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  Die Burg Waldenfels  

 ein wertvolles Zeugnis der Salierzeit zwischen Malsch und Waldprechtsweier

- Erkenntnisse der zweiten Grabungskampagne - 

 

Am 12. Juni ging die zweite und vorerst letzte Grabungskampagne des Arbeitskreises „Kleindenkmale und Wegkreuze“ auf Burg Waldenfels zu Ende. Dies war der Anlass für die Vorstandsmitglieder der Heimatfreunde Malsch, sich am Samstag, dem 21. Juni bei einer kleinen Wanderung zum Burggelände über die neuen archäologischen Erkenntnisse zu informieren. Die Leitung dieser Exkursion übernahm der dafür prädestinierte Burgen-Experte der Heimatfreunde Malsch, unser Mitglied Gerhard Bullinger. 

Ausgangspunkt der Tour war der Parkplatz des Malscher Freibades. Nach einem kurzen aber steilen Anstieg machten wir vor den umfangreichen Grabenanlagen, die den eigentlichen Burghügel umgeben, Halt.

  

Die staunenden Zuhörer erfuhren, dass die Kernburg von ihrem Standpunkt aus, also der im Angriffsfalle besonders gefährdeten Bergseite her, von drei Halsgräben gesichert wurde. Der vorderste Graben ist jedoch mittlerweile durch Einschwemmungen eines Bächleins und maschinelle Einwirkungen sehr verflacht worden.

Wir setzten unsere Besichtigung mit der Durchschreitung des zweiten Halsgrabens fort, worauf wir uns vor dem mutmaßlichen Burgtor befanden. Doch bevor wir uns in die eigentliche Kernburg wagten, machte uns Gerhard Bullinger noch auf einen schon vor Beginn der Ausgrabungen von der Ferne aus erkennbarem Rest der Ringmauer aufmerksam. Diese Ringmauer weist hier eine Stärke von ca. 1,70m auf und umgab einst den gesamten höher gelegenen Teil des Burghügels, der den Wohnturm, wahrscheinlich erbaut unter dem Grafen Reginbodo, trug.

Das besondere dabei ist, dass der betreuende Archäologe, Dr. Heiko Wagner aus Kirchzarten, eine in diese Mauer eingemörtelte, rotgebrannte Keramikscherbe entdeckt hat. Weil rottonige Ware von Fachleuten allgemein in das 13./14. Jahrhundert datiert wird, kann der Bau dieser Umfassungsmauer ebenfalls für diesen Zeitraum angenommen werden.

Dies deutet darauf hin, dass die westlich gelegene Ringmauer erst 100 bis 200 Jahre nach dem Bau des Wohnturmes, der vor 1100 entstand, errichtet wurde.

 

Ein paar Meter neben diesem Mauerstück wurde im Winter beim Fällen einer Buche eine tiefe Schleifspur in der Böschung erzeugt, was zahlreiche Keramikscherben ans Tageslicht beförderte. Gerhard Bullinger erläuterte uns, dass sich an dieser Stelle zwischen Wohnturm und Ringmauer im Mittelalter eine Abfallgrube befunden haben muss, da er bei genauerer Untersuchung dieser Stelle zwei Kisten voll Keramikfragmenten einsammeln konnte nebst zahlreichen Knochen einer vor 600 bis 700 Jahren von den Rittersleuten verspeisten jungen Wildsau. 

 

Modell einer Turmburg aus dem 11. Jahrhundert

Beeindruckt von der Vorstellung, wie diese markante Kombination aus einem über 25 Meter hohen und von einer wehrhaften Ringmauer umgebenen Wohnturm auf den Malscher des Mittelalters gewirkt haben muss, setzte sich unsere Führung fort. Gespannt, was uns wohl als nächstes erwarten würde, durchschritten wir das an dieser Stelle vermutete Burgtor – und sahen uns mit dem 3. Halsgraben konfrontiert! Wir mussten feststellen, dass dessen Platzierung strategisch sehr geschickt erfolgt war, da es den Besuchern sogar heute noch Probleme bereitet, das Burgplateau zu erreichen. Doch da die salische Burgbesatzung, ausgerüstet mit Kriegsgerät wie Pfeil und Bogen, Speeren oder Steinschleudern (belegt durch Bodenfunde) längst von der Bildfläche verschwunden ist, konnten wir getrost zum „Herz“ der Anlage hinaufsteigen.

 

Auf dem Plateau des ehemaligen Wohnturmes angekommen, konnten wir von einem kleinen Erdhügel aus sehr gut die Proportionen dieses quadratischen Bauwerkes erkennen. Das lag zum einen an den farbig markierten Holzlatten, welche die Außen- bzw. die Innenkanten der Turmmauer hervorheben sollen und zum anderen natürlich an den noch recht zahlreich vorhandenen Fundamentmauern. Die angesichts der beachtlichen Mauerstärke von sage und schreibe 2,70m ohnehin schon verblüfften Besucher konnten es kaum fassen, wie gut sich das Mauerwerk, versteckt unter einer Erdschicht, durch die Jahrhunderte hindurch erhalten hat. Dies hat dazu beigetragen, dass wir nach den archäologischen Untersuchungen nun wieder in der Lage sind, jeweils eine Außen- bzw. Innenkante des Wohnturmes bewundern zu können.

Laut unserem Burgführer werden sich die folgenden Aktivitäten auf Überlegungen konzentrieren, wie die gewonnenen archäologischen Erkenntnisse künftig dem interessierten Besucher vor Ort näher gebracht werden können. Bei der Frage, wie die unter Bodenniveau liegenden Fundamentreste dauerhaft auf der Oberfläche gekennzeichnet werden sollen, ist zudem viel Kreativität gefragt.

Daraufhin machten wir uns, mit den Gedanken noch ganz vom Mittelalter gebannt, auf den Rückweg zum Parkplatz, wo diese spannende und zudem sehr lehrreiche Wanderung ihr Ende nahm.

Alle Burgenfreunde, die gerne einmal den Malscher Hobby-Archäologen über die Schultern schauen möchten, werden am 16.08.2008 und am 17.08.2008 die Möglichkeit haben, das Grabungsteam bei der Arbeit zu besuchen.  

Thomas Meyer