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Burg
Waldenfels in den Spielfinken
Geschichte
– Gegenwart – Zukunft
„Tief
im Waldesfrieden ruhen heute die Ruinen der Burg Waldenfels…“
Mit
diesen Worten beginnt die Malscher Heimatforscherin Lore Ernst ihre
Beschreibung der Burgstelle im Bergwald. (DG S. 416-417). Im weiteren
Verlauf dieses 1954 erschienen Textes erfährt man etwas über den Grafen
und die Herren von Malsch, sowie den badischen Markgrafen als den
ehemaligen Bewohnern dieses Platzes. Auch die an solche geheimnisvollen Plätze
gehörenden Sagen und Überlieferungen finden bei L. Ernst Erwähnung.
Doch
bleiben dem, der mit offenen Augen und Sinnen die Burg besucht noch viele
Fragen unbeantwortet und es sind nicht wenige unserer Bürger die gerne
etwas mehr von Burg Waldenfels, ihrer Geschichte und die ihrer Bewohner
erfahren möchten. Manch historisch Interessierte verlässt diesen eigentümlichen
Platz auf welcher einmal eine durchaus beeindruckende Anlage gestanden
hat, mehr ahnend als wissend.
Doch
soll hier nicht die Geschichte dieser Burg und ihrer Bewohner in allen
bislang bekannten und erforschten Einzelheiten beschrieben und
aufgearbeitet werden. Wir wollen uns auf einige wesentliche Punkte beschränken.
Beschäftigen
wollen wir uns mit dem gegenwärtigen Zustand der Burgstelle um
dann einen Bogen zu schlagen zur künftigen Gestaltung und
originalen Erhaltung dieses für die Geschichte unserer Dörfer Malsch
und Waldprechtsweier so bedeutenden historischen Platzes.
Von
Seiten der lokalen Geschichtsbetrachtung hat die Burganlage noch keine besondere Beachtung erfahren. Vereinzelt fanden in
den sechziger Jahre, initiiert von privater Seite, Versuche statt in
Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden „etwas“ zu tun. Doch
mehr als einige Notizen in den Akten und Schriftwechsel kam dabei nicht
heraus.
Auch
war in jenen Jahren einigen renommierten Historikern schon bewusst, welch
heimatgeschichtlich wertvolles und ergiebiges Objekt sich hier im Malscher
Bergwald verbarg. Doch beschränkte sich dieses Wissen und diese Überzeugung
leider darauf, in Protokollen festgehalten, in einigen Fachzeitschriften
veröffentlicht und danach wieder vergessen zu werden.
Die
Archäologie ging an Burg Waldenfels und auch an Malsch
vorüber…
Die
Anfänge der Burg darf man in der Zeit des Hochmittelalters vermuten.
Damals regierte Heinrich IV., deutscher König und Kaiser, über ein Reich
das sich von der Elbe bis zum Tiber erstreckte. Dieses Reich war
eingeteilt in Verwaltungsbezirke, zuerst in Gaue, später dann in kleinere
Gebiete, den Grafschaften in welchen ein vom Kaiser eingesetzter Graf die
Hoheitsrechte ausübte. Vor der endgültigen Unterwerfung der
Alamannen durch die Franken (Mitte des 8.Jhd.) war der Ufgau der
„oberste“ (südlichste) Bezirk des Frankenreiches.
Grafschaftsvorort
war Forchheim.
Der
erste Ufgaugraf der, zu einem späteren Zeitpunk, mit Malsch in Verbindung
gebracht werden kann, nennt sich Reginbodo und residierte wohl in
Forchheim.
Aus
politischen Gründen verliert dieses Adelsgeschlecht sein Amt und verlässt
Forchheim in Richtung Malsch. Das geschah im Jahre 1086. Dieses Jahr darf
als spätester Baubeginn von Burg Waldenfels angesehen werden.
Die
Reginbodosippe widmet sich fort an dem Landesausbau und der Kolonisierung
der Hochfläche. Malsch und Waldprechtseier lagen damals am Rande der
alten Siedlungszone zum Rodungsland.
Rodungssiedlungen
wie Freiolsheim, Völkersbach oder Burbach
dürften ihren Ursprung dem Siedlungskonzept der Reginbodos zu
verdanken haben.
Als
gräfliche Familie war es nur natürlich, eine landschaftsbeherrschende
Burg als Attribut ihrer adligen Lebensführung zu errichten.
Kleinere
Edelherren bauten ihre Kleinburgen nahe den Dörfern und Höfen (siehe
Liutfried von Bruchhausen). Diese Kleinadeligen begannen erst ab der Mitte
des 12. Jhd. Ihre Wohnsitze von der Dorfburg auf die Höhe zu verlegen.
Doch
sind diese auf Burg Waldenfels bezogene Überlegungen und
Schlussfolgerungen eigentlich nur theoretischer Natur, basierend
allerdings auf gesicherten Beispielen (andere Adelsgeschlechter und ihre
Burgen) aus der Umgebung.
Wir
haben keine schriftlichen Beweise, dass das Adelsgeschlecht der Reginbodos
die Burg Waldenfels tatsächlich
gegen Ende des 11. Jhd. errichtet hat. (Die erste urkundliche Erwähnung
der Burg datiert übrigens aus dem Jahre 1309, damals war sie in der Hand
der badischen Markgrafen).
Reginbodo
(II.) nennt sich in den Jahren zwischen 1110 und 1115 Graf von Malsch,
nicht Graf von Waldenfels. Stand sein Domizil vielleicht im Ort, neben
seiner Eigenkirche St. Cyriak ? Wie
stellte sich damals die Umgebung um die St. Peterskapelle dar, oder was
befand sich im Bereich der Kronenstraße? Wenn sich dort in früh- oder
hochmitteltelalterlicher Zeit tatsächlich ein Friedhof befunden hat, war
auch eine Kirche nicht weit davon entfernt.
Wir
sehen, das frühe und mittelalterliche Malsch ist nicht mehr und nicht
weniger als ein weisser Fleck auf der archäologischen Landkarte.
(Originalton eines Archäologen).
Nun
aber haben wir die große Chance ein wenig Licht in die frühe Geschichte
unseres Dorfes zu bringen indem wir die Gelegenheit nutzen, um unter
fachkundiger Leitung und unter Aufsicht des Denkmalamtes in einem ersten
Schritt die Burganlage zu erforschen und danach die Burgstelle für den
Besucher so zu gestalten, dass sich dieser Platz als historisches Objekt
der Malscher und Waldprechtsweierer Dorfgeschichte darstellt.
Die Reste der Burgruine liegen heute im Buchenwald und machen
auf den ersten Blick einen chaotischen Eindruck. Das Gelände ist durchwühlt,
bedeckt mit Wällen und Hügeln, überall liegen Steine und Brocken
verstreut auf dem Areal. Ein zum Teil mehr oder weniger noch deutlich
ausgeprägter Halsgraben trennt die Kernburg nach Süden ab. Bis vor
kurzem war der Bereich der Burg von Gestrüpp und Altholz bedeckt welches
in den letzten Monaten von uns entfernt worden ist.

Bereich
der Kernburg
Mit
freundlicher und nicht hoch genug einzuschätzender Hilfe und Unterstützung
des Forstamtes wurden während der letzten drei Jahren einige
Buchen entfernt. Zum einen wird Umfang und Größe der Burganlage dadurch
deutlicher erkennbar, zum anderen war eine Gefährdung der vorhandenen
aufstehenden Fundamentmauern und Mauerzügen durch Windbruch gegeben. Die
Aufräumarbeiten durch uns dauern noch an. Bis zum Beginn der archäologischen
Aktivitäten wollen wir das Gelände weitgehend geräumt haben.
Diese erwähnten archäologischen Maßnahmen sind das vorläufige
Ergebnis meiner nun mehr als zehnjährigen Bemühungen, der Burg
Waldenfels von zuständiger und kompetenter Seite die Aufmerksamkeit
zukommen zu lassen, die sie sowohl aus archäologischer wie auch aus
historischer Sicht verdient hat.
Diese
Maßnahmen finden unter Leitung des Landesdenkmalamtes statt und sollen
von Dr. Heiko Wagner, einem freien Archäologen durchgeführt werden.
Dr.
Wagner hat ein Konzept erarbeitet, das für den Bereich der Kernburg gilt
und in den Jahren 2007 und 2008 umgesetzt werden soll. Dokumentiert und
eingetragen werden die Ergebnisse der Untersuchung auf einem Kartenwerk
(1:400), das von unserem Mitglied Thomas Meyer erstellt worden ist und
durch die Aufnahme von mehr als 500 Messpunkten auf und um das Burggelände
entstanden ist. Burg Waldenfels dürfte eine der am besten vermessenen
Burganlagen im Umland sein.

Burgbegehung
mit Dr. H. Wagner

Vermessung
Das
Konzept Dr. Wagners sieht vor, Burg Waldenfels von der östlichen Seite
her zu untersuchen. Dort befinden sich Flächen (wilde Grabungslöcher)
die zum Schutz vor weiterer Störung mit Planen und Hinweisschildern
gesichert sind. Die Untersuchungen umfassen das sogenannte „Putzen“
(Freilegen) der Gelände- bzw. Mauerkanten.
Die
Profile werden fotografisch und zeichnerisch dokumentiert und auf die Geländekarten
übertragen. So entsteht nach und nach ein Bild des Grundrisses der Burg.
Auch hoffen wir, Bauphasen aus diesen Untersuchungen erkennen zu können
um mehr über die Nutzung der Anlage zu erfahren.
Die
wilden Grabungslöcher sollen nach und nach verfüllt werden um in einer
abschließenden Maßnahme die festgestellten Mauerzüge aufstehend
sichtbar zu machen. Die
Wiederherstellung bzw. Aufmauerung einer deutlich ausgeprägten
Fundamentmauer von ca. 6 m Länge ist vorgesehen und soll, abhängig nach
den bis dahin gewonnenen Erfahrungen um 2008/2009 erfolgen.

Fläche,
welche ab Mai 2007 untersucht werden soll

Sah
so einmal Burg Waldenfels aus ?
Zeichnung
von Thomas Meyer
Für
die Öffentlichkeit soll der Zugang zur Burg durch einen Weg erleichtert
werden, der das eigentliche Burgareal von Süden her betritt. Hierzu
wollen wir einen Art Hohlweg benutzen der eventuell sogar dem originalen
Zugang entspricht. Dort soll auch eine Informationstafel aufgebaut werden.
In
Abhängigkeit vom aufgefundenen Mauerverlauf sollen, innerhalb der Kernburg, mit erläuternden Schildern versehene
Pfade, markiert werden.
Unser
Wunsch wäre es, nach Abschluss der Untersuchungen, der Öffentlichkeit
ein Areal anbieten zu können, auf dem sie Heimatgeschichte sehen und
erleben können. Nicht ein modernes Disneyland soll hier geschaffen
werden, wenn auch der eine oder andere
Burgenfreund gerne wieder etwas „aufmauern“ würde. Das wäre
ein Bärendienst für die ernsthafte archäologische Forschungsarbeit.
Erforschung
der ehemaligen Struktur sowie Erhalt der noch vorhandenen Burgreste müssen
Hand in Hand gehen.
Es
ist gar keine Frage, dass wir uns bemühen werden, die Gesamtmalscher Bevölkerung
und besonders die Schulen in unsere Arbeit mit einzubeziehen. Vielleicht
gelingt es einmal, den Heimatkundeunterricht unter freiem Himmel
abzuhalten. Das Vergnügen, mit Schulklassen eine Burgbegehung durchzuführen
hatten wir ja schon. Es war für alle ein Gewinn.
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