Vortrag von der Quelle zum Wasserhahn

Ehemalige Bäckerei Rexer
Ehemalige Bäckerei Rexer

Vortrag von Josef Bechler - Heimatfreunde Malsch am 19.Januar 2016

Von der Quelle zum Wasserhahn

Die Geschichte der Malscher Wasserversorgun

Verehrte Anwesende, liebe Heimatfreunde,

 

im vergangenem Jahr feierten wir unser 950-igstes Ortsjubiläum. Das feierten wir nur, weil in einer Güterbeschreibung des Klosters Weißenburg aus dem Jahre 1065 unser Ortsname erstmals festgehalten wurde. Ich bin mir jedoch sicher, dass schon wesentlich früher Menschen hier wohnten. Lore Ernst hat in ihrem Buch „Die Geschichte des Dorfes Malsch“ erwähnt, dass nach Ansicht des berühmten Heimatforschers Mone auf dem Kirchhügel ein römisches Heiligtum stand. Sie hat weiter erwähnt, dass bisher innerhalb des Dorfes keinerlei römische Funde gemacht wurden. Dies hat sich zwischenzeitlich geändert

Zum einen wurde unter der ehemaligen Bäckerei „Rexer“ in der Neuwiesenstraße 2 ein römischer Stein gefunden, der jetzt als Kopie den Adler-Kreisel ziert. Der Originalstein steht im Eingangsbereich des Rathauses.

"Römischer Stein", der bei Grabarbeiten auf dem Anwesen der ehemaligen Bäckerei Rexer gefunden wurde
"Römischer Stein", der bei Grabarbeiten auf dem Anwesen der ehemaligen Bäckerei Rexer gefunden wurde

Es befanden sich auch nachweislich römische Kellergewölbe in Malsch. Als das Anwesen Buhmann wegen der Bachöffnung und dem Bau eines Kreisverkehrs bei der Adlerkreuzung im Jahre 2011 abgerissen wurde, entdeckte ich im dortigen Keller ein separates Kellergewölbe welches aus früherer Zeit stammen musste.

Man hatte offensichtlich beim Bau des Wohnhauses den alten Keller umbaut. Leider schaffte ich es nicht mehr, dieses Gewölbe vor der Einebnung im Bild festzuhalten.

 

Mit großer Sicherheit befand sich ein römischer Keller aber unter dem Wohnhaus von Anna Geiger in der Adlerstraße 66, das im Februar 2012 abgerissen wurde. Dies wurde auch vom Denkmalamt Karlsruhe bei einer Besichtigung bestätigt.

Römischer Keller unter dem Anwesen Adlerstraße 66
Römischer Keller unter dem Anwesen Adlerstraße 66

Diesen Keller konnte ich noch vor seinem Abriss im Bild festhalten. Es war eindeutig zu sehen, dass das im Jahre 1759 erbaute Haus um den bereits vorhandenen Keller erstellt wurde. Das Gewölbe lag tiefer als die übrigen Kellerräume. Auch stimmten die Außenmauern des Gewölbes nicht mit denen des erstellten Hauses überein. Dass sich diese Zeugnisse einer frühen Besiedelung alle am Bachlauf befanden ist kein Zufall. Denn neben einer strategisch sicheren Lage war die ausreichende Versorgung mit klarem, fließendem Wasser der Ausschlag für eine Ansiedelung in früherer Zeit.

Wasser ist eines der bedeutendsten Elemente für das Leben auf der Erde. Bei der
Nahrungsmittelerzeugung und als Energiequelle ist es unersetzbar. Sauberes Wasser ist Voraussetzung für das Funktionieren der Ökosysteme. Wasser steht jedoch nicht allen Menschen in ausreichendem Maße zur Verfügung. Wasser ist ein begrenzter natürlicher Rohstoff und ein für Leben und Gesundheit wesentliches öffentliches Gut. Der Streit um Wasserreserven könnte in Zukunft Auslöser von gewaltigen Konflikten sein, wie Beispiele aus dem Nahen Osten und die Konflikte zwischen USA und Mexiko zeigen. So wird teilweise dort versucht den Wassermangel so zu lösen, indem man Wasser aus Toiletten und Duschen behandelt, um es als Trinkwasser nutzen zu können. Wasser ist sozusagen das flüssige Gold des 3. Jahrtausends. Die Wasserversorgung wird eines der wichtigsten globalen Themen der Zukunft darstellen. Hier zu Lande ist dieses Gut „Wasser“ noch im Überfluss vorhanden. Es ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in der Bundesrepublik.

Nach einer Untersuchung des BUND verbraucht jeder Bundesbürger etwa 130 Liter Wasser täglich.

Zugang zum tiefer liegenden römischen Keller
Zugang zum tiefer liegenden römischen Keller

Davon werden aber nur etwa 4 Liter zum Trinken und Kochen verwendet. 42 Liter bestes Trinkwasser rauschen durch die Toilettenspülung, 47 Liter werden für Baden, Duschen, Körperpflege und etwa 37 Liter werden für Wäschewaschen, Geschirrspülen uns Sonstiges benötigt.

 

Spätestens dann, wenn wir im Haushalt reparaturbedingt auch nur kurzfristig auf Wasser verzichten müssen, wird augenscheinlich wie oft wir im Laufe des Tages Wasser benötigen.

 

So hatte die Wasserversorgung auch unserer Vorfahren schon immer eine große Bedeutung, wie Wilhelm Wildemann in seinem Buch „Malscher Leben“ festgehalten hat. Dort findet man einen Plan von 1865 mit den damals vorhandenen Pump- und Ziehbrunnen.

Wie man anhand dieses Planes erkennen kann, gab es 1865 insgesamt 36 Brunnen in unserem Ort.

Standorte der Pump- und Ziehbrunnen im Jahre 1865

Brunnen der Familie Storz Neumalsch, ehemaliges Gasthaus Bären
Brunnen der Familie Storz Neumalsch, ehemaliges Gasthaus Bären

Nach meiner Meinung kann man den schönsten noch erhaltenen Brunnen aus dieser Zeit auf dem Anwesen der Familie Storz in Neumalsch bewundern.Während den Bauarbeiten an der Römerstraße im Jahre 2012 wurde ein noch gut erhaltener Brunnen-Schacht beim ehemaligen Anwesen Kastner/Stickfaden in der Römerstraße 10 entdeckt.Ein weiterer Brunnen-Schacht kam im März 2013 durch den Einbruch einer Decke neben der Eingangstüre des Wohnhauses in der Waldprechtsstraße 32 zum Vorschein, der zwischenzeitlich verfüllt wurde.
Ein ebenfalls schöner noch erhaltener Brunnen-Schacht befindet sich auf dem Schulhof der Johann Peter Hebel-Schule. 

Auf historischen Fotos sind weitere Brunnen in Malsch festgehalten, wie beispielsweise der auf dem Kirchplatz neben dem Rathaus.

Es gab aber auch Brunnen, welche im Plan von 1865 nicht festgehalten  wurden. Das sind zum Beispiel die Brunnen der Bahnwärterhäuser und der Blockstelle in Malsch. Auf diesem historischen Bild sehen sie das Bahnwärterhaus Rösch, das im Jahre 1980 abgerissen wurde.

 

Bis in die 60-iger Jahre wurde das benötigte Wasser der Familie Rösch für Haushalt und Garten nur vom Brunnen neben dem Bahnwärterhaus geholt. So wie mir Zeitzeugen berichteten, deckten auch die dort bei der Feldarbeit tätigen Menschen ihren Wasserbedarf von diesem Brunnen

Zugang zur Brunnenstube am Kaufmannsbrunnen
Zugang zur Brunnenstube am Kaufmannsbrunnen

Im März 1902 verpflichteten sich 591 Malscher Hauseigentümer ihren sämtlichen Wasserverbrauch von der neu erstellten Gemeinde-Wasserleitung zu beziehen. Die Höhe des zu zahlenden Wasserzinses wurde jährlich vom Gemeinderat festgelegt. Es wurde noch nebenbei bemerkt, dass die nachträglich sich meldenden Abnehmer von der Vergünstigung der unentgeldlichen Zuleitung ausgeschlossen werden. Sie mussten die Kosten für die Hausanschlüsse dann selbst tragen. Der Plan von 1906 zeigt die Fassung der Quelle und den Verlauf der Zuleitung zum Hochbehälter I und von dort die Weiterführung ins Dorf.

Diesem Plan ist zu entnehmen, dass oberhalb des Steinhauses im Waldhaus für Stockmeyer ein Abgang realisiert wurde, bevor das Wasser in den Hochbehälter mit einem Nutzraum von 300 cbm gelangte.

 

Zum Gründer des Waldhauses, dem 1858 geborenen Offizier und anerkanntem Kunstmaler und Anthroposophen Karl Stockmeyer wäre noch zu sagen, dass er im Jahre 1886 das Steinhaus, als erstes Gebäude im Waldhaus bauen ließ. Er war es auch, der sich bereits zur Bauzeit im Jahre 1885, also bevor die Kaufmannsbrunnen-Quelle gefasst wurde, von dort eine private Wasserleitung legen ließ, die bis 1965 in Betrieb war. Das war die erste Wasserleitung von Malsch, die stellenweise heute noch zu sehen ist. Der abgebildete Hochbehälter von 1902 war als Wasser-Speicher bis 1998 in Betrieb. Er wurde erst überflüssig durch den Bau des neuen Hochbehälters I beim Schwimmbad. Über der Eingangstüre des Hochbehälters ist die Jahreszahl der Erbauung zu erkennen.

 

Das ist leider nicht der Originalstein, sondern ein von dem Wassermeister Josef Kühn im Jahr 1931 geflickter Stein mit der Jahreszahl 1902. So wie überliefert wurde, bewachte man während des „Ersten Weltkrieges“ den Hochbehälter und damit die Wasserversorgung der Malscher Bevölkerung durch einen deutschen Soldaten, dem nichts besseres einfiel, als auf den Originalstein zu schießen und ihn dadurch zerstörte.

 

Ich zeige Ihnen nun einige, erst vor wenigen Wochen aufgenommene Bilder vom Innenleben des ersten Hochbehälters von 1902. 
In Malsch können wir froh sein, dass wir an diesem prägenden, historischen Gebäude, die Anfänge, die Funktion und den Ablauf der zentralen Wasserversorgung ab dem Jahre 1902 zeigen und erklären können.

durch die Fassung der Kaufmannsbrunnen-Quelle waren die von diesem Wasser abhängigen Mühlen und Schreinereibetriebe:

-      Witwe Walz

-      Ölmüller Bader

-      Schreiner Jörger

-      Ölmüller Hitscherich

-      Karl Bürck

in ihrer Existenz bedroht. Diesen Betrieben wurden nach vielen Verhandlungen und erstellten Gutachten durch die Gemeinde finanzielle Entschädigungen zugestanden.

 

Im Oktober 1903 bekam die Eisenbahn-Station Malsch 3 Zweigleitungen von der Gemeindewasserleitung. Eine Zweigleitung benötigte man zum Betrieb eines öffentlichen Wandbrunnens am Stationsgebäude, den man auf dieser historischen Aufnahme gut erkennen kann.

Wandbrunnen am Bahnhofsgebäude in Malsch
Wandbrunnen am Bahnhofsgebäude in Malsch
Erich Kühn vor dem Quell-Schacht in dem das Wasser der drei Quellen zusammengeführt wurde
Erich Kühn vor dem Quell-Schacht in dem das Wasser der drei Quellen zusammengeführt wurde
Leitung des Wassers der unteren und oberen Tannelquelle sowie Hohlbergquelle zum Hochbehälter II
Leitung des Wassers der unteren und oberen Tannelquelle sowie Hohlbergquelle zum Hochbehälter II

Wie man dem Plan von 1926 (rot eingezeichnet) entnehmen kann, gelangte das Wasser vom Quell-Schacht in den neu an der Straße nach Völkersbach gebauten Hochbehälter II.Der im Jahre 1926 neu erstellte Hochbehälter II wurde mit einem nutzbaren Fassungsraum von 200 cbm erstellt, der sich in zwei Kammern mit jeweils 100 cbm aufteilte, wie aus dem Plan vom 25. Mai 1926 ersichtlich ist.  Von diesem Hochbehälter führte eine Zuleitung zum Ort. Vom Hochbehälter II wurde auch eine Überlauf-Leitung in den

Quell-Schacht im Jahre 1911
Quell-Schacht im Jahre 1911
Plan vom 25.5.1926 Hochbehälter II
Plan vom 25.5.1926 Hochbehälter II

tiefer liegenden Hochbehälter I beim Waldhaus gebaut. Erst wenn auch der Hochbehälter I aufgefüllt war, lief das überschüssige Wasser dem vorbei fließenden Wasserlauf zu und war dadurch für die Wasserbetriebe die sich am Bach befanden, nutzbar. Im Gemeindeanzeiger befindet sich eine Afustellung von 1920, der man entnehmen kann dass sich die Investitionen der Gemeinde Malsch in die Wasserversorgung nach 25 Jahren rechneten.

 

Der im Jahre 1926 erstellte Hochbehälter II an der Freiolsheimer-Straße war bis 2005 in Betrieb. Er wurde ersetzt durch den  neuen Hochbehälter II „Am Bergwald“. Leider hat man den Hochbehälter von 1926, dieses prägende, historische Gebäude an der Straße nach Völkersbach im Jahre 2005 geräuschlos entfernt.

Dank dem ehemaligen Wassermeister Erich Kühn konnte ich noch einige Aufnahmen kurz vor dem Abriss des Gebäudes machen, die ich Ihnen nun zeigen möchte.

Schlossermeister und Brunnenmeiste Anton Kühn
Schlossermeister und Brunnenmeiste Anton Kühn

Die Bedeutung der Wasserversorgung für unsere Gemeinde zeigte sich auch daran, dass bereits um die Jahrhundertwende 1899/1900 in unserem Ort ein Fachmann für das reibungslose Funktionieren der Wasserversorgung verantwortlich war. Es war dies der Schlossermeister Valentin Lorenz.

 

Mit der Planung und dem Bau der Wasserleitung in Malsch wechselte der verantwortungsvolle Posten 1901 zu dem Schlossermeister Anton Kühn.

Für seine Brunnenmeister-Tätigkeit erhielt Anton Kühn ein jährlich festes Gehalt von 100 Mark. In einem Vertrag wurde die Bezahlung, die Unterstellung und weitere Punkte der Brunnenmeister-Tätigkeit geregelt. So war der Brunnenmeister direkt dem Bürgermeister unterstellt. Die 24 Paragraphen der zu beachtenden Dienstanweisung für den Brunnenmeister gaben genaue Auskunft über die Tätigkeit die zu verrichten war.

Mit jedem Abnehmer des Leitungswassers wurde 1903 ein Vertrag geschlossen, in welchem neben dem zu zahlenden Wasserzins, die Rechte und Pflichten des Abnehmers und der Gemeinde Malsch geregelt waren. Auch die „Ortspolizeiliche Vorschrift“ von 1903 für die Benützung und Unterhaltung der Malscher Wasserversorgung zeigt die bedeutende Stellung des Brunnenmeisters in der damaligen Zeit.

ortspolizeiliche Vorschrift über die Benutzung und instandhaltung der Wasserleitung von 1920
ortspolizeiliche Vorschrift über die Benutzung und instandhaltung der Wasserleitung von 1920
Schieberplan für die Spülung der Ortsleitung
Schieberplan für die Spülung der Ortsleitung

„Zunächst werden die Schieber 5 und 6 bei der Abzweigung der Römer- und Rosenstraße, 2 und 3 bei der Abzweigung der Blumenstraße geschlossen, sodann 56 und 50 bei der Abzweigung der Schützenstraße und Sternenstraße, hierauf wird der Leerlauf-Schieber 47 am Ende des Stranges der Spitalstraße geöffnet, so dass das Wasser seinen Weg durch die Rosen-, Kessel-, Mühl-, Luisen und Spitalstraße nehmen muss“.


 Nach diesem System wurde das gesamte Wassernetz durchgespült. Alle Schieber wurden danach wieder geöffnet.

 

Das Vertragsverhältnis des Brunnenmeisters Anton Kühn mit der Gemeinde Malsch wurde auf seinen Wunsch hin, Ende 1933 beendet. Er konnte der Gemeinde einen in seinen Tätigkeiten schon gut eingearbeiteten Nachfolger präsentieren, nämlich seinen Sohn Josef Kühn.

Schlossermeister Josef Kühn wird ab 29.1.1934 neuer Brunnenmeister in Malschj
Schlossermeister Josef Kühn wird ab 29.1.1934 neuer Brunnenmeister in Malschj

Mit Beschluss des Gemeinderats vom Januar 1934 wurde der Schlosser Josef Kühn als Brunnenmeister bestellt. Josef Kühn führte den Schlosserei-Betrieb des Vaters weiter und übernahm auch dessen Tätigkeit als Brunnenmeister der Gemeinde Malsch. Während seiner Amtszeit setzte sich immer mehr die richtigere Berufs-Bezeichnung „Wassermeister“ statt „Brunnenmeister“ durch. Schon zu Beginn seiner Tätigkeit richtete Josef Kühn sein Augenmerk in hohem Maße auf die gefassten Quellen.
Diese Aufstellung zeigt, dass die Ergiebigkeit der Kaufmannsbrunnen-Quelle mit weit mehr als sechs Liter in der Sekunde im Vergleich zu den übrigen Quellen am höchsten lag.

Eine große Herausforderung für den Wassermeister Josef Kühn waren die Kriegsjahre. In dieser Zeit war er nicht nur für die Instandhaltung und Überwachung der Wasserversorgung der Gemeinde Malsch zuständig. Er war auch Führer des Wasserleitungsstörtrupps dessen Aufgabe es war, die durch Fliegerangriffe verursachten Schäden an den Wasserleitungsnetzen schnellstens zu beheben. Daneben hatte er noch mit seinem Schlossereibetrieb alle anfallenden Reparaturen an den Hauswasserleitungen und sonstige Maschinenschlosserarbeiten in Malsch durchzuführen. Josef Kühn war einer der wenigen wehrfähigen Männer unseres Ortes, der auf Betreiben der Gemeinde nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

 

Auch die ersten Nachkriegsjahre stellten hohe Anforderungen an den Wassermeister. Durch die Sprengung des Wehrmachtsbunkers im Hangweg wurde die darin liegende Quelle in Mitleidenschaft gezogen, was neben ungünstigen hygienischen Einwirkungen auch einen Rückgang der Quellschüttungen zu Folge hatte.

Bunkerquelle im Jahr 2002 (untere Tannelquelle)
Bunkerquelle im Jahr 2002 (untere Tannelquelle)

Wie sie hier sehen, liefert die Bunker-Quelle im ehemaligen Divisionsgefechtsstand im Bergwald am Hangweg auch heute noch Wasser.

In welche katastrophale Lage die Gemeinde in Trockenzeiten kommen konnte, zeigten die Jahre 1947 und 1949. Die Kaufmannsbrunnen-Quelle ging um 25 % ihrer mittleren Leistung zurück, die beiden Tannel-Quellen lieferten gar nur noch 10 % der früheren Menge. Die Folge war, dass sämtliche drei Quellen nur noch 7,25 Sekundenliter erbrachten bei 6.500 Einwohnern, also ca. 100 Liter pro Kopf und Tag. In dieser Zeit kam es vor, dass sich der Wasservorrat im Hochbehälter II gänzlich leerte mit der Folge, dass es zwei mal den Diesel-Motor der Firma Pottiez zerriss, da das Kühlwasser für den Motor fehlte. Unserem Ort fehlte das notwendige Wasser.

 

Eingehende Untersuchungen und Begehungen unter Hinzuziehung eines Geologen ergaben, dass es unmöglich war, die erforderliche Zusatzmengen an Wasser aus weiteren Quell-Vorkommen zu gewinnen. Als einzige Möglichkeit blieb nur, unter Ausnützung der glücklichen Lage der Gemeinde Malsch am Fuße des Gebirgsrandes, das benötigte Wasser aus dem kostbaren Schatz der Rheintrasse zu entnehmen.

 

Man musste nur eine günstigste Lage für einen Grundwasserbrunnen in der Rheinebene finden. Es wurde ein Platz westlich der Straße nach Neumalsch gewählt (jetziges Hebel- Gelände). Dieser hier zunächst gebohrte Versuchsbrunnen ergab ein Ergebnis von 18 l. Wasser. Eine Wasseruntersuchung der Staatlichen Lebensmittel-Untersuchungsanstalt vom Dezember 1949 stellte jedoch schädliche Stoffe in der Wasserprobe fest, die wahrscheinlich von benachbarten Industrieunternehmen stammten mussten. 
Es wurde empfohlen, an einer neuen sicheren Stelle, einwandfreies Grundwasser zu erschließen. Diesen Platz fand man in den Speckäckern. Dort wurde dann ein Pumpwerk erstellt. 

Das 1953 eingeweihte Pumperkhäuschen in den Speckäckern
Das 1953 eingeweihte Pumperkhäuschen in den Speckäckern

Das hier erbohrte Grundwasser war ausreichend und, wie laufend vorgenommene Untersuchungen zeigten, von bester Qualität. Ohne weiteres konnten hier rund 30 Liter pro Sekunde entnommen werden. Mit dieser Menge, zusammen mit dem Quellwasser - so war man damals der Meinung - dürfte die Frage des Wassermangels in der Gemeinde Malsch für immer gelöst sein. Das Pumpwerk kostete 175.000,-- DM und wurde im Mai 1953 eingeweiht. Über eine Rohrleitung wurde die Verbindung bis zur Kreuzstraße (Gasthaus Mahlberg) geführt und dort in das bestehende Netz angeschlossen. Die Arbeit des Wassermeisters Josef Kühn ist mit diesem Pumpwerk um ein weiteres Betreuungsobjekt umfangreicher geworden.

 

In den Jahren 1955/1956 erfolgte die Stilllegung der Tannel-Quellen und der Hohlberg-Quelle. Die Wasserförderung des Pumpwerkes „Speckäcker“ wurden dementsprechend erhöht.

Der Gemeinde Malsch wurde im September 1956 die Genehmigung zur Entnahme von Grundwasser im Gewann „Stockäcker“ zu Trinkwasserzwecken unter bestimmten Auflagen erteilt.

Pumpstation
Pumpstation

Mit diesem gebauten Pumpwerk wurden die Einwohner von Neumalsch und die dort befindlichen Industriebetriebe mit Trinkwasser versorgt. Eine Verbindung zum Versorgungsnetz im Ortskern besteht nicht. Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Neumalsch auch heute noch unabhängig vom Kernort.

Bereits schon 1959 wurde Malsch in die Planungen zur Beseitigung des Wassermangels einiger Moosalb-Gemeinden einbezogen. Die Beteiligung an einem späteren Wasserzweckverband schien dem Gemeinderat von Malsch im Jahre 1959 allerdings nicht so vordringlich, zumal ja der Wasserbedarf durch die Inbetriebnahme des Speckäcker- Pumpwerks im Jahre 1953 auf längere Zeit gesichert schien.

Wie auch in den Nachbargemeinden lief der Wohnungsbau in Malsch auf Hochtouren. Dieser setzte Erschließungsmaßnahmen voraus, die mit Wasserbauprogrammen einhergingen. So z.B. 1959/60 im Erschließungsgebiet „Hänfig“ mit mehreren Straßen, Bietigheimerweg zum Fernmeldezeugamt, „Fischweier“, Kolpingstraße, „Schelmengrund“ und weitere. Allein im Programm 1959 wurden 1.720 m Rohre für die Hauptwasserleitung verlegt. Die Einwohnerzahl von Malsch war bedingt durch die vielen Heimatvertriebenen nach dem Kriege zwischenzeitlich auf ca. 7.400 Personen angewachsen.

Im Jahre 1964 baute man unterhalb der Brunnenstube der Kaufmannsbrunnen-Quelle den Hochbehälter III. 

Hochbehälter III und Aufbereitungsanlage unterhalb der Kaufmannsbrunnen-Quelle
Hochbehälter III und Aufbereitungsanlage unterhalb der Kaufmannsbrunnen-Quelle

In diesem Hochbehälter erfolgt die Aufbereitung des Wassers der Kaufmannsbrunnen-Quelle. Reines aufbereitetes Wasser der Kaufmannsbrunnen-Quelle erhalten derzeit nur die Bewohner der Straße „Am Kaufmannsbrunnen“ (außer Haus Nr. 1-3) und die Bewohner der Straße „Am Bergwald“.

 

Das Erneuern und Verlegen von Wasserleitungen war schon immer neben der Gesamtverantwortung für das Wasser-Netz, die Aufgabe des Schlossermeisters wie auch des Wassermeisters Josef Kühn. Ganz besonders war Josef Kühn bei der Verlegung der Ortskanalisation von 1956 bis 1966 gefragt. Sein Sohn Erich musste schon früh im Geschäft seines Vaters mitarbeiten. Dadurch erhielt er große Einblicke in die Wasserversorgung von Malsch, die ihm später als Wassermeister der Gemeinde zu Gute kamen.

Josef und Erich Kühn beim Verlegen von Wasserleitungen in Malsch
Josef und Erich Kühn beim Verlegen von Wasserleitungen in Malsch

Erwähnen möchte ich noch, dass die erste Wasseruhr in der Gemeinde Malsch im  Juli 1936 bei der Firma Gebrüder Jaeger gesetzt wurde. Das Gemeinde-Prüfungsamt stellte im Jahre 1949 fest, dass der Einbau von Wassermessern an Stellen mit großem Wasserbedarf in Erwägung zu ziehen ist. Zu diesem Zeitpunkt waren nur in den drei Malscher Betrieben

Badebetrieb Kastner

Gebrüder Jaeger und

Josef Pottiez

 Wassermesser eingebaut.

Der Einbau von Wasseruhren für alle Abnehmer erfolgte in den Jahren 1964 und 1965 für insgesamt 1450 Gebäude in Malsch.

Ende Oktober 1973 ist auf Wunsch des Wassermeisters Josef Kühn nach nahezu 40-jähriger Tätigkeit im Dienste der Gemeinde Malsch und ihrer Bürger, das Dienstverhältnis beendet worden.

Seine Nachfolge trat sein Sohn, der Schlossermeister Erich Kühn am 1. November 1973 an, der mit den vorhandenen Verhältnissen ja bestens vertraut war. 

Erich Kühn wird neuer Brunnenmeister von Malsch am 1.11.1973
Erich Kühn wird neuer Brunnenmeister von Malsch am 1.11.1973

In seine Amtszeit fiel der Beschluss des Gemeinderats, sich am Zweckverband Wasserversorgung Albgau zu beteiligen.

 

Um die Versorgung und Wassersicherstellung der Regionen Albgau und Pfinzhügelland langfristig sicher zu stellen, haben die Mitglieder nach vorausgegangenen wasserwirtschaftlichen Untersuchungen im Jahre 1967 den Zweckverband Wasserversorgung Albgau (ZWA) gegründet und im Februar 1978 die entsprechende Verbandssatzung beschlossen. Zu den Mitgliedern zählt auch die Gemeinde Malsch mit den Ortsteilen Malsch, Sulzbach und Völkersbach.

 

Die Gründung des Zweckverbandes war auch deshalb notwendig, weil die bisherigen Wassergewinnungsanlagen teilweise nicht mehr in der Lage waren, den vollen bzw. den zu erwartenden Wasserbedarf zu decken. Dazu kam noch, dass verschiedene bisher genutzte Quellen und Brunnen wegen bakteriologischer Gefährdung mit neuen Aufbereitungsanlagen aufgerüstet werden mussten, was in vielen Fällen unwirtschaftlich war.

 

Trotz dieses Beitritts zum Zweckverband Wasserversorgung Albgau und unabhängig davon, wurde die Versorgung mit Trinkwasser in unserer Gemeinde weiter ausgebaut.

Der 1988 neu erstellte Hochbehälter I beim Freibad
Der 1988 neu erstellte Hochbehälter I beim Freibad

 Im Jahre 1998 wurde der größte Hochbehälter der Gemeinde Malsch beim Schwimmbad erstellt. Dieser neue Hochbehälter I hat zwei Kammern von je 750 cbm Wasserinhalt. Für die nächsten Jahre geht man davon aus, dass dieser insgesamt 1500 cbm große Wasser-Speicher für die Wasserversorgung von Malsch ausreichen dürfte. Der Bau machte den ersten Hochbehälter I aus dem Jahre 1902 beim Waldhaus überflüssig.

Als Ersatz für den 2005 im Rahmen der neuen Straßenführung nach Völkersbach entfernten Hochbehälter II von 1926, wurde der neu gebaute Hochbehälter II „Am Bergwald“ – hinter dem letzten Wohngebäude - im Jahre 2005 in Betrieb genommen.

Dieser neue Hochbehälter hat zwei Kammern von je 250 cbm Wasserinhalt.  

der 2005 neu erstellte Hochbehälter II im Bergwald
der 2005 neu erstellte Hochbehälter II im Bergwald

Er wird gespeist von dem aufbereiteten Wasser der Kaufmannsbrunnen-Quelle und dem Wasser des Speichers S 1 des Zweckverbandes „Wasserversorgung Albgau“ (ZWA) der sich in der Nähe der unteren Glasbach-Hütte befindet. Wasser aus dem Hochbehälter II erhalten die Bewohner der Heckenäcker, der Grüne Gärtel und Teile des Oberdorfes. Der Hauptteil des Wassers aus dem Hochbehälter II gelangt in den neu gebauten Hochbehälter I beim Schwimmbad. Und von dort wird der größte Teil unserer Gemeinde mit Wasser versorgt.   

 

Heute kann man davon ausgehen, dass etwa 60 % des in Malsch benötigten Wassers vom Zweckverband „Wasserversorgung Albgau“ und etwa 40 % des Wassers von der Kaufmannsbrunnen-Quelle stammen.

 

Interessant ist auch die Höhen-Lage der Hochbehälter die unseren Ort mit Wasser versorgen. Am höchsten mit 246 Meter über dem Meeresspiegel liegt der Hochbehälter III bei der Kaufmannsbrunnen-Quelle, dann folgt der Hochbehälter S 1 des Zweckverbandes „Wasserversorgung Albgau“ mit 238 Meter, gefolgt vom Hochbehälter II am Bergwald mit 224 Meter. Am tiefsten liegt der Hochbehälter I beim Schwimmbad mit 185 Höhenmeter.

Hochbehehälter S 1 des Zweckverbandes Wasserversorgung Albgau
Hochbehehälter S 1 des Zweckverbandes Wasserversorgung Albgau

In den Wasser-Speicher S 1 des Zweckverbandes „Wasserversorgung Albgau“ kommt Grundwasser vom Wasserwerk Rheinwald der Stadtwerke Karlsruhe. Der Speicher oberhalb der unteren Glasbach-Hütte wurde 1985 gebaut und im Jahr 2009 erweitert. Das Speichervolumen beträgt zur Zeit insgesamt 7000 cbm Trinkwasser.

Freundlicherweise durfte ich diesen Hochbehälter S 1 im März 2015 zusammen mit Herrn Achim Becker vom Abwasser- Zweckverband Albgau besichtigen, von dem ich nachfolgende Informationen bekam.

 

Das Speichervolumen des S 1 Hochbehälters bei der unteren Glasbachhütte von 7000 cbm verteilt sich auf vier Kammern, wobei jeweils 2 Kammern 1500 cbm Trinkwasser und weitere 2 Kammern jeweils 2000 cbm Trinkwasser aufnehmen können. Hier sehen Sie eine Kammer welche 1500 cbm Wasserinhalt aufnehmen kann und etwa zur Hälfte gefüllt ist. 

Die zentrale Überwachungs-Schaltwarte im Hochbehälter ist noch voll funktionsfähig. Im Regelfall wird die Anlage jedoch vom Büro in Ettlingen aus, über die entsprechenden Computer gesteuert.

 

In dieser Steuerungszentrale ist auch ein Plan des Zweckverbandes Wasserversorgung Albgau vorhanden, in welchem die einzelnen Abnehmer mit den dazugehörigen Leitungen eingezeichnet sind.

Gesamtplan der Nutzer des Wassers vom Zweckverband Albgau (ZWA)
Gesamtplan der Nutzer des Wassers vom Zweckverband Albgau (ZWA)

Anhand dieses Planes kann man erkennen, dass neben Malsch die Teilorte Völkersbach und Sulzbach Abnehmer des Wassers von dem Zweckverband sind. Kein Wasser von dort erhält die Teilgemeinde Waldprechsweier, die ihr Wasser nur über ihre eigenen Quellen bekommt.

 

Beeindruckend ist der Raum mit den für den Weitertransport notwendigen Pumpen in die höher liegende Orte.
Zum Speicherbehälter gehört auch eine Trafo-Station: Leistung 800 KVA und bei Stromausfall eine Notstromanlage in einem schallgeschützten Raum.

So wie Herr Becker erklärte, sind die Stromkosten für den Zweckverband von erheblicher Bedeutung. Sie betragen pro Monat etwa 25.000,-- Euro.

 

Das Wasserwerk Rheinwald befindet sich zwischen Bietigheim und Elchesheim. Durch die vermehrte Nutzung des Zweckverbands-Wassers hat man die Förderung des Wassers aus dem Pumpwerk Speckäcker bis auf einen Notbetrieb eingestellt. 

Die über 100jährige Brunnen-, buw. Wassermeister-Dynastie Kühn in der Gemeinde Malsch endete am 31.3.2004
Die über 100jährige Brunnen-, buw. Wassermeister-Dynastie Kühn in der Gemeinde Malsch endete am 31.3.2004

Der Schlosser- und Wassermeister Erich Kühn hat seine Tätigkeit für die Gemeinde Malsch am 31. März 2004 beendet. Damit ging die über 100-jährige Brunnenmeister bzw. Wassermeister-Dynastie „Kühn“ in der Gemeinde Malsch zu Ende. Erich, ich habe festgestellt, dass trotz Deines Ausscheidens weiter Wasser aus den Wasserhähnen floss. Dafür sorgen nun Deine Nachfolger.

Ich bin mir sicher, dass die Gemeinde mit ihren Gremien dafür arbeiten werden, dass auch in Zukunft eine gesicherte und ausreichende Wasserversorgung in unserem Ort gewährleistet ist.

Liebe Zuhörer, meinen Vortrag möchte ich mit dem Spruch des griechischen Philosophen und Mathematikers Thales von Milet beenden, der etwa um 545 v. Chr. sagte:

 

Das Prinzip aller Dinge ist Wasser,

aus Wasser ist alles,

und ins Wasser kehrt alles zurück.

 

 Josef Bechler