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„Ein
interessantes Stück Heimatgeschichte“
Weit über 100 Teilnehmer
kamen zur Besichtigungstour zur „Burg Waldenfels“ bei Malsch
Turm von 20 Metern machte kolossalen Eindruck
Malsch (sf). Als „extrem erfolgreich“ charakterisierte
Gerhard Bullinger von den Malscher Heimatfreunden das Ergebnis der 2006
und 2007 erfolgten Grabungskampagnen an der im Malscher Bergwald gelegenen
Ruine Burg Waldenfels. Wie berichtet, hat er das Gelände der 1086 vom früheren
Ufgaugrafen Reginbodo erbauten Burg mit seinem Vereinskollegen Thomas
Meyer im Auftrag des Landesdenkmalamtes eingehend untersucht. Mehrere
hundert Stunden Arbeit investierten die beiden, um unter Leitung des
promovierten Archäologen Heiko Wagner die vorhandenen Grabungslöcher mit
der Spitzkelle auszuputzen.
Bevor die freigelegten Stellen wieder verfüllt werden, nutzten am
Wochenende zahlreiche Interessierte die Gelegenheit, die freigelegten
Burgmauern bei zwei Führungen in Augenschein zu nehmen. „Ich bin
positiv überrascht“, freute sich Bullinger, der am Samstag lediglich
mit 15 Gästen gerechnet hatte, über die weit über 100 Teilnehmer. Viele
kannten das Gelände von früheren Ausflügen und einige hatten, wie
Bullinger, in ihrer Jugend auf dem Burggelände gespielt. „Das war
damals unser Räuberspielplatz“, erinnerte sich der heute 73-jährige
Erwin Deubel. „Wir haben immer gehofft, die goldene Madonna zu
finden“, erzählten andere.
Obwohl die „Ausgräber“ die Figur, die laut einer 1954 von Lore Ernst
aufgezeichneten Sage in einem Gewölbekeller versteckt sein soll, nicht
fanden, wurden bei den Grabungen viele neue Erkenntnisse gewonnen. „Es
war sehr spannend“, erzählt Bullinger darüber, wie er mit Meyer und
Wagner nach und nach einen Überblick über den Grundriss des Burggelän-des
gewann.
Fest steht nun, dass innerhalb der Burgmauer, die von drei Halsgräben
umgeben war, ein gewaltiger Wohnturm mit einer Grundfläche von jeweils
12,60 Metern im Quadrat stand. Angesichts der Fundamentstärke von bis zu
2,70 Meter könne man, so Bullinger, davon ausgehen, dass der Turm über
20 Meter hoch war. „Das muss ein kolossaler Eindruck gewesen sein“,
staunte der 54-Jährige, der sich seit 1996 intensiv mit Burg Waldenfels
beschäftigt. Angesichts der bei den Grabungen entdeckten Keramiken aus
dem achten Jahrhundert vermutet er, dass Reginbodo, der von Waldenfels aus
Ortschaften wie Stupferich gründete, die Burg auf einem Gelände baute,
das bereits damals zur Holzgewinnung oder zum Ackerbau genutzt wurde. 1318
wurde das Dorf Malsch dann samt Burg Waldenfels an das Kloster Bad
Herrenalb verkauft.
Da die Mönche keine Verwendung für die Burg hatten, verfiel sie zu einer
Ruine. Die immensen Steinmassen wurden unter anderem 1826 zur Erweiterung
der Malscher Sankt Cyriak Kirche genutzt. „Es ist ein interessantes Stück
Heimatgeschichte“, meinte eine Besucherin, die sich auch für den
geschichtlichen Überblick interessierte, den Bullinger über die Burg
gab.
Um die Grabungslöcher für spätere Untersuchungen zu erhalten, werden
sie nun wieder verfüllt. Damit der Verlauf der Grundmauern dennoch
nachvollziehbar bleibt, sollen diese oberirdisch etwas aufgemauert werden.

Gebannt
lauschten die Teilnehmer der Exkursion zur Burg Waldenfels den Erläuterungen
von Gerhard Bullinger, der sich dazu auf einen abgedeckten Stapel (rechts)
gestellt hatte.
Veröffentlichung
mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten |