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41.)  Ehemalige Malscher Tankstellen

Tankstellen gibt es ja erst, seit es Autos gibt. Und das ist noch gar nicht so lange her!

So ist es auch verständlich, dass die erste Tankstelle in Malsch nicht im Dorf, sondern weit draußen in Neumalsch errichtet wurde.

Also beginnen wir auch draußen in Neumalsch, bei der

 

41.1  Tankstelle Zimmer

Im Hausgang der heutigen „Schwarzwaldpforte“, im Haus der Eheleute Ludwig und  Marie Zimmer (+1968), stand anfangs lediglich ein kleines Benzin-Fass mit maximal 50 Liter Inhalt, aus welchem von Marie bei Bedarf Benzin in einen Messeimer (än Oimor mimä Schnobä dro) von Hand gepumpt und dann in den Fahrzeugtank geschüttet wurde. Kam mal ein Motorrad und brauchte „Mischung“, dann fügte sie die benötigte Menge Öl dem Benzin erst noch zu und verrührte das Gemisch mit einem Holzstab.

So hat das in den 20er Jahren damals begonnen.

Das änderte sich erst, als 1928 die Firma Dabolin vor dem Zimmer-Haus eine Tankstelle mit moderner Hand-Zapfsäule und unterirdischem Tank errichtete.  

 

Die erste „richtige“ Tankstelle von 1928 mit Marie beim Betanken eines Motorrades

Danach wechselten die Sprit-Lieferanten einige Male. 1939 übernahm Esso von der Firma Standard letztendlich die Spritbelieferung, wie auf dem folgenden Bild zu erkennen ist: „Oben“ noch „Standard“ und „unten“ schon „Esso“ zu lesen: 

 

Der Übergang von Standard auf Esso (1939)

Nachdem Sohn Ludwig (1915-2001) aus Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, wurde ihm als Kfz-Meister von der Mutter auch die Tankstelle übergeben. Zusammen mit seiner Frau Maria, geb. Bechler (*1922) führten die beiden dann den Gesamtbetrieb, er mehr in der Werkstatt, sie fast ausschließlich an den Zapfsäulen.  1951 wurde die Anlage von ihnen dann wesentlich erweitert. 

 

Die modernisierte „Zimmer-Tankstelle“ ab 1951“

Diese „neue“ Tankanlage wurde von den beiden noch bis 1989 weiter betrieben, dann altershalber an die Firma „Elf“ verpachtet und von dieser noch einmal weiter ausgebaut.

Im Juni 2005 erfolgte dann die endgültige Aufgabe dieser Tankstelle.  


 41.2 Tankstelle Karl Hornung

Vor dem „Gasthaus Kreuz“, grad gegenüber, wurde auch schon früh, bereits 1927, eine zweite Tankstelle in Neumalsch eröffnet. Diese war von Anfang an mit (damals) relativ modernen Zapfsäulen ausgestattet, wie man auf dem folgenden Bild erkennen kann:  

 

Das Gasthaus „Kreuz“ mit der Tankstelle  

Der erste Tankstellenbetreiber Karl Hornung (1879 - 1960) verpachtete später die Anlage an Anton Kohm. 1955 übernahm dann der Sohn des Kreuzwirts, Alois, nebst Wirtschaft auch wieder die Tankstelle, wobei ihm seine Frau Veronika, geb. Hitscherich (1912 - 2005) und Tochter Hannelore (*1941) ständige Helferinnen waren. 

 

Der Erstbetreiber und damalige Kreuzwirt Karl Hornung  

 

 

Die Familie Hornung im „Kreuz“ :  Alois Hornung mit Frau Veronika, Tochter Hannelore und einer Bekannten

Die endgültige Stilllegung der Tankstelle erfolgte dann (aus wirtschaftlichen Gründen) im Jahre 1970.                                                


 41. 3 Tankstelle Emil Kühn

Dorf einwärts, also nach dem Bahnübergang, gab es früher erst wieder gegenüber der alten „Post“ in der heutigen Sézanner Straße die nächste Tankstelle. nämlich die des  Schlossermeisters Emil Kühn.

Wer aber war Emil Kühn?. Unter diesem Namen kannte ihn damals bei uns fast  kein Mensch, weil er für uns alde Mälschor halt ganz einfach dä Maläschdä war! Als solcher, vor allem jedoch als langjähriger Feuerwehrkommandant wie auch als besonders Aktiver bei der GroKaGe Malsch war er aber schon eine bekannte Persönlichkeit in Malsch.

Schon 1930 ließ er vor seinem Haus eine kleine Tankstelle errichten, deren Zapfsäule aber am Rand des Gehweges zur Straße hin, also auf Gemeindeeigentum stand, wie der Lageplan vom 27.3.30 deutlich zeigt. 

Lageplan der ehemaligen Tankstelle des Emil Kühn in der heutigen Sezanner Straße

Infolge des Krieges (1939-1945) wurden 1940 auch in Malsch zunächst alle Tankstellen stillgelegt. Tochter Elsa erklärte daraufhin der Gemeindeverwaltung, dass sich in den Tanks aber noch einige Reste von Benzin und Öl befinden. Was dann damit geschah, konnten wir nicht mehr erfahren.

Wir wissen nur, dass die Tankstelle nach dem Krieg, also nach 1945, nicht mehr in Betrieb genommen wurde. Entfernt wurde die Zapfsäule (und die Tanks?) jedoch erst Ende 1951.

 

Vordere Reihe in der Mitte Emil Kühn
Gründungselferrat der Grokage im Jahre 1929
 


41.4  Die Tankstelle des Juden Richard Maier

Ende der 20er, anfangs der 30er Jahre errichtete auch Richard Maier in seinem Haus Ecke Hauptstraße und Weitgasse, gegenüber s’Eisejuddä, eine für die damaligen Verhältnisse moderne Tankstelle, die Zapfsäule schon mit Handpumpe bedienbar. Da es aus dieser Zeit weder Bilder noch Dokumente gibt, sind wir auf Berichte von damaligen Zeitzeugen angewiesen.

Ein solcher, damals in der Nachbarschaft lebender junger Malscher, Ludwig Gräßer, hat uns nach Befragung einiges Interessantes dazu wissen lassen: 

„Wir wussten, dass die Leute in dem Haus Juden waren. Dass sie aber Maier hießen, war uns so gut wie nicht bekannt. Denn bei uns und vielen Malschern wurden sie nur s’Schmuls oder so ähnlich genannt. Dieser Sondername soll von einem hebräischen Vornamen kommen, so sagte man uns. Der Übername diente vielleicht auch bloß zur Unterscheidung von den vielen anderen „Maier“, die damals in Malsch lebten.

Da die Schmuls auch einen etwas jüngeren Sohn, Siegbert, hatten, waren uns Haus und die Leute darin nicht unbekannt

Aus „jener“ Zeit denkt mir auch noch, dass sie alle gerade noch rechtzeitig, Gott sei Dank, die Ausreise geschafft haben, bevor es zu spät war.  

Das Fachwerkhaus steht heute noch so wie ehedem da. Neben der Tankstelle wurden Stall und Scheuer für den Viehhandel des Vaters Richard gebraucht. Erst als Josef Holl, der Käufer des Hauses vor der Ausreise der Familie Maier, das Anwesen an Otto Kiefer weiter verkaufte, mussten Stall und Scheuer der darin vorgesehenen Autoreparaturwerkstatt weichen.“

Soweit die Erinnerungen von Ludwig Gräßer 

Da bereits 1937 das Betreiben einer Tankstelle von Amts wegen allen Nichtariern untersagt war, musste auch Richard Maier seinen Betrieb aufgeben. Hat diese damalige „Zwangs-Maßnahme“ ihm den Entschluss zu einer (ungewollten) Ausreise etwas leichter gemacht?

Leider war es auch hier nicht möglich, aktuelle Bilder von der Tankstelle zu bekommen.

Das Haus aber steht immer noch da, heute schon, wie nur wenige noch in Malsch, ein wertvoller Zeitzeuge vergangener Malscher Handwerkskunst. 

 

 

Das schöne alte Fachwerkhaus, von der Weitgasse her gesehen


                        41.5  Die Tankstellen Kiefer, links und rechts der Bach

Anton Kiefer (1894-1960) war gelernter Mechaniker und hatte als solcher schon in den 20er Jahren in seinem Haus in der heutigen Adlerstraße eine Reparaturwerkstatt, insbesondere für Zweiräder,  eingerichtet, weshalb er in Malsch auch dä Fahradkiefer genannt wurde.

So war es nur eine Frage der Zeit, dass ihm am 26. August 1952 auch die Erlaubnis zur Aufstellung einer beweglichen Zapfstelle für Benzin in seinem Hause erteilt wurde. Dazu wurden in seinem Keller drei Fässer mit je 200 Liter Inhalt und ein weiteres im Hof aufgestellt. Am Hof-Fass war dann die einfache Tankanlage mit Handpumpe und zwei 5- Liter-Glasbehältern angeschlossen. War dieses Fass mal leer, dann wurde wieder per Hand aus einem Kellerfass Benzin ins Hof-Fass nachgepumpt.

Das ging so weiter, bis den Kiefers im März 1960 der Betrieb dieser Anlage aus Sicherheitsgründen untersagt wurde, vor allem auch deshalb, weil Tankanlagen in bewohnten Häusern nicht mehr zulässig waren. 

 Das Haus Kiefer in der Adlerstraße

 

 Die 1. Kiefer-Tankstelle im Hof in der Adlerstraße

Kurz zuvor hatte Anton Kiefer ein Angebot der Fa. Gasolin angenommen, eine von dieser wieder errichteten Tankstelle in der Hauptstraße im Hause Holl, also im früheren Anwesen des Richard Maier, als Pächter zu betreiben.

Anton Kiefers Sohn Otto, inzwischen Kraftfahrzeugmeister geworden, stieg dann in Vaters Fußstapfen ein und erwarb bald darauf das gesamte Anwesen käuflich von der Familie Holl.

Um darin dann auch eine richtige Kfz-Werkstatt einrichten zu können, mussten Stall und Scheuer umgebaut werden. Und so folgte auf diesem Grundstück auf die frühere Tankstelle des Juden Richard Maier wieder eine Tankstelle, nämlich die des Anton und dann des Otto Kiefer.

 

 Gesamtansicht der Tankstelle in der Hauptstraße

 in“

Elisabeth Kiefer mit Enkelin Karin vor der Zapfsäule in der Hauptstraße

 

Ellies Kiefer mit Tochter Karin und Freundin bei der Tankstelle

 

Otto Kiefer vor der Aral-Tankstelle im Jahre 1982
Man beachte die damaligen Benzinpreise (in DM!)

Otto Kiefer hat die Tankstelle samt Kfz-Reparaturbetrieb dann aus Altersgründen zum Ende 1992 aufgegeben.


41.6  Die Tankstellen Ferdinand Werner in der Hauptstraße
         und Theodor Schmitt, Friedrichstraße / Sézanner Straße

Über den zeitlichen Anfang der Werner-Tankanlage konnten wir nichts Genaues erfahren. Sie stand vor dem Hauptgebäude an der Straße, wie man auf dem folgenden Bild erkennen kann:

 

 

Die Werner-Tankstelle in der Hauptstraße

 

Zur Eigenversorgung des Betriebsautos von Ferdinand Werner, der vor allem mit Fahrrädern und Nähmaschinen handelte, diente eine zweite im Hof errichtete Tanksäule. Denn Ferdinand Werner bot seinen PKW, einen der ersten in Malsch, auch für Notfahrten in umliegende Krankenhäuser an. Heute würde man sagen, das war das erste Taxi-Unternehmen in Malsch. So erzählte uns Eugen Gräfinger (*1923), damals bei Werner beschäftigt, dass er für besonders dringende Fahrten auch mitten in der Nacht, besonders oft als „Geburtshelfer“ einspringen musste. Auch bei schlimmen Fällen half das Werner-Auto schnell aus. So denkt es auch Klara Kühn (*1937), geb. Schwan, dass sie 1941 in fast aussichtslosem Zustand mit schwerer Lungenentzündung auf Anweisung vom alten Dr. Essig mittels Werners Auto mitten in der Nacht ins Kinderkrankenhaus nach Karlsruhe gefahren wurde.

 

 Ferdinand Werner, Tochter Trudel, Schwiegersohn Johannes Kunz und Tochter Ellies

Tanken für jedermann war also nur an der Zapfsäule vor dem Haus möglich.

Warum diese dann 1937 abgebaut und samt Benzintank zur Firma Theodor Schmitt in die Friedrichstraße verlegt wurde, konnte (bis jetzt)  nicht geklärt werden.

Theodor Schmitt führte schon seit 1925 einen handwerklichen Meisterbetrieb, damals noch in der Mühlstraße gegenüber dem Ffarrgässel. Im April 1938 erhielt er vom Bezirksamt Rastatt auch die Genehmigung zum Betreiben einer Tankanlage bei seinem neuen Betrieb in der Friedrichstraße. Diese stand aber nicht auf seinem Gelände, sondern vor der damaligen Kelter auf Gemeindeeigentum.

 

 Tankstelle Schmitt vor der alten Kelter in der Friedrichstraße

  

Die Familie Theodor Schmitt 1940 mit Frau Hermine und Söhnen Eugen und Otto

  

Ehren-Plakette Meisterbetrieb Theo Schmitt

 

 Werbegeschenk für Kunden der Tankstelle Schmitt

Im Frühjahr 1942 wurde die Tankanlage im Rahmen der damaligen kriegsbedingten Zwangsbewirtschaftung von Amts wegen stillgelegt.

Erst im Juli 1947 wurde sie wieder in Betrieb genommen.

Nachdem Schmitt diese den modernen Erfordernissen nicht mehr entsprechende Anlage der Fa. ESSO AG 1951 abbauen ließ, wurde an der gleichen Stelle eine modernere Anlage der Fa. ARAL samt dem noch vorhandenen 3000 Liter fassenden Esso-Tank in Betrieb genommen.

Infolge der Betriebsverlagerung in die heutige Sézanner Straße (1969) wurde auch diese Tankanlage dorthin verlegt.

Nach der 1980 erfolgten Betriebsübergabe an Sohn Eugen und nach dessen Tod wurde die Tankstelle noch bis 2004 von seiner Frau Magdalena weitergeführt.

Ab da wurde der Betrieb von der EFA Tankstellenbetriebe GmbH übernommen.


41.7  Die Tankstellen in Sulzbach und Waldprechtsweier

In Sulzbach gab es seit 1954 eine Tankstelle, die des Erich Wildemann und seiner Frau Anni. Erich war ein Sohn des Karl Wildemann, in Malsch allseits bekannt unter dem Namen „Schnitzmann“, warum, konnten wir auch noch erfahren. Er war ein naturverbundener Mensch und ging gerne mit Hunden um. So sammelte er oft, wie sein Vater schon, auch Fallobst auf, um es dann zu trocknen und als Dörrobst weiter zu verwenden. Seine Kittel- wie auch Hosentaschen waren damals immer voll mit getrockneten Obstsschnitzen, die er immer großzügig austeilte. Deshalb erhielt er ja, nicht nur von Kindern, den liebevollen Übernamen.

 

Karl Wildemann, s’Schnitzmännl (2. v. rechts) anlässlich der Hochzeit seines Sohnes Helmut mit Brigitte, geb. Herrmann (1959)

Erich (1921–1983) war nach dem Krieg zunächst bei der Fa. Eckerle beschäftigt, bevor er sich 1954 in Sulzbach selbständig machte. Angefangen hat dies alles als Reparaturwerkstatt für Motorräder. Das dazu erforderliche Gelände kam aus der Familie seiner Frau Anna, geb. Lumpp. Hierzu musste im großen Garten ein darauf befindlicher Hühnerstall weichen.

  

 Das Wohnhaus Wildemann mit Garage, Werkstatt und Tankstelle in der Kelterstraße

Jahre später hat Erich Wildemann dann auch noch das Nachbarhaus des Emil Adam dazugekauft und umgebaut, so wie es heute noch steht.
Werkstatt wie auch Tankstelle florierten gut, wie man an den zufriedenen Gesichtern von Erich und seiner Frau Anni erkennen kann.

  

 Erich  und Anni Wildemann

Werkstatt und Tankstelle wurden damals von vielen Malschern, vor allem von früheren Arbeitskollegen der Fa. Eckerle, gern in Anspruch genommen.

Nachdem Erich Wildemann im Industriegebiet von Malsch noch einen modernen Kfz-Betrieb aufgebaut hatte, wurde etwa 1980 altershalber der Gesamtbetrieb seinem Sohn Manfred übergeben. Dieser führte die Sulzbacher Werkstatt mit Tankstelle bis 1985 weiter. Der Betrieb in Malsch existiert und floriert heute noch gut.   


Auch in Waldprechtsweier gab es schon recht früh eine Tankstelle, nämlich die des Lorenz Strickfaden, neben der alten Schule.

Der 1893 Geborene machte sich bereits 1925 selbständig. 1935 wurde sein kleiner Betrieb auch in die Handwerksrolle der Handwerkskammer als Fahrrad-Reparatur-Werkstätte eingetragen.

Daneben führte er zusammen mit seiner Frau Stephanie (1895-1956) auch noch einen Laden mit allerlei Dingen für den Haushalt, über den wir an anderer Stelle berichten werden.

  

Lorenz und Stephanie Strickfaden im Hof ihres Anwesens

Sein Arbeitsgebiet war aber zeitlebens der Handwerksbetrieb mit der Tankstelle, wobei die Modernisierung des Ladens nicht vergessen wurde, wie man auf dem folgenden Bild erkennen kann:

  

Das umgebaute Haus am Waldprechtsbach

Erst 1963 übergab der Vater dann Laden und Tankstelle an seine Tochter Luise Karcher und deren Ehemann Karl. 

 

 Luise und Karl Karcher

Die Tankstelle wurde noch bis 1990 weiter betrieben, der  Laden wurde erst 1996 geschlossen. Lorenz Strickfaden war schon 1963 gestorben. 

 

Lorenz in seinen alten Tagen (so wie ihn viele kannten)