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Gemeinde
erhielt wertvolle Tracht geschenkt

Von den Städtepartnerschaften mit Sézanne oder
Dinuba hat man in Malsch in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder
Kenntnis nehmen können, die Freundschaft mit dem polnischen Syców ist
noch jung, findet aber in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus statt.
Was aber hat Malsch mit dem mährischen Städtchen Wischau (heute: Vyskov),
einer ehemaligen deutschen Sprachinsel in der Nähe von Brünn zu tun?
Wer in diesen Tagen im
Rathaus zu tun hat und das Foyer des Hauses betritt, der kann eigentlich
an der herrlichen Tracht, die eine Schaufensterpuppe im Eingangsbereich
ziert, nicht unbeachtet vorbeigehen. In Rot, Weiß und Blau als
dominierenden Farben gehalten, stellt sie die alltägliche Frauenkleidung
einer deutschen Sprachinsel im heutigen Tschechien dar. Im August 1946
wurde sie – nicht als besonderer Festtagsschmuck, sondern als Teil von
Alltagskultur - zusammen mit anderen Habseligkeiten in einer Truhe nach
Malsch mitgebracht und gehörte der aus Wischau stammenden Familie Kriwy,
die gemeinsam mit mehr als 1.300 Flüchtlingen und Heimatvertriebenen nach
dem Zweiten Weltkrieg in Malsch eine neue Heimat fand. Maria Hitscherich,
geb. Kriwy, berichtete, ihre Mutter habe eine solche Tracht bis zu ihrem
Tode 1977 regelmäßig getragen und sei auch darin beerdigt worden. Die
Tracht, die bereits Teil der 2006 im Rathaus stattgefundenen, sehr
erfolgreichen Ausstellung der Heimatfreunde über die Heimatvertriebenen
und Flüchtlinge in Malsch gewesen war, jetzt der Gemeinde zu schenken,
sei auch im Hinblick auf die verdienstvolle Arbeit der Heimatfreunde
folgerichtig. Letztlich sei diese Geste auch ein Zeichen für das
„Angekommensein“ in der „neuen“ Heimat. Verbunden ist es, so räumt
Maria Hitscherich ohne zu zögern ein, „mit einem anrührenden, persönlichen
Gefühl“.

Bei einer kleinen
Feierstunde am vergangenen Montag im Foyer des Rathauses bedankte sich Bürgermeister
Elmar Himmel bei den beiden Familien von Juliane Werner und Maria
Hitscherich für das großzügige Geschenk. Er zeichnete noch einmal den
Weg der Heimatvertriebenen nach und stellte auch ihre Bedeutung für die
Veränderung der dörflichen Kulturlandschaft heraus. In ihrem Gepäck hätten
die Flüchtlinge ja nicht nur das lebensnotwendigste mitgebracht, sondern
natürlich auch ihre Kultur, ihren Dialekt, ihre Bräuche. Und so sei die
jetzt im Rathaus an zentraler Stelle präsentierte Wischauer Tracht auch
ein Symbol für die Eingliederungsleistung der Flüchtlinge, die schon
bald nach ihrer Ankunft begonnen hatten, sich in den örtlichen Vereinen
oder den Kirchen wieder zu betätigen. Himmel verwies bei dieser
Gelegenheit auf die entsprechenden Verdienste der Ortsgruppe Malsch des
Bundes der Vertriebenen, die zum 31. März aufgelöst worden ist und deren
langjährige Vorsitzenden Frau Precechtel und Herr Schober ebenfalls
anwesend waren. Der Dank des Bürgermeisters galt bei dieser Gelegenheit
auch den Heimatfreunden Malsch für ihr engagiertes Wirken zur
Aufarbeitung der Malscher Geschichte und insbesondere für die Ausstellung
und die Publikation zu den Heimatvertriebenen. Die fruchtbare
Zusammenarbeit, die sich im September oder Oktober dieses Jahres mit einer
weiteren Ausstellung im Rathaus fortsetzen wird, habe sich bei der Präsentation
der Wischauer Tracht so gestaltet, dass die Gemeinde die Vitrine beschafft
habe, der Verein kaufte die notwendige Schaufensterpuppe und besorgte die
Dokumentation.
Der Vorsitzende der
Heimatfreunde Malsch, Josef Bechler, erinnerte in einem sehr persönlichen
Grußwort an seine Schulzeit, als er sich, wie viele andere Malscher Bürger,
plötzlich an in Malsch nicht geläufige Familiennamen wie etwa Kriwy,
Waschek, Duchac oder Mahovsky gewöhnen musste, genauso an ein unbekanntes
Gemüse, das einem komplett neu entstandenen Wohnquartier im Volksmund den
Namen „Paprikaviertel“ eintrug. Er lobte einmal mehr die ungeheure
Integrationsleistung, die Alt- und Neubürger in jener Zeit erbracht hätten
und verwies darauf, dass deswegen die Wischauer Tracht im Rathaus nicht
nur ein höchst interessantes Zeugnis regionaler deutscher Kultur sei,
sondern auch Symbol für die aus seiner Sicht geglückte Eingliederung von
rund einem Drittel neuer Malscher Mitbewohner unter schwierigsten
Bedingungen.
Nach der offiziellen Übergabe
der Tracht an die Gemeinde hatten die beiden Schenkenden Juliane Werner
und Maria Hitscherich zahlreiche Fragen der Besucher zu beantworten. Dabei
ging es um das Alter der Tracht ebenso wie um Details zum Trageanlass und
zur Waschbarkeit – Fragen, die die beiden Frauen mit viel Geduld
beantworteten. Frau Hitscherich hat auch erzählt, dass ihre Mutter
in einer solchen Tracht auf eigenen Wunsch beerdigt wurde. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Malscher Bürger
bei ihrem Besuch Freude an dem wertvollen Geschenk und seiner Symbolkraft
haben werden.
ts
Quelle: Gemeindeanzeiger
Malsch, Nr. 15 vom 10. April 2008 |