Eine Dokumentation über das Malscher Wahrzeichen, den „Storch“

Erstellt von:

Helmut Rastetter, Natur- und Umweltschutzverein Malsch

Eckhard Kunz, Heimatfreunde Malsch

Josef Bechler, Heimatfreunde Malsch


Rathaus mit Storchennest vor dem großen Brand 1909
Rathaus mit Storchennest vor dem großen Brand 1909

Durch einen Brand im Jahre 1909 wurde nicht nur das Rathausdach sondern auch das dort befindliche Storchennest zerstört. 

 

Ab diesem Zeitpunkt gab es in Malsch keine Störche mehr, wie dem Bezirksamt Ettlingen von der Gemeinde Malsch mit Schreiben vom 21. Mai 1935 mitgeteilt wurde. Nach dem Brand im Jahre 1909 wurde das Rathaus um ein Stockwerk erhöht und für die Störche ein künstlich angebrachtes Nest gebaut. Mitte bis Ende der 30iger Jahre war der Storch dann wieder öfters auf seinem neuen Domizil zu sehen, wie das historische Bild zeigt:

 

Storch auf dem Rathausdach Ende der 30iger Jahre
Storch auf dem Rathausdach Ende der 30iger Jahre

So wie Zeitzeugen berichteten wurde das letzte brütende Storchenpaar von Malsch Ende der 30iger Jahre auf dem Rathausdach durch Schüsse eines Anwohners vertrieben. 

 

Nisthilfe im Gewann „Stützel“
Nisthilfe im Gewann „Stützel“

Auf Initiative der Gemeinde Malsch und des Landwirts Matthias Börsig wurde im Gewann „Stützel“ - in den dortigen Feuchtwiesen - in fast acht Meter Höhe im Jahre 1999 ein Horst aufgestellt. Diese Maßnahme wurde durchgeführt,  damit der Weißstorch als „Malscher Wahrzeichen“ in der Gemeinde wieder heimisch wird. Leider wurde diese Nisthilfe von den Störchen bisher nicht angenommen.

 

 Sechs Störche im Federbachbruch 2010
Sechs Störche im Federbachbruch 2010

Zehn Jahre später, im Jahre 2009 wurde durch den Natur- und Umweltschutzverein ein zweiter Versuch unternommen, im Federbachbruch unter Mithilfe der Gemeinde, des Storchenbeauftragten und der EnBW, eine Nisthilfe für die Wiederansiedelung des Weißstorchs zu bauen. Das Nest mit einem Durchmesser von 1,50 Meter wurde in Eigenarbeit gebaut. Die benötigten Masten spendete die EnBW. Es ließen sich ab und zu Störche auf diesem Horst nieder, wurden aber nie sesshaft.

 

Nachdem man im Federbachbruch im Jahre 2010 gleichzeitig sechs Störche gesichtet hatte, unternahm man einen weiteren Versuch den Storch in Malsch wieder heimisch zu machen.

 

Storchennest auf dem Rathausdach
Storchennest auf dem Rathausdach

So wurde im Jahre 2010 unter Federführung der Heimatfreunde eine Nisthilfe für den Storch auf dem Rathausdach - seinem ursprünglichen Domizil - errichtet. Damals hoffte man noch darauf, dass der Storch bis zum Ortsjubiläum 2015 wieder Teil von Malsch sein könnte.

 

Örtliche Firmen und fleißige Helfer der beteiligten Vereine halfen mit das Storchennest zu bauen, welches mit einem Autokran auf das Rathausdach gehievt wurde. Dankbar war man der Gemeinde Malsch, welche die entstandenen Kosten von 5000,-- Euro übernahm.

 

Störche ließen sich auch hin und wieder auf dem Rathausdach blicken, wie man an den Federn im Horst des Bildes aus dem Jahre 2013 entnehmen kann. Angenommen wurde die Nisthilfe bisher jedoch nicht.

 

Das erste Brutpaar nach 80 Jahren in Malsch 2018
Das erste Brutpaar nach 80 Jahren in Malsch 2018

Drei Jahre nach dem Ortsjubiläum war es dann endlich soweit. Mitte März 2018 hat ein Storchenpaar begonnen, das angebotene Nest, nicht auf dem Horst im Stützel und auch nicht auf dem Rathausdach, sondern im Federbachbruch auszubauen. Dort konnte man beobachten, wie ab April 2018 gebrütet und Ende April 2018 zwei Jungstörche groß gezogen wurden.

 

Das neue Zuhause des ersten Storchen-Brutpaares in Malsch nach über 80 Jahren liegt unweit des Kindlesbrunnen (Kennelsbrunnen) im Malscher Federbachbruch. Der Kindlesbrunnen, der kurz nach Kriegsende versiegte, befand sich in der Muggensturmer Straße. 

 

Der Kindlesbrunnen mit dem geplanten Planschbecken
Der Kindlesbrunnen mit dem geplanten Planschbecken

Im Bauplan der 12 Siedlungshäuser, welche im Juni 1938 in der Muggensturmer Straße bezogen werden konnten, war der Kindlesbrunnen zwischen den Hausnummern 64 und 66 noch eingezeichnet. An diesem dort befindlichen Teich war für Kinder ein Planschbecken vorgesehen, das jedoch nicht zur Ausführung kam. Wie Wilhelm Wildemann in seinem Buch „Malscher Leben“ festgehalten hat, holte der Klapperstorch aus diesem Kindlesbrunnen auf Bestellung die Malscher Kinder. So jedenfalls wurde auf die heikle Frage geantwortet, wenn man wissen wollte, wo die Kinder herkommen.

 

 Über die Herkunft des ersten Malscher Brutpaares nach 80 Jahren konnte der Storchenbeauftragte Stefan Eisenbarth anhand ihrer Beringung nähere Auskunft geben. Von ihm wurde der eine Storch mit der Beringungsnummer „DER AV 206“ am 9. Juni 2015 als einer von drei Nestlingen in Baden-Oos an der Schule beringt. Die Ringnummer dieses Storches wurde im Juni 2016 in Planta de Residuos Urbanos / Spanien abgelesen.  Der zweite Storch mit der Beringungsnummer „DER AV 214“ wurde ebenfalls von Herrn Eisenbarth am 16. Juni 2015 als einer von drei Nestlingen in der Kleintierzuchtanlage Rheinstetten/Mörsch beringt. Die Ringnummer dieses Storches wurde am 9. März 2016 in El Jadida / Marokko abgelesen. Also beide Störche nahmen bereits am großen Vogelflug in ihre Winterquartiere teil.

 

Die Storchen-Experten Pierre Fingermann und Stefan Eisenbarth
Die Storchen-Experten Stefan Eisenbarth und Pierre Fingermann

Ein Höhepunkt für alle am Storchenprojekt in Malsch Beteiligten war die Beringung der beiden Jungstörche am 5. Juni 2018. In Vertretung für Stefan Eisenbarth wurde die Beringung vom Vogelexperten und Naturschutzwart des Landkreises Rastatt, Pierre Fingermann, vorgenommen.

Durch die Beringung können die Störche identifiziert werden und so kann man mit Hilfe von Rückmeldungen feststellen, wann und wo sie sich aufhalten oder wie alt die Störche sind. 

 

Links: Die beiden Ringnummern für

die Malscher Jungstörche

Dem Tochterunternehmen der EnBW, der Netze BW, gebührt ein großer Dank, dass das Unternehmen den benötigten Kranwagen kostenlos zur Verfügung gestellt hat. 

Die Altvögel waren immer in der Nähe
Die Altvögel waren immer in der Nähe

Bei der Beringung der Jungstörche wurde festgestellt, dass im Storchennest sich neben einigen Gewöllen auch ein unausgebrütetes Storchenei befand.

Jetzt bleibt nur noch dafür zu sorgen, dass sich die Umweltbedingungen für unser Wahrzeichen - den Storch - weiter verbessern, damit er auch in der Zukunft der Gemeinde Malsch die Treue hält.

 

 

Helmut Rastetter, Natur- und Umweltschutzverein Malsch

Eckhard Kunz, Heimatfreunde Malsch

Josef Bechler, Heimatfreunde Malsch

 

Malsch, den 5. Juni 2018


Nachtrag: Die Mälscher haben den Übernamen "die Störche" (seit wann und warum?)

Erinnerungen an die "Störche" sind in den Malscher Begriffen Storchengarde (GroKaGe), Zum Storchennest mit der Storchenbrennerei (ehemalige Wirtschaft), Storchenplatz (Kirchplatz) und Storchenbrunnen (Kirchplatz/Bürgerhaus), zu finden.