NEUES nach Veröffentlichung des Zeitungsbericht

Bericht über die Firma Kastner steht weiter unten

 

14.11.2017 - im Gemeinderat wird der Abriss in der Römerstr. 10 für ca. 73.000€ an die Firma Züber vergeben.

27.11.2017 - Neues Foto: Ortsplan von 1892, Römerstraße 10. Vorläufer (Wer war der Besitzer?) von Firma Kastner, Brunnen eingezeichnet.

04.12.2017 - Neues Foto: Baucontainer für die Innenausräumung gestellt.

13.12.2017 - Neue Anekdote Sodawasserle

Interview mit Hedwig Grässer und Tochter Margarethe am 13.12.2017

Margarethe hat als ca. 13 jähriges Kind nach der Erkrankung von Maria Kastner verh. Kunz im

Haushalt geputzt und auch bei Bedarf Getränke verkauft.

Hedwig Hornung verheiratete Grässer arbeitete 1939 bis 1948 bei Kastner. Jeden Freitag Nachmittag machten sich 3 Gruppen mit dem Leiterwagen auf den Weg zu Malscher Gaststätten um Getränke auszuliefern.

2 Mädchen- und eine Bubengruppe. Dies waren:

1. Maria Kastner verh. Kunz und Waltraud Geiger verh. Haller

2. Hedwig Hornung verh. Grässer und Anna Strickfaden verh. Knörr (Nicht verwandt mit Hans

Strickfaden)

3. Karl Bechler und Walter Axtmann

Unmittelbar nach Kriegende wurden im Sommer ab 13.00 Uhr Getränke abgefüllt und an die

unzähligen im Hof wartenden Kunden verkauft. Dier Getränke waren schneller weg, als die Flaschen gefüllt werden konnten. Vorrat für das Lager konnte nicht vorgenommen werden. Hedwig bekam einen Tageslohn in Höhe von 5,00 DM.

Alois Kastner besuchte häufig Gaststätten, zum Teil mit Metzgereien, die bei ihm Kunde waren.

Dort kaufte er Wurstwaren und lud nach Feierabend die guten Mitarbeiter zu einem Vesper ein.

Dann wurden die erworbenen Wurstwaren verspeist.

Im Haus Kastner arbeitete lange Jahre der Knecht Alois Hartmann und versorgte gegen Kost und

Logie das Pferd und mehrere Kühe.

 Rainer Walter

 14.12.2017 - Neues Foto: Muggensturmer Str. 24, ehemalige Getränke Strickfaden von 1965 bis 2009.

15.12.2017 - Es besteht Kontakt zu Trudel und Hans Strickfaden. Sie waren von dem Artikel Kastner so begeistert das sie 100,- € gespendet haben. Die Heimatfreunde werden Ihnen noch ein Büttel Nr. 2 und ein Historischer Bote Nr. 4 zusenden. Außerdem kommt noch der Gemeindeanzeiger und die aktuellen MAZ in das Paketchen.

 

 

Die Geschichte der Sodawasserfabrik Kastner

Mineralwasserfabrik Kastner, Römerstr. 10, mit Klick vergrößern. Fotografiert 2017.
Mineralwasserfabrik Kastner, Römerstr. 10, mit Klick vergrößern. Fotografiert 2017.

Immer wieder sind die Heimatfreunde Malsch auf der Suche nach Geschichte und Geschichten aus dem Dorf. Diesmal geht es um die Sodawasserfabrik Kastner in der Römerstraße 10. Dieses Gebäude soll im November 2017 abgerissen werden. Günter Heiberger und Rainer Walter von den Heimatfreunden Malsch schrieben diese Geschichte.

Georg Kastner
Georg Kastner

Der Landwirt Georg Kastner, geb. 22.04.1870, gest. 25.03.1952, aus einer alten Malscher Familie, machte sich mit seiner Ehefrau Veronika, geb. Gräfinger, 1904 im Alter von 34 Jahren in der Römerstraße 10 selbstständig und eröffnete eine Sodawasserfabrik. Er erwarb das U-förmige Gelände mit dem darauf rechts stehenden Wohnhaus, das 1826 erbaut wurde.

Keller Schlussstein 1826
Keller Schlussstein 1826

Am Kellerabgang zum Wohnhaus befindet sich ein Schlussstein mit der Jahreszahl 1826. Die Inschrift ist schlecht zu entziffern: MAR?K?HRIC?G?C?G? Schon zur Eröffnung wurde links vorne der kleine Produktionsraum erbaut, 1910 folgte die hintere Lagerhalle. Später wurden die Produktionsräume auf über 100 qm erweitert. Gewohnt hat man im rechten Wohnhaus. Schon 1910 wurden nicht nur eigene Getränke produziert, sondern auch Mineralwasser vertrieben. Es gab selbst hergestelltes Sodawasser mit Himbeer-, Zitronen-, Orange- und Waldmeistergeschmack das mit Aroma- und Kohlensäuretabletten und Malscher Wasser hergestellt wurde. Anschließend wurde es in schwere Metallkästen gesetzt, die von verschiedenen Brauereien stammten. Die Firma Kastner hatte aber auch eigene Metallkästen.

Anzeige von 1929
Anzeige von 1929

Afri-Cola und Bluna wurde als Sirup angeliefert und verarbeitet. Die Limonade KryStalla wurde ebenfalls in kleineren Flaschen mit Glasprägung Kastner abgefüllt. Bluna, Miranda und Afri Cola kamen in Holzkästen.

 Das hauptsächliche Verteilungsgebiet der Firma Kastner umfasste den nördlichen Bereich von Rastatt, Oberweier, Niederweier, Muggensturm, usw.

 Es gab einen Mercedes-PKW mit Anhänger, der einen Afri-Cola Planenaufdruck hatte, anschließend kam ein Matador Pritschenwagen, der durch einen Hanomag abgelöst wurde.

Alois Kastner, Sodawasserle
Alois Kastner, Sodawasserle

 In den 60er Jahren arbeiteten bis ca. 15 Personen unter sehr lauten Arbeitsbedingungen in diesem Betrieb.

 Georgs Sohn Alois, geb. am 09.05.1901, der in Malsch unter dem Namen "Sodawasserle" bekannt war, arbeitete ebenfalls mit und übernahm 1930, im Alter von 29 Jahren, den Betrieb. Er war mit Elisabeth Hirth verheiratet.

 Die Familie Kastner hatte zwei Töchter: Maria, geb. 1930, verheiratete Kunz und Gertrud, geb. 1935. Gertrud (Trudel) Rosa Kastner heiratete am 26.02.1957 den gelernten Schreiner Hans Strickfaden, geb. am 30.04.1934. Er trat 1962, im Alter von 28 Jahren, in den Kastner Betrieb ein.

 1965 übernahm Hans Strickfaden den Betrieb und verlegte ihn gleichzeitig von der Römerstraße in die Muggensturmer Straße, um dort das Gewerbe bis 2009 weiter zu führen.

 Gertrud (Trudel) und Hans Strickfaden wohnen heute (2017) in Weinheim.

 Als 1965 die Produktionsräume aufgegeben wurden baute Günter Tischler sie zu einer Wohnung um. Er wohnte aber nicht selbst dort. Von ca. 1972 bis 1983 zog Richard Kastner, der nicht mit dem Mineralwasser-Kastner verwandt war, mit seiner Frau Waltraut in die Wohnung ein. Dort wohnte später auch eine Familie Rexer.

 Im Wohnhaus wohnte bis zu seinem Tode am 03.12.1982 Alois Kastner. Später zog die Lehrerin Müller-Reißmann in das Haus ein. Es folgten noch andere Familien. Anschließend kaufte die Gemeinde das Gelände. Auch die türkischen Familie Senkal wohnte dort. Dann standen das Haus und die Produktionsräume leer.

 Auf dem Gelände der Römerstraße 10 wurde bei der Erneuerung der Fahrbahn ein alter Brunnen gefunden, der vorübergehend freigelegt wurde. Wahrscheinlich war der Brunnen im Gemeindebesitz und wurde, wie damals üblich, von einer Brunnengemeinschaft gepflegt. Er soll evtl. wieder aufgemauert werden.

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die rechte, nordwestliche Straßenbebauung der Römerstraße, Richtung Rathaus, in den 1820-40 Jahre erfolgt ist.

Laut Lore Ernst war 1721 das Gelände vom Rathaus bis zur heutigen Römerstraße ein "schöner Grasgarten".

 

Auf dem Anwesen soll ein Parkplatz mit Zugang zum bestehenden Rathausparkplatz eingerichtet werden.

 ANEKDOTEN

 

Eine Anekdote zum “Sodawasserle” von Rolf Knam

 „Als Schulkinder – in den Jahren ca. 1955 - hatten wir wenig Geld und suchten immer etwas zu arbeiten wo was zu verdienen war. So auch beim Sodawasserle. Dort konnten wir für 50 Pfennig am Nachmittag Sprudel abfüllen. In die gefüllten Wasserflaschen mussten wir Tabletten in der Farbe grün, gelb und rot hineingeben und die dann rasch verschließen wegen der Kohlensäure. Das gab dann Waldmeister-, Zitronen- und Himbeersprudel. Die Flaschen wurden dann in Blechkästen, in die die Faschen passten, hineingestellt.

 Und dann wurden wir entlohnt!!!“

 

Von Wolfgang Rother der Anfang der 60er Jahre bei Alois Kastner gearbeitet hat:

"Wir Buben durften mit Alois Kastner und seinem blauen Pritschenwagen Getränke ausfahren. Vor allem wenn es in Lokale ging, gab es mitunter Streit, wer mitfahren darf, denn meistens setzte man sich nach der Lieferung und Leergutaufladen an den Stammtisch und wir bekamen einen Wurstweck und ein Bluna. Außerdem waren unsere Hauptbeschäftigungen:

Flaschen reinigen in einer großen Metalltrommel (laut)

Kronkorken auf Bluna und Afri Cola - jede einzelne Flasche - aufsetzen

Flaschen nach Befüllung in Kästen setzen und ins Lager bringen

LKW beladen

Abends gab es dann zumeist ein Vesper bei Alois Kastners Frau (Elisabeth, geb. Hirth) und am Freitag das verdiente Wochenarbeitsgeld.

 1965 sind Hubert Kunz und ich noch mit Hans Strickfaden in sein neues Domizil in die Muggensturmer Straße gewechselt."

 

Anekdote Walter Hitscherich

 „Wenn in der Wirtschaft Lamm die alkoholfreien Getränke ausgingen, schickte der Wirt August Hitscherich seinen Sohn Walter auf einen kleinen Pfad hinter dem Lammanwesen direkt zur Mineralwasserfabrik Kastner. Walter musste die schweren Kästen zum Lamm tragen.“

 

Anekdote Rainer Walter

 „Ich musste die schweren Sprudelkästen beim Getränke-Kastner holen. Zum Lohn gab es bei Kastners eine kleine Flasche Limonade. Das Getränk musste aber wegen des Flaschenpfandes, vor Ort leer getrunken werden. Das schnelle Trinken führte dann auf dem Nachhauseweg zu einigen süßen Rülpsern.“

 

Für die tolle Unterstützung für diesen Beitrag wollen wir uns ganz besonders bei Josef Bechler, Wolfgang Rother, Rolf Knam, Manfred Hennhöfer, Walter Hitscherich, Familie Strickfaden und vielen anderen bedanken.

 

 


Trotz intensiver Bemühungen ist es uns nicht gelungen folgende Fragen zu klären:

  1. Wer hat das Haus Römerstr. 10 - 1826 gebaut?
  2. Von wem hat Georg Kastner 1904 das Haus abgekauft?
  3. Wann kaufte die Gemeinde das Haus von Alois Kastner?
  4. Ab wann stand das Haus leer?

Vielleicht wissen Sie etwas?

Wenn Sie Ergänzungen, Anekdoten, Fotos, Dokumente, Erinnerungen oder ähnliches haben würden wir und freuen wenn sie uns diese zukommen lassen würden.

Bitte Kommentarfeld unten oder Mail an guenterheiberger@gmail.com oder Tel. 07246 91 31 190

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