Ehemalige Gastätten und Läden in den Ortsteilen


Sulzbach

In einem Pressebericht in den Badischen Neuesten Nachrichten vom 14. Juli 2009 anlässlich der Verabschiedung des Sulzbacher Ortsvorstehers Bernd Lehnhardt konnte man u.a. folgende Aussage von ihm lesen:

„Schade für die älteren Menschen sei, dass das Dorf viele kleine Geschäfte verloren habe. Wir hatten sogar einmal eine Tankstelle.“

Sicher hat es auch in Sulzbach schon vor 1900 Möglichkeiten gegeben, notwendige Dinge für den Alltag, besonders Kleinzeug für die Küche einzukaufen. Solches „Zeug“ nannte man bei uns schon immer „Kram“. Bestimmt kommt daher auch der Ausdruck „Kramladen“. Und der Betreiber hieß im Volksmund kurz und bündig oft bloß dä Krämor.

Es braucht uns also nicht zu wundern, dass einer der früheren Läden in Sulzbach von den Leuten auch bei  s’Krämors“ genannt wurde.

Und noch einige allgemeine Bemerkungen.

Normale wichtige Lebensmittel, wie Kartoffeln, Weiß- und Schwarzmehl, Öl, frisches Gemüse in der warmen Jahreszeit, für die kalte Jahreszeit in „Stannen“ eingemachtes Gemüse wie Sauerkraut, Rüben, Bohnen und auch Gurken, um nur einige zu nennen, waren damals in (fast) jedem Haus genug vorhanden. Doch über Möglichkeiten zum Einkauf von so vielen Alltags-Kleinigkeiten, wie z. B. Essig, Salz, Gewürze, Zucker, Paniermehl, Reis, Grieß und Teigwaren, aber auch Schuhnestl, Reißneggl  und derlei sonstiges „Zeug“ konnte uns niemand etwas Konkretes sagen. Sicher hat man solchen Kleikram auch schon früher in unseren Dorfläden, wenn auch nur in bescheidenem Rahmen, einkaufen können. 


 Bei s’Beggäs (Bäckerei Lumpp)

So wurde dieses Geschäft im Volksmund allgemein genannt. Wie der Name schon andeutet: Es handelte sich um eine Bäckerei. Der Bäckermeister Vinzenz Lumpp gründete zusammen mit seiner Frau Theresia, geb. Trapp, im Jahre 1907 im Ortszentrum von Sulzbach seinen Betrieb.

Erst 1948, also nach über 40 Jahren, erfolgte die Übergabe an deren Sohn Erwin Lumpp und dessen Ehefrau Theresia, geb. Günter. Die beiden modernisierten dann den Verkaufsladen 1967.

1969 legte dann deren Sohn Alfons die Meisterprüfung im Bäckereihandwerk ab und übernahm dann ab 1. Januar 1976 zusammen mit seiner Ehefrau Maria, geb. Herhalt den Betrieb  von Alfons Eltern. 1982 konnte dann das  75 jährige Betriebsjubiläum  der Bäckerei Lumpp gefeiert werden. Alfons und Maria Lumpp entschlossen sich dann Ende 2006 aus Altersgründen zur Aufgabe des Bäckereibetriebes, da ja kein männlicher Nachfolger vorhanden war. Der Bäckerbetrieb erhielt einige Auszeichnungen.

Gründerehepaar Vincenz und Theresia Lumpp, geb. Trapp                              Eheleute Erwin und Theresie Lumpp, geb. Günter

modernisierte Ladenfront               Hochzeit Alfons Lumpp            Backstube                  Alfons und Maria Lumpp              Preisverleihung 1983 durch
                                                      u.Maria, geb. Herhald                                                                                                     Freih.von Heeremann


Mutter Anna und 3 Kinder ca. 1943 vor dem Laden
Mutter Anna und 3 Kinder ca. 1943 vor dem Laden

Dä Hitscherich-Begg

Fast am Anfang der Talstraße, neben der Unteren Mühle, richtete Johannes Hitscherich (1895-1952), ein Sohn des Adlerwirts Karl Hitscherich und dessen Ehefrau Luise, geb. Schindler, im Anwesen seiner Schwiegereltern 1921 eine Bäckerei mit Verkaufsladen ein. Den Laden versorgte meist seine Ehefrau Anna, geborene Heinzmann, lange Zeit auch zusammen mit Tochter Elfriede.

Von den vier Kindern Robert, Elfriede, Alfred und Bertram erlernte nur der Jüngste, Bertram, den Beruf des Vaters.

Bertram und Veronika im modernisierten Laden ca. 1960
Bertram und Veronika im modernisierten Laden ca. 1960

Sohn Bertram, inzwischen auch „Bäckermeister" geworden, übernahm vom Vater im Jahre 1955 dann zusammen mit seiner Ehefrau Veronika, geb. Zimmer, die Backstube samt Laden. 

Bertram musste 1986 Backstube samt Laden krankheitshalber aufgeben. Der Verkauf von Backwaren aller Art erfolgt aber immer noch durch die Firma Fritz aus Muggensturm.

Während des Krieges geschah in diesem Hause ein Vorfall, der zwar mit der „Bäckerei" selber nichts zu tun hat, aber in der damaligen Zeit ähnlich sicher oft passiert ist, dass man darüber auch hier, kurz gefasst, berichten sollte. Sohn Alfred, der dies damals selber miterlebte, hat es erzählt:

Bei's Hitscherichs war mal wieder Metzeltag. Amtlich angemeldet war ja nur eine Sau, gemetzelt wurden aber (wie öfters) heimlich zwei! Klein-Marte, der amtliche örtliche Kontrolleur und Fleischbeschauer war informiert. Der junge Bertram wurde auf die Straße hinaus geschickt, um das Kommen vom Marte so früh wie möglich lautstark zu melden, hatte sich aber beim Spielen etwas vergessen. Also kam sein Warnruf auch etwas zu spät. Metzger Anton Kühn und Vater Johann schnappten dann schnell zwei der vier Sauhälften und legten sie in der Eile in Tochter Elfriedes Bett nebenan, gut zugedeckt. Nun konnte Klein-Marte doch kommen. Und er kam - erledigte sein amtliches Geschäft - und ging wieder, ohne etwas bemerkt zu haben! Oder doch? Alle waren beruhigt, und das Metzeln ging (fast) normal weiter

Lange Zeit später, nach dem Krieg, erzählte Klein-Marte in einer fröhlichen Männerrunde, Alfred war auch dabei, spitzbübisch folgendes: Also ich häbb domols unnorm Krieg jo viel erlebt. Awwor dass oi Sou zwai Schwänzle hat, des häwwe bloß oimol erlebt, beim Hitscherich-Beck, gell, Alfred!?  


Kolonialwaren Krämer

s'Krämers neuer Laden
s'Krämers neuer Laden

Bei s’Krämors in Sulzbach

 

Das zweitälteste Geschäft, wurde 1910 vom früheren Ratschreiber Isidor Gingelmaier als Kolonialwarenladen  in der damaligen Hauptstraße  eröffnet.

Sein Sohn Zyriak baute  dann 1961 das Geschäft zu einem modernen Selbstbedienungsladen um. Nachdem Zyriak 1978 starb, führte sein Sohn Isidor das Geschäft als EDEKA-Laden bis zu seinem Tod 1991 weiter. Da er als Junggeselle starb,  gab es auch keinen Nachfolger

 

 

 


Lebensmittel Lumpp

Edmund Lumpp
Edmund Lumpp

Bei  s’Edmundä  in Sulzbach

 

Middl im Dorf, fast  wie auf einer Insel, ganz nah  beim alten Kirchlein, dem Rathaus und dem Schulhaus, eröffnete Edmund Lumpp 1924 seinen Laden. Heute noch kann man am Haus den früheren Ladeneingang erkennen. 

 

Neben den üblichen Lebensmittelzutaten, wie Essig, Oel, Salz und

 

Luise Lumpp, geb. Reuter
Luise Lumpp, geb. Reuter

Otto Lumpp und Ehefrau Lina, geb. Ecker
Otto Lumpp und Ehefrau Lina, geb. Ecker

dergleichen, bot Edmund Lumpp seiner Kundschaft alles mögliche Kleinzeug für den Haushalt an, ganz besonders aber auch für Stall und Scheuer und landwirtschaftliche Geräte. Als Betreiber einer Schmiede wusste er doch, womit man den vielen Kleinlandwirten in Sulzbach ständig helfen konnte.

 

In zwei Ehen wurden der Familie sieben Kinder geschenkt, wovon der Zweitälteste, Otto, später, nach 1945, den Laden dann noch weiter führte. Das Geschäft wurde 1969 geschlossen.


Lebensmittel Adam

Emil Adam
Emil Adam

Bei s’Adam’s  in Sulzbach

 

Der Inhaber des Ladens war Emil Adam, ein Nachkomme aus dem alten Sulzbacher Geschlecht der Adams. Emil war in erster Ehe mit der aus Malsch stammenden Franziska Adam, geb. Krämer, (aus der Familie der Basses) verheiratet.Da bei der Geburt des elften Kindes Mutter und Kind starben, ging Emil eine zweite Ehe mit Frieda Schell aus Jöhlingen ein.

 

Franziska Adam, geb. Krämer
Franziska Adam, geb. Krämer

Emil Adam und zweiter Ehefrau Frieda, geb. Schell
Emil Adam und zweiter Ehefrau Frieda, geb. Schell

Als ungelernter Fabrikarbeiter trieb Emil nebenbei schon immer gern Handel mit allerlei Zeug. Da seiner zweiten Frau der Umgang mit Waren, vor allem aus dem Lebensmittelbereich, im Blut lag, kann man verstehen, dass die beiden beim Umbau des Hauses gleich einen Lebensmittelladen einplanten. Und so geschah es dann auch, dass 1953 in der Kelterstraße  ein neues Geschäft eröffnet wurde, im Volksmund immer „bei s’Adams“ genannt.

 

Beliefert wurde der Laden überwiegend von der Firmengruppe „Centra“, weshalb dieser auch bald den Namen Centra erhielt.

 

Frieda bediente überwiegend im Laden die Kundschaft, während Emil nebenbei immer noch gern Handel mit besonderem Kleinzeug betrieb. Es war ein gut gehendes Geschäft, insbesondere mit Lebensmitteln und Getränken aller Art. zweiter


Tankstelle Erich Wildemann

In Sulzbach gab es seit 1954 eine Tankstelle, die des Erich Wildemann und seiner Frau Anni. Erich war ein Sohn des Karl Wildemann, in Malsch allseits bekannt unter dem Namen „Schnitzmann“, warum, konnten wir auch noch erfahren. Er war ein naturverbundener Mensch und ging gerne mit Hunden um. So sammelte er oft, wie sein Vater schon, auch Fallobst auf, um es dann zu trocknen und als Dörrobst weiter zu verwenden. Seine Kittel- wie auch Hosentaschen waren damals immer voll mit getrockneten Obstsschnitzen, die er immer großzügig austeilte. Deshalb erhielt er ja, nicht nur von Kindern, den liebevollen Übernamen. Erich (1921–1983) war nach dem Krieg zunächst bei der Fa. Eckerle beschäftigt, bevor er sich 1954 in Sulzbach selbständig machte. Angefangen hat dies alles als Reparaturwerkstatt für Motorräder. Das dazu erforderliche Gelände kam aus der Familie seiner Frau Anna, geb. Lumpp. Hierzu musste im großen Garten ein darauf befindlicher Hühnerstall weichen.

Jahre später hat Erich Wildemann dann auch noch das Nachbarhaus des Emil Adam dazugekauft und umgebaut, so wie es heute noch steht.
Werkstatt wie auch Tankstelle florierten gut, wie man an den zufriedenen Gesichtern von Erich und seiner Frau Anni erkennen kann.
Werkstatt und Tankstelle wurden damals von vielen Malschern, vor allem von früheren Arbeitskollegen der Fa. Eckerle, gern in Anspruch genommen.

 

Nachdem Erich Wildemann im Industriegebiet von Malsch noch einen modernen Kfz-Betrieb aufgebaut hatte, wurde etwa 1980 altershalber der Gesamtbetrieb seinem Sohn Manfred übergeben. Dieser führte die Sulzbacher Werkstatt mit Tankstelle bis 1985 weiter. Der Betrieb in Malsch existiert noch.

 

 


Gasthaus Zur Krone

Das Gasthaus Krone, ehemals in der Ortsmitte gelegen, gibt es seit 1969 auch nicht mehr. Gott sei Dank aber gibt es noch zwei lebende Zeitzeugen, die uns aus der „letzten“ Zeit  dieses allseits beliebten Lokales noch einiges erzählen konnten, Frau Erna Stark, geb. Weschenmoser, und Frau Liesel Weschenmoser, ihre Schwägerin, die heute am Bodensee in Neufrach bei Salem lebt.

 

Aus der Ortsgeschichte  „SulzbachEin Dorf im Wandel der Zeit“ :

 

Wie lange schon die „Krone“ als Wirtschaft existierte, konnten wir nicht mehr feststellen. Über die früheren Betreiber wissen wir auch nichts Näheres. Mit Sicherheit aber wissen wir, dass ein vermutlich auf der Gesellenwanderschaft in Sulzbach hängen gebliebener Metzger namens Bernhard Weschenmoser 1910 die Albertine Lumpp geheiratet hat. Die beiden kauften dann bereits ein Jahr später das arg heruntergekommene Anwesen in der Bergstraße, die „Krone“. 

Aber erst nach gründlicher Sanierung betrieben die beiden dann wieder das Haus als Wirtschaft und machten daraus nach und nach einen aus Sulzbach bald nicht mehr wegzudenkenden gesellschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt. Insbesondere nachdem die Wirtsleute in den dreißiger Jahren einen für die damaligen Verhältnisse großen Festsaal anbauen ließen, fanden hier regelmäßig Tanz- und Festveranstaltungen, Theateraufführungen, Fastnachtssitzungen, aber auch regelmäßige Proben der Musikkapelle und zeitweise Singstunden des Kirchenchores statt. Und der Fußballverein  trainierte hier im Winter seine Mannschaften.

 

Positiv für die Bevölkerung wirkte sich auch aus, dass der Wirt im Haus bald eine Metzgerei, eine sogenannte „Metzl“ einrichtete.
1951 übergaben die Alten dann die Wirtschaft samt Metzgerei den Jungen, also ihrem Sohn Edmund (auch Metzger) und dessen Ehefrau Liesel. 

Das war damals ein reibungsloser, harmonischer Übergang. Und alles lief gut, bis, ja bis auch diese beiden die Wirtschaft 1969 aufgaben und das gesamte Anwesen verkauften, warum auch immer. Danach zogen Edmund und Liesel in deren Heimat an den Bodensee, um dort den Lebensabend zu verbringen, wobei Edmund noch eine ganze Zeit lang seinen Metzgerberuf weiter ausüben konnte. Für die Menschen in Sulzbach war dies damals aber schon deshalb nicht so schlimm, weil bald danach die neue Kirche mit ihrem großen Raum im Untergeschoss und später auch noch die Freihofhalle errichtet wurden.

 


Waldprechtsweier

Das Haus heute, in der Freiolsheimer Straße
Das Haus heute, in der Freiolsheimer Straße

Dä Kurvä-Begg in Waldprechtsweiter

Schon wieder ein ganz eigenartiger Sondername, aber leicht zu erklären:

Das Haus lag (und liegt heute noch, wenn auch nicht mehr als Bäckerladen) direkt an der Kurve der Straße nach Freiolsheim hinauf. Und daher auch dieser besondere Name. Wenn eine Mutter zum Kind sagte: „Geh nuff zum Kurväbegg ", dann wusste man gleich, zu welchem Bäcker man gehen sollte! Die Menschen in Waldprechtsweier sagten damals aber meistens „zum owwo_ Begg". Denn es gab damals im Dorf ja z w e i Bäckereien, obwohl in vielen Familien Brot für den täglichen Bedarf fast immer „daheim" gebacken wurde.)

Nachdem der junge Bäcker Lorenz Wipfler (1873 - 1955) von der damals oft üblichen „Walz" der Gesellen und dann auch nach bestandener Meisterprüfung wieder in der Heimat angekommen war, eröffnete er noch vor 1900 zusammen mit seiner Frau Karoline, geb. Bechler (1875 - 1963) einen Bäckerladen mit Backstube. Mit fünf Kindern waren die beiden auch bald eine große Familie.

Das Geschäft florierte, aber nur, weil die Familie auch in schwierigen Zeiten bis ins hohe Alter der beiden zusammenhielt, und nicht nur im Laden und in der Backstube, sondern auch in der großen Landwirtschaft mit den Tieren im Stall! So arbeitete Enkelin Elsa, eine Tochter vum Neggorschwarz in Malsch, auch noch nach ihrem so genannten „Pflichtjahr" über lange Zeit bei den Großeltern gerne mit.

Doch auch Tochter Rosa musste schon früh nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Laden und in der Backstube mithelfen, ganz besonders nach Vaters plötzlichem Tod 1955. Denn er stürzte damals so unglücklich vom Schöpfel, als er spezielles Holz für den Backofen herunterholen wollte. Also musste Rosa halt wieder einspringen, auch wenn sie keine „Bäckerin" war! Dabei half ihr auch Tochter Reinhilde tatkräftig mit aus, vor allem im Laden. 

Erst als Rosas Sohn Albert Kühn, ein gelernter Bäcker, 1959 zusammen mit seiner Ehefrau Hilde in den Betrieb einstieg, lief wieder alles normal weiter, bis, ja bis die Bäckerei dann im Jahre 1979 endgültig geschlossen wurde.


Robert Strickfaden und Ehefrau Christa
Robert Strickfaden und Ehefrau Christa

Dä Wurstmichl  unn  sei Berta aus Waldprechtsweier 

 

Mit bürgerlichem Namen hießen sie Michael und Berta Strickfaden. Ihren Übernamen haben sie in der Zeit um 1929 erhalten. Wie dies damals passiert ist erzählte Sohn Robert und seine Ehefrau Christa:  

 

„Damals war unsere Mutter Berta bei der Metzgerei Schempp in Rastatt in Stellung, und der Vater Michael arbeitete im Dianawerk in Rastatt. Michael war auch Vorstand des Gesangvereins „Einigkeit“. Und als solcher war er besonders bei Vereinsfesten fast für alles zuständig. So veranstaltete 1929 sein Verein mal wieder ein Gartenfest. Und da seine Frau ja in einer Metzgerei beschäftigt war, war es für die beiden ein Leichtes, für das leibliche Wohl der Sänger und Gäste zu sorgen. Denn Michael fuhr täglich mit seinem Motorrad und mit einem großen Rucksack auf dem Buckel nach Rastatt. So brachten sie auch Würste aller Art für die Fest-Gäste herbei. Hatten sie zuviel eingekauft? Denn am Ende war doch noch einiges übrig geblieben. Also heim damit; und die nächsten Tage den Rest über die Straße verkauft. Den Menschen schmeckte dies anscheinend so gut, so dass Michael und Berta bald darauf einen provisorischen Laden einrichteten und dann regelmäßig Wurstwaren anboten, immer mit dem Motorrad und im Rucksack herbeigeschafft.

 

Bei den Menschen in Waldprechtsweier hießen sie ab da dann nur noch "daä Wurstmichl unn sei Wurstberta".

Zur damaligen Zeit gab es auf dem Land zwar kühle Keller, aber keine Kühlschränke. Also musste eine Kühlmöglichkeit her. Und da die beiden auch bald Getränke, besonders Bier, anboten, wurde mit dem Bier auch Stangeneis geliefert. Dieses sorgte dann auch für die Kühlung der Wurstwaren! Das Eis war in einer großen speziellen Kiste im Keller gelagert. Und der Schrank im Laden musste regelmäßig mit frischem Eis nachgefüttert und das Schmelzwasser immer wieder abgelassen werden. Das Geschäft florierte, die Leute hockten manchmal schon auf der Ladentreppe und warteten auf gutes, frisches Vesper und kühle Getränke.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 hat sich dann doch einiges geändert. Es genügte nicht mehr, den alten Eisschrank weiter zu betreiben. Ein großer viertüriger elektrischer Kühlschrank musste her, geliefert von der Elektrofirma Otto Nies aus Malsch.

Zu dieser Zeit betrieb die Wurstberta auch die Milchzentrale. Dadurch wurde dann der Ladenverkauf noch erweitert für Milch, Molkereiprodukte und Süßigkeiten, aber auch für Getränke aller Art. Bis 1953 sorgte Michael soweit wie möglich noch per Motorrad selber für Nachschub. Danach wurden die Waren immer angeliefert. Mit abnehmendem wirtschaftlichem Erfolg und aus altersbedingten Gründen gaben dä Wurstmichl unn sei Berta ihren Laden 1970 dann auf.“

Dä Wurstmichl unn sei Wurstberta                           Hof des damaligen Hauses                      Michael 1977                  Berta, Sohn Michael, Tochter Inge, 20001


Lebensmittel Schindler

ehemaliger Laden
ehemaliger Laden
nach dem Umbau
nach dem Umbau

Beim Awizor
Der eigenartige Name kommt, so sagte man mir glaubhaft, daher, dass die Menschen in Waldprechtsweier sich schwer taten, in Mundart den Namen „Alois" wie Allies, oder Alwies auszusprechen. Und so entstand dann der Vorname Awizor, warum auch immer. Aber nicht nur der Vorname des letzten Inhabers war eigenartig. denn das Angebot


an Waren aller Art ging weit über das übliche Maß der damaligen Zeit hinaus.

 

Denn beim Awizor hat man fast alles kaufen können, was man im täglichen Leben, im Haushalt wie in der Landwirtschaft, ständig brauchte, wie z. B. Salz und Zucker, Mehl und Hefe, Salz- und Bratheringe, Schweizer- und Backsteinkäse, Essig und Öl, frisches Obst und Salat, Ansichtskarten, aber auch Ernstrickle, Sensä, Stallschlappä und Mistgawwlä, Metzlzubehör  und, man kann es fast kaum glauben, auch Sonntagsschuhe, Taufkleidchen und Sterbehemden, um nur einiges aus seinem Angebot zu nennen. Dieser Laden war ein Vorläufer der heutigen Supermärkte.

Vor dem Alois Isidor Schindler, so hieß Awizor amtlich, wurde das Geschäft von seinem Vater Isidor Schindler bereits 1880 gegründet und betrieben. Deshalb hieß das Geschäft früher nur Bei’ s Isedors. 

Isidor und seine Frau, wie später dann deren Sohn Alois und dessen Ehefrau Caroline auch, waren ja nicht arm und daher insbesondere kirchlich immer wieder engagiert und entsprechend spendabel, was damals den Glocken von Sankt Michael, dem Taufstein, der Michael-Statue und sogar dem wunderschönen Seitenaltar wie auch dem „Kreuzweg" in der neuen Kirche, oft aber auch armen Priesteramtskandidaten und Waisenkindern, sehr zugute kam. 

Zuschrift eines Völkersbacher Heimatfreunds, Egon Koch: