bis 1985 in der Adlerstraße 34 die Firma Kunz Baustoffe, besser bekannt als „Baustoff Kunz“. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1926 durch den Kaufmann Franz Anton Kunz. Er wurde am 13. Oktober 1900 in Malsch geboren. Seine Eltern waren Theodor Otto Kunz und Maria Kunz, geborene Brisach, die zusammen eine florierende Weinhandlung in der Neudorfstraße betrieben. Der gelernte Küfer entdeckte in der Weinhandlung schnell sein Verkaufstalent. Nachdem klar war, dass sein ältester Bruder Hermann den elterlichen Betrieb weiterführen würde, eröffnete er im gleichen Haus zu Beginn der 1920er Jahre eine Lebensmittelhandlung. Dabei kam es sogar zu Überschneidungen im Verkaufssortiment, was dem familiären Frieden natürlich nicht zuträglich war.

Wie es sich für einen umtriebigen Geschäftsmann gehört, machte er aus einer Not eine Tugend. Seit 1913 befiel die Reblaus die badischen Weinbaugebiete. Um diese auszurotten, mussten auch die Rebpfähle verbrannt werden, an denen die befallenen Reben angebunden waren. Als Experte in Sachen Wein wusste Franz Kunz daraus ein Geschäft zu machen. Um den steigenden Bedarf zu decken, verkaufte er von nun an Rebpfähle. Angeblich waren diese, so ist es überliefert, resistent gegen den Schädling. Damit entwickelte sich dieser Artikel zum Verkaufsschlager.

 Da ein Standbein nicht reichte, wurde das Geschäft nach und nach zu einer Holzhandlung ausgebaut, das Sortiment um Latten und Bretter erweitert. Allerdings hatten auch andere Unternehmen in Malsch damals diese Idee.

Also mussten weitere geschäftliche Anstrengungen unternommen werden. Im Jahr 1926 stellte Franz Kunz das Geschäft auf eine Baustoffgroßhandlung um. Von der Deutsche Hourdisfabrik GmbH, Baden-Baden, erhielt er die Regionalvertretung für Malsch und seine Ortsteile, für Oberweier, Ettlingenweier und Bruchhausen sowie Oberweier bei Waldprechtsweier. Dort vertrieb er Backsteine und Dachziegel. Die Lieferungen an die Kunden erfolgte ab Werk, eine Lagerhaltung war deshalb noch nicht nötig. 

Drei Jahre später gründeten Franz Kunz und Antonie Luise Franziska Wedner eine Familie. Die Hochzeit fand in Malsch statt. Das junge Paar baute sich in der Adlerstraße ein Haus, und bald darauf kam Tochter Waltraud Luise Kunz auf die Welt. Auch die Firma hatte von nun an ihren Sitz in der Adlerstraße. Antonie war die Tochter des Gasmeisters Paul Otto Max Wedner, der bis 1931 Betriebsleiter des Gaswerks in Malsch gewesen war. Sie wurde am 26. Januar 1904 in Döhlen bei Dresden geboren.

Die spätere Inhaberin Antonie Kunz
Die spätere Inhaberin Antonie Kunz

Den Dresdner Dialekt, den sie deswegen sprach hielte mancher in Malsch für Hochdeutsch, weil er „so vornehm“ klang.

Geschäftlich müssen es damals harte Jahre gewesen sein. Antonie Kunz berichtete immer wieder, wie froh sie gewesen seien, wenn im Hof das Klappern eines Leiterwägelchens zu vernehmen war, das über den steinigen Boden gezogen wurde. Kündete dieses Geräusch doch davon, dass ein Kunde im Anmarsch war. Immer wieder klagte die Seniorchefin, man habe an diesem Tag „mal wieder nicht das Salz in der Suppe verdient“.

 

Franz Kunz vertraute jedoch auf seine kaufmännischen Fähigkeiten. Egal wie schlecht die Lage sei, versicherte er seiner Frau, könne er doch seine Familie immer ernähren. Doch seine beste Geschäftsidee konnte er nie umsetzen: „Könnte ich die Menschen zu dem Preis einkaufen, was sie wirklich sind und zu dem Preis verkaufen, für das was sie sich halten, das wäre das beste Geschäft“, war der Unternehmer überzeugt. 

 

Im Jahr 1939 wurde Franz Kunz zum Kriegsdienst eingezogen. Antonie Kunz berichtete später immer wieder, wie schlimm diese Zeit für Franz gewesen sei und wie unglücklich er darüber war, Soldat zu sein. Antonie war eine passionierte Köchin, und Franz aß für sein Leben gerne gut und reichlich. Als er in der Kaserne eingekleidet wurde, wog er schon einige Pfunde zu viel. Es passte ihm keine Koppel, alle waren zu kurz. Durch das kärgliche Essen nahm seine Leibesfülle allerdings rasch ab, wie ein Foto beweist, was ihn als Soldaten in Uniform (mit Gürtel) zeigt.

Frank Kunz, links mit Tasche
Frank Kunz, links mit Tasche

Dass Franz eingezogen wurde, hatte natürlich drastische Auswirkungen auf seinen Baustoffhandel. Als Folge des Krieges wurde nicht nur der Telefonanschluss zum 26. August 1939 abgemeldet, sondern der Geschäftsbetrieb vollständig eingestellt. Wie so viele Frauen in dieser Zeit war Antonie nun mit ihrem Kind allein daheim. Die kleine Familie blieb auch von weiteren Auswirkungen des Krieges nicht verschont. Das Wohnhaus wurde von einem Artilleriegeschoß getroffen. Zum Glück war es ein Blindgänger, und der Schaden hielt sich in Grenzen. Nur im Dach und in der Zimmerdecke klaffte ein großes Loch. Dieser Schaden wurde durch tatkräftige Nachbarschaftshilfe von den Söhnen der Familie Laible behoben.

Während der Kriegsjahre war es nicht nur aus personellen Gründen unmöglich, den Verkauf weiter aufrecht zu erhalten. Die Deutsche Hourdisfabrik GmbH aus Baden-Baden kündigte in einem Schreiben vom 29. Dezember 1942 das Vertreterverhältnis mit Franz Kunz. Man könne keine geregelte Belieferung mehr sicherstellen, nur noch „von Fall zu Fall“, aber auch das „ohne Verbindlichkeit“. Material wurde inzwischen nur noch für kriegswichtige Bauvorhaben geliefert.

Noch 1945 wurde Franz Kunz in Italien verwundet. Ein Partisan durchschoss seinen linken Arm am Ellenbogen. Als er bei seiner Heimkehr nach sechs Jahren in der Fremde von ferne das Glockenläuten von St. Cyriak hörte, habe er vor Freude und Glück geweint: „Dieser süße Klang war für mich die Gewissheit und das gute Gefühl, wieder daheim zu sein!“ Zügig strebte er die Wiedereröffnung seiner Firma an. Nachdem auch Bürgermeister Theodor Deubel den Weiterbetrieb des Geschäftes befürwortet hatte, erhielt Franz Kunz am 15. August 1945 von der US-Militärregierung die ersehnte Genehmigung. 

Am 3. November 1955 heiratete Tochter Waltraud den kaufmännischen Angestellten Hugo Hanns Schneider. Er gab seine Tätigkeit bei der Karlsruher Lebensversicherung AG auf und stieg 1956 in die Baustoffhandlung mit ein. 

Nach dem Krieg waren die Zeiten nicht einfacher geworden. Gerade jetzt hätte der Wiederaufbau das Geschäft angekurbelt, doch wie bei so vielem gab es auch beim Baumaterial Lieferengpässe. Von bestimmten Waren erhielt der Großhändler, wenn überhaupt, nur ein bestimmtes Kontingent. Hugo Schneider berichtet, wie er mehrmals nach Bruchsal zur Firma Bott gefahren ist und um Lieferung von Dachziegeln gebettelt hat. Ein weiteres Problem kam hinzu: Am Firmenstandort in der Adlerstraße stand Lagerplatz nur sehr begrenzt zur Verfügung. Im Wohn- und Geschäftshaus waren bis zu drei Familien zwangseingewiesen. Und auch wenn ein Bewohner auszog, konnte der Raum nicht für den Geschäftsbetrieb genutzt werden. Rasch wurde er durch die Wohnraumbehörde wieder belegt.

Ein weiteres erschwerte den Geschäftsbetrieb: die Zufahrt. Ohnehin etwas versteckt in einem nur von der Adlerstraße aus zu erreichenden Hinterhof gelegen, verhinderte der Ortsbach den direkten Zugang von der Hauptstraße aus, die damals noch als Hauptverkehrsader durch das Dorf führte. Einen Brückenbau, der dieses Hindernis beseitigt und die um ihre Existenz ringende Firma unterstützt hätte, wurde vom Gemeinderat nicht verwirklicht. Die Kosten für eine Brücke, die allen Ansprüchen genüge, seien zu hoch. Durch durch die Schließung des Ortsbachs Mitte der 1960er Jahre hat sich das Problem dann von selbst gelöst.

Im Jahre 1968 starb Franz Kunz. Außer seiner Baustoffhandlung hatte seine Leidenschaft gutem Essen, dem FV Malsch (goldene Ehrenmedaille für 50-jährige Mitgliedschaft) und der GroKaGe Malsch gehört. Der Betrieb wurde auf seine Frau Antonie Kunz übertragen. Da sie selbst aber nicht in das Geschäft einsteigen wollte, erteilte sie ihrer Tochter Waltraud und deren Mann Hugo Schneider Prokura. Durch den Generationswechsel stand das Unternehmen vor einem weiteren Umbruch. Es wurde fortan, unter Beibehaltung des bekannten Firmennamens, von den Eheleuten Schneider gemeinschaftlich geführt. Dabei musste Waltraud Schneider auch noch den Spagat zwischen Geschäft, Haushalt und der Erziehung der drei Kinder Birgitt, Martina und Joachim bewältigen. Hugo Schneider, der aus Karlsruhe-Mühlburg stammte, musste sich erst einmal ins Ortsgeschehen einfinden. Doch er brauchte nicht lange dafür. So war er zum Beispiel im Kirchenbauverein für St. Bernhard aktiv. Dessen zentrale Forderung an den Architekten lautete, den Glockenturm mit dem Kirchenschiff zu verbinden – eine Forderung, die, wie man heute noch sehen kann, nicht erfüllt wurde.

Durch Schließung des Ortsbaches und neuen gesetzlichen Bestimmungen zur Abwasserentsorgung wurde es notwendig, in Malsch eine Kanalisation zu bauen. Das löste in der Baustoffhandlung einen kleinen Boom aus – und die Erkenntnis, dass man dringend rationalisieren musste. Um ihre Kunden noch individueller beliefern zu können, kauften die Geschäftsinhaber 1962 einen Henschel-Lastwagen. Im Dezember 1969 bekam der Fuhrpark mit einem Gabelstapler der Marke Atlas weiteren Zuwachs.

Im Jahr 1971 wurde in moderne Hardware investiert. Die Firma Erich Staub Büromaschinen aus Malsch lieferte einen Triumph-Elektronenrechner. Es handelte sich um eine moderne, elektronische Rechenmaschine. An Computer war zu dieser Zeit noch nicht zu denken.

 

Nicht nur das Ortsbild von Malsch wurde auf modern getrimmt, auch viele ortsansässige Firmen verlegten ihren Sitz in das rasch wachsende Industriegebiet rund um die Benzstraße. Oder bauten ein neues Geschäftsgebäude. Auch „Baustoff Kunz“ wollte weiter wachsen. Doch nachdem sich die angestrebte Firmenverlegung in den „Schelmengrund“ (Posener Straße) sich zu lange hinzog, beschlossen Waltraud und Hugo Schneider 1970, auf dem bisherigen Gelände eine Lagerhalle zu errichten. Fünf Jahre später wurde noch die bestehende Scheune durch ein modernes Lager ersetzt.

Die Kunden von Kunz Baustoffe waren zum größten Teil Privatkunden. Die Firma war in ein Netzwerk Malscher Unternehmen eingebunden, bei denen sich alles rund um Handwerk und Bau drehte. Nennenswert ist die Zusammenarbeit mit der Firma Dyckerhoff und Widmann, die unter anderem Betonleitplanken für Autobahnen herstellte. Dafür wurden täglich zwölf Tonnen Zement geliefert. Zu den regelmäßigen Lieferanten von „Baustoff Kunz“ gehörten die ebenfalls im neuen Industriegebiet ansässigen Firmen Hebel (heute Xella/Ytong) und die Süddeutsche Teerindustrie.

 

Es folgte eine Zeit, in der in Deutschland viele Tante-Emma-Läden starben. In Rastatt und Karlsruhe entstanden immer mehr Bausupermärkte. Die Folge dieser Entwicklung war, dass sich viele traditionelle, mittelständische Unternehmen aus dem Handelsbereich Baustoffe zurückzogen. Waltraud und Hugo Schneider half der Standort mitten im Ort, um sich gegen die übermächtigen Wettbewerber einigermaßen zu behaupten. Das erforderliche Know-How war vorhanden, die Kunden wussten das zu schätzen. Das galt für den Service von „Baustoff Kunz“. Auch für den FV Malsch war „Baustoff Kunz“ die erste Anlaufstelle - besonders, wenn sonntags vormittags vor dem Spiel festgestellt wurde, dass der Weißkalk für die Linien auf dem Fußballplatz ausgegangen war.

Treue Kunden hielten dem Unternehmen die Stange. Hier konnte man einen Sack Zement erwerben, ohne lange Wege in Kauf nehmen zu müssen und zudem ein Schwätzchen halten. Der Einkauf im Dorf erfüllte bis zum Internetzeitalter die wichtige Funktion, Neuigkeiten auszutauschen. Heute scheinen dafür nur noch Facebook und Twitter zuständig zu sein.

Am 1. September 1985 starb Waltraud Schneider nach mehrmonatiger Krankheit. Kunz Baustoffe war von Anfang an ein Familienunternehmen gewesen. Und da die wirtschaftlichen Aussichten für das kleine Unternehmen nicht gerade rosig waren, erscheint es den Kindern nicht ratsam, die Firma weiterzuführen. Erschwerend kam hinzu, dass in Neumalsch ein großer Baumarkt eröffnete. So fiel der logische Entschluss, das Geschäft zum 31. Dezember 1985 zu schließen.

Der Gabelstapler, der der Firma lange Zeit gute Dienste geleistet hatte, blieb im Familienbesitz. Für die Malscher Kolpingsfamilie erwies sich das als großes Glück – konnten doch mit seiner Hilfe die Lastwagen für diverse Hilfslieferungen ruckzuck beladen werden.


Weinhandlung und Brennerei Schindler

Weinhandlung Schindler in der Hauptstraße
Weinhandlung Schindler in der Hauptstraße

Die Geschichte der Weinhandlung und Brennerei Schindler 

 Rainer Walter schrieb die kleine Firmengeschichte nach einem Gespräch mit Elisabeth Reisenauer, ehemalige Mitarbeiterin im Haus Schindler, auf. 

 Die Familie Schindler war die Wirtsfamilie des Gasthauses „Hirsch“. Es befand sich neben dem Rathaus in Malsch. Nach dem Tod seiner Eltern hat ihr Sohn Adolf Schindler das Gasthaus zusammen mit seiner Ehefrau Lina, geborene Kunz, die aus der Neudorfstraße stammte, noch einige Zeit weitergeführt. Adolf Schindler, der am 17. Februar 1945 verstarb, war der Bruder des Malscher Kunstmalers Theodor Schindler, der in der Waldprechtsstraße im „Schindler-Haus“ wohnte und wirkte.  Neben dem Gasthaus „Hirsch“ stand ein Gebäude, das zum Kloster Frauenalb gehörte und das als Weinhandlung, Spirituosengeschäft und Wohnhaus genutzt wurde. Am 11. April 1945 marschierte die französische Armee in Malsch ein und begann die Weinhandlung zu plündern.  Es wurde in die Weinfässer geschossen, der auslaufende Wein dann getrunken. Nachdem die französischen

Wappen der Maria Gertrudis von Ichtrazheim (1715-1755), Äbtissin von Frauenalb
Wappen der Maria Gertrudis von Ichtrazheim (1715-1755), Äbtissin von Frauenalb

Soldaten ihren „Durst“ gestillt hatten, beteiligten sich auch einige Malscher Bürger an dem unschönen Tun.

 Durch die Kriegsereignisse war das Haus stark beschädigt worden und wurde daher abgebrochen. Im Jahre 1949 wurde auf dem gleichen Grundstück ein neues Gebäude errichtet. Das Wappen der Maria Gertrudis von Ichtrazheim (1715 – 1755), Äbtissin von Frauenalb, hat man über dem Hofeingang des neuen Gebäudes wieder angebracht, wo es noch heute zu sehen ist.

Die beiden Töchter von Adolf und Lina Schindler, Elise(„Elis“) und Josefa, eröffneten im Erdgeschoss des neuen Hauses ein Ladengeschäft, in welchem Wein, Spirituosen, Feinkost, Fisch, Eis und weitere Lebensmittel verkauft wurden. Eine Brennerei war in einem Gebäude im Hinterhof untergebracht. Elise und Josefa hatten auch einen Bruder, Eugen. Dieser verstarb  im 2. Weltkrieg in einem Lazarett. 

Hinterhof
Hinterhof

Die beiden Schindler-Töchter besaßen auch Kühe und Schweine und bauten Kartoffeln an. Um diese vielen Arbeiten meistern zu können, wurde ihnen der polnische Kriegsgefangene Johann Kocak (geboren am 3. Oktober 1912) zugeteilt. Dieser fühlte sich in Malsch so wohl, dass er nicht mehr in seine polnische Heimat zurückkehren wollte. Bis zu seinem Tod am 21. Februar 1982 wohnte und arbeitete er bei Elise und Josefa Schindler.

Elise starb im Jahre 1978. Nachdem auch Josefa  am 30. März 1982 verstorben war, wurde das Geschäft geschlossen


Schuh- und Schusterläden

Schuhgeschäft und Schusterei Hirth

Vor dem Umbau 1984
Vor dem Umbau 1984

s`Hirthä-Schusters: Wahrscheinlich der älteste „Schusterladen“ in Malsch.

Der Begründer war Emil Hirth (1887 – 1958). Wo er den Beruf des Schusters erlernte und wann er Gesellen- und auch Meisterprüfung ablegte, konnten wir nicht finden. Dass er aber seit 1926, also von Anfang an von der Firma Salamander aus Kornwestheim den besonderen Titel  „Salamander-Alleinverkauf in Malsch“ erhielt, wissen wir mit Sicherheit aus einer diesbezüglichen Urkunde aus dem Jahre 1976, und zwar zu seinem 50-jährigen Betriebs-Jubiläum.

Der Ehe der beiden entsprossen drei Kinder: Sohn Eugen wurde Zahnarzt (Dentist), Sohn Franz folgte dem Vater als „Schuster“, Tochter Anna wurde wie ihr Bruder Eugen auch Dentistin (lebt heute in Bergzabern). Der nachfolgende „Schuster“, also Sohn Franz (1921-2005), legte nach seiner Gesellenprüfung 1938 auch die Meisterprüfung  1946 mit Erfolg ab.

Nach des Vaters altersbedingter Erkrankung führte er von 1945 bis 1959 zusammen mit seiner Mutter das Schuhgeschäft weiter und übernahm dann ab 1. Januar 1960 Werkstatt und Laden in eigener Verantwortung. Nach der Hochzeit mit Helene Laible (28.VI.1960) führten die beiden dann zusammen bis 1984, also fast 25 Jahre lang, das Schuhgeschäft weiter. Der damaligen Zeit entsprechend modernisierten die beiden dann 1984 das Ladengeschäft wie auch den Wohnbereich. Danach wurde der Laden anderweitig - jetzt als Reisebüro - genutzt.


Schuhhaus Wickenhäuser

das Haus in den 50er Jahren
das Haus in den 50er Jahren

s’ Wickähäiser- Schusters: Der Laden lag ja fast direkt gegenüber den Hirthen-Schusters. Begonnen hat die Schuster-Tradition aber oberhalb der Kirche im Oberdorf im Hause vum Sägmüller-Rot. Dort betrieb  Franz Wickenhäuser (1908 - 1978) zunächst eine Schusterwerkstatt, wie viele andere Malscher Schuster ja auch.

Nach der Eheschließung mit Martha, geb. Staiger, ä Dochdor vunns Lommwerts, und nach dem Kauf des Hauses in der Hauptstraße 26, dem früheren Schuhgeschäft Kaufherr, betrieb dann Franz Wickenhäuser darin zunächst nur die Schuhmacherei (ohne Laden), wie dies uns Älteren ja noch gut denkt. 

Wie es dann weiterging, lasse ich am besten den Chronisten des Gewerbevereins Malsch in der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins (1998) selber (auszugsweise) erzählen:

„ ….Krieg und Kriegsgefangenschaft brachten den Betrieb zum Stillstand. Nach der Rückkehr im Juni 1948 ging es mit der Schuhmacherei weiter, und am 1. Oktober 1950 eröffnete das Ehepaar Wickenhäuser im alten Haus ein Schuhgeschäft.  Dem Wirtschaftswachstum anpassend konnte bereits im Dezember 1958 das Ehepaar, unterstützt von seinen drei Söhnen, die Kunden im Neubau begrüßen.

Haus nach dem Umbau 1958
Haus nach dem Umbau 1958

1972 übernahm Sohn Horst Wickenhäuser (1939 – 2008) mit seiner Frau Gudrun, geb. Fritz, das Geschäft. Im Jahre 1975, dem Jahr des 25-jährigen Geschäftsjubiläums, legte Schuhmachermeister Horst Wickenhäuser die Orthopädie-Meisterprüfung ab und widmete sich fortan auch diesem Fachgebiet, das sich mit der schuhmäßigen Versorgung von Fußdeformationen befasst.  

1972 übernahm Sohn Horst Wickenhäuser (1939 – 2008) mit seiner Frau Gudrun, geb. Fritz, das Geschäft. Im Jahre 1975, dem Jahr des 25-jährigen Geschäftsjubiläums, legte Schuhmachermeister Horst Wickenhäuser die Orthopädie-Meisterprüfung ab und widmete sich fortan auch diesem Fachgebiet, das sich mit der schuhmäßigen Versorgung von Fußdeformationen befasst. 

Neu in sein Arbeitsfeld gehört die Versorgung des diabetischen Fußes. Eingearbeitet durch eine spezielle Diabetiker-Schulung, ist Horst Wickenhäuser in der Lage, per Computerabdruckverfahren den Fuß zu vermessen.Im Jahre 1979 wurde durch Um- und Neubau die Verkaufsfläche sowie das Lager mehr als verdoppelt.  Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten konnte sich das Geschäft im Jahre 1991 mit neuer Einrichtung präsentieren. Aus Altersgründen wurde das Ladengeschäft 2005 geschlossen.

Schon im März des folgenden Jahres konnte der Gesamtbetrieb weiter vermietet werden, der Schuh-Laden an die Firma Haitz und die Orthopädische Spezial­Abteilung an die Firma Wald.


Schuhhaus Kühn

Blick auf das Mitteldorf mit dem Schuhladen Kühn
Blick auf das Mitteldorf mit dem Schuhladen Kühn

s`Kühnä-Schusters: Den Älteren denkt dieser Laden auch noch ganz gut, in der Hauptstraße neben s`Vielsäckers. Der Ursprung liegt aber auch hier  wieder woanders, nämlich in Waldprechtsweier. Warum? Weil der Friedrich Kühn (1903 – 1969) ein Bruder vum Kirschdä-Seppl aus Waldprechtsweier war und er auch dort im Elternhaus seine erste Schusterwerkstatt betrieb. Davor hatte er das Handwerk eines Schuhmachers in Bühl erlernt.

Nachdem er 1928 die Maria Geiger (1904-1989) aus Malsch geheiratet hatte, eröffneten die beiden nach bestandener Meisterprüfung zu der Werkstatt in Waldprechtsweier auch noch einen Schuhladen in Malsch im Nebenbau des Malscher Gasthauses Krone (heute Hörsysteme Link).  Erst 1936 erfolgte dann der Umzug  in das zuvor erworbene und umgebaute Gebäude in der heutigen Hauptstraße 12.  

Bald bekamen die beiden auch den besonderen Titel Mercedes-Alleinverkauf  in Malsch zuerkannt. Und so ging es dann auch gut weiter (oft auch unter Mithilfe der Töchter Maria und Rita) bis zu Friedrichs Tod 1969. Danach führte Tochter Rita das Schuhgeschäft allein noch weiter, bis sie dann 2003 aus Altersgründen den Laden auch zumachte. 

Rita, von der  dieses Informationen weiter gegeben wurden, lebt heute in Oberweier bei Ettlingen, verheiratet mit Reinhold Hitscherich, einem Enkel von uns Alten noch gut bekannten Hitschorich-Sattler in der Malscher Adler-Straße.


Schuhhaus Kunz

das kleine Haus beim Kreuz und bei der Linde (vor 1932)
das kleine Haus beim Kreuz und bei der Linde (vor 1932)

s'Bischöffls bei dä ehemoligä Linde mittl im Dorf: Die Bischöffl, richtig mit Namen Kunz, sind auch eine typische Malscher Familie. (nicht zu verwechseln mit anderen Malscher „Kunzen", wie z. B. mit s'Ratschreibers, oder mit s'Jonsches oder mit s' Buddorles u.a).

Bekannt ist, dass der Stammvater der Malscher „Bischöffl " Karl Kunz hieß und in der Adlerstraße wohnte. 

1932 heiratete Franz Kunz Apolonia Zimmer (1908 - 1991) und verlegte dann 1933 nach Abriss des kleinen Nebenhäuschens der Schwiegereltern in der Lindenstraße und nach Errichtung eines Neubaus seine Werkstatt dorthin und eröffnete auch einen Laden für Schuhwaren. Der Betrieb florierte, bis der Krieg (1939-1945) halt einiges veränderte. Franz musste auch in den Krieg und kehrte erst im Spätjahr 1946 aus englischer Gefangenschaft wieder heim. Bis dahin versorgte seine Frau den Laden, so gut es ging, halt allein. 

Was aber am Kriegsende noch alles los war und wie es später dann weiterging, das lasse ich am besten Tochter Hilde selber erzählen.

Tochter Hilde erinnert sich noch gut an die Zeit vor und nach Kriegsende: „In den letzten Tagen des Krieges und auch noch kurz danach wurde unser Geschäft von französischen Soldaten total zerstört und ausgeraubt. Die Schaufenster wurden brutal eingeschlagen und die Restbestände an Schuhwaren auf die Straße geworfen. Da gab es eine Art von Selbstbedienung für jedermann, denn nach einer Stunde war unser Laden leer und die Straße auch wieder geräumt. Ohne jegliche Bezahlung.

der junge Meister mit seinem ersten Lehrling, seinem jüngsten Bruder Anton
der junge Meister mit seinem ersten Lehrling, seinem jüngsten Bruder Anton

Nachdem unser Vater 1946 aus Gefangenschaft wieder heimgekehrt war, begann er sofort mit dem Wiederaufbau des Ladens und seiner Werkstatt. Aus Restbeständen von bis dahin verstecktem oder durch die damals üblichen Tauschgeschäfte organisiertem Leder, das in seiner Scheuer gelagert war, fertigte er Schuhe vor allem für Kinder und Jugendliche an, aber auch für die Stallarbeit!" (Wir Älteren denken jetzt spontan an Stallschlappä unn Holzädoffl, gell?)

„Damals florierte der Schwarzmarkt mit seinen Tauschgeschäften. Und da besorgte sich auch unser Vater immer wieder Material für die Werkstatt und den Laden, wo und wie es nur ging! Das Geld hatte ja keinen Wert, nur Ware gegen Ware, wie zum Beispiel Bettwäsche oder ähnliches, halt Brauchbares, gegen Mehl, Kartoffeln, meistens Lebensmittel. Erst mit der Währungsreform 1948 wurde es wieder besser. Mit 40 D-Mark „Kopfgeld" pro Person begann damals das Deutsche Wirtschaftswunder.

Bald wurde auch unsere Werkstatt vergrößert, so dass bei uns zeitweise bis zu sechs Schuhmacher, Schäftemacher und Zuschneider beschäftigt waren. Ab da wurde auch modisches Schuhwerk in Handarbeit gefertigt. Das Geschäft lief gut, man konnte sich ja wieder etwas mit seinem Geld kaufen. Bald wurde auch der Laden und das Wohnhaus umgebaut und renoviert. 

1955 übernahmen wir zu unserem Ladengeschäft in Malsch eine Filiale der Fa. Schuh-Rieß in Pforzheim. Dieser Laden war aber bald schon zu klein für unser Angebot, so dass sich unsere Eltern 1965 entschlossen, ein weiteres und noch viel größeres Schuh-Haus dort zu eröffnen. Darin boten wir dann auf zwei Verkaufs-Ebenen unser Vollsortiment an.

 Leider verstarb unser Vater schon 1969. Ab da lag die Führung der Geschäfte bereits in den Händen der Töchter und Schwiegersöhne. 1997 beziehungsweise 1999 mussten wir dann altersbedingt unsere Schuhgeschäfte in Pforzheim schließen. Das Geschäft in Malsch wurde schon 1992 geschlossen." Soweit Hilde Zips, geb. Kunz

Diese zuletzt geschilderten Schuhläden befanden sich zwar nicht in Malsch. Sie waren aber das Lebenswerk eines „Malscher" Schusters.