Heimatmuseum

Gruppenleiter:

 

Herr Manfred Rubel

Posener Str. 8  76316 Malsch  Tel. 07246 1577

E-Mail: manfred.rubel@gmx.de
 
 

 

  • das zukünftige Heimatmuseum
  • restaurierte Exponate
  • Gemeinde Malsch erhielt wertvolle Tracht geschenkt

In diesem Gebäude in der Kreuzstraße/Richard-Wagner-Straße in Malsch soll nach der Sanierung des Gebäudes mit Nebengebäuden das Heimatmuseum entstehen. Das Projekt befindet sich noch in der Planungsphase.

 



Restaurierte Exponate

Landwirtschaftliche Geräte

Küchengeräte

Ausschnitt aus dem „Großen privaten Kochbuch“ bezüglich der Einrichtung einer Küche vor rund 100 Jahren

 

 


 

Übersicht der Einrichtungsgegenstände (Abschrift aus dem Buch):

 

Kücheneinrichtung.

 

 „Es wird nicht unnütz sein, wenn ich hier eine bürgerliche Kücheneinrichtung beschreibe. Seit mehreren Jahren existiert sehr schönes Kochgeschirr, welches innen weiß glasiert (emailliert) und sehr billig ist. Allein bei diesem Geschirr ist der Umstand ins Auge zu fassen, dass die Emaille, wenn sie einmal beschädigt ist, nicht mehr repariert werden kann, und dann alle Speisen ein schwarzgraues Aussehen erhalten. Eine gute Küche soll wenigstens folgendes enthalten:

 

1.        Einen Fleischtopf (Dampfhafen) nach der Personenzahl der Familie

 

2.      einen kleinen Emailletopf

 

3.      zwei Suppentöpfe zum Einkochen der Suppen

 

4.      verschiedene Tiegel zu Gemüsen (von verschiedener Größe)

 

5.      verschiedene Tiegel zu Mehlspeisen

 

6.      zwei oder drei Bratpfannen (Reindeln)

 

7.      zwei Backpfannen (eine größere und eine kleinere)

 

8.      einen Schneekessel von Messingblech oder Emaille

 

9.      einen Schlagbesen von Eisendraht

 

10.   einen solchen von Holzreisig zum Schlagen von Rahmschnee

 

11.     einen Mörser von Messing oder Stein (mit Stößer)

 

12.    zwei Omelettpfannen von Eisen

 

13.   zwei Butterlaibchenformen

 

14.   zwei Cremeformen

 

15.   zwei Geleeformen

 

16.   zwei Auflaufformen

 

17.    Strauben- und

 

18.   Nockenspritze von weißem Blech

 

19.   Fischgeschirr

 

20.  einen kleinen und

 

21.    einen großen Schaumlöffel

 

22.  zwei Schöpflöffel

 

23.  zwei Anrichtlöffel

 

24.  sechs blecherne Esslöffel

 

25.  eine runde Ausstecherbüchse mit 12 Stück

 

26.  eine ebensolche lange

 

27.  zwölf kleine, gerippte Biskuitförmchen

 

28.  eine Zuckerstreubüchse

 

29.  eine Waage mit mehreren Gewichten

 

30. ein Reibeisen

 

31.   einen Trichter

 

32.  zwei Messingpfannen

 

33. zwei Tortenbleche

 

34. zwölf einzelne weißblechene Ausstecher für Garnituren

 

35. zwei Puddingformen

 

36. eine Anisbrotform

 

37.  ein Salzfass

 

38. eine Mehlbüchse

 

39. ein Nudelbrett

 

40. ein Rollholz

 

41.   ein Hackstöckchen

 

42.  ein Wiegbrett

 

43. ein Wiegmesser

 

44. ein Speckmesser

 

45. zwei Küchenmesser

 

46. ein Hackmesser

 

47.  Spicknadeln

 

48. Dressiernadel

 

49. Seiher

 

50. einen hölzernen Strudel (Quirl)

 

51.   eine Kaffeemaschine

 

52.  zwölf Kochlöffel

 

53. einen Spatzenlöffel von Blech

 

54. eine Ochsengurgelform

 

55. ein Wasserschiff

 

56. sechs verschiedene Porzellanschüsseln

 

57.  sechs verschiedene irdene Schüsseln

 

58. eine Zerleggabel

 

59. ein Zerlegbrett

 

60. eine Küchenlampe

 

61.   eine Gefrierbüchse

 

62.  einen hölzernen Kübel dazu

 

63. ein Zuckersieb

 

64. ein Mehlsieb

 

65. zwei Suppensiebe

 

66. ein Füllesieb

 

67.  eine Kohlenschaufel, einen Kohlenkübel

 

68. eine Feuerzange

 

69. ein messingenes Krapfenrädchen

 

70.  einen Krauthobel

 

71.    einen Gurkenhobel  

 

In der Nähe der Küche soll eine kleine Speisekammer sein, in welcher man seinen Vorrat sorgsam aufbewahren kann, und die im Sommer mit Fliegengittern versehen wird.

 

Schließlich erlaube ich mir noch zu bemerken, dass jede gute Hausfrau darauf achten muss, dass keine Speisen oder Soßen in kupfernen, messingenen oder emaillierten Gefäßen über Nacht stehen bleiben, denn die geringste Beschädigung am Gefäß setzt Grünspan an. Darum ist es gut, wenn man glasiertes irdenes Geschirr dazu verwendet.“

 

Werkzeuge

Gegenstände zur Raumausstattung

Religiöse Gegenstände

Kunst

Sonstiges


Gemeinde erhielt wertvolle Tracht geschenkt

Von den Städtepartnerschaften mit Sézanne oder Dinuba hat man in Malsch in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder Kenntnis nehmen können, die Freundschaft mit dem polnischen Syców ist noch jung, findet aber in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus statt. Was aber hat Malsch mit dem mährischen Städtchen Wischau (heute: Vyskov), einer ehemaligen deutschen Sprachinsel in der Nähe von Brünn zu tun?   

Wer in diesen Tagen im Rathaus zu tun hat und das Foyer des Hauses betritt, der kann eigentlich an der herrlichen Tracht, die eine Schaufensterpuppe im Eingangsbereich ziert, nicht unbeachtet vorbeigehen. In Rot, Weiß und Blau als dominierenden Farben gehalten, stellt sie die alltägliche Frauenkleidung einer deutschen Sprachinsel im heutigen Tschechien dar. Im August 1946 wurde sie – nicht als besonderer Festtagsschmuck, sondern als Teil von Alltagskultur - zusammen mit anderen Habseligkeiten in einer Truhe nach Malsch mitgebracht und gehörte der aus Wischau stammenden Familie Kriwy, die gemeinsam mit mehr als 1.300 Flüchtlingen und Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg in Malsch eine neue Heimat fand. Maria Hitscherich, geb. Kriwy, berichtete, ihre Mutter habe eine solche Tracht bis zu ihrem Tode 1977 regelmäßig getragen und sei auch darin beerdigt worden. Die Tracht, die bereits Teil der 2006 im Rathaus stattgefundenen, sehr erfolgreichen Ausstellung der Heimatfreunde über die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge in Malsch gewesen war, jetzt der Gemeinde zu schenken, sei auch im Hinblick auf die verdienstvolle Arbeit der Heimatfreunde folgerichtig. Letztlich sei diese Geste auch ein Zeichen für das „Angekommensein“ in der „neuen“ Heimat. Verbunden ist es, so räumt Maria Hitscherich ohne zu zögern ein, „mit einem anrührenden, persönlichen Gefühl“.

Bei einer kleinen Feierstunde am vergangenen Montag im Foyer des Rathauses bedankte sich Bürgermeister Elmar Himmel bei den beiden Familien von Juliane Werner und Maria Hitscherich für das großzügige Geschenk. Er zeichnete noch einmal den Weg der Heimatvertriebenen nach und stellte auch ihre Bedeutung für die Veränderung der dörflichen Kulturlandschaft heraus. In ihrem Gepäck hätten die Flüchtlinge ja nicht nur das lebensnotwendigste mitgebracht, sondern natürlich auch ihre Kultur, ihren Dialekt, ihre Bräuche. Und so sei die jetzt im Rathaus an zentraler Stelle präsentierte Wischauer Tracht auch ein Symbol für die Eingliederungsleistung der Flüchtlinge, die schon bald nach ihrer Ankunft begonnen hatten, sich in den örtlichen Vereinen oder den Kirchen wieder zu betätigen. Himmel verwies bei dieser Gelegenheit auf die entsprechenden Verdienste der Ortsgruppe Malsch des Bundes der Vertriebenen, die zum 31. März aufgelöst worden ist und deren langjährige Vorsitzenden Frau Precechtel und Herr Schober ebenfalls anwesend waren. Der Dank des Bürgermeisters galt bei dieser Gelegenheit auch den Heimatfreunden Malsch für ihr engagiertes Wirken zur Aufarbeitung der Malscher Geschichte und insbesondere für die Ausstellung und die Publikation zu den Heimatvertriebenen. Die fruchtbare Zusammenarbeit, die sich im September oder Oktober dieses Jahres mit einer weiteren Ausstellung im Rathaus fortsetzen wird, habe sich bei der Präsentation der Wischauer Tracht so gestaltet, dass die Gemeinde die Vitrine beschafft habe, der Verein kaufte die notwendige Schaufensterpuppe und besorgte die Dokumentation.

Der Vorsitzende der Heimatfreunde Malsch, Josef Bechler, erinnerte in einem sehr persönlichen Grußwort an seine Schulzeit, als er sich, wie viele andere Malscher Bürger, plötzlich an in Malsch nicht geläufige Familiennamen wie etwa Kriwy, Waschek, Duchac oder Mahovsky gewöhnen musste, genauso an ein unbekanntes Gemüse, das einem komplett neu entstandenen Wohnquartier im Volksmund den Namen „Paprikaviertel“ eintrug. Er lobte einmal mehr die ungeheure Integrationsleistung, die Alt- und Neubürger in jener Zeit erbracht hätten und verwies darauf, dass deswegen die Wischauer Tracht im Rathaus nicht nur ein höchst interessantes Zeugnis regionaler deutscher Kultur sei, sondern auch Symbol für die aus seiner Sicht geglückte Eingliederung von rund einem Drittel neuer Malscher Mitbewohner unter schwierigsten Bedingungen.

Nach der offiziellen Übergabe der Tracht an die Gemeinde hatten die beiden Schenkenden Juliane Werner und Maria Hitscherich zahlreiche Fragen der Besucher zu beantworten. Dabei ging es um das Alter der Tracht ebenso wie um Details zum Trageanlass und zur Waschbarkeit – Fragen, die die beiden Frauen mit viel Geduld beantworteten. Frau Hitscherich hat auch erzählt, dass ihre Mutter in einer solchen Tracht auf eigenen Wunsch beerdigt wurde. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Malscher Bürger bei ihrem Besuch Freude an dem wertvollen Geschenk und seiner Symbolkraft haben werden.

 ts

Quelle: Gemeindeanzeiger Malsch, Nr. 15 vom 10. April 2008