Mahnmal der deportierten badischen jüdischen Mitbürger in Neckarzimmern

Im Oktober 2005 wurde auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern ein Mahnmal zur Erinnerung an die am 22. Oktober 1940 deportierten badischen Juden der Öffentlichkeit übergeben. Eine etwa 25 Meter mal 25 Meter große Bodenskulptur aus Beton in Form eines Davidsterns bietet Platz für Erinnerungssteine aus den 137 badischen Deportationsorten.

 

Das Neckarzimmerer Mahnmal ist die einzige Gedenkstätte in Baden-Württemberg, die an die landesweite Deportationen der Juden am 22. Oktober 1940 erinnert. Es entstand im Rahmen des Ökumenischen Jugendprojekts Mahnmal und wird ständig weiterentwickelt. Die Idee des Jugendprojektes ist einfach: In jedem der Deportationsorte sollen Jugendgruppen oder Schulklassen sich mit der Deportationsgeschichte auseinandersetzen und zwei Gedenksteine gestalten. Einer der beiden Steine soll in der Gemeinde bleiben und dort einen angemessenen Standort erhalten, der andere wird Teil des zentralen Mahnmals in Neckarzimmern.

 

Der Davidstern füllte sich nach und nach durch die Erinnerungssteine aus den einzelnen Deportationsorten.

 

Von den insgesamt 137 Deportationsorten in Baden haben zwischenzeitlich Jugendgruppen aus 109 betroffenen Städten oder Gemeinden Mahnmale geschaffen und aufgestellt. Die Realisierung des ökumenischen Jugendprojekts wurde in Malsch mit Unterstützung der Heimatfreunde, durch Mitglieder des Jugendgemeinderats, der Konfirmanden und der Katholischen Jungen Gemeinde auf Initiative von Bürgermeister Elmar Himmel vorgenommen.

 

Die Aufstellung des Steins als Teil des Mahnmals in Neckarzimmern erfolgte am 2. November 2008. Sein Pedant wurde am 16. November 2008 in einer Feierstunde auf dem Kirchplatz aufgestellt. An dem Platz, von welchen die 19 Malscher Juden deportiert wurden.

Die jugendlichen Schöpfer des Malscher Mahnmalsteines haben die menschliche Geste der mutigen Frau Lang die auf ihre Abholung wartenden Jüdinnen und Juden mit Essen und Trinken versorgte, in Stein gemeißelt. Der Stein wurde durch 19 Bohrlöcher geteilt, wobei jedes Bohrloch einen Malscher Juden symbolisieren soll.

Dass dieser Stein aus Malsch unter den geschaffenen bisherigen 108 Steinen ein besonderer ist, zeigt die Tatsache, dass er als einziger auf einem Flyer der Evangelischen Landeskirche in Baden vorgestellt wurde.

Schreiben des Bürgermeisters an Robert Heizmann
Schreiben des Bürgermeisters an Robert Heizmann

Bereits nach der Pogromnacht 1939 und verstärkt nach der Deportation im Oktober 1940 begann man in unserem Ort mit Nachdruck sämtliche jüdische Spuren zu beseitigen.

 

So bekam Robert Heinzmann in der heutigen Sezanner Straße 54 im August 1939 die polizeiliche Auflage an seinem von dem Juden Stern gekauften Anwesens die Aufschrift „Viehhandlung Stern“ innerhalb einer Woche zu entfernen.

Wie Sie im Betreff des Schreibens angegeben, wurde diese Auflage als Orts- und Straßenbild- Verschönerung gesehen.

Vom Landratsamt wurde im September 1939 überprüft, ob die Ruinen der Synagogen zwischenzeitlich beseitigt wurden, was von der Gemeinde Malsch Anfang Oktober 1939 bestätigt wurde.