Sozialdemokratische Partei Malsch (1894)


125 Jahre-Feier der SPD am 10. November 2019 im Bürgerhaus. Neben den Feierlichkeiten gab es einen tollen Vortrag von Dr. Clemens Rehm zur geschichtlichen Entwicklung der Malscher SPD. Es wurden bisher noch nicht veröffentliche Akteneinträge gezeigt. ZB. 1.4.1933 Auflösung des Arbeitersportvereins "Roter Sport" Malsch, Fußball oder Beschlagnahme am 10. Mai 1933 von SPD Unterlagen.

 

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Aus der Jubiläumsschrift 100 Jahre SPD 1994

Die Gründung der SPD Malsch

 

In dieser Zeit des Aufschwungs setzten sich 1893 einige Bürger aus Malsch zusammen und entschieden, sich für die Ziele der Sozialdemokratie einzusetzen. Nach einigen Vorbesprechungen wandten sie sich am 6. Februar 1894 an das Bürgermeisteramt, um die Gründung eines "Sozialdemokratischen Wahlverein für Malsch und Umgebung " anzuzeigen. Als Vereinslokal war der „Sternen“ ausgesucht worden. Das Bürgermeisteramt erinnerte sich noch der noch nicht lange zurückliegenden Verfolgungszeit, meldete dies eifrig dem Bezirksamt Ettlingen und fragte gleich an, ob nicht ein Mitgliederverzeichnis von dem Verein verlangt werden sollte, „damit man auch deren Mitglieder namentlich kennt.“ (11.2.1894) Das Bezirksamt verlangte aufgrund des Vereins- und Versammlungsgesetzt von 1867 die Mitgliederliste samt Bericht und legte Akte an unter der Rubrik "Malsch - Polizei - Sittlichkeit". Und so sind die Namen der ersten 17 Malscher Sozialdemokraten zu uns gekommen:

  • Theodor Buchmaier, Vorsitzender
  • Johannes Ihli, Schriftführer
  • Joseph Hitscherich, Kassier
  • Leo Ecker, Beisitzender
  • Franz Jung, Beisitzender
  • Philipp Abel
  • Fridolin Rastetter
  • Joseph Schottmüller
  • Florian Buhlinger (Zimmermann)
  • Alois Glasstetter
  • Johannes Kohrmann
  • Kaspar Heinrich
  • Karl Lang
  • Georg Kastner
  • Christian Fuhrer
  • Ferdinand Heinrich
  • Andon (so!) Speck

Die Mitgliedsbücher mit den Vereinsstatuten lagen Anfang 1894 vor. Sie sind schon 1893 geplant und von der Druckerei Adolf Geck in Offenburg in diesem Jahr noch fertiggestellt wurde. Für diese frühe Datierung spricht auch, daß die Laterne, die beim ersten Treffpunkt der Sozialdemokraten hing, das Jahr "1893' trägt. Selbst wenn die Laterne nicht aus diesem Jahr stammen sollte, so sollte die Aufschrift doch gefertigt, als die Erinnerung an das erste Treffen in diesem Jahr noch wach war. Auch die erste für die Beitragsquittung vorgesehene Seite trägt die Jahreszahl „1893“. Die Mitglieder wussten wofür sie sich einsetzten wollten. Als Zentrum der Arbeit nannte das Statut die "Aufklärung in politischen und wirtschaftlichen Fragen und die Verwirklichung sozialdemokratischer Ziele durch Bethädigung an allen öffentlichen Wahlen in Staat und Gemeinde." Durch den Verweis auf die Wahlen als Mittel grenzten sich die Malscher Sozialdemokraten vom revolutionären Weg ab setzten  auf den reformorientierten Weg.

 

Damals hatte man sich die Verwirklichung sozialdemokratischer Ziele vielerorts so vorgestellt, daß der SPD die politische Macht und damit die Chance die Gesellschaft zu verändern als Folge einer Krise des Kapitalistischen Systems "auf einen Schlag" zufallen würde. Der reformistische Weg sah vor, mit Aktivitäten innerhalb der bestehenden Gesellschaft anzusetzen und diese auf gerechtere und demokratischer Strukturen hin zu verändern. Schritt für Schritt sollte durch Mitarbeit an Reformen die Umgestaltung erfolgen. Hier gliederte sich die Malscher Sozialdemokraten ein.

Mitglieder des Wahlvereins in Malsch mussten 18 Jahre alt sein und sich auch den Grundsätzen der Sozialdemokratie bekennen. Der Mitgliedsbeitrag betrug 0,20 monatlich. Alle drei Wochen fanden Vereinsabende statt. Die Satzung wurde am 4.2.1894 bei einer Besprechung angenommen und vom Vorsitzenden aufs Bürgermeisteramt eingesandt.

 

Wie wichtig die Arbeiterfrage in Malsch zu jener Zeit war, läßt sich daraus erkennen, daß drei Jahre später 1897 ein Katholischer Arbeiterverein gegründet wurde, der allerdings nicht überwacht werden musste.

 

Als Treffpunkt der Sozialdemokraten diente am Leerbukkel (heute Leerstraße) die "Latern", wo ein Genosse seine kärgliche Individualrente mit ???? fehelnd??? im "Hirsch". Erstes Parteilokal war die Gaststätte "Zum Mahlberg", dessen Wirt auch Mitglied war. Schon um die Jahrhundertwende, so wird überliefert, fand das erste Gartenfest im "Bruhrück" statt. Politische Arbeit schloss Geselligkeit nicht aus - eine Tradition, die in den Jahresfeiern bis heute bestand hat"

 

SPD Malsch 1918 - 1933, ein Blick in die Wahlergebnisse

 

Die Zeit der Weimarer Republik brachte für Baden insgesamt ruhige Zeiten. Eine Koalition von Sozialdemokraten, katholischen Zentrum und Liberalen konnte über lange Jahre gedeihliche Arbeit leisten. Hier soll kurz anhand der Reichstags- und Landestagswahlergebnissen das Kräftespiel der Parteien in Malsch, Sulzbach, Völkersbach und Walprechtsweier dargestellt werden. Die Euphorie des Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg kam in allen Ortsteilen den Parteien zu Gute, die Koalitionen in Berlin trugen: Zentrum, Liberalen und SPD. Gerade die SPD mit Reichspräsidenten Ebert an der Spitze konnte 1919 Ergebnisse erzielen, die sie bis 1933 nicht wieder erreichte: in Völkersbach 30 von 269 Stimmen (11%), in Sulzbach 41 von 158 Stimmen (26%), in Waldprechtsweier 94 von 331 Stimmen (28%) und 909 von 2038 Stimmen (45%) in Malsch. Die vorwiegend katholische Bevölkerung wählten in den kommenden Jahren konsequent die Zentrumspartei, von der sie ihre Interessen am besten gewahrt sah. Auf die Dauer pendelte sich die SPD in Malsch bei Reichstagswahlen zwischen 21% (1924) und 11% (Juli 1932) ein. In den heutigen Ortsteilen blieb die SPD eine Minderheitenpartei. Ihre schlechtesten Ergebnisse lagen in Sulzbach bei 4%, in Waldprechtsweier bei 3% und bei 1,1% in Völkersbach als gerade 5 von 413 Wählern der SPD ihre Stimme gaben (alle Ergebnisse Juliwahl 1932). Offensichtlich wurde der Reformkurs der SPD, die in ihrer Regierungsbeteiligung viele Kompromisse eingehen musste, nicht honoriert. Eine Bestätigung dieser Einschätzung liefern die Wahlergebnisse der anderen Arbeiterpartei: Die kompromisslose Art der KPD (Kommunistische Arbeiterpartei) fand in Malsch deutlich mehr Zuspruch. In vielen Wahlen erreichten die Kommunisten das Ergebnis der SPD oder übertrafen es sogar. Nach der Dezemberwahl 1932 erhielten sie in Malsch 405 Stimmen (22%; SPD 213 St.), 15 Stimmen in Sulzbach (8%; SPD 7 St.), in Völkersbach 8 Stimmen (2%; SPD 7St.) und in Waldprechtsweier 52 Stimmen (19%; SPD 7 St.). Nur in Malsch liegt das Ergebnis der beiden Arbeiterparteien gemeinsam etwa im Reichsdurchschnitt. Die KPD-Ergebnisse in Malsch und Waldprechtsweier sind bei Reichstagswahlen fast durchweg außergewöhnlich hoch; hier hat die Bezeichnung „Klein-Russland“ für eine Siedlung in Waldprechtsweier wohl ihren Ursprung.

 

Höchst unterschiedlich reagierten die Wähler in diesen Orten auf die Agitation der Nationalsozialisten. In Malsch und insbesondere in Völkersbach konnten die Nazis nie Erfolge feiern. Schon als Hitler 1933 schon Reichskanzler war, erzielte die NSDAP in Völkersbach nur 15% und in Malsch 28% (Reichsdurchschnitt 43,9%). Dagegen lagen Sulzbach mit 43,2% und Waldprechtsweier mit 42,9% im Reichsdurchschnitt. Gerade in Waldprechtsweier hatte sich diese Tendenz schon ab 1930 mit außergewöhnlich guten Stimmzahlen für die NSDAP abgezeichnet. Schon bei der Juliwahl 1932 und dann 1933 wurde hier die NSDAP mit knappen Vorsprung vor dem Zentrum stärkste Partei. Die Ergebnisse der Landtagswahl (1921/1925/1929) korrigieren dieses Bild ein wenig. Wenn es um die Karlsruher Regierung ging, konnte die SPD die KPD fast immer übertreffen, wenngleich die Wähler in Waldprechtsweier und Malsch auch bei diesen Wahlen in hohen Maße kommunistisch wählten. Das stabile Bild, das diese Ergebnisse vorspiegelten, entsprach aber nicht der Wirklichkeit. 1933 kam Hitler scheinbar legal und ohne auf Widerstand zu stoßen an die Macht.

 

Die Arbeiterbewegung in Malsch 1933 – 1945

 

Die Machtübernahme durch Hitler am 30. Januar 1933 wirkte sich bis in jedes Dorf aus. Auch in Malsch fanden sich Bürger, die sich willig zum Gehilfen des neuen Regimes machten. Hatte Hitler auch die Mehrheit bei den relativ freien Wahlen am 5. März 1933 nicht erzielt, als Reichskanzler konnte er nach dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933, das mit Stimmen aller Parteien mit Ausnahme der SPD (die Abgeordneten der KPD waren schon verhaftet) verabschiedet wurde, schalten und walten, wie er wollte. Als es im Wirtshaus Ochsen hieß, „Hitler ist kein Kerl, er kann das nicht verfechten, was nötig ist. Wenn Thälmann (Führer der KPD) aus der Haft kommt, wird die Sache anderst. Ich bin Kommunist und bleibe Kommunist“, gab es nicht zum ersten Mal Streit. Zeugen der damaligen Szene sprechen von Rempeleien. Kurz bevor es in eine rechte Schlägerei ausartete, nahm der Ortsgendarm unter Anwendung des Hosenbodengriff den Kommunisten fest. Bei seiner Begründung für die Festnahme hielt die Behörde fest, daß es für die KPD schon öfters Reden gehalten habe und sich in Versammlungen der SPD, der Arbeitslosenselbsthilfe aber auch der NSDAP an der Diskussion beteiligt habe, um seine Überzeugung zu verbreiten. Im Unterschied zu zwei anderen Mälschern, die nach der Rückkehr aus der „Schutzhaft“ – vermutlich im KZ Heuberg – im April 1933 politisches Wohlverhalten gelobt hatten und sich daran hielten, könne der Verhaftete seinen Mund nicht halten. Nachdem sich der Kommunist auf völlig Trunkenheit heraus geredet hatte und seine Frau dem Innenministerium versprochen hatte, ihren Mann von politischen Taten zurückzuhalten, wurde die Angelegenheit niedergeschlagen.

 

Auch der zweite aktenkundige Fall endete mit einer Loyalitätserklärung des Betroffenen. An einem schönen Sommerabend saßen einige Mälscher zusammen, schauten Zeitung an und Angesichts des Bildes von Adolf Hitler, sagte einer „Ja, der Spitzbub.“ Da der Offenherzige als Kommunist galt und Mitglied im Roten Sport in Malsch war, wurde gleich eine Zeugenbefragung durchgeführt. Obwohl sich herausstellte, daß der Betroffene allgemein als Schwätzer angesehen wurde, der nicht ernst genommen werden müsste, wurde er festgenommen. Mit der Begründung, der Betroffene habe auch schon die SA beschimpft und es sei zu erwarten, daß diese – empört wie sie sei – den Schwätzer recht ordentlich verprügeln würde, wurde er „zu seinem persönlichen Schutz“ in „Schutzhaft“ genommen. Nach einer Woche Haft in Rastatt unterschrieb der verhaftet:

„Ich versichere, dass ich mich in der marxistischen, überhaupt in jeder staatsfeindlichen Bewegung nicht mehr betätigen werde und mich gegenüber dem neuen Staat loyal und gesetzmäßig verhalten werde. Ich verstehe den Wortlaut und Inhalt meiner Erklärung und bin mir bewusst, dass ich im Fall eines Bruches meines Versprechens empfindliche Schutzmaßnahmen zu gewärtigen habe.“

 

Wenn schon einzelne Äußerungen in der Öffentlichkeit eine solche Bewegung hervorriefen, wie sehr mussten sich die Anhänger des Naziregimes gegen die wenden, die organisiert waren. Als erstes wurde im Mai 1933 die Gesellschaft „Einigkeit“ angeschwärzt, deren Mitglieder als „Nazifresser“ bezeichnet wurden, die wütende Hetzreden gegen die Nationalsozialisten hielten. Die Ortspolizeibehörde bestätigen zwar, daß die Mitglieder der „Einigkeit“ überwiegend der SPD und der KPD angehörten, z.T. sogar Gemeinderäte gewesen waren, aber von „marxistischen Umtrieben“ wusste man nichts. Da aber der Verein, dessen Ziel die Geselligkeit sei, eigentlich keine Existenzberechtigung mehr habe, könnte man daran denken, ihn aufzulösen. So beschloss das Bezirksamt Ettlingen, den Verein unauffällig zu überwachen und jede verdächtige Tätigkeit im regierungsfeindlichem Sinn zu vermerken.

 

Ebenso erging es den Vereinen, die sich der Geselligkeit verschrieben hatten, aber doch der Arbeiterbewegung nahe standen. Auch wenn der Arbeitergesangsverein (siehe Konkordia, damals waren der Arbeitergesangverein Freundschaft und der MGV Konkordia noch zwei voneinander getrennte Vereine) bei seiner Gründung 1908 aus vereinsrechtlichen Überlegungen bestritt, ein politischer Verein zu sein, verhinderte dies nicht die Auflösung des Vereins am 1.4.1933. Sofort wurde die Vereinsfahne, ein Notenschrank mit Noten, Christbaumschmuck und Christbaumständer sowie Mitgliedsbuch und Kassenbuch beschlagnahmt. Rührig ermittelte die Gendarmerie weiter und konnte nach zwei Tagen noch einen Fahnenschrank, mehrere Bilder mit verdienten Mitgliedern, mehrer Wimpel und drei Fußbälle in Verwahrung nehmen. Den auf 25-30,- Reichsmark geschätzte Fahnenschmuck wollte die Ortsgruppe der NSDAP für 5,- RM abstauben und für den Notenschrank (Wert 4-5,- RM) interessierte sich die SA Masch für ihr Tagungslokal (Angebot 1 RM). Dieses Untergebot wurde aber von der Behörde nicht akzeptiert und so ging der Fahnenschrank für 22,- RM an die Ortsgruppe des Amtes für Beamte Malsch und die SA erhöhte ihr Angebot auf 4,- RM.

 

Der Geist der Arbeitergesangsvereins – sein Liedgut – wurde als Altpapier für 84 Pfennig verkauft: „…da die Lieder vom heutigen Gesangsverein doch nicht mehr gesungen werden, da es meist Republikanische Freiheitslieder sind und für die noch bestehenden Gesangsvereine nicht in Frage kommen.“ Als ob man durch die Vernichtung des Papiers den Geist der Freiheit auslöschen könnte. Immerhin: Als sichtbares Zeichen der eigenen Tradition besitzt der Arbeitergesangsverein noch seine alte Fahne, die die Nazizeit im Rathaussturm überstand.

 

Die einkassierten Winkerfahnen und die Fußbälle gehörten, wie sich später herausstellte, gar nicht dem Arbeitergesangsverein sondern dem Arbeiterfußballclub Rot Sport Malsch, der auch als Arbeitersportverein bekannt war. Die Bälle, darunter ein neuwertiger, fanden für 2,- RM mit der SA Malsch einen neuen Besitzer. Die roten Wimpel bzw Winkerfähnchen erhielt der Ortsbaumeister, um sie zur Aufrechterhaltung der ab und an angeordneten Straßensperren zu verwenden.

Ebenso wurde das noch vorhandene Sparkassenguthaben der Ortsgruppe des Radfahrvereins „Solidarität“ von 47 Pfennig eingezogen.

 

Wurden schon die nicht offenkundigen politischen Vereinigungen der Arbeiterschaft durch Verbote zerstört, lag den Nazis erst recht daran, die Parteiorganisation der SPD im Kern zu treffen. Nach dem die politischen Parteien reichsweit schon 1933 verboten wurden, wurden die Besitztümer der Arbeiterparteien in Malsch im Dezember 1934 beschlagnahmt. Bei der SPD fanden sich 6 Mitgliedsbücher, 21 Mitgliedskarten, 10 Bücher und Broschüren zur Tätigkeit der SPD, 2 Abrechnungsbücher, 2 Kassenbücher und 2 Bände Deutsches Recht. Die wurden 4 Monate nach der Beschlagnahme als Altpapier an die Papierfabrik Malsch geliefert. Für die erlösten 80 Pfennig garantierte die Papierfabrik die restlose Einstampfung, die am 11. April 1935 erfolgte. Damit waren diese Unterlagen der SPD, die nachweislich bis mindestens 1910 zurückreichten, vernichtet. Ein blaues Hemd der Eisernen Front und ein Stempel wurde für 70 Pfennig an das Winterhilfswerk Malsch gegeben. Der Gesamterlös wurde dem „Treuhänder des Landes Baden für das marxistische Vermögen“ auf dessen Konto bei der Städtischen Sparkasse Karlsruhe überwiesen. Damit wurde durch die „Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens“ wichtige Überlieferungen unwiderruflich zerstört.

 

Zur Durchgestaltung des Lebens im Nationalsozialistischen Sinn gehört natürlich auch die Lebensgestaltung der Jugendlichen. Seit 1938 verfolgte der Gemeinderat von Malsch den Plan, für die Hitlerjugend ein HJ-Heim zu errichten. Doch scheiterte dieser ehrgeizige Plan anfangs an den Geldmitteln und ein Jahr später, als man bescheidender geworden war, am Zweiten Weltkrieg. Zwar wurde noch im August 1939 die notwendigen Zuschüsse bewilligt, aber im Landratsamt wurde schon 1940 auf den Akten notiert: „Wiedervorlage nach Ende des Krieges“. 1945/46 waren HJ-Heime allerdings nicht mehr gefragt.

 

Die Wiedergründung der SPD 1945

 

An der Grenze zwischen zwei Besatzungszonen ergab sich im Malscher Alltag mehr Probleme als anders wo. Kriegswitwen erhielten angeblich in der Französischen Zone mehr Unterhalt als in der Amerikanischen. Die Einwohner der Französischen Zone versorgten sich vielfach in Malsch, was zu Preissteigerungen führte. Die Flüchtlinge wurden zu Neubürger und wussten nicht, wovon sie ihre Möbel kaufen sollten. Kälber wurden durch die Zwangsbewirtschaftung aus den Ställen geholt und nur gering entschädigt, damit die Bevölkerung überhaupt genug Nahrungsmittel zum Überleben bekam. Französische Soldaten verbreiteten in betrunkenen Zustand in Malsch Unruhe.

Da Parteien von der Militärregierung zuerst nur auf örtlicher Eben zugelassen wurden, beantragten Franz Maisch, Josef Zimmer, Josef Buhlinger und Erwin Deubel im Oktober 1945 – einen Monat nach ähnlichen Bestrebungen durch die Kommunisten – die Gründung einer SPM, der Sozialdemokratischen Partei Malsch. Ihrer Zeit entsprechend fassten die Mitglieder die Ziele im ersten Antrag wie folgt zusammen: „Die Partei ist bestrebt die Reinigung der Malscher Verwaltung vom Nationalsozialismus zu fördern. Diskussionen zu führen usw.“ Franz Maisch, Josef Zimmer, Josef Buhlinger und Erwin Deubel haben hier den Grundstein für eine erfolgreiche Tätigkeit nach dem Krieg gelegt. Bei einer im November 1945 vorgelegten Satzung, die genehmigt werden musste, wurden die politischen Ziele deutlicher gefasst.

 

Neben der Zusammenarbeit mit der Militärregierung stellen sich die Sozialdemokraten als Ziel die „Beseitigung und Austilgung des Nationalsozialismus und des Militarismus, die Umerziehung insbesondere der Jugendlichen zur Demokratie, die aktive Förderung des Wiederaufbaus“ und schließlich den „Aufbau einer demokratischen Staatsform mit allen Rechten und Freiheiten für das schaffende Volk“.

 

Da die SPD im Landesbezirk Baden von den Amerikanern zugelassen worden war, konnte das Leben wieder beginnen. Das galt ebenso für den Arbeitergesangsverein, der sich schon im Herbst 1945 wieder traf, obwohl die offizielle Zulassung des Vereins noch über zwei Jahre auf sich warten ließ. Die Partei hatte es da einfacher gehabt: Am 11. Dezember 1946 vermerkte das Landratsamt auf dem Malscher Antrag: „Die SPD ist im Landesbezirk Baden zugelassen.“ Der Weg für die Mitgestaltung beim Wiederaufbau eines demokratischen Deutschlandes war frei.

 

Aus dem Leben der Malscher Sozialdemokraten

Auszüge aus den Protokollbuch: 1959

 

Im Jahr 1959 begann die Arbeit der SPD mit der Generalversammlung am 21. Februar um 20 Uhr in der Eintracht. Gemeinderat Grimm verlas den Tätigkeitsbericht für 1958 und konnte als Besonderheit die Gründung der Jungsozialisten vermerken. Mit großen Hoffnungen wurde der Ankauf eines Geländes durch die Bundespost für ein Hauptzeugamt begleitet. Hervorgehoben wurde weiter die Erstellung eines 6-Familienhaus durch die Gemeinde zur Behebung allergrößter Wohnungsnot. Als Arbeitsschwerpunkt wurde der Bau eines neuen Schulhauses und die Verdolung des Waldprechtsbach genannt. Nach harmonisch verlaufenden Vorstandswahlen wurde Franz Hirth als Vorsitzender bestätigt.

 

Bei der Verwaltungssitzung in der Eintracht am 25.5.1959 und der Mitgliederversammlung am 7.6. ebenfalls in der Eintracht wurde die Gemeinderats- und Kreistagswahlen besprochen. Ferner wurde mit den Mitgliedern der Fortschritt bei der Bachverdolung und des Schulneubaues (später: Hans-Thoma-Schule) diskutiert. Bei der Baulandumlegung Hänfig wurde ein Baubeginn 1960 erwartet. Für die Waldstraße, Beethovenstraße und dem Sportplatzweg war im nächsten Haushalt (erstmalig) ein Makadambelag vorgesehen.

 

Den politischen Höhepunkt des Jahresprogramms bildete der Vortrag des bekannten Bundestagsabgeordneter Fritz Erler, der am 29. September im Gasthaus „Zum Mahlberg“ die Erfahrungen seiner Begegnungen mit Politikern in den USA und der Sowjetunion zum Thema „Tauwetter im Kalten Krieg? Was bedeutet das Treffen Eisenhower – Chruschtschow“ sprach. Er machte mit seinen Hinweisen auf die Abrüstungswünsche beider Großmächte den Zuhörern Hoffnung auf eine friedensreiche Zukunft. Von der anschließenden Diskussionsmöglichkeit wurde regen Gebrauch gemacht.

 

Im Zeichen des Kommunalwahlkampfes stand die letzte Verwaltungssitzung am 3. November im Cafe Reichert, bei der die letzten Anleitungen für einen guten Wahlkampf und eine erfolgreiche Wahl gegeben wurden.

 

Bei der Wahl am 8. November erhielt die SPD 9780 von 27.951 Stimmen (34,99%). Zu den im Gemeinderat verbliebenen Gemeinderäten Gustav Grimm und Hugo Bernhard wurden von der Bevölkerung Franz Hirth, Eugen Reichert und Franz Gräfinger das Vertrauen geschenkt.

 

Ein Jahr von vielen. Doch die dürren Protokollnotizen verstecken die Arbeit in den Gemeinderatsgremien, die Gespräche zu allen Gelegenheiten wie z.B. die jährlichen Familienfeiern.

 

Aus dem Leben der Partei Vorstand und Verwaltung im Jubiläumsjahr (1994)

 

Wolf-Rüdiger Zimmermann, Vorsitzender
Marion Rupp-Abel, Stellvertreterin
Henner Klages, Stellvertreter
Otto Giese, Kassierer
Uwe Seelhof, Schriftführer
Beisitzer: Gottfried Baumann, Martina Bittner, Ernst Krause, Daniel Krüger, Dr. Clemens Rehm, Veronika Wehr-Schwander, Michael Weitz

 

SPD – Gemeinderatsfraktion

 

Hugo Bernhard, Fraktionsvorsitzender
Ernst Krause, stellver. Fraktionsvorsitzender
Karl Buhlinger, Fraktionsgeschäftsführer
Dieter Lehmann, Adolf Schneikart (Völkersbach), Eberhard Till (Sulzbach), Klaus Tondera (Waldprechtsweier), Fritz Weber.

 

Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Malsch – ASF

 

Politik für, von und mit Frauen:

… 1992 wurde die ASF neu gegründet. Sie steht allen Frauen, auch ohne Parteimitgliedschaft, offen.

Birgit Weitz (Vorsitzende), Marion Rupp-Abel, Martina Bittner, Veronika Wehr-Schwander, Helga Schottmüller, Andrea Spasojevic.

 

Jungsozialisten

  

Daniel Krüger (Vorsitzender), Martina Buhlinger, Thomas Huschka, Ilonka Lehmann.

 

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