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Ehepaar
Gräßer (1958) Außerdem aber wissen wir, dass das Haus dem damaligen Schulrektor Zimmermann gehörte. Menschen, die sich an diese Zeit noch gut erinnern können, sagen uns immer wieder, dass das „Rössl“ ein sehr schönes und gut gehendes Lokal gewesen ist und mit herrlichen Fenstern ausgestattet war. Eine „Hausansicht“ aus jener Zeit ist uns erhalten:
Haus- und Straßeansicht ca. 1920 Das Haus erfuhr dann ab 1935 eine radikale Veränderung. Denn da wurde das „Rössl“ geschlossen und vom Besitzer an die „Sparkasse Malsch“ verkauft, welche bald danach als „Bezirkssparkasse“ weitergeführt wurde. Der damalige Sparkassenleiter Karl Schindler durfte dann im 1. Obergeschoss einziehen und die Familie Gräßer im 2. Obergeschoss weiterwohnen. Inzwischen hat sich aber wieder einiges verändert, wie wir ja alle wissen. Denn das Haus steht heute noch, wenn auch umgebaut, und dann geführt zunächst als Textilhaus Späth, dann Balzer und jetzt Keilbach. 40.3
Gasthaus zur Krone Die „Krone“ gehört, zumindest dem Namen nach, zu den „alten“ Malscher Wirtschaften. Denn laut Lore Ernst wissen wir, dass sie früher am Platz des heutigen „Löwen“ stand und sich erst seit etwa 1830 an der uns bekannten Stelle befand. Gott sei Dank lebt aber der letzte Kronenwirt noch, so dass wir von ihm viele Einzelheiten erfahren konnten und vor allem alte, heute schon historische Bilder erhalten haben. Von den Kronenwirts, die vor seinen Eltern die Wirtschaft betrieben, weiß er allerdings nur, dass es eine Familie Herm aus dem Albtal war. Diese gaben dann 1931 die „Krone“ auf. Ab da zogen dann, von Würmersheim kommend, seine Eltern Albert Oberle (1901-1972) und Lina, geb. Kümmerle (1902-1991) auf die Wirtschaft auf. Tochter Elsa war damals sieben Jahre alt und er, der Sohn Albert, gerade geboren. Vater Albert ging an Werktagen einer geregelten Arbeit in Karlsruhe nach, während Mutter Lina die Wirtschaft, Küche und Kinder allein versorgte.
Innenraum der Krone Ganz schlimm aber war dann die Zeit von 1939 bis 1947. Denn Vater Albert war ja von Anfang bis Ende des Krieges Soldat und kehrte erst 1947 aus Gefangenschaft wieder heim. Über diese harte Zeit war die „Krone“ aber nie geschlossen und von der Mutter zusammen mit den zwei Kindern und einigen Helferinnen am Leben erhalten.
Mutter und Kinder während des Krieges Sohn Albert erlernte dann ab 1947 bei Konrad Kühn das Metzgerhandwerk, schloss dieses auch mit der Meisterprüfung ab, was dann auch der „Krone“ sehr gut tat. Denn besonders ab da war sie als gute Vesperwirtschaft, aber auch als Verkaufsstelle für prima Hausmachersachen bekannt.
Dass dies alles aber auch die Geselligkeit in der Wirtschaft förderte, zeigt das folgende Bild Vater Albert, Tochter Elsa und Gäste Aber auf etwas anderes wollen wir noch hinweisen. Die Malscher verstanden auch vor dem Krieg schon, Fastnacht zu feiern. Und da ja einige der Malscher Wirte nicht nur Mitglied, sondern sogar im Elferrat der GroKaGe vertreten waren, wechselten die Narren in der Vorkriegszeit das „Narrenlokal“ turnusmäßig unter den Wirtschaften Adler, Krone und Mahlberg. Im Innenhof eines dieser Lokale entstand damals auch das folgende Bild, das wir auch von albert jr. erhalten haben:
der
Elferrat der Narren (um 1930) Das Haus wurde aber nicht nur als Wirtschaft, sondern über viele Jahre hinweg in zwei Nebenräumen auch anderweitig genutzt: In der Hauptstraße: Hut-Salon Maria Steidel (später Tondera) Schuh-Kühn Friedrich Kühn (später gegenüber) Drogerie Lutz Friedrich Lutz und Sohn Fahnen-Huck Gertud Huck
In der Kronenstraße: Gemüse- und Obsthandel Georg Reichert, dä
Bierwirtschorsch (bis zum Umzug in die Schwanenstraße) Wie aber nahm alles ein natürliches Ende? 1962 übergaben die Eltern Obert die Wirtschaft mit allem drum und dran an ihren Sohn Albert, der dann 1973 den Betrieb aufgab. Ihm folgte anschließend noch bis 1984 Metzgermeister Rüdiger Knam nach, bis das gesamte Anwesen von der Eigentümerin, der Brauerei Huttenkreuz, an die heutigen Besitzer Fischer Uhren-Optik GmbH verkauft und später umgebaut wurde. 40. 4
Gasthaus zum Rebstock Diese Wirtschaft, dä Räbstock, wie alte Malscher sagten, steht heute noch, fast unverändert, in der Muggensturmer Straße, direkt neben dem Theresienhaus. Zu diesem bestand ja auch eine ganz besondere Beziehung. Denn dort, wo heute das Areal des Theresienhauses steht, befand sich bis ins 20. Jahrhundert hinein eine Ziegelei. Und diese gehörte dem Ziegler Wilhelm Krotz, der damals im späteren „Rebstock“ mit seiner Familie wohnte. Als sich dann um die Jahrhundertwende der Abbau der lehmigen Erde nicht mehr lohnte, die Anlage also erschöpft war, wollte Wilhelm Krotz zusammen mit seiner Frau Karolina, geborene Werner aus Wintersdorf, im Wohnhaus, damals Spitalstraße Nr. 584, eine „Schankwirtschaft mit Branntweinausschank“ eröffnen. Als dies bekannt wurde, liefen einige damalige Malscher Wirte dagegen Sturm! Deren Einspruch wurde aber vom „Großherzoglichen Bezirksamt“ in Ettlingen zurückgewiesen, mit der Begründung, dass es in diesem Ortsviertel, vor allem im Neudörfel, noch keine Wirtschaft gibt und die Bevölkerungszahl von Malsch sicher noch zunehme. Die „Festhalle“ war damals ja noch nicht gebaut! Und so
konnte der „Rebstock“ Anfang 1910 eröffnet werden, allerdings erst
nach Das erste Wirtsehepaar Wilhelm und Karolina Krotz (1910) Der
„Rebstock“ ist sicher eine der jüngsten „ehemaligen“ Malscher
Wirtschaften. Der Name „Rebstock“ passte auch gut zur Lage dieses
Gasthauses. Denn es befand sich fast wie am Eingang zu vielen Malscher
Weinbergen, zum Kapplfell,
Maidlesgrund, Minichwingert, Heerweg, Eschpig
unn zu dä Germät. Erst
Jahre später verkaufte dann Wilhelm Krotz das frühere Ziegelei-Gelände
an die Pfarrgemeinde Malsch, auf welchem diese dann das Theresienhaus
erbaute.
Rebstock
und Theresienhaus (1935) Nachdem
Tochter Luise einen zur Wirtschaft passenden Ehepartner, den Küfermeister
und Schnapsbrenner Otto Buchmaier gefunden und 1921 auch geheiratet hatte,
ging der gesamte Betrieb, Wirtschaft und Brennerei, auf die jungen
Eheleute über. Vater Wilhelm Krotz ist ja schon 1914 gestorben. Und
Mutter Karolina war auch schon 1920 an der damals in Malsch wütenden Ruhr
verstorben und dann aus hygienischen Gründen im sogenannten
„Ruhrfeld“ auf dem Friedhof zusammen mit anderen von dieser Seuche
Hingerafften beerdigt.
Nach dem Tod von Otto Buchmaier ( 1945 ) führte seine Frau Luise die Wirtschaft mit Unterstützung ihrer Kinder noch bis 1950 weiter. Danach wurde das Lokal nacheinander an einige Brauereien verpachtet und von diesen mit Pächtern belegt. Endgültig zugemacht wurde die Wirtschaft dann 2003, nachdem die letzten Pächter bei Nacht und Nebel verschwunden waren. Der „Rebstock“ war zwar keine große und besonders „vornehme“ Wirtschaft, er war aber immer in seinen guten Zeiten von den Malschern gern angenommen, wie folgende Bilder zeigt :
Auf dem Friedhof entdeckten wir zufällig den alten Grabstein der Familien „Krotz-Buchmaier“. Und mit diesem Bild möchten wir diesen Kurzbericht abschließen. Der Grabstein der Familie Krotz-Buchmaier 40.5
Gasthaus zum Mahlberg Wenn alte Malscher an den „Mahlberg“ denken, dann kommt ihnen meist zunächst das Ehepaar Klenk in den Sinn. Doch vor denen waren ja noch andere Wirtsleute auf dieser Wirtschaft: Die Eheleute Staiger, und dann noch Otto Reichert, ein Sohn vum Reichorts Välte, mit seiner Frau. Erst dann, nämlich 1931, kamen die Klenks nach Malsch. Er, Willi, 1897 in Stuttgart geboren und von Beruf Schreinermeister (!), verlobte sich 1927 mit der bei der Brauerei Franz in Rastatt beschäftigten Büroangestellten Anna Uhrig aus Plittersdorf und heiratete sie auch 1929 in Rastatt. Wie dann die Anna so um 1929/30 herum mitbekam, dass der „Mahlberg“ in Malsch frei werden würde, war dies für die beiden ein Zeichen des Schicksals. Und so packten sie auch gleich zu und wurden 1931 Wirtsleute in Malsch.
Aber, aber! Der „Mahlberg“ war damals auch das Stammlokal der SPD. Und 1933 übernahmen doch die Nazis das Regiment in Deutschland! Also wurde die Wirtschaft kurzerhand geschlossen und jeglicher Betrieb verboten. Dies betraf damals aber auch einige Malscher Vereine. Doch 1935 wurde das Verbot wieder aufgehoben, und der „Mahlberg“ wie auch das Vereinsleben blühte wieder auf, vor allem für die „Concordia“ und einige Sonder-Abteilungen des TV (, so erzählte man uns).
Nach der Währungsreform 1948 begann ja die gute Zeit der „D-Mark“, also ging es betrieblich wieder bergauf. Und so ging es dann weiter bis Anfang 1954. Denn da wollten die Klenks aufhören und die Wirtschaft in jüngere Hände geben. Da bot sich für das Ehepaar Karl und Maria Müller eine Chance auf. Denn er, der Karl, kannte sich als alter Cordler in dieser Wirtschaft doch recht gut aus. Und seiner Frau Maria war dieses Haus längst vertraut, denn sie war schon von Anfang an, also seit 1930, bei den Klenks in der Küche wie auch als Bedienung im Lokal über viele Jahre hinweg beschäftigt. So war es ja auch kein Wunder, dass sie im „Mahlberg“ auch ihren späteren Ehemann Karl kennen lernte. Also übernahmen die Müllers 1954 den „Mahlberg“ von den Klenks und versorgten ihre Gäste zusammen mit ihren drei Kindern nicht nur zur Zufriedenheit der Sangesbrüder, sondern auch der anderen Gäste. In dieser
Zeit trainierten auch die Gründungsmitglieder des Tischtennisclubs im
Lokal. Und der Kleintierzuchtverein veranstaltete im Saal seine erste
Ausstellung.
Aber auch für sie kam eines Tages die Zeit des Aufhörens. Denn sie mussten die Wirtschaft im April 1964 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. In der Zeit danach wurde das Lokal noch einige Male weiterverpachtet, steht heute aber immer noch, wenn auch „betriebslos“ an der Ecke Haupt- und Kreuzstraße. Doch es scheint sich zur Zeit wieder etwas zu regen. Wünschen würden wir es dem alten Lokal. 40. 6
Gasthaus zum Dachsbau Der „Dachsbau“ ist eine der wenigen Wirtschaften in Malsch, die vom Anfang an bis zum endgültigen Schließen in der Hand e i n e r Familie, der Augenstein’s, waren, und dies von 1873 bis 1972, also fast 100 Jahre lang. Der Name
Augenstein war davor schon lange mit dem „Wirtschafts“- Leben in
Malsch verbunden. Kein Wunder! Waren sie doch alle, soweit wir es zurück
verfolgen können, Wirte, Metzger, Bierbrauer oder Küfer von Beruf. Und
dies schon lange vor dem „Dachsbau“! So finden wir bei Lore Ernst in
der „ Geschichte des Dorfes Malsch“ (Seite 226/227) , dass dieses
Geschlecht früher schon den „Hirschen besessen“ hatte. Aber auch der
„Bären“ in Neumalsch wurde von Anfang
an, also nach 1810, von Johannes Augenstein betrieben. In den Kirchenakten
wird er ausdrücklich als Bärenwirt und Posthalter beschrieben. Sein
Enkel Karl Theodor, ein Sohn des Metzgers Theodor Augenstein, war es dann,
der 1873 das alte Forsthaus an der damaligen Straße nach Muggensturm
kaufte, dieses umbaute, das Schankrecht erwarb und auch sein
selbstgebrautes Bier ausschenken durfte. So entstand damals der
„Dachsbau“!
Von den sechs Kindern wurden zwei Pfarrer. Ein Sohn, Stephan Ludwig (1884-1968),erlernte das Küferhandwerk, wurde 1904 Soldat im Kaiserlichen Heer, ging anschließend auf Wanderschaft und übernahm dann 1910 den Dachsbau. Im 1. Weltkrieg war er 4 Jahre lang im Krieg. In dieser Zeit wurde die Wirtschaft von den Eltern und Geschwistern geführt. 1919 heiratete dann Stephan, wie er immer genannt wurde, Ida Zimmer (1894-1958). Die beiden betrieben dann, in den späteren Jahren gemeinsam mit Tochter Katharina, die Wirtschaft.
Stefan, Katharina und Ida( 1942)
Der „Dachsbau“ war ein allgemein beliebtes Lokal, nicht nur nach Beerdigungen zum Trost finden, sondern auch für gesellige Gruppen, insbesondere für die Kolpingfamilie, den früheren Gesellenverein. Zur Beliebtheit der Wirtschaft trug aber auch die im Garten angelegte und überdachte Kegelbahn viel bei. Sogar wir Buben hatten unsere Freude daran, konnten wir uns doch ab und zu durch’s Kegelaufsetzen ein bisschen Taschengeld verdienen. Auch der nach dem Krieg von Katharina ins Leben gerufene Lepra-Strickkreis fand in den Dachsbau- Räumen Platz genug, um anderen Notleidenden helfen zu können.
Danach hielt Katharina Augenstein die Wirtschaft am Sonntagmorgen bis 13.00 Uhr für Stammgäste (und solche, die es wussten,) immer noch offen, solange es halt ging. Der Lepra-Kreis aber durfte bei ihr bis zu ihrem Tod am 24. 11. 1985 weiterarbeiten. Wer es noch nicht wissen sollte, kann jetzt doch sicher auch verstehen, warum Katharina durch die Gemeinde Malsch unlängst eine ganz besondere Ehrung erfahren hat.
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Wie wir bei Lore Ernst in der „Geschichte des Dorfes Malsch“ nachlesen können, gehörte der „Hirsch“ auch zu den „alten“ Malscher Wirtschaften. Das Gasthaus befand sich früher ja an ganz anderer Stelle (L.E. S. 434) und erst später dann gegenüber der St.Cyriak-Kirche. Uns geht es hier vor allem um die Zeit, die älteren Malschern noch in guter, ja lebhafter Erinnerung ist. Beim Herumhören konnten wir so auch erfahren, dass bestimmt schon vor 1927 der Zimmermann Josef Kastner mit seiner Frau Cäcilie dieses Lokal betrieb und dass die beiden besonders durch ihren hausgemachten hervorragenden Schwartenmagen bekannt waren. Wir haben nämlich erzählt bekommen, dass der damalige Pfarrer Berberich sich sonntags immer ärgerte, wenn der „Hirsch“ auch während des Gottesdienstes gut besucht war. Und da Pfarrer Riehle erst 1927 nach Malsch kam, muss das doch vorher gewesen sein! Ein Zimmermann auf einer Wirtschaft? Vater Theodor und Bruder Eugen waren ja auch Zimmerleute. Als der Vater 1929 starb, übernahmen die Brüder dann gemeinsam die Zimmerei. Es ist doch nun wahrscheinlich, dass dem „Hirschwirt“ Josef zwei Berufe auf Dauer aber zuviel wurden und er die Wirtschaft deshalb Ende 1932 aufgab. |
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Söhne Helmut und Wilhelm mit den Eltern (1940) (beide Söhne im Krieg gefallen) |
In der
Wirtschaft: ganz links Emilie Deck geb. Burkhart; rechts: dä
Auguscht vunns Wernerferdes |

Rosl Riehm (Bullinger),
Mädchen für alles, Nichte von Sofie;
Wirtin Sofie; deren Schwester Emilie Deck
Erst 1955 gaben die Rubels
dann altershalber die Wirtschaft auf.
Ein Jahr lang folgte Familie Decker, ehe dann Karl Hermann Ganz mit seiner Frau Resi geb. Schweiß, das Lokal übernahm.
Da in der Nachkriegszeit im Hirsch sehr oft amerikanische Soldaten aus Ettlingen (Dickhäuter genannt) verkehrten und ihre „neue“ Musik mitbrachten, zog dies auch viele Jugendliche an, was dem Hirsch damals sehr zustatten kam.
1965 gab dann auch Familie Ganz die Wirtschaft auf..
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Ehepaar Karl Hermann |
Das war der „Hirsch“ |
Die Eigentümer des Anwesens, die Geschwister Schindler, verkauften, nach anfänglichem Zögern, das Anwesen dann doch noch an Herbert Bertsch, welcher dort zunächst einen „Supermarkt“ errichten wollte, dieses Vorhaben aber bald wieder aufgab. Schließlich verkaufte er das ganze Areal an die Gemeinde Malsch, so dass diese dort später ihre neuen Rathauspläne verwirklichen konnte.
40.
8
Gasthaus zum Löwen
Auch
diese Wirtschaft gehörte zu den ältesten Gasthäusern von Malsch und
wurde seit Menschengedenken von der alteingesessenen Küferfamilie
Kunz betrieben.
Laut
Lore Ernst (Geschichte des Dorfes Malsch, S. 449) wissen wir auch, dass
das Haus bis 1838 „Krone“
hieß und erst ab dort aus Anlass der sogenannten
„Schildgerechtigkeitsverleihung“ vom damaligen Besitzer den Namen „Löwen“
erhielt.
Und
so kann man dies heute noch am fast unveränderten Haus, gegenüber der ehemaligen Stadtmühle, lesen, auch wenn
die Wirtschaft inzwischen
halt „zu“ ist.

Links: Wirtschaft; rechts: die frühere Brauerei mit dem
Eiskeller darunter
(später, bis 1962 „Olympia-Lichtspiele“, von den Malschern liebevoll
„Flohkiste“ genannt)
Noch
einige Zeit über das Kriegsende 1945 hinaus wurde die Wirtschaft von
Hermann Kunz und seiner aus Ottersdorf stammenden Frau Stefanie, geb.
Uhrig geführt. Das folgende Bild (von 1946) zeigt einen Teil der
damaligen Familie:

Sitzend: Stefanie Kunz; ein Enkel; Hermann Kunz. Stehend: Herbert
Kunz;
Laura Hartmann, geb. Kunz; Luise Hofmann
(Die Kinder Otto (dä Hansa) und Maria (in Rastatt verheiratet) sind auf diesem Bild nicht zu sehen.)
Wer
aber war Luise Hofmann? Gehörte
sie auch zur Familie? Offiziell, also „legal“ bestimmt nicht. Denn
inzwischen haben wir herausgebracht, dass sie auch aus Ottersdorf stammte,
Luise Lott hieß und schon sehr früh Vollwaise geworden war. Wie sie mit
Stefanie Uhrig verwandt oder nur gut bekannt war, wissen wir nicht, aber e i n e s
wissen wir inzwischen doch: Die künftige Löwenwirtin Stefanie war
nur bereit, nach Malsch zu heiraten, wenn sie auch dieses arme Mädchen in
die Ehe mitbringen durfte. So geschah es dann ja auch. Und die damals 14-jährige
Luise wurde in der Familie Kunz ohne Juristerei an- und aufgenommen.
„Hofmann“ hieß sie erst
später durch Heirat. - So
erzählten mir die noch lebenden Kinder der Luise, Tochter Klara (Klärlä)
und Sohn Pius. Diese kleine „Geschichte“ bestätigt auch, was viele
alte Malscher mir immer wieder gesagt haben: Stefanie Kunz war eine
herzensgute Frau!
Sohn
Herbert, ein gelernter Metzger, war als Nachfolger vorgesehen, konnte die
Wirtschaft aber erst 1952 übernehmen, nachdem er als künftige Wirtin die
Kriegerwitwe Klara Bornhauser geheiratet hatte.

Während Metzgermeister Herbert in der hauseigenen Schlachtung für hervorragende Wurst und Frischfleisch sorgte, versorgte Klara die Gäste in der Wirtschaft, alte und junge, und sehr oft auch Herberts Sportskameraden vom FV Malsch.

Nach
Herberts Tod (1967) führte Klara die Gaststätte mit Hilfe ihrer Töchter
Brigitte und Ingrid noch bis 1995, ab 1987 allerdings nur noch halbtags,
weiter. Damals waren vor allem Rentner, aber auch Kartenspieler,
insbesondere „Dreierles“- und „Binokel“-Spieler, gern gesehene
Stammgäste und von Klara immer gut versorgt!
In diese Zeit fällt auch eine besondere Ehrung durch Bürgermeister Dieter Süß anlässlich ihres 75sten Geburtstages, wie das folgende Bild zeigt:

Nach
Klaras Tod (1995) übernahm dann Tochter Brigitte die Wirtschaft und gab
diese erst 2001 endgültig
auf.
Um
den „Löwen“ ranken sich viele „Geschichten“, wie uns die letzte
Wirtin, Brigitte, erzählte. Doch lassen wir sie abschließend selber zu
Wort kommen :
„Schon
in meiner Jugend haben wir immer wieder gehört, dass es früher von
Starks Keller hinüber zum
„Löwen“ einen unterirdischen Gang gegeben haben soll. Wir haben auch
oft danach gesucht, aber nie etwas konkretes gefunden. Doch eines ist
sicher, dass nämlich im Eiskeller unter der Brauerei, dem späteren Kino,
an einer speziellen Maschine abwechselnd ein Esel oder eine Ziege
angebunden waren, die ständig im Kreis herumlaufen mussten, wenn Eis
hergestellt werden sollte.
Unser
Großvater Hermann hatte auch manchmal einen spitzbübischen Humor. So
schickte er eines Tages ein paar Fremde nach Waldprechtsweier, sie sollten
sich dort nach einer Attraktion, nämlich „Krabben mit weißen
Hinterteilen“ erkundigen. Was die dann erlebten, kann man sich ja
gut vorstellen. Ein ander Mal schickte er am Löwen vorbeiziehende
Schulkinder wieder heim mit dem Hinweis: Geht
widdor hoim, heit isch doch kei Schul, eior
Lehror isch doch uffm Säilesmarkt! So gäbe es noch manches zu erzählen. Doch für jetzt soll es
genügen“

Dä ald Löwäwirt
Hermonn
Das
war einmal der „Löwen“. Und das Kino im Nebenbau, von uns bloß d`Flohkischt
genannt, gibt es auch nicht mehr. Doch darüber werden wir gelegentlich
auch noch etwas erzählen.
40. 9 Gasthaus
zum Sternen
Der „Sternen“ gehörte auch zu den „alten“ Malscher Wirtschaften, wenn auch nicht zu den ganz alten! Bei Lore Ernst erfahren wir in ihrem schon oft zitierten Buch auf Seite 436, dass sich bereits 1695 der Malscher Bürger Hans Philipp Maier um das Schildrecht für sein neugebautes Haus, Ecke Ettlinger- und Dorfstraße, bewarb. Und dies mit Erfolg, denn die Schildgerechtigkeit wurde ihm vom zuständigen Amt dann auch erteilt, trotz heftigen Widerspruchs der schon vorhandenen anderen Wirte!

„Der alte Sternen“
Die später folgenden „Kastner“ gaben erst 1889 nach 160 Jahren Familientradition die Wirtschaft auf, um dann nur noch (bis auf den heutigen Tag!) ihre in der Nähe neu erbaute Metzgerei zu betreiben.
Was von uns jetzt noch beschrieben werden wird, bezieht sich vor allem auf die Zeit nach der „Ära Kastner“, also nach 1899. Doch was unmittelbar danach geschah, bleibt für uns trotz vieler Bemühungen weitgehend im Dunkeln. Mit Sicherheit wissen wir nur, dass das Ehepaar Eugen und Lina Harlacher, die späteren Adlerwirts, wenn auch nur für kurze Zeit, den „Sternen“ bewirtschaftete, so etwa bis Ende 1938. Das wissen wir nur deshalb, weil damals deren Sohn Eugen in der „Sternen-Zeit“ der Harlachers geboren wurde.
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Die Harlachers mit den Kindern Sonja und Eugen (ca. 1940) |
Anschließend folgte dann wieder nur für ganz kurze Zeit ein Ehepaar Heck. Woher wir das wissen? Die Zeitzeugin Mathilde Bechler, geb. Karcher, hat uns dies sagen können, denn die Hecks sind nach der Zeit im „Sternen“ bei den Karchers in der Durmersheimer Straße eingezogen!
Wir fragten ja viele, aber mehr Konkretes oder Bilder aus jener Zeit konnten wir nicht erhalten.. (Vielleicht gibt es doch noch ein paar Alt-Malscher, denen von „damals“ etwas denkt. Dann lasst uns dies bitte wissen. Wir machen dann gerne noch einen Nachtrag !)
Um so erfreulicherweise aber war die Resonanz auf unser Suchen bezüglich der Zeit danach, also ab etwa 1938! Und deshalb können wir darüber auch ausführlich berichten.
Denn da zog das Ehepaar Eugen und Berta Knam auf den „Sternen“ auf. Und das denkt vielen älteren Malschern noch ganz gut!
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In dem großen Haus hatten damals aber auch noch einige Familien Platz. So erinnere ich mich jetzt spontan ans Buhlingers mit Sohn Edwin (s`Geggorles), ans Hettels, und an die Familien Klein, Kunz und Reiter.
Der
„Sternen“ war damals ein allseits beliebtes Lokal, vor allem auch für
Gäste, die zur „Sperrstunde“ nicht gleich heimgehen wollten. Für
diese gab es hinnädrinn
eine kleine Extrastube, unseren damaligen Ortspolizisten Hernorhonsl unn Mucks-Alwies nicht bekannt
(oder doch ??). Ein ideales Nest für Kartenspieler!
Bis dann halt der Krieg kam!
Doch nach 1945 kam auf das Gasthaus fast über Nacht eine ganz andere, neue Aufgabe zu. Plötzlich gab es da in Malsch über 1300 Vertriebene und Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Und diese mussten damals nicht nur schnell untergebracht werden, sondern brauchten auch einen Raum, ein Haus, wo sie sich treffen, versammeln und organisieren konnten!
Und dazu bot sich der „Sternen“ ja geradezu an, zumal das Ehepaar Knam 1948 die Bewirtschaftung aufgab und das Ehepaar Seidel - aus dem Sudetenland vertrieben - den „Sternen“ übernahm.
1946 war für uns Alt-Malscher ein ganz besonderes Jahr. Da wurden doch, wie schon angedeutet, sozusagen über Nacht, über 1300 Menschen nach Malsch eingewiesen, einfach zugeteilt, ohne uns zu fragen. Einige davon waren gerade noch rechtzeitig geflohen, die meisten von ihnen aber waren Vertriebene aus ihrer seit langer Zeit angestammten Heimat in Jugoslawien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Tschechei. Und dies bloß, weil sie Deutsche waren und sich zu ihrem Deutschtum auch bekannten.
Dabei durften sie so gut wie nichts von ihrem Hab und Gut mitnehmen, halt bloß, was sie am eigenen Leib trugen und (manchmal) in eine erlaubte Holzkiste passte.
Ich selber habe an diese schlimme Zeit noch lebhafte Erinnerungen, hatte doch auch unsere Familie ihren Anteil zu tragen. Denn bei uns konnten von e i n e r Familie Opa und Oma, Tochter und Schwiegersohn und etwas später noch der Sohn mit Frau und drei Kindern einigermaßen lebenswert untergebracht werden. Wie das möglich war? Heute kaum mehr vorstellbar, aber es ging!
Das damalige Elend konnten wir Heimatfreunde letztes Jahr in einer besonderen Ausstellung ja deutlich aufzeigen.
Was hat dies alles mit dem Thema „Alte ehemalige Malscher Wirtschaften“ zu tun?
Schon zu Zeiten der Wirtsleute Knam trafen sich Flüchtlinge, wie sie bei uns in Malsch allgemein genannt wurden, immer wieder im „Sternen“. Nachdem die Eheleute Franz und Josefa Seidl, selbst Vertriebene aus Südmähren, 1948 die Wirtschaft übernommen hatten, entwickelte sich das Lokal rasch zu einem Zentrum für die Vertriebenen aus allen Regionen, zu einem Ort, wo man sich traf, sich organisierte, sich wohlfühlte, also zu einer Art zweiten Heimat. Für entsprechende Stimmung sorgte Tochter Hermine immer wieder mit ihrer Handharmonika durch Lieder aus der Alten Heimat.
Die Seidls, er gelernter
Metzger und sie eine hervorragende Köchin, investierten viel in das
Lokal, mussten auch Schulden machen, was vor allem Franz Seidl arg bedrückte.
Und so starb er auch bereits zwei Jahre später.
Jetzt aber gab die Witwe Josefa erst recht nicht auf und heiratete 1952
noch einmal, den Josef Leopold. Auch er stammte aus der Heimat der Seidls.
Die beiden betrieben dann den „Sternen“ noch bis 1962 weiter.
Josef Seidl (1900 - 1950) |
Josefa Seidl / Leopold (1908 - 1975) |
Josef Leopold (1900 - 1983) |
Was im „Sternen“ dann alles noch so geschah, sollen die folgenden Bilder (kommentarlos) zeigen. Sie sprechen ja für sich.
Trotz allem Elend: Immer wieder Frohsinn und Musik im Sternen
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Für die Integration der Neubürger mit der Malscher Bevölkerung gingen damals vom „Sternen“ viele Impulse aus, waren doch Malscher Volksmusiker (wie z.B. dä Alo vun dä Nei Olag, dä Fauthä Sepp vun dä Hohl unn dä Kraftä Helmut vum Soubuggl), aber auch die Wienorle vum Würths Paul, die Salzstängle vum Dietzäbeck unn dä Wei / Moschd vum Vielsäcker Josef für beide Seiten verbindende Faktoren.
Schon am 1. Januar 1963 zogen neue Pächter, das Ehepaar Hermann und Emilie Hitscherich, er aus der Rosenstraße kommend (ein Sohn vom Hitscherich-Schütz) und sie von Kuppenheim stammend, auf den „Sternen“ auf. Ganz unerfahren waren ja beide nicht mehr, hatten sie doch vorher schon oft, besonders in Fastnachtszeiten, reichlich Erfahrung durch Mithilfe draußen im „Kreuz“ bei Hermanns Schwester Veronika und Schwager Alois Hornung sammeln können.
An Werktagen war Hermann zwar in einem Betrieb in Kuppenheim-Oberndorf beschäftigt, doch an den Wochenenden war er als Wirt voll in seinem Element, meist hinter der Theke, während Emilie um das leibliche Wohl der Gäste besorgt war. Sie war eine ausgezeichnete Köchin, besonders, was die „einfachen“ Dinge wie Saure Nierle und dergleichen betraf. Ihre Abo-Essen waren damals fast ein Renner, vor allem aber preiswert!
Ihre beiden Töchter halfen auch tatkräftig mit, besonders an Wochenenden und in Hochbetriebszeiten. Bis die Mädchen dann heirateten. Sie unterstützten ihre Eltern zwar immer noch, so gut es ging. Aber irgendwann wurde die Wirtschaft für die „Alten“ doch zuviel. Und so kündigte Hermann Hitscherich schweren Herzens den Pachtvertrag im Sommer 1966.

die Wirtsleute Hermann und Emilie Hitscherich geb. Schnurr
Danach, also nach 1966, zogen die beiden wieder in ihr eigenes Haus in Neumalsch ein.
Hermann starb, 87 jährig,
2002. Emilie lebt heute noch in Rastatt bei ihrer Tochter Doris. Ich darf
an alle Alten Malscher, aber auch an die vielen lieben „Neubürger“
von damals, von ihr ganz liebe Grüße bestellen. Sicher erinnern sich
noch viele an diese Zeit!

Emilie Hitscherich in ihren alten Tagen
Nach 1966 geschah im „Sternen“ nicht mehr viel, Es zog zwar noch einmal ein Ehepaar Lewiki als Pächter auf, aber nur für kurze Zeit. Schließlich wurde das gesamte Anwesen vom Eigentümer Ludwig Kastner an den „Co op“ Supermarkt verkauft, aber bald danach abgerissen, warum auch immer.
Nachtrag: Auf unsere Bitte, uns doch noch etwas zu erzählen aus der Zeit nach den „Kastner- Sternenwirts“, also nach 1889, erhielten wir erfreulicherweise folgende Ergänzung:
Karl Weingarten erzählt:
„Mein Großvater Thomas Geiger, äm Egide sei Sohn, war von 1910 bis 1915 zusammen mit seiner Frau Frieda, geb. Neukert, auch auf dem Sternen, wobei unsere Oma im Jahre 1915 allein die Wirtschaft betreiben musste, da ihr Mann bis zu seiner Verwundung als Soldat im Krieg war. Nach dem Krieg war unser Opa bei der Gemeinde als Feldschütz beschäftigt. Da er aber schon immer ein „Rossbauer“ war und sogar eine richtige Kutsche besaß, verdiente er sich nebenbei mit dieser noch etwas Geld dazu. So bot er an, Menschen per Kutsche nach Karlsruhe, aber auch nach Baden-Baden, zu fahren. Das konnte sich damals nur die Malscher Prominenz leisten. So denkt mir noch gut, dass zu seinen Kunden auch Karl Stockmaier gehörte.“

Thomas und Frieda Geiger geb. Neukert, Sternenwirte 1910 - 1915
40. 10 Gasthaus zum
Ochsen
An dieses Haus an der Ochsenbrücke habe ich noch
viele lebhafte persönliche Erinnerungen, war es für uns Buben schon noch
während der Kriegszeit ein gern angenommener Ort. Dort konnte man sich
neben dem damaligen Pflicht-Dienst im Jungvolk und später in der HJ auch
noch, quasi heimlich treffen, um zusammen mit einem Kaplan wenigstens
etwas Religiöses zu erfahren, zu besprechen und auch zu tun. (Sinngemäß
gilt dies auch für die Mädchen der damaligen Zeit!) Jetzt denken viele
sicher spontan an Kaplan Mangold!

Die Zeitzeugin Hedwig Gräßer, geb. Hornung, erzählte
mir, dass „damals“ die Gestapo im Pfarrhaus zweimal plötzlich
auftauchte, um den denunzierten Kaplan zu überprüfen. Das erste Mal
konnten sie nichts Belastendes finden. Beim zweiten Mal aber suchten die
Geheimpolizisten gezielt nach Liedmaterial, in welchem (angeblich) zum
Widerstand gegen das damalige Regime aufgefordert und das vom Kaplan mit
den jungen Menschen in den Gruppenstunden auch gesungen wurde. Und sie
fanden in seinen Unterlagen das gesuchte Lied. ABER
es war ein Lied aus dem 16. Jahrhundert, von Johann Walter (1490 - 1570)
gedichtet und vertont.
Der
Text der ersten Strophe lautet:
Wach auf, wach auf, du deutsches Land! Du hast genug geschlafen.
Bedenk, was Gott an dich gewandt, wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen.
Das war doch ein Lied aus der Reformationszeit! In
jeder der fünf Strophen ist von Gott (und von Deutschland!) die Rede. Und
das sollte aufwieglerisch sein? Also zogen die Gestapoleute wieder ab, und
unser Kaplan, ein Bach-Fan und hervorragender Organist, durfte in Malsch
bleiben. Gott sei Dank.
Ich selber habe diese Zeit in Malsch nicht erlebt,
war ich doch schon 1943 als kaum 16-jähriger Gymnasiast an den Flak-Geschützen
rund um Karlsruhe im Kriegsdienst eingesetzt.
Der Ochsen war damals außerdem auch noch Probenlokal
für den Malscher Kirchenchor, weil das Theresienhaus durch Kriegsfolgen
anderweitig belegt war.
Für uns Junge war das ja sogar romantisch, weil halt
gewagt! Die damaligen Kapläne gingen schon ein Risiko ein! Und die
Wirtsleute auch. Der Wirtschaftsbetrieb war meist eingestellt, da die Männer
im Krieg waren. Um so höher muss man das damalige Angebot der Frauen des
Hauses werten!
Wer war damals auf dem „Ochsen“?
Nach der Zeit der Eheleute Ludwig und Sofie Jordan
(geb. Balzer, ä Herichsweise)
übernahm ca. 1941 Metzgermeister Adam Knauber
die Metzl, während seine Frau Katharina, geborene Fritsch,
zusammen mit Helfern aus ihrer Familie die Gäste in der Wirtschaft
versorgte, solange es halt ging.
Nach Kriegsende war der „Ochsen“ vor allem nach
den Singstunden des Kirchenchores (wieder im Theresienhaus) geradezu ein
Zufluchtsort, um danach noch etwas Zünftiges vespern zu können. Unser
Ausruf „Käthor, ä
Portion haiße Flaischwurschd; s’kon ruig än
gonzor Ring sei!“ klingt uns in der Erinnerung heute
noch in den Ohren! Das waren damals endlich wieder gute Zeiten, wo man in
einer Wirtschaft so richtig vespern konnte.
Die Knaubers gaben sich auch alle Mühe, uns
zufrieden zu stellen. Und nicht nur uns! Ich kenne niemand, der sich im
„Ochsen“ nicht wohlgefühlt hat.

Die
Knaubers, v.l.n.r: Adam, Sohn Albert, Katharina, Tochter Anneliese (ca.
1950)


Näheres über den Metzgereibetrieb des Adam Knauber
haben wir ja schon in unserem Artikel über „Alte Metzgereien“, Nr.
38/3 dieser Reihe (mit Bildern) erzählt.
Warum die Knaubers 1954/55 die Wirtschaft und
Metzgerei dann aufgaben, wissen wir nicht.
1955 zog dann ein anderes Pächterehepaar, Norbert und Genoveva Nägele,
aus dem mittleren Schwarzwald kommend, auf den „Ochsen“ auf und
betrieb wie die vorangegangenen Pächter sowohl das Lokal als auch den
Laden.

Metzgermeister
Norbert Nägele (1928-1985) und Ehefrau Genoveva (1933-1976)
mit Töchterchen Annemarie
In der „Nägeleszeit“ ging es im „Ochsen“ auch oft sehr lustig zu, wie die nächsten Bilder eindrucksvoll zeigen.

Lange dauerte aber der Pachtvertrag mit der Brauerei Huttenkreuz nicht! Denn schon 1959 waren die beiden in der Lage, das gesamte Anwesen käuflich zu erwerben! Leider mussten sie aber aus persönlichen Gründen bereits 1966 wieder alles verkaufen, und zwar an die „Volksbank Ettlingen“, die dann nach baldigem Abriss dort ihr modernes heutiges Bankhaus errichtete.
So
hat halt alles seine Zeit!
40.11 Gasthaus zum Schwanen
Dank Lore Ernst wissen wir, dass auch diese ehemalige Wirtschaft zu den ältesten von Malsch gehörte. Sie lag auch lange Zeit im Mittelpunkt des Dorfes, nämlich an der Kreuzung zweier wichtiger Verkehrswege, der Straße von der Hardt ins Gebirge und dem uralten Weg von Nord nach Süd, der sogenannten Alten Straße, dä Alt Stroß, wie unsere Eltern dazu sagten. Dieser besonderen Lage verdankte der „Schwanen“ wie auch die anderen in der Nähe liegenden Wirtschaften lange Zeit eine lebhafte geschäftliche Betriebsamkeit.
Aber auch nach dem Ausbau der Landstraße draußen in der Ebene, der heutigen B 3, war das Lokal immer gern angenommen, vor allem, wenn man gut „speisen“ wollte. Denn beide letzten Wirtinnen, Mutter Josefine wie Tochter Frieda, waren als hervorragende Köchinnen bekannt!
Schade, dass es mir nicht gelungen ist, von diesen Frauen Bilder zu bekommen!

Das Gasthaus vom „Mahlberg“ und vom Schwanenbuckel her gesehen
Über die schon erwähnten „letzten“ Wirtsfrauen haben wir aber doch noch einiges Berichtenswertes erfahren können. So erzählte uns Christel Storz (ehemaliges Modehaus Späth) sinngemäß folgendes:
Der Wirt Cyriak Karcher, ein Bruder ihres Großvaters Fritz, und dessen Ehefrau Josefine betrieben die Wirtschaft über lange Zeit mit viel Erfolg, war doch die Kochkunst der Wirtin, wie schon gesagt, allgemein bekannt. So erinnerte sich auch Gertrud Krone, s’ Kaiserwirts Gertrud, lebhaft an die damalige große und schöne Schwanen-Hochzeit der Frieda mit Fritz Bürck, einem Bruder des Oberen Müllers aus Waldprechtsweier.
Als dann bald darauf Mutter Josefine die Leitung der Wirtschhaft den Jungen überließ, (Cyriak war ja schon 1927 gestorben!), begann die letzte Ära des „Schwanen“ als Wirtschaft.
Die Tochter stand bezüglich Kochkunst ihrer Mutter in nichts nach. Ihre Beefsteaks mit Soße waren weit bekannt. Aber auch ganz einfache Dinge, wie z.B. Schweineripple mit Brot und Senf waren immer begehrt, und dies damals für 2 Mark! Dass es oft, vor allem in der Fastnachtszeit, auch lustig zuging, zeigt das folgende Bild mit den Malscher Volksmusikern Alo, Kurt Fischer, Otto Kiefer, Willi Balzer und (als Band-Leader) Erwin Späth:

Die Wirtschaft war aber auch ein beliebter Treffpunkt für „besondere“ Kreise. So konnte man immer wieder unsere damaligen Hausärzte Dr. Götz und Dr. Essig zusammen mit Apotheker Schönberger antreffen, wobei manchmal noch der Holzhändler Albert Kohlbecker dabei war. Aber auch alleinstehende Lehrkräfte, vor allem Frl. Lina Völker und August Harbrecht nahmen dort fast regelmäßig ihr Mittagessen ein. (Es war halt gut und billig!)

1938: Lehrerin Frl. Völker mit der Mädchenklasse Jahrgang 1929/1930

1935: Lehrer August Harbrecht mit der Bubenklasse Jahrgang 1921/1922
Um berufliche Probleme zu besprechen, trafen sich dort oft Handwerkergruppen, so z.B. irgendwann einmal auch die Malscher Schreiner, warum auch immer! Wie es dann ans Zahlen ging, hatte jeder einen größeren Geldschein dabei. Darauf Wirtin Frieda: Ja glauwäd dänn dir, ich bin ä Geldwechslinstitut? Zahlät halt s’nächste Mol, wänn dor widdor kommät!
Typisch Frieda! Überhaupt ihre (allgemeinen) Sprüche! Hier ein paar Beispiele:
„Buwä, gähn doch hoim, do ischs billiger!“ Oder
„Ich
geh jetz ins Bett. Wänn dor hoim gähn, legts
Geld grad uff dä Disch!“
Umgekehrt kam es aber auch vor, dass ein Gast zu ihr sagte:
„Frieda,
gib mor mol 20 Mark, dasse zahlä kon!“
So war
sie halt, unsere „letzte“ Schwanen-Frieda! Sie war vor allem großzügig,
auch gegenüber ihrem Ehemann Fritz. Tagsüber war er ja voll in der Mühle
beschäftigt. Abends aber half er auch in der Wirtschaft mit aus. Und dafür
hatte Frieda dann auch nichts gegen seine zwei bis drei Viertele Rotwein.
Man kann sagen, die beiden lebten ein relativ ruhiges Leben. Sie hatten ja
keine Kinder.
Wenn wir leider von den letzten Schwanenwirtinnen auch keine Bilder
bekommen konnten, so hat Christel Storz wenigsten noch vom letzten Wirt,
dem Fritz Bürck, ein Bild gefunden.

v.l.n.r: Fritz Bürck, Christel Storz und Erwin Späth
Außerdem gibt es noch einen Zeitzeugen, Peter Ecker, der besonders in der letzten Zeit von Frieda und Fritz den beiden oft beratend und auch tätig geholfen hat. Von ihm habe ich noch ein paar erzählenswerte Einzelheiten erfahren können. Am besten, ich lasse ihn mit seinen eigenen Worten erzählen:
„Mir denkt noch recht gut, dass ich öfters Leute sagen hörte: Wu gähmor heit Owäd no? Und dann wie oft die Antwort: Ha zu dä Frieda in dä Schwonä! Darin zeigte sich doch die enge Verbundenheit zwischen Gast und Wirtin. Das war doch schon ein fast familiäres Verhältnis, geprägt von der herzensguten Art und viel Toleranz, ja Menschlichkeit der beiden Wirtsleute. So war damals der „Schwanen“ für viele Gäste im sprichwörtlichen Sinne ein zweites Zuhause.
Und nicht zu vergessen: Kater Felix! Er erst machte das Dreigestirn komplett. Obwohl nur als „freier“ Mitarbeiter tätig bekam er sehr viel Zuneigung von Frieda. Wer kannte nicht den sorgenvollen Blick aus dem Fenster von Frieda, wenn er mal wieder zu lange auf Achse war. Kam Felix dann endlich wieder zurück, dann wurde er von ihr mit den feinsten Sachen verwöhnt. Und Fritz? Er ließ sich dann manchmal zu harten Äußerungen hinreißen, wie z. B. Dämm rotä Bock gehts do hinn jo bessor wie mir! Frieda hat dies aber immer mit seligem Lächeln einfach überhört.
Besonders die Winterabende waren immer sehr gemütlich. Da saßen Frieda und Fritz am Ofen, schnarchten oft leise, manchmal auch lauter vor sich hin. Wollte dann ein Gast noch etwas zu trinken, waren die beiden sich meist nicht einig, wer nun bedienen soll. War Frieda dann richtig wach, dann sagte sie zu ihrem Fritz: Hol halt äm Karle noch ä Bier. Fritz brummte dann, gehorchte aber und brachte dem Karl sein Bier mit dem guten Rat: Jetz longts awwor so longsom, gell, du gehsch ball hoim!“ Und noch etwas muss ich erwähnen! Ab und zu werde ich auch erinnert an Friedas Beefsteaks. Denn ihr spezielles Rezept hat sie noch rechtzeitig meiner Frau überlassen. Und das war gut so! Denn die schmecken heute immer wieder so gut wie früher, halt wie von Frieda“.
Soweit unser Zeitzeuge Peter.
Frieda starb 1970. Die Hinterbliebenen versuchten zunächst, für das Gebäude eine für sie sinnvolle Nutzung zu verwirklichen, was aber wegen diverser Schwierigkeiten scheiterte. Deshalb wurde das Anwesen dann 1981 verkauft und 1983 endgültig abgerissen, um einem modernen Bau, so wie er heute noch steht, Platz zu machen.
Es gibt doch noch ein kostbares Bauteil aus dem „Schwanen“, die Mittelsäule der Wirtschaft. Zufällig haben wir dieses Kleinod gefunden.
Gott sei Dank.

40. 12 Gasthaus zur
Eintracht
Mit
diesem Bericht schließen wir unsere Serie über ehemalige
Malscher Wirtschaften ab, die es alle heute ja nicht
mehr gibt. Denn auch dieses traditionsreiche Lokal
hat zum Ende 2006 endgültig seine Pforten geschlossen. Aus diesem
Anlass erschien in den BNN am 23. 02. 07 ein ausführlicher
Zeitungsbericht, so dass wir uns hier insbesondere der Zeit davor, also
der ersten und zweiten Stippig-Generation, zuwenden können. Und die
begann mit dem Großvater des letzten Stippig-Wirts, beide Georg genannt..
Persönlich
verbindet mich mit diesem Hause manche gute Erinnerung. Zu einem war es
die jahrelange gute nachbarschaftliche Nähe, grad über die Eintracht-Brücke
hinüber. Zum andern war unser Betrieb jahrelang der „Hauselektriker“,
auch beim späteren Umbau. Noch mehr aber denkt uns noch, dass wir, Hedwig
und ich, 1951 in der „Eintracht“ unsere Hochzeit gefeiert haben, und
dies mit über 140 Gästen! Von mittags bis in den frühen Morgen hinein!
Und alle waren sehr zufrieden, weil halt alles stimmte, trotz der vielen Gäste!
Rückblickend danken wir dafür noch einmal besonders der damaligen Wirtin
Erna und ihren Helfern im Hintergrund.
Doch
nun zum „ersten“ Malscher Stippig, dem Großvater Georg.
Mit
Sicherheit wissen wir, dass er aus Prinzbach im Kinzigtal stammte und bei
der Brauerei Franz in Rastatt als Bierbrauer arbeitete. Wie er dann die
Juliane Reiter aus Waldprechtsweier kennen lernte, konnte uns niemand
sagen. Sicher ist nur, dass die beiden 1900 geheiratet haben.

Georg
und Juliane Stippig um 1900.
Damals
war auch das der Brauerei Franz gehörende Gasthaus „Eintracht“ frei
geworden. Also war es doch für den gelernten Bierfachmann fast logisch,
hier einzusteigen und die Wirtschaft zu pachten. Und so geschah es
auch. Nicht nur die Wirtschaft florierte dann, sondern auch die
Familie begann rasch zu wachsen. Denn der Ehe entsprossen bald vier Mädchen
und vier Buben: Anna, Luise, Maria, Johanna, und Franz Karl, Bernhard,
Josef (Sepp), Georg (Schorsch).
Doch
der Vater musste 1914 als Soldat in den Krieg, wo er dann wie so viele
andere auch gefallen ist.
Jetzt
stand die Mutter allein da mit ihren acht Kindern! Und die Brauerei machte
bald Druck: Entweder das Haus käuflich übernehmen oder ausziehen! Eine
Wohnung finden für eine Kriegerwitwe mit acht Kindern? Schier unmöglich!
Also kaufte sie von der Brauerei mit dem in früheren Zeiten ersparten
Geld das Anwesen ab. So kam die „Eintracht“ damals in den Besitz der
Familie Stippig! Dass dann die Kinder, vor allem die älteren, immer kräftig
mithelfen mussten, zumal auch noch Landwirtschaft betrieben wurde, ist
doch selbstverständlich.
Und
so ist es auch fast selbstverständlich, dass der älteste Bub, der Franz
Karl, in Erwartung seiner künftigen Tätigkeit, bei der Metzgerei Schuler
in Rastatt das Metzgereihandwerk erlernte. Im Januar 1936 heiratete er
dann die Erna Anna Zimmer und betrieb ab da zusammen mit ihr die
Wirtschaft, er hauptsächlich draußen im Schlachthaus, in der Räucherkammer
und in der Schnapsbrennerei, sie dagegen in der Wirtschaft und besonders in der Küche.

Doch
davor „lernte“ Erna erst noch das spezielle Kochen in der Gastronomie,
und zwar im Hotel Erbprinz in Ettlingen! Kein Wunder also, warum das Haus
in der Folgezeit einen so hervorragenden Ruf hatte!
Gleich
nach der Hochzeit wurde auch kräftig renoviert. So wurde der Saal im
Obergeschoss zu Fremdenzimmern mit Warm- und Kaltwasser um- und eine
zentrale Koksheizung eingebaut. 1939 wurde Tochter Christa und 1940 Sohn
Georg geboren.
Der
Vater musste als Soldat in den Krieg und kam erst 1947 aus Gefangenschaft
wieder heim, jedoch als ein gebrochener Mann und sehr krank.
Nach
Kriegsende richteten damals die Amerikaner in der Wirtschaft ihr
Offizierskasino ein. Ab etwa 1947 konnte dann wieder so richtig Fastnacht
gefeiert werden. Dabei erlebte die „Eintracht“ wieder fröhliche
Zeiten, auch am Aschermittwoch beim traditionellen Saueressen.
Aus
der unmittelbaren Nachkriegs-Zeit sollte noch über eine heute kaum mehr
verständliche Besonderheit berichtet werden. Damals verlief die
Zonengrenze zwischen Malsch und Muggensturm. Wirtschaftlich war die
amerikanische und französische Zone aber streng gegeneinander abgegrenzt.
Also durfte (konnte) die „Eintracht“ ihr Bier nicht mehr von der
Brauerei Franz in Rastatt erhalten. Deshalb, nur deshalb, bezog dann die
Wirtschaft ab da das Bier von der Brauerei Schrempp-Printz in Karlsruhe,
was den „Rastattern“ aber gar nicht gefiel.
1954
begann dann ein großer Umbau. Das Haus wurde aufgestockt, modernisiert
und vor allem neue Gästezimmer eingerichtet.

und:

Leider
verunglückte Franz Karl 1969 mit seinem Moped tödlich. Und so übergab
Wirtin Erna am 1. Januar 1971 den Gasthof an ihren Sohn Georg und seine
Frau Ingrid.
Im
Januar 1981 ist Erna verstorben.
Wie
es dann mit der „Eintracht“ weiterging, ist ja ausführlich in dem
besagten BNN-Artikel beschrieben. Nur soviel sei hier abschließend noch
angefügt bzw. zitiert:
„Bei
uns gab es nur Frisches“
und
„Wenn
ich essen gehe, dann erwarte ich auch, dass die Küche eine eigene Note
hat“.
Dafür
haben die beiden Wirtsleute ja auch stets gesorgt, denn sonst hätten sie
ihren treuen Kundenstamm, sogar aus Baden-Baden und Heidelberg, nicht
halten können.
Noch
etwas darf gesagt werden! Georg Stippig behielt sein Wissen und Können
als gelernter Koch nicht für sich, sondern gab es an junge Leute auch
weiter. Ich darf jetzt spontan an Bernhard Kühn, den heutigen Chef
unseres Malscher Bürgerhauses erinnern, der nach zunächst
abgeschlossener Metzgerlehre anschließend noch einmal als Lehrling und später
dann als ausgebildeter Koch in der „Eintracht“ sich seine Kochkünste
erwarb.
Ehemalige
Wirtschaften in den Malscher Ortsteilen
Hier denken wir insbesondere an Sulzbach und Waldprechtsweier. Denn da gab es auch einige alte Wirtschaften, die es heute (2008) nicht mehr gibt und über die zu berichten und zu erzählen es sich lohnt, wie wir sehen werden. Man muss nur herumhören und Menschen von „früher“ erzählen lassen.
Beginnen
wir mit Sulzbach.
40.13
Gasthaus Krone in Sulzbach
Das Gasthaus „K r o n e“, ehemals in der Ortsmitte gelegen, gibt es seit 1969 auch nicht mehr. Gott sei Dank aber gibt es noch zwei lebende Zeitzeugen, die uns aus der „letzten“ Zeit dieses allseits beliebten Lokales noch einiges erzählen konnten, Frau Erna Stark, geb. Weschenmoser, und Frau Liesel Weschenmoser, ihre Schwägerin, die heute am Bodensee in Neufrach bei Salem lebt.
Außerdem haben wir in der Ortsgeschichte „Sulzbach – Ein Dorf im Wandel der Zeit“ einige für uns wertvolle Daten und Fakten finden können, so dass es uns nun möglich ist, über diese ehemalige Wirtschaft einiges berichten zu können.
Wie lange
schon die „Krone“ als Wirtschaft existierte, konnten wir nicht mehr
feststellen. Über die früheren Betreiber wissen wir auch nichts Näheres.
Mit Sicherheit aber wissen wir, dass ein vermutlich auf der
Gesellenwanderschaft in Sulzbach hängen gebliebener Metzger namens
Bernhard Weschenmoser 1910 die Albertine Lumpp geheiratet hat. Die beiden
kauften dann bereits ein Jahr später das arg heruntergekommene Anwesen in
der Bergstraße, die „Krone“.
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Aber erst nach gründlicher Sanierung betrieben die beiden dann wieder das Haus als Wirtschaft und machten daraus nach und nach einen aus Sulzbach bald nicht mehr wegzudenkenden gesellschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt. Insbesondere nachdem die Wirtsleute in den dreißiger Jahren einen für die damaligen Verhältnisse großen Festsaal anbauen ließen, fanden hier regelmäßig Tanz- und Festveranstaltungen, Theateraufführungen, Fastnachtssitzungen, aber auch regelmäßige Proben der Musikkapelle und zeitweise Singstunden des Kirchenchores statt. Und der Fußballverein trainierte hier im Winter seine Mannschaften.
Positiv für
die Bevölkerung wirkte sich auch aus, dass der Wirt im Haus bald eine
Metzgerei, eine sogenannte „Metzl“ einrichtete.
1951 übergaben die Alten dann die Wirtschaft samt Metzgerei den Jungen,
also ihrem Sohn Edmund (auch Metzger) und dessen Ehefrau Liesel.
Edmund und Liesel Weschenmoser, 1951 und 1969 |
Das war damals ein reibungsloser, harmonischer Übergang. Und alles lief gut, bis, ja bis auch diese beiden die Wirtschaft 1969 aufgaben und das gesamte Anwesen verkauften, warum auch immer. Danach zogen Edmund und Liesel in deren Heimat an den Bodensee, um dort den Lebensabend zu verbringen, wobei Edmund noch eine ganze Zeit lang seinen Metzgerberuf weiter ausüben konnte. Für die Menschen in Sulzbach war dies damals aber schon deshalb nicht so schlimm, weil bald danach die neue Kirche mit ihrem großen Raum im Untergeschoss und später auch noch die Freihofhalle errichtet wurden.
Was uns
von der „Krone“ geblieben ist, das ist eine gute Erinnerung und einige
weitere Bilder von „damals“, die wir nun noch zeigen wollen.
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Luftbild vom Krone-Areal mit angebautem Festsaal |
Tochter Erna, am
Klavier, |
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Fröhliche
Fastnachtsrunde |
Bernhard und Albertine Weschenmoser mit Gästen |
Abschließend noch eine kurze Anmerkung:
Bernhard Weschenmoser war neben „Wirt“ aber auch noch Hausmetzger, und dies mit Leib und Seele. Und Schlachttage wurden bei ihm fast immer mit einem Schlachtfest abgeschlossen, wobei die Beteiligten, vor allem die Kinder, sich mal so richtig satt essen durften. Ihm persönlich konnten die Hausfrauen dabei aber nur mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee eine große Freude machen. So war er halt, ein Original!
Fahren
wir mit Waldprechtsweier fort:
Hier gibt es auch schon seit Jahren zwei Wirtschaften nicht mehr. Und ein drittes Haus hat in diesen Tagen seine Tradition beendet und den Besitzer gewechselt.
Darüber wollen wir nun berichten.
40.14
Gasthaus Adler in Waldprechtsweier
Der „A d l e r“ war schon seit 1838 im Besitz der Familie Hitscherich. Damals kaufte Johannes Hitscherich, ein Sohn des damaligen Ochsenwirtes Philipp Hitscherich in Malsch, ein stattliches Anwesen in der Talstraße samt Schopf, Stall und Scheuer für 1400 Schilling. Ob dieses Haus schon vor dem Kauf eine Gaststätte war, konnten wir nicht mehr feststellen. Mit Sicherheit steht aber fest, dass Johannes Hitscherich darin eine Wirtschaft betrieb, nachdem er die Theresia Grünling aus Ettlingenweier geheiratet hatte.
Nach seinem Tod 1849 übernahm dann sein Sohn Berthold Haus und Gaststätte, jedoch nicht sehr lange, denn er starb schon im jungen Alter von 35 Jahren. In dieser Not heiratete die aus Bischweier stammende Witwe Luise, geb. Westermann, 1867 ein zweites Mal, den 14 Jahre jüngeren Anton Melcher aus Waldprechtsweier. Das war ganz sicher keine Liebesheirat, zumal der junge Ehemann sich gut mit jüngeren Frauen verstand und es wahrscheinlich besonders auf das Vermögen der Wirtin abgesehen hatte. Luise starb 1897. Was dann folgte, war eine gar nicht schöne Erbauseinandersetzung mit den Kindern aus der ersten Ehe, an deren unrühmlichem Ende Anton Melcher zu einer Tochter in die Obere Mühle zog.
Der älteste Sohn Karl Friedrich übernahm dann die Wirtschaft zusammen mit seiner Frau Luise Schindler aus Waldprechtsweier, die er schon 1894 geheiratet hatte. Die beiden sorgten dann für einen florierenden Wirtschaftsbetrieb.
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Der
„Adler“ |
Karl Friedrich als Soldat im Kaiserreich |
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Luise Hitscherich geb. Schindler |
Der einzige Sohn aus dieser
Ehe: Bäckermeister Johannes Hitscherich |
Der „Adler“ war damals Anlaufstelle für Fuhrleute aus der ganzen Gegend. Denn nicht nur Langholz aus dem Wald, sondern besonders Sandsteine aus dem nahen Steinbruch mussten aus Waldprechtsweier abgefahren werden. Dass sich die Bauern dabei oft gegenseitig durch „Vorspannen“ aushalfen, vor allem beim Hochfahren durch die „Lange Gasse“, war selbstverständlich. Und da wurde im „Adler“ fast immer Rast gemacht. Dabei wurden auch die Pferde für die Weiterfahrt versorgt. Wo sich Fuhrleute früher trafen, wurde gern sogenanntes „Fuhrmannsgarn“ gesponnen! So erzählen sich heute noch alte Menschen schaurige Geschichten aus jener Zeit. Morgens waren an den Pferdegeschirren oft „Hexenknoten“ angebracht und die Mähnen der Gäule zu kleinen Zöpfen geflochten. Die Tiere waren sehr nervös und schlugen heftig aus, kurz um, sie waren wie verhext und von bösen Geistern geplagt. Diesem Spuck soll damals ein Knecht des Adlerwirts erst dadurch ein Ende gemacht haben, dass er mit Weihwasser aus der nahen Kapelle Stall und Tiere bespritzte und dadurch das Böse vertrieb. Manche meinten jedoch, dass hinter all diesem Hexenzauber der Knecht selber steckte. Ein Schalk? Wer weiß!
Luise starb früh. Daher heiratete Karl Friedrich noch einmal, die Maria Anna Kast. Dieser Ehe entsprossen drei Kinder : Tochter Lina, Sohn Robert und Tochter Hilda.
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Mutter Maria Anna, geb. Kast |
Die drei Hitscherich-Geschwister Lina, Robert und Hilda |
1929 errichtete Karl Friedrich neben dem Gasthaus noch eine Metzgerei, die der als Nachfolger vorgesehene Sohn Robert betrieb. Dieser war ja gelernter Metzger.
Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1936 übernahm Robert Hitscherich zusammen mit seiner 1932 geheirateten Ehefrau Anna, geborene Leuchtner aus Muggensturm, auch noch den Wirtschaftsbetrieb.
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Hochzeitsbild von Robert und Anna Hitscherich |
Robert und Anna in alten Tagen |
Damals begann eine uns Älteren noch gut denkende Zeit: Der „Adler“ war ein beliebter Treffpunkt für Feierlichkeiten aller Art, ob festlich oder ganz privat, auch für größere Gesellschaften. Dabei sorgte Robert besonders in seiner Eigenschaft als Jäger oft für exzellente Leckerbissen. Und Anna verwöhnte ihre Gäste nicht nur durch ihre Kochkunst, sondern vor allem durch ihre liebenswerte Art und Freundlichkeit beim Umgang mit Menschen, auch in schwierigen Situationen. Ich darf mir dieses Urteil erlauben, habe ich sie doch zehn Jahre lang als Dirigent des Männergesangvereins „Einigkeit“ bei den wöchentlichen Chorproben im Hause „Adler“ erlebt.
Dass ihr
dabei oft Frauen, besonders Anni Balzer, helfend zur Seite standen,
sozusagen als „gute Geister des Hauses“, darf auch noch gesagt werden.
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Anna Hitscherich mit ihren fleißigen Helfern in der Küche |
Von 1940 bis 1945 war das Lokal zeitweise geschlossen, da der Wirt als Soldat im Krieg war. Auch die anschließende Besatzungszeit durch die Franzosen war nicht leicht. Denn im „Adler“ richteten diese ihre Offiziersmesse ein. Die Hitscherichs mit ihren drei Kindern mussten damals so manche Schwierigkeiten ertragen.
Erst nach der Währungsreform 1948 begann dann wieder ein normales Leben in der Gaststätte. Denn jetzt gab es endlich zu essen und zu trinken, was man so lange hatte entbehren müssen. Unvergessen die Kappenabende, das Schnurren und die Kirmesfeiern im „Adler“!
Im November 1987 erlitt Robert Hitscherich einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Ab da war Ehefrau Anna voll mit der Pflege ihres Gatten beschäftigt. Also musste die Wirtschaft wohl oder übel geschlossen werden.
Robert überlebte
seine Frau um drei Jahre. Anna
starb 1995, Robert 1998.
Schade, dass das Lokal nicht weitergeführt werden konnte.
40.15
Gasthaus „Engel“ in Waldprechtsweier
Der „Engel“ ist nicht die älteste Wirtschaft von Waldprechtsweier gewesen, wie manche meinen. Der „Adler“ war offiziell noch älter. Man erzählte mir, dass der „Engel“ zuvor bestimmt schon als „Straußenwirtschaft“ existierte. Die einfachen Leute kamen nach getaner Feldarbeit halt oft an ihm nicht vorbei, ohne einen, wenn auch nur kurzen Besuch abzustatten (ä Bier unn än Schnaps). Das Lokal florierte also schon früh ganz gut.
Über frühere
Wirte in Waldprechtsweier erfahren wir in Paul Fütterers Buch
„Geschichte des Dorfes Waldprechtsweier“ einige interessante
Einzelheiten. So lesen wir dort u.a. von zwei Straußenwirten, nämlich
von Lorenz Westermann, seit 1797 offiziell „Adlerwirt“, und von Georg
Schick, seit 1798 offiziell „Engel-Wirt“. Letzterer war gelernter Bäcker
und hatte zuvor sein Haus zweistöckig ausgebaut.

Die vorletzten Besitzer des
„Engels“ waren Hermann Bechler und seine Frau Theresia, geb. Lang, oine
vuns Longäschreiners. Die beiden hatten fünf
Kinder, drei Buben und zwei Mädchen. Zwei Söhne waren kurz vor Ende des
Krieges 1914-18 gefallen. Da der dritte Sohn, Hugo, erst 1903 geboren
wurde, hatte er das Glück, nicht auch als Soldat in den Krieg zu müssen.
So war es später dann ja fast selbstverständlich, dass er einmal die
Wirtschaft übernehmen werde.
Da Vater Hermann schon 1912 starb, führte seine Frau Theresia das Lokal solange allein weiter, bis Hugo das Metzgerhandwerk erlernt hatte und erst dann in den Betrieb mit einstieg. Die Mutter starb 1949 im gesegneten Alter von 80 Jahren.
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Sohn Hugo heiratete erst 1948 die elf Jahre jüngere Sofie Kopf aus Reichenbach bei Lahr. Gut war damals auch, dass Hugos Schwestern Anna und Paula vor dieser Zeit, wenn auch nur oft am Rande, als helfende Kraft in den Wirtschaftsbetrieb mit eingebunden, also eine echte Stütze für die so lang verwitwete Mutter waren.
Nach
der Heirat von Hugo und Sofie waren oft verwandte Mädchen aus Sofies
Heimat als Bedienung im Lokal beschäftigt, was, so erzählt man sich
heute noch, unter den Burschen manchmal auch für arge Verwirrungen
sorgte.
Nicht vergessen darf man die Proben der damaligen Musiker des Turnvereins im Engel, die sich manchmal bis weit in die Nacht hinein ausdehnten. 1922 starteten diese sogar eine Sammelaktion von Grumbierä, um mit dem Erlös einen „großen Bass“ für das Orchester anschaffen zu können. Die Freude über den damaligen Erfolg kann man den im Engelhof versammelten Musikern auf dem folgenden Bild heute noch ansehen.

Erwähnen
sollte man auch noch das bunte und fröhlichen Treiben an Fastnacht,
besonders im Obergeschoss des „Engels“. Da ging es manchmal hoch her!
Unvergesslich das närrische, fröhliche Gehopfe
auf dem alten Sofa in der Bar!
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Tochter Lioba hat uns noch einige weitere interessante Einzelheiten erzählt.
So betrieben Hugo und Sofie schon in den 70er Jahren eine Art Ökowirtschaft. Neben der üblichen Gastwirtschaft mit Wurstverkauf zogen sie immer wieder Hausschweine groß. Dabei wurden alle Küchenabfälle und sogar das Tropfbier verfüttert. Die Schweine wurden immer nach alter Tradition geschlachtet. Dann gab es vor allem Kesselfleisch, Leber- und Griebenwurst. Und erst die Wurstsuppe! Denn die hat nichts gekostet, und die gab es immer gratis! Am „Schlachttag“ hing dann eine aufgeblasene Saublase aus dem Fenster heraus.
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Wenn Hugo nach schweren und langen Tagen abends manchmal todmüde war, dann gab er seinen letzten Gästen auch die Erlaubnis, sich weiter selbst zu bedienen. Bezahlt wurde dann beim nächsten Mal, halt was auf dem Bierdeckel stand!
Und wenn
Sofie zu vorgerückter Stunde auch mal genug hatte, dann schickte sie
junge Burschen gern heim, so mit den Worten : „Gell,
ihr Buwä, ihr sinn mied, jetz gähn dor awwor hoim!
Das waren noch Zeiten, wo man einander so vertrauen konnte!
Da die Kinder der beiden beruflich andere Wege gegangen sind, wurde der „Engel“ 1976 geschlossen, auch aus gesundheitlichen Gründen der Wirtsleute.
Hugo starb 1977, Sofie 1984.
40.16
Hotel Cafe „Standke“ in Waldprechtsweier
Die
gibt’s doch aber noch! So höre ich jetzt einige sagen. Das stimmt ja
auch, jedoch nur dem Namen nach. Denn zum Jahresende 2007 haben die
„echten“ Standkes ihren Betrieb an eine Nachfolgefirma übergeben, die
nun unter gleichem Namen das Haus weiter führen will, sicher auch wegen
des guten Rufes, den es bis dato genoss.
Wenn
es diesen „Namen“ weiterhin noch geben wird, möchten wir den
ehemaligen Wirtsleuten Standke in
dieser Reihe einen Beitrag widmen.
So
konnten wir in Erfahrung bringen, dass der „erste“ Standke (1901-1990)
bereits 1916 beim „alten“
Mauterer in Karlsruhe eine Lehre als „Konditorlehrling“ begann. Und so
war es (fast) nur logisch, dass er dann in dessen später gegründetem
„Schwarzwaldwerk Mauterer“ eine Stelle als „Schokolademeister“
(oder so ähnlich) erhalten hat. Schon seit dieser Zeit kannte ich ihn
persönlich, war doch damals die Elektrofirma meines Vaters der
Hauselektriker bei’s
Mauterers im Waldprechtstal.
Wie
der Schlesier Erich Standke seine spätere Frau Hilde (1901-1993), eine
Schwäbin, damals kennen gelernt hat, bleibt wohl auch sein Geheimnis.
Was
wir sicher wissen, ist, dass Erich nach der Heirat seine einfache Hütte
im Waldprechtstal aufgab, um in das 1934 errichtete Domizil im
Waldprechtstal dann einzuziehen. Schon seit dort betrieben die beiden in
dem kleinen Häuschen eine Pension mit zwei Fremdenzimmern.


In
den folgenden Jahren erweiterten sie dann -schrittweise- die kleine
„Pension“ immer wieder durch An- und Umbauten, so dass 1949 daraus
dann das „Cafe-Restaurant Standke“ geworden war. Ende der 50er Jahre
wurden auch noch der Speise- und Veranstaltungsraum
vergrößert.

Die alten und die jungen Standkes mit Helferinnen und Gästen
1968
übergaben dann die alten Standke´s den Betrieb an die Jungen, ihren Sohn
Klaus und dessen Ehefrau Margot. Die beiden investierten weiter in den
Familienbesitz, so dass das Haus schließlich über 29 Gästezimmer mit 48
Betten sowie drei Tagungsräumen, Hallenbad, Sauna und Solarium verfügte.
Kein Wunder, dass sie inzwischen eine offizielle Anerkennung als
„3-Sterne-Hotel“ erreicht hatten!

Über
die Änderung Ende 2007 hat die örtliche Presse ausführlich geschrieben,
so dass es nicht mehr erforderlich ist, darüber auch noch zu berichten.
Wir
haben aber zufällig Kenntnis von etwas erhalten, was doch noch erzählt
werden sollte. Denn wir durften in einem alten „Gästebuch“ der
Standkes blättern und dabei Erinnerungen, Eindrücke und Meinungen von
Menschen aus ganz Deutschland erfahren.
Lasst uns
nun die Gäste des Hauses Standke, wenigstens ein paar von Ihnen,
kommentarlos, selber sprechen:
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„Es
rauscht zu Tal das Bächlein, es rauschet immerzu Walter Dörr u. Familie (ohne Ortsangabe) Ostern 1938 |
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„Willst
du aus dem Alltag raus, kehre ein in Standkes Haus, L. Kopp und Frau aus Wiebaden. Juni 1939“ |
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„Vöglein
singen, Falter schwingen gaukelnd hoch sich in die Luft. In
freundlicher Erinnerung u. auf ein frohes Wiedersehn A. Grunke u. Frau, Johannisthal Juni 1939 |
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„Im
schönen Waldprechtsweiertal kann man die Ruh genießen. Fam. Rudersdorf aus Giessen Juli 1954 |
Das
sind doch wunderschöne Erinnerungen! Und für uns, die
„Heimatfreunde“, sind sie ein herrliches Loblied auf unsere schöne
Heimat.
Dafür sind wir alle dankbar und schließen hiermit das Kapitel über Unsere ehemaligen Malscher Wirtschaften, auch mit einem herzlichen Dank an unsere vielen Informanten, ab.