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9.) Unsere Malscher Sprache – Warum „Mundart“?

  

Wie sollen wir also mit unseren Kindern sprechen und sie sprechen lernen, damit sie sowohl ihre sprachlichen Wurzeln erleben und erfahren als auch für das Leben in Gesellschaft und Beruf gut gerüstet sind?

Um diese Frage aus unserer Sicht einigermaßen beantworten zu können, habe ich in letzter Zeit erst einmal viel herumgehört, zugehört, wie junge Eltern, aber oft auch die Großeltern (freiwillig?), mit ihren Kindern reden. Und da kamen mir schon – verzeihen Sie den harten Ausdruck – kuriose Dinge zu Ohren.

Hier einige wenige „Kostproben“:

-         Weisch wo wir heut noch hingeh wollä?

-         Komm sofort her, sonscht gibts wass!

-         So jetz gehen mor schlafä.

-         Ihr habt gnug ghabt.

-         Heut fahrormor mal mit dem Zug nach Karlsruh.

-         Dä Teller wird awwor leergessä!

Liebe Eltern! Ich bitte Sie noch einmal um Nachsicht wegen dem, was ich jetzt sage:

Diese Sprache, dieses Deutsch, ist kein gutes Deutsch! Damit erweisen Sie den Kindern keinen guten Dienst!

Warum lernen Sie Ihre Kinder nicht beides sprechen: Daheim Mundart (so wie oim dä Schnawwl gwachsä isch) u n d für später, also für das Leben „draußen“, Hochdeutsch!? „Beides gleichzeitig ? Das geht doch nicht!“, werden Sie jetzt wahrscheinlich einwenden.

Darf ich versuchen, einen Weg aufzuzeigen, wie es doch gehen könnte, wenn man nur will:

Daheim spricht man grundsätzlich miteinander in ganz normaler, ungekünstelter Mundart. Die hören unsere Kinder ja tagtäglich auch draußen auf der Straße und beim Spielen mit anderen Kindern.

Wie aber sollen sie dann schon im Vorschulalter auch noch Hochdeutsch, also unsere Schriftsprache, lernen? Ich verrate Ihnen jetzt ein Rezept, wie wir es früher mit unseren Kindern gemacht haben.

Am besten eignete sich hierzu die Zeit vor dem Schlafengehen. Da sprachen wir mit ihnen zuerst mal ein Abendgebet, zum Beispiel

            Müde bin ich, geh’ zur Ruh’, schließe meine Äuglein zu.

            Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein ....... usw.

 

Und dann sangen wir oft noch ein Abendlied miteinander, zum Beispiel

            Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen

            am Himmel hell und klar.

Der Wald steht schwarz und schweiget ........ usw.

oder

            Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt..........usw.

            

Und dann erbettelten die Kinder immer wieder noch eine Geschichte:

Jetz vorzehlsch uns awwor noch ä Gschiechd!

Dann lasen wir ihnen halt auch noch eine beruhigende Geschichte vor, möglichst ohne dramatischen Ausgang, wie so bei manchen Märchen.

Den Abschluss dieser Zeremonie bildete regelmäßig ein Spruch aus dem damaligen Kinder-Abendprogramm des Fernsehens:

„Und damit sagt euch das Traummännlein für heute GUTE NACHT “.

Ein Segenskreuz auf die Stirn, gut zugedeckt, und selig sind sie eingeschlafen. Vielleicht haben sie dann sogar noch hochdeutsch geträumt.

Merken, ja spüren Sie etwas? Alles in gutem, bestem DEUTSCH ! So wachsen Kinder von früher Jugend an zweisprachig auf, ohne Probleme! Denn dass unsere Mundart eine eigene, selbständige Sprache ist, dürfte doch inzwischen auch einem Skeptiker, einem Zweifler aufgegangen sein.

Bestärkt in unserer Überzeugung hat uns auch eine Pressenotiz vom  08.11.2002  in den BNN:

Erschreckende Sprachdefizite. – Fast ein Drittel aller Erstklässler bräuchte dringend Sprachunterricht. Nicht nur viele ausländische Kinder haben enorme Defizite, auch erschreckend viele deutsche ABC-Schützen sprechen ein sehr fehlerhaftes Deutsch.“

Zufrieden können wir heute feststellen, dass unsere Kinder in k e i n e r Schule wegen ihrer Mundart Schwierigkeiten „erlitten“ haben, obwohl  sich ihr „Dialekt“ ja nicht verleugnen ließ!

Und heute noch ist es für uns bei jedem Besuch im Elternhaus immer wieder eine Freude, erleben zu dürfen, dass sie ihre „erste“ Sprache trotz des wichtigen Hochdeutsch und der anderen schulischen Fremdsprachen nicht verlernt haben und auch nicht verleugnen, ja diese sogar noch gern sprechen.

In einem abschließenden Beitrag zu dieser „allgemeinen“ Einführung in unsere Heimatsprache wollen wir uns in Kapitel 10 noch Gedanken machen, wie wir uns – mit Ihrer Hilfe – auch weiterhin mit dem Thema   UNSERE MALSCHER SPRACHE     beschäftigen werden.