Wirtschaft Schwanen

Die Wirtschaft war aber auch ein beliebter Treffpunkt für „besondere“ Kreise. So konnte man immer wieder unsere damaligen Hausärzte Dr. Götz und Dr. Essig zusammen mit Apotheker Schönberger antreffen, wobei manchmal noch der Holzhändler Albert Kohlbecker dabei war. Aber auch alleinstehende Lehrkräfte, vor allem Frl. Lina Völker und August Harbrecht nahmen dort fast regelmäßig ihr Mittagessen ein. (Es war gut und billig)

Um berufliche Probleme zu besprechen, trafen sich dort oft Handwerkergruppen, so z.B. irgendwann einmal auch die Malscher Schreiner, warum auch immer. Wie es dann ans Zahlen ging, hatte jeder einen größeren Geldschein dabei. Darauf Wirtin Frieda: Ja glauwäd dänn dir, ich bin ä Geldwechslinstitut? Zahlät halt s’nächste Mol, wänn dor widdor kommät!

Typisch Frieda.Hier ein paar Beispiele Ihrer allgemeinen Sprüche:

„Buwä, gähn doch hoim, do ischs billiger!“      Oder

„Ich geh jetz ins Bett. Wänn dor hoim gähn, legts Geld grad uff dä Disch!“

Umgekehrt kam es aber auch vor, dass ein Gast zu ihr sagte:

„Frieda, gib mor mol 20 Mark, dasse zahlä kon!“

Sie war vor allem großzügig, auch gegenüber ihrem Ehemann Fritz. Tagsüber war er voll in der Mühle beschäftigt. Abends aber half er auch in der Wirtschaft mit aus. Und dafür hatte Frieda dann auch nichts gegen seine zwei bis drei Viertele Rotwein. Man kann sagen, die beiden lebten ein relativ ruhiges Leben. Sie hatten ja keine Kinder. 

Außerdem gibt es noch einen Zeitzeugen, Peter Ecker, der besonders in der letzten Zeit von Frieda und Fritz den beiden oft beratend und auch tätig geholfen hat:

„Mir denkt noch recht gut, dass ich öfters Leute sagen hörte: Wu gähmor heit Owäd no? Und dann wie oft  die Antwort: Ha zu dä Frieda in dä Schwonä! Darin zeigte sich doch die enge Verbundenheit zwischen Gast und Wirtin. Das war doch schon ein fast familiäres Verhältnis, geprägt von der herzensguten Art und viel Toleranz, ja Menschlichkeit der beiden Wirtsleute. So war damals der „Schwanen“ für viele Gäste im sprichwörtlichen Sinne ein zweites Zuhause.

Und nicht zu vergessen: Kater Felix. Er erst machte das Dreigestirn komplett. Obwohl nur als „freier“ Mitarbeiter tätig bekam er sehr viel Zuneigung von Frieda. Wer kannte nicht den sorgenvollen Blick aus dem Fenster von Frieda, wenn er mal wieder zu lange auf Achse war. Kam Felix dann endlich wieder zurück, dann wurde er von ihr mit den feinsten Sachen verwöhnt. Und Fritz? Er ließ sich dann manchmal zu harten Äußerungen hinreißen, wie z. B. Dämm rotä Bock gehts do hinn jo bessor wie mir! Frieda hat dies aber immer mit seligem Lächeln einfach überhört.

 

Besonders die Winterabende waren immer sehr gemütlich. Da saßen Frieda und Fritz am Ofen, schnarchten oft leise, manchmal auch lauter vor sich hin. Wollte dann ein Gast noch etwas zu trinken, waren die beiden sich meist nicht einig, wer nun bedienen soll. War Frieda dann richtig wach, dann sagte sie zu ihrem Fritz: Hol halt äm Karle noch ä Bier. Fritz brummte dann, gehorchte aber und brachte dem Karl sein Bier mit dem guten Rat: Jetz longts awwor so longsom, gell, du gehsch ball hoim!“  Und noch etwas muss ich erwähnen! Ab und zu werde ich auch erinnert an Friedas Beefsteaks. Denn ihr spezielles Rezept hat sie noch rechtzeitig meiner Frau überlassen. Und das war gut so! Denn die schmecken heute immer wieder so gut wie früher, halt wie von Frieda“.

Frieda starb 1970. Die Hinterbliebenen versuchten zunächst, für das Gebäude eine für sie sinnvolle Nutzung zu verwirklichen, was leider scheiterte. Deshalb wurde das Anwesen dann 1981 verkauft und zwei Jahr später endgültig abgerissen, um einem neuen Bau, so wie er heute noch steht, Platz zu machen. Es gibt noch ein kostbares Bauteil aus dem „Schwanen“, die Mittelsäule der Wirtschaft.