Inhalt:                                           
Startseite

Neues auf unserer Webseite

Historische Ansichten
Ehrenbürger
Kriegsjahre in Malsch
Jüdisches Leben Malsch
Bücher
Termine / Veranstaltungen
Verwaltung
Gästebuch
Links
Impressum
Arbeitskreise:
    Kleindenkmale / Wegkreuze
     Tier- und Pflanzenwelt
     Ahnen- und Familienforschung
     Malscher Mundart
     Heimatmuseum / Archivwesen
     Heimat- und Zeitgeschichte

 

Der Ziegelhofbrunnen

 

„…und für gute Gulden kauften sie das Herrenland,

aus Freude am eigenen Grund und Boden und

aus Fürsorge für die Nachkommen.“

(Lore Ernst, Werden und Vergehen in der Malscher Geschichte, 1938)

 

Seit dem Jahr 2003 sind Dank des Interessens und der Unterstützung von Malscher Bürgerinnen und Bürger Pläne in den Bereich  des Möglichen gerückt, einen einzigartigen, hochmittelalterlichen Brunnen auf unserer Flur zu sanieren und für jedermann zugänglich zu machen.

Inzwischen beginnt das Projekt „Ziegelhofbrunnen“ Gestalt anzunehmen und es ist u. E. der Zeitpunkt gekommen, den interessierten Heimatfreund einzuladen, den weiteren Aufbau des Brunnens zu begleiten.

Nach der Öffnung und  der Freilegung hat die Firma Hasslage das obererdige neue Mauerwerk erstellt. Was jetzt noch fehlt ist ein schützendes Holzdach für dessen Errichtung aber schon bauliche Vorsorge getroffen wurde.

Zur Zeit lohnt es sich besonders den Brunnen zu besichtigen, denn besonders bei hoch stehender Sonne lässt sich, bei der gebotenen Vorsicht, sehr schön die Struktur des unterirdischen Mauerwerkes betrachten. Auch kann man die Besichtigung des Brunnens sehr schön mit einem Besuch des neugestalteten Feldkreuzes am Fuchseck verbinden, das sich in Sichtweite befindet.

Hier folgt eine kurze Beschreibung der Brunnenanlage wie sie ursprünglich von uns vorgefunden worden ist: Bei einer sichtbaren Tiefe von 5,00 Meter ist der Brunnen von der obersten, relativ dünnen und sanddurchwirkten, humosen Schicht bis tief in die Rheinsande abgeteuft Mit Ausnahme der beiden obersten Steinlagen, welche aus großen, sorgfältig behauenen ringförmigen Sandsteinen bestehen, wurden zum Bau überwiegend naturbelassene und unbehauene Findlinge verwendet.

Die erwähnten ringförmigen Steine waren ursprünglich geklammert, denn nach ihrer Säuberung  zeigten sich eingehauene Kerben und darin Reste von Eisenspuren.

Bis zum Boden des Brunnens konnten 38 Steinreihen gezählt werden, doch weitere tiefer liegende Reihen sind versandet und  nicht sichtbar, so dass wir eine gemauerte Tiefe von etwa 6,50 bis 7,00 Meter annehmen. Der derzeitige Grundwasserspiegel in diesem Teil der Gemarkung liegt bei etwas über 6,00 Meter.

Der lichte Brunnendurchmesser beläuft sich auf ca. 1,10 Meter mit leicht ovaler Form.

Es scheint, dass schon beim Bau des Brunnens Schwierigkeiten aufgetreten sind, da in unterschiedlicher Tiefe, Teile der Wand, nach innen abweichen.

Das jetzige Aufmauern des Brunnens erfolgte auf einer Schicht von Teerpappe, wodurch auch eine eindeutige Trennung zwischen historischem und neuem Bauwerk vorhanden ist.

In unmittelbarer Umgebung des Brunnens konnten nur sehr wenige keramische Funde getätigt werden. Der aussagekräftigste war das Fragment einer Becherkachel welche vom Landesdenkmalamt als aus dem 12./13.Jhd.stammend bestimmt wurde; das ist ungewöhnlich, denn im Gegensatz zur fehlenden Keramik konnten zahlreiche Ziegelreste aufgefunden werden, was auf eine Ziegelei als ursprüngliche Funktion dieses Klostergutes hindeutet. Üblicherweise finden sich in Wüstungen (=abgegangene Siedlungen) ein Vielfaches an Keramik denn als Ziegel. 

Zur immer wieder gestellten Frage über das Alter des Brunnens kann man folgendes sagen:

Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1511 (..ob dem Ziegelhof bronnen..) also vor etwas weniger als 500 Jahre; auch 1593 und 1724 wird er wieder erwähnt.

Doch wenn man andere Dokumente zu Rate ziehen, können wir die Geschichte dieser untergegangenen Siedlung bis zurück in das 13 Jhd. Verfolgen. Dort wird uns von einem „Bruder Heinrich, Magister der grangia Cyegelhouen“ berichtet. So darf man die Ursprünge dieses Wasserbauwerkes auf nicht weniger als 750 Jahre schätzen.

Doch über die Geschichte der Klosterhöfe und deren verwehten Spuren auf unserer Gemarkung sowie über das segensreiche Wirken der mittelalterlichen Mönche wollen wir ein anderes Mal berichten.

    

Die mittelalterlichen Klosterhöfe Ziegelhofen und Lindenhart auf

unserer Gemarkung

 

Malscher Dorfgeschichte aus längst vergangener Zeit

   

„Geschichte und Ortskunde ergänzen sich wie die Begriffe von Zeit und Raum“.

Hellmuth von Moltke

 

1)      Das Wirken der Zisterzienser im Mittelalter ( hier Kloster Herrenalb)

 

Aus Anlass der Einweihung eines wieder aufgemauerten, historischen Ziegelhofbrunnens am 24.09.2005 , soll etwas über die Ursprünge eines ganz speziellen Typus mittelalterlicher Siedlung und der damit einhergehenden Bewirtschaftung erzählt werden.

Wir wollen uns heute eine klösterliche Wirtschaftsform betrachten die von dem Mönchsorden der Zisterzienser entwickelt wurde und von der  Malsch über Jahrhunderte geprägt wurde und somit mit dem alltäglichen Leben der Menschen fest verbunden war.

Die Zisterzienser entstanden am Ende des 11. Jh. vom benediktinischen Reformkloster Citeaux/Burgund aus. Der Orden hat wie kein Anderer, das Landschaftsbild Deutschlands und Europas bis heute nachhaltig prägen können.

Kraftvolle Äbte (Stephan Harding) und wortgewaltige Kirchenlehrer (Bernhard von Clairvaux) führten die Gemeinschaft zu hoher kultureller Blüte wobei der Aufschwung der Zisterzienser auch wegen der allgemeinen Bevölkerungszunahme im Hochmittelalter begünstigt wurde.

Viele der Klostergründungen lagen im sogenannten Altsiedelland und haben von hier aus Binnenkolonisation betrieben.

Klostergründungen erforderten immer einen weltlichen Stifter. Dessen Vorteil lag, neben dem Aspekt des christlichen Glaubens, auch darin, dass das Gebiet seiner Herrschaft dadurch für weitere Besiedlung und damit neue Einnahmen erschlossen wurde.

Nun war Malsch eigentlich immer schon Klosterort gewesen. Zuerst dürfte das Dorf mit seiner Gemarkung als fränkisches Königsgut in Händen von Kloster Weisenburg/Elsass gewesen sein. (Ein Zustand, den sich die Weisenburger Mönche noch im 17.Jh. bestätigen ließen, wenngleich sie seit Jahrhunderten keinen praktischen Nutzen mehr daraus gezogen haben).

In der zweiten Hälfte des 11. Jh. besitzt Kloster Hirsau Güter in Malsch welche ihm durch Schenkung zugekommen waren. Ebenso erhielt Kloster Reichenbach im Murgtal, eine Filiale von Hirsau, um 1140 mindestens ein Gut in Malsch. Doch die größte Bedeutung für Malsch hatte Kloster Herrenalb.

Es ist interessant zu sehen wie sich, wie eine Welle, die Klostergründungen, von Citeaux ausgehend, fortsetzten um schließlich auch Herrenalb entstehen zu lassen.

Eine der vier Töchterklöster von Citeaux, war Morimond (Dep. Haut-Marne). Diese Primarabtei war im Jahre 1115 gegründet worden. Deren erster Abt, Arnold (1115 -1125) entstammte der Erzdiözöse Köln und hatte in seinem Konvent zahlreiche deutschsprachige Mönche. So war die Richtung weiterer Klostergründungen nach Deutschland vorgegeben. Für unsere weitere Heimat waren dies 1120 Bellevaux (Oberelsass), 1124 Lützel (Oberelsass) und 1131 Neuburg bei Hagenau (Unterelsass).

Und eben von diesem Kloster Neuburg aus kamen im Jahre 1147 oder 1148 die ersten Mönche nach Herrenalb. Die Stifterfamilie war die der Ebersteiner unter Berthold III. und dessen Gemahlin Uta. Mit auf der Gründungsurkunde erscheint auch interesanterweise ein Berthold von Malsch, mit großer Wahrscheinlichkeit ein Lehensnehmer der Ebersteiner und somit deren Vertreter zu Malsch.  

Herrenalb hat bis zum ersten Drittel des 14. Jh. ein geschlossenes Herrschaftsgebiet aufbauen können wobei der Kauf ganzer Dörfer der bevorzugte Weg war. Auch war Herrenalb mit der Hochgerichtsbarkeit ausgestattet.

Durch ihre Tätigkeit haben die  Zisterzienser im 12./13.Jh. um die Gebiete ihrer Klöster herum eine Art  „Wirtschaftswunder“ geschaffen durch

  • Agrarwirtschaft
  • Handwerk
  • Handel

Schon bei den Anfängen des Ordens war eine Wirtschaftsordnung festgelegt worden in welcher die Handarbeit aller Mönche gefordert wurde. Dabei wurden alle möglichen Arten von Gewerbe ausgeübt, denn ergänzend zur eigenständigen Versorgung mit Lebens- und Nahrungsmittel gehörte auch die Unabhängigkeit im Bereich des Handwerks.

Um diese Eigenständigkeit zu erhalten und zu bewahren, bediente man sich einer einfachen aber geradezu genialen Idee.

Neben den eigentlichen Mönchen war es auch Laienbrüdern, Konversen genannt, möglich in ein Kloster einzutreten ohne dabei selbst Mönch zu werden, sich dann aber einer vereinfachten Mönchsregel unterwarfen.

Der Stand der Konversen war meist bäuerlicher Herkunft und  hoch motiviert. Durch ihre praktische Tätigkeit war ihre Bedeutung für die Geschichte und die Entwicklung des Ordens erheblich. Auch konnten  sie durch den Eintritt ins Kloster ihre soziale Stellung verbessern.

Diese  Laienbrüder waren allerdings nicht im eigentlichen Kloster, der Zisterze, untergebracht sondern bewirtschafteten, oft zusammen mit Lohnarbeitern, ein klösterliches Gut, die sogenannte Grangie.

Eine Grangie umfasste Wohngebäude, Gebäude für die Aufbewahrung landwirschaftlicher Gerätschaften und der  Vorräte, ferner Stallungen für das Vieh welches zum Betrieb der zur grangia gehörenden Güter notwendig war. Grangien hatten ihre eigenen Hofrechte und ihren eigenen Friedensbezirk. Eine grangia galt als geheiligter Ort und Friedensstörer wurden schwer bestraft.

Ursprünglich sollten Grangien nicht weiter als eine Tagesreise vom Kloster entfern liegen.

Die Anzahl der Grangien je Kloster war sehr unterschiedlich, konnte aber schon 10 – 20 Siedlungen umfassen.

Es gab auch Schenkungen von Land an die Klöster, das nicht direkt in eine Grangie eingebunden werden konnte. So entstand der Besitz in Streulage. Solche Güter wurden meist verpachtet.

Die Zahl der Konversen ging im Laufe des 13./14. Jh. zurück, so dass die Klöster ganze Dörfer aufkauften und die „eingekauften“ Untertanen als Klosterleute arbeiten liesen. So geschehen mit Malsch anno 1318.

   

2)      Die Wüstung Ziegelhofen mit dem Ziegelhofbrunnen

 

Als „Wüstung“ bezeichnet man den Platz oder das Gelände einer verschwundenen Siedlung oder einer Wirtschaftsfläche.

Wachgehalten in der Erinnerung wurde die Wüstung Ziegelhofen, neben der mündlichen Überlieferung, auch durch die Benennung von Flur- und Wegenamen. So finden wir bei Ernst Schneider´s Buch „Die Flurnamen der Gemarkung Malsch (1965)“ deutliche Hinweise auf die Lage der Siedlung Ziegelhofen.

Als Beispiel zur Lokalisierung seien die Einträge No. 141 und 580 aus diesem Buch genannt.

Bei 580 heisst es: „Ziegelhofbrunnen….einseith der Biethigheimer Weeg, anderseith die Fuchslohe Äckher(1746)“

Unter 141 lesen wir: „Fuchsloh(er Hecke)...scheidt Malsch, Muckensturm und Bietigheim (1672“).

Allein aus diesen beiden Einträgen lässt sich schon erkennen, in welchem Gebiet die Wüstung zu suchen ist, nämlich im Bereich Fuchseck und Bietigheimer Weg.

Auch in den Archiven des Generallandesarchivs in Karlsruhe sind zahlreiche Urkunden, Listen und andere Dokumente vorhanden, die von Ziegelhofen und seinen dazugehörigen Gütern berichten und darüber hinaus sehr deutliche Hinweise über die Lage der Siedlung geben.

Unklar bleiben muss allerdings, welche Grangien gemeint sind als Papst Alexander III. am 21. Dezember 1177 (!) eine Urkunde ausstellt in welcher er dem „...nach den Regeln des hl. Benedikt und der Satzung der Zisterzienser errichteten Kloster Herrenalb Freiheiten und Privilegien gewährt, namentlich …grangiam superiorem et interferiorem in Malsca….“

Hier wird die Lage zweier Grangien sehr ungenau beschrieben; ob es sich um Ziegelhofen und Lindenhart handelt?

Aus den folgenden Jahrzehnten wird uns immer wieder von Grangien in Malsch, Lindenhart, Eichelbach u. Hart berichtet, doch ohne Ziegelhofen namentlich zu erwähnen; erst 1257 finden wir den Namen Bruder Heinrich - Magister der grangia Ziegelhofen unter einer Urkunde, ausgestellt vom Gericht in Ettlingen in welcher bestätigt wird, dass die von dem Kloster Herrenalb durch Tausch erworbenen Äcker gefreit sein sollen. Mit unterzeichnet hat dieses Pergament „Bruder Ulrich - Magister der grangia Lindenhart“.

Etwas verwirrend ist eine andere Urkunde aus dem Jahre 1289 in welcher Markgraf Hermann VII. die Freiheiten von Kloster Herrenalb in den GEMARKUNGEN von Malsch und Ziegelhofen bestätigt.

Unsere Malscher Heimatforscherin Lore Ernst ist davon ausgegangen, dass die Grangie mit einer eigenen Gemarkung ausgestattet war, Ernst Schneider hingegen belässt es nur bei einem Gut (innerhalb der Malscher Gemarkung).

1291 hören wir ebenfalls von „Cyegelhoven“.

Dramatisch wird es dann zu Beginn des 14.Jh.: Im Jahre 1307 entscheiden die beiden Markgrafen Friedrich und Rudolf, dass Ziegelhofen die gleichen (Weide)rechte hat wie Malsch. Auch dürfen die Klosterleute mit ihrem Vieh Wald, Feld, Wasser, Wege und Allmend benutzen und Zimmer-und Brennholz schlagen.

Doch der Friede währt nicht lange. Drei Jahre darauf, 1310, muss sogar der Speyerer Gerichtshof in einem Streit zwischen dem Kloster und den Gemeinden Ötigheim und Bietigheim entscheiden.  Das Gericht legt fest, dass die Klosterleute von Ziegelhofen das Recht haben ihr Schwaigvieh (Zuchtvieh) ungehindert auf deren Gemarkungen zu treiben. Für die bisherige Behinderungen haben die Dörfer 10 Mark Silber zu zahlen sowie die Prozesskosten zu tragen. Bei Nichtbefolgung wird Exkommunikation angedroht. Die Geistlichkeit von Bietigheim, Ötigheim, Durmersheim und Malsch werden mit der Überwachung beauftragt.

Doch selbst der Speyerer Richterspruch bringt keinen Frieden. Schon 1313 muß der alte Markgraf Rudolf III. die immer wieder aufflackernde Streitigkeiten schlichten.  Er legt die Grenzen der Weiderechte fest, verpflichtet Ziegelhofen den Dörfern 2 Farren und 12 Widder zu leihen und verspricht den Mönchen, diese in ihrem Recht zu schirmen.

Das Jahr 1318 bringt für die Malscher einen neuen Herrn. Markgraf Friedrich II. verkauft das gesamte Dorf mit dessen gesamter Gemarkung, insbesonders Burg Waldenfels mit allen zugehörigen Rechten, Zinsen, Leibeigenen etc. an Kloster Herrenalb.

Für das Jahr 1334 erfahren wir, dass der Edelknecht „Walther Brudel von Muckensturm“ seinen Hof in Merklingen im Tausch für den gleichen Zins als Leibgeding von Ziegelhofen gibt.

Malsch-Ziegelhof, Auszug aus dem Güterbuch von 1511 (Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe).

Aus den Jahren 1511 und 1593 liegen uns sehr ausführliche Lagerbücher von Ziegelhofen vor. Wir erfahren, dass 36 Hofstellen eine Fläche von mehr als 1000 Morgen Land bewirtschafteten. Die Hofgült, die an das Kloster abgeführt wurde umfasste u. a. 164 Malter Korn und 200 Bürden Stroh.

Als Ergänzung zu den schriftlichen Quellen kommt der Bodenfund hinzu. Man geht davon aus dass jedes Kloster, eine eigene Ziegelei besass und nichts spricht dagegen, dass diese Ziegelei ihren Sitz an einer Grangie hatte. Bei den Bodenfunden unterscheidet sich Ziegelhofen sehr stark von anderen Wüstungen. Während bei einer „normalen“ Wüstung eher Keramikfunde als denn Ziegelreste anzutreffen sind, bietet sich hier ein umgekehrtes Bild. Bislang wurden von mir mehrere Hundert Ziegelreste aufgefunden aber nur in sehr geringem Umfang Keramik. Ein kleines Stück davon konnte von dem Keramikexperten Dr. Uwe Gross vom Landesdenkmalamt in Stuttgart als Teil einer Becherkachel aus dem 12./13.Jh. bestimmt werden.

Hier darf ich Herrn Bertram Kohm aufrichtig für seine Beobachtungen und wertvolle Hinweise zu den Bodenfunden danken.

Auch in  der Sagenwelt des Ufgaus hat sich der Ziegelhofbrunnen überliefert. Von ihm wird berichtet, dass vor „undenklichen Zeiten“ drei Schnitter aus ihm getrunken hätten und an dem Trunk gestorben wären. (Otto August Müller, Steinkreuze in Mittelbaden, Badische Heimat, 1930)

Ergänzend soll daran erinnert werden, dass bis vor etwa 60 Jahren in unmittelbarer Nähe des Brunnens ein von Wind und Wetter gezeichnetes Steinkreuz gestanden hat, das dann dem Fortschritt eines 20.Jh. zum Opfer gefallen ist. Geblieben ist ein verblichenes Photo…..

Lesefunde von der Wüstung Ziegelhofen, Teil einer Becherkachel und eines Henkels aus dem 12./13.Jh. (Bestimmung: Dr. Uwe Gross, Landesdenkmalamt Stuttgart).

Es soll an dieser Stelle der Hinweis gestattet sein, sich bei der Benennung neuer Straßen, gerade im neugeschaffenen Gewerbegebiet am „Bietigheimer Weg“ sich dieser alten Bezeichnungen wieder zu erinnern und amtlicherseits z. B. eine „Ziegelhofer Straße“ o. ä. zu benennen.

   

3)      Die Wüstung Lindenhart

 

Auch hier wird die Bezeichnung der Wüstung durch den Flurnamen bzw. die Waldabteilung Lindenhard (im Volksmund „Linnert“) wachgehalten. Ebenso erlaubt die Wegebezeichnung Schlussfolgerungen auf die Lage des Klostergutes.

In Malsch erinnert der „Lindenharder Weg“ an das Gut und auf Durmersheimer Gemarkung hat sich im Laufe der Jahrhunderte der „Leonharder Weg“ daraus entwickelt.

Die genaue Lage dieser Siedlung konnte noch nicht exakt festgestellt werden. Sie dürfte zwischen den Malscher Allmendwiesen und dem Mörscher Weg gelegen haben. Die vom Autor sporadisch durchgeführten Feld- und Waldbegehungen haben bis dato noch keine Lesefunde ergeben. Diesbezüglich bin ich für jeden Hinweis und beobachtung dankbar.

Als grangia erscheint Lindenhart erstmals im Jahre 1213; dann, 1216 bestätigt Papst Honorius III. dem Herrenalber Abt Sigerus und dessen Konvent alle Einrichtungen und Besitzungen namentlich grangia in ….Malsch,Hart, Lindenhart, Eichelbach…..

(Anmerkung: Das ehemalige Dorf  Eichelbach lag um die heutige Margaretenkapelle nahe Muggensturm).

Der Name eines Mönches welcher den Hof leitete, ist uns aus dem Jahre 1257 überliefert: „Bruder Ulrich – Magister der grangia Lindenhart“.

Vom Jahre 1286 liegt uns Nachricht vor, dann wieder aus 1362 als der Markgraf Rudolf einen Vertrag zwischen Malsch und Durmersheim aufsetzen lässt, welcher die Wald- und Holznutzung regelt.

1377 muß Pfalzgraf Ruprecht d. Ä. als Vormund der badischen Markgrafen entscheiden, dass der Klosterhof Lindenhart keinerlei Abgabe an Essen, Trinken, Milch, Käse oder anderem an Durmersheim zu leisten hat., außer dass Farren und Widder nach Bedarf zu leihen sind für die Nutzung deren Gemarkung.

Zu Beginn des 15. Jh. setzte die Aufgabe des Lindenharter Hofes ein.

Im Jahre 1423 wurde eine gemeinsame Grenzbegehung zwischen Durmersheim und Lindenhardhof durchgeführt da die Durmersheimer in den vorausgegangenen Jahren der grangia  Wiesengelände (Brühlwiesen) entfremdet hatten.

1468 wurde erneut eine Grenzbegehung durchgeführt und dabei die alten Herrenalber Rechte und Freiheiten am Hof bestätigt. Doch war der Hof zu dieser Zeit schon nicht mehr bewirtschaftet „…dann allein wan dass obgenanntt closter widerumb heußliche wonung daruff buwete…“ heißt es in der Urkunde.

Wohl auch aufgrund zurückgehender Konversenzahlen, dafür mussten Lohnarbeiter  eingesetzt werden, wurde der Betrieb unrentabel.

Wir erfahren aber auch, dass die Größe des Hofes etwa 800 Morgen Land umfasste und er eine „kleine Meile entfernt“ von Malsch lag.

Bis zum Beginn des Bauernkrieges 1525 scheinen Teile der Lindenharder Hofgüter verpachtet gewesen zu sein denn 1517 liegt noch Nachricht vor. Endgültig verödet ist er wohl während des 30jährigen Krieges (1618-1648) und wurde so zum Forlenwald.

 

                                                                      Der Lindenharder Wald von Süden.

Gerhard Bullinger

Einweihung des Ziegelhofbrunnens

  

Die Heimatfreunde Malsch bedanken sich sehr herzlich bei den zahlreichen Besuchern und all denjenigen die zur stimmungsvollen Feier am Brunnen beigetragen haben. Besonderen Dank geht an Herrn Martin Reichert als Vertreter der Gemeinde, Herrn Pfarrer Laaber für seine passenden Worte zur Segnung dieses Wasserbauwerkes sowie dem Trompetenduo Matthias Brüderle/Marius Bogesch für die musikalische Umrahmung.

 

Der Mannschaft vom Bauernhof Kohm & Müller gilt ein riesiges Kompliment 
für den gelungenen Abschluss bei Speis und Trank auf ihrem Hof.

 

Eugen Heinzler                                                                                  Gerhard Bullinger