Burg Waldenfels - Geschichte

Vortrag über die Burg Waldenfels

Einleitung nach der Wanderung

Überleitung an die Sagen

Raubritter Fritzefahrt und Hermannshohl (Raubritter)

Burgschatz

 

Bevor wir mit der Betrachtung der Burg Waldenfels beginnen, möchte ich einen kurzen Überblick über die Herrschaften in unserer Gegend geben.

Wie kaum in einer anderen Landschaft drängen sich auf ungewöhnlich engem Raum an den Ausläufern des nordwestlichen Schwarzwaldes die Hochadelssitze zusammen. Nicht weit weg von uns liegt die Burg Hohenbaden, die Keimzelle des späteren Landes Baden. Kaum drei Kilometer in nördlicher Richtung liegt die Burg Alteberstein, der Sitz des bedeutenden Geschlechts der Ebersteiner. Wiederum nur wenige Kilometer nördlich befand sich auf der Gemarkung Michelbach der Sitz eines 1102 durch Kaiser Heinrich IV. aus dem Ufgau entfernten Geschlechts, dessen Burgenbau unter Kaiser Heinrich III. das älteste urkundliche Zeugnis in Süddeutschland für die Errichtung einer Höhenburg durch ein Adelsgeschlecht darstellt. Kaiser Heinrich III. ließ diese Burg zerstören, weil es dem Adel noch nicht erlaubt war, eigenmächtig Burgen zu erbauen. Anders handelte sein Nachfolger Kaiser Heinrich IV. Er ließ die Burg, die die Söhne des ersten Erbauers in der Zwischenzeit wieder errichtet hatten, bestehen und übergab sie dem saliertreuen Bistum Speyer. Inzwischen war eine Änderung eingetreten, die man fast als verfassungsgeschichtliche Revolution betrachten kann. Der Adel, der bis jetzt seine Sitze in den Siedlungsorten hatte, baute unter Missachtung der königlichen Befestigungshoheit in großer Zahl Bergfestungen, nach denen er nun seinen Namen führte.

Führen wir nun die Reihe der Burgen in nördlicher Richtung weiter. Nach Michelbach kommt nun die Burg Waldenfels, die Tiefenburg Ettlingen und die Burg der Grafen von Hohenberg, dem heutigen Turmberg. Die ersten urkundlichen Erwähnungen dieser Burgen begegnen uns in der folgenden schriftlichen Überlieferung, nämlich zunächst 1085 die Burg Eberstein, 1094 die Burg der Grafen von Hohenberg, um 1110 die der Ufgaugrafen, nämlich der Grafen von Malsch und 1112 die Burg der Markgrafen von Baden. Obwohl die Namensgebung der Adelsgeschlechter auch zufallsbedingt sein kann, dürfte die Erbauungszeit dieser Burgen mit dem genannten Daten korrespondieren.

Die Betrachtung der Herrschaftsbildung dieser Adelsfamilien lässt uns einen Einblick in ein verfassungs- und sozialgeschichtlichen recht interessanten Zeitraum gewinnen.  Wir sehen einen Prozess, wo neue Geschlechter sich bilden. Die Markgrafen nannten sich wie bereits erwähnt nach ihrer neuen Burg in Baden. Reginbodo II nahm den Namen seiner Burg in Malsch an, während sein gleichnamiger Vorgänger 1057 noch keinen Familiennamen führte. Die Ebersteiner, die namenlos aus der Ortenau kamen, nannten sich nach ihrer Burg am Austritt des Murgtales in die Rheinebene. Obwohl alle dieser Geschlechter zweifellos eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich hatten, treten sie jetzt neben den zähringschen Markgrafen aus der Anonymität heraus, als sie sich nach ihren Höenburgen nannten. Von den neujen Burgen aus, die in der Regel am Schnittpunkt von altbesiedelten und Rohdungsland errichtet wurden, widmeten sie sich dem Landesausbau. So bildeten sie flächenhafte Herrschaftsgebiete heraus, indem sie kolonisatorisch die Landstriche urbar machten. Die Zahl der Siedlungen ist seit jener Zeit im Wesentlichen konstant geblieben. Gleichzeitig gründeten sie eine große Zahl von Klöstern, die sie in ihrer Kolonisation unterstützen sollten. So wurde das Kloster Gottesaue um 1100 durch die Grafen von Hohenberg gegründet. Ein halbes Jahrhundert später entstanden durch die Ebersteiner die Klöster Herrenalb und Frauenalb.

Seit der 2. Hälfte des 12 Jahrhunderts sind die Staufer im Uf- und Pfinzgau aktiv. Im wesentlichen bedienen sie sich, obwohl sie das Königstum innehatten, der gleichen Methoden wie der Adel. Ihnen gelingt es, den überwiegenden Teil unseres Raumes herrschaftlich neu zu gestalten. Die Ebersteiner wurden fast ganz aus dem Altsiedelland abgedrängt und auch die Markgrafen von Baden hatten zunächst keine Entfaltungsmöglichkeit. Erst 1219 erhielt der Markgraf im Tausch die Stauferstädte Ettlingen, Durlach, Eppingen, Sinsheim und Lauffen. Jetzt erst –zu einem Zeitpunk als die Grafen von Malsch längst nicht mehr existierten- wurde der Ufgau zu einem Haupthandlungsfeld der Markgrafen von Baden. Die Markgrafen wurden die eigentlichen Erben der Staufer in unserer Gegend. Symbolhaft fand dieser Vorgang seinen Ausdruck in der Gründung des Klosters Lichtental, in unmitelbarer Nähe ihrer Stammburg.

Wie aber fand die Entwicklung der Ufgaugrafen in unserem Raum statt. In zahlreichen Schriften finden wir immer wieder die Behauptung, dass die Markgrafen von Baden seit 1102 –seit der ersten Erwähnung eines Markgrafen Hermann als Inhaber der Grafschaft Forchheim im Ufgau- sich im kontinuierlichen Besitz dieser Grafschaft befunden haben. In dem Bemühen, die Herrschaft der Markgrafen von Baden schon sehr für in ihre späteren Stammlande zu verlegen, hat man übersehen, dass nach 1102 ein weiteres Geschlecht urkundlich eindeutig nachweisbar im Besitz der Grafschaft Forchheim war. Auch die wichtige Zwischenrolle der Staufer als Nachfolger der Ufgaugrafen wurde nicht richtig erkannt.

Im Königsdiplomen von 1041 bis 1046 wird dreimal ein Graf Adalbert als Inhaber der Grafschaft Forchheim genant. 1057 taucht erstmals ein Reginbodo als Graf auf.  Forchheim war damals der Vorort der Grafschaft im Ufgau. Im Investiturstreit wurde die Grafschaft 1086 an das Bistum Speyer verliehen. Bei der Verleihung wurde ausdrücklich bemerkt, dass das Bistum diese Grafschaft - so wie sie bis dahin die weltlichen Grafen inne hatten - besitzen soll. Die Grafschaft wurde also dem 1057 als Inhaber der Grafschaft genannten Reginbodo I entzogen.


Burg Waldenfels als Gemälde

Fritz Laible (rechts) übergibt Rainer Walter das Gemälde
Fritz Laible (rechts) übergibt Rainer Walter das Gemälde

Burg Waldenfels Bildübergabe

 

Zum Anlass des Bunten Abends in der Waldenfelshalle wurde das Gemälde mit der Burg Waldenfels von Fritz Laible durch Rainer Walter dem Ortsteil Waldprechtsweier übergeben.

 

Gerhard Bullinger von den Heimatfreunden Malsch erzählt die Geschichte der Burg:

 

Zum ersten Mal erwähnt wurde die Burg relativ spät, nämlich im Jahre 1309 bei der Teilung der badischen Markgrafschaft.

 

Markgraf Friedrich II. vergab die Burg als sogenanntes Leibgeding, also als Lehen an seine Gefolgsleute. 

 

Zu dieser Zeit war die Burg schon mehr als 200 Jahre alt, wir dürfen ihren Bau in die Zeit zwischen 1086 und dem Jahr 1110 ansetzen.

 

Ihre Blütezeit dauerte nur wenige Jahrzehnte, vielleicht auch nur wenige Jahre. Gebaut von Reginbodo, Graf im Ufgau war sie zu Anfang des 12. Jh. dessen Amts- und Wohnsitz.

 

Um das Geschlecht des Reginbodo wird es schon nach 1115 still, vermutlich im Mannesstamm ausgestorben, wird Waldenfels zunächst von den Ebersteinern, später von den Markgrafen von Baden übernommen.

 

Als im Jahre 1318 die Mönche von Herrenalb von eben diesen Markgrafen das Dorf Malsch mitsamt Waldenfels kaufen, war die Burg für das Kloster eher eine Belastung denn ein Gewinn.

 

Sie begann langsam zu verfallen, einige schlecht ausgeführte Reparaturarbeiten an der Mauer fanden noch um 1400 statt.

 

Im Herbst 1431 verweilte Markgraf Jakob I. zu einem Jagdaufenthalt auf der Burg.

 

Danach schweigen die Quellen.

 

Nach Recherchen von Gerhard Bullinger wurde die verlassene Burganlage als Steinbruch, besonders zum Neubau von St. Cyriak in den Jahren 1824 – 1829 benutzt.

 

Seit dem Ausscheiden von Waldprechtsweier aus der Großmark Malsch im Jahre 1803  gehört Burg Waldenfels zu der Gemarkung Waldprechtsweier.

Rainer Walter (links) übergibt das Gemälde an den Ortsvorsteher Hardy Bogesch
Rainer Walter (links) übergibt das Gemälde an den Ortsvorsteher Hardy Bogesch

Rainer Walter erzählt nachfolgend die Geschichte zum Bild

 

Was fasziniert Malscher Kinder an der Burg?:

 

Schon als Kind vor mehr als 60 Jahren habe ich mit Freunden auf dem Gelände der Burg Waldenfels nach Schätzen und Geheimgängen gesucht. Dabei stellten wir uns vor, wie die Burg aussah und wie die Bewohner dort lebten. Ein mystisches Gefühl begleitete uns bei jedem Besuch auf dem Burggelände.

 

Nachdem Gerhard Bullinger und Thomas Mayer von den Heimatfreunden vor wenigen Jahren die Fundamente der Burg freilegten und eine Vermessung vornahmen, waren die Ausmaße der Burg eindeutig erkennbar. Thomas Mayer fertigte eine Zeichnung nach den Grundrissen der Burg an.
Eine alte Zeichnung der Burgruine vor dem Abbruch aus der Zeit vor 1820 konnte nicht gefunden werden.

 

Mit diesen Plänen und der Zeichnung begab ich mich zu dem bekannten Malscher  Künstler Fritz Laible und bat diesen, ein realitätsnahes Gemälde anzufertigen.  Es waren mehrere Besprechungen erforderlich, bei welchen zum Teil auch Gerhard Bullinger beratend dabei gewesen ist.

Nach vielen Jahrzehnten ist für mich ein Kindertraum in Erfüllung gegangen: Ich weiß nun, wie die Burg ausgesehen hat.

 

Das Gemälde ist nun genau zum 950ten Geburtstag des Ortteiles Waldprechtsweier fertig gestellt.

 

Eine Kopie des Gemäldes übergab ich zum Bunten Abend zur 950 Jahrfeier zur Dauerausstellung  in den Räumen der Waldenfelshalle. Namenspate der Waldenfelshalle ist ja bekanntlich die Burg Waldenfels.

Ich  möchte mich ganz herzlich im Namen der Heimatfreunde Malsch beim Künstler Fritz Laible bedanken. Sein Bild wird auch kommenden Generationen zeigen, was für ein Bauwerk die Burg Waldenfels gewesen war.


Ein interessantes Stück Heimatgeschichte“
Weit über 100 Teilnehmer kamen zur Besichtigungstour zur „Burg Waldenfels“ bei Malsch
Turm von 20 Metern machte kolossalen Eindruck
Malsch (sf). Als „extrem erfolgreich“ charakterisierte Gerhard Bullinger von den Malscher Heimatfreunden das Ergebnis der 2006 und 2007 erfolgten Grabungskampagnen an der im Malscher Bergwald gelegenen Ruine Burg Waldenfels. Wie berichtet, hat er das Gelände der 1086 vom früheren Ufgaugrafen Reginbodo erbauten Burg mit seinem Vereinskollegen Thomas Meyer im Auftrag des Landesdenkmalamtes eingehend untersucht. Mehrere hundert Stunden Arbeit investierten die beiden, um unter Leitung des promovierten Archäologen Heiko Wagner die vorhandenen Grabungslöcher mit der Spitzkelle auszuputzen.
Bevor die freigelegten Stellen wieder verfüllt werden, nutzten am Wochenende zahlreiche Interessierte die Gelegenheit, die freigelegten Burgmauern bei zwei Führungen in Augenschein zu nehmen. „Ich bin positiv überrascht“, freute sich Bullinger, der am Samstag lediglich mit 15 Gästen gerechnet hatte, über die weit über 100 Teilnehmer. Viele kannten das Gelände von früheren Ausflügen und einige hatten, wie Bullinger, in ihrer Jugend auf dem Burggelände gespielt. „Das war damals unser Räuberspielplatz“, erinnerte sich der heute 73-jährige Erwin Deubel. „Wir haben immer gehofft, die goldene Madonna zu finden“, erzählten andere.
Obwohl die „Ausgräber“ die Figur, die laut einer 1954 von Lore Ernst aufgezeichneten Sage in einem Gewölbekeller versteckt sein soll, nicht fanden, wurden bei den Grabungen viele neue Erkenntnisse gewonnen. „Es war sehr spannend“, erzählt Bullinger darüber, wie er mit Meyer und Wagner nach und nach einen Überblick über den Grundriss des Burggelän-des gewann.
Fest steht nun, dass innerhalb der Burgmauer, die von drei Halsgräben umgeben war, ein gewaltiger Wohnturm mit einer Grundfläche von jeweils 12,60 Metern im Quadrat stand. Angesichts der Fundamentstärke von bis zu 2,70 Meter könne man, so Bullinger, davon ausgehen, dass der Turm über 20 Meter hoch war. „Das muss ein kolossaler Eindruck gewesen sein“, staunte der 54-Jährige, der sich seit 1996 intensiv mit Burg Waldenfels beschäftigt. Angesichts der bei den Grabungen entdeckten Keramiken aus dem achten Jahrhundert vermutet er, dass Reginbodo, der von Waldenfels aus Ortschaften wie Stupferich gründete, die Burg auf einem Gelände baute, das bereits damals zur Holzgewinnung oder zum Ackerbau genutzt wurde. 1318 wurde das Dorf Malsch dann samt Burg Waldenfels an das Kloster Bad Herrenalb verkauft.
Da die Mönche keine Verwendung für die Burg hatten, verfiel sie zu einer Ruine. Die immensen Steinmassen wurden unter anderem 1826 zur Erweiterung der Malscher Sankt Cyriak Kirche genutzt. „Es ist ein interessantes Stück Heimatgeschichte“, meinte eine Besucherin, die sich auch für den geschichtlichen Überblick interessierte, den Bullinger über die Burg gab.
Um die Grabungslöcher für spätere Untersuchungen zu erhalten, werden sie nun wieder verfüllt. Damit der Verlauf der Grundmauern dennoch nachvollziehbar bleibt, sollen diese oberirdisch etwas aufgemauert werden.

Gebannt lauschten die Teilnehmer der Exkursion zur Burg Waldenfels den Erläuterungen von Gerhard Bullinger, der sich dazu auf einen abgedeckten Stapel (rechts) gestellt hatte.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten