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Das
römische Sulzbach
Eine bemerkenswerte archäologische
Initiative
Nachfolgend soll eine beispielhaft
durchgeführte archäologische Aktivität zweier Bürger vorgestellt
werden, die sich auf die Suche nach römischen Siedlungsspuren in Sulzbach
machten und auf Anhieb erste beachtliche Erfolge erzielen konnten.
Wir Heimatfreunde sind darüber
sehr erfreut, nicht zuletzt auch deshalb, weil wir durch frühere Veröffentlichungen
Hinweise auf die Lage der vermuteten Siedlung, Hilfestellung und Anregung
geben konnten. Man darf sich wünschen, dass durch diese und weitere
Forschungsarbeiten die Sulzbacher Ortsgeschichte im Speziellen eine große
Bereicherung erfahren wird und neue Erkenntnisse über die
Siedlungsgeschichte unserer Heimat im Allgemeinen aufgedeckt werden.
Gerade auch im Hinblick auf das
bevorstehende Ortsjubiläum können die Ergebnisse dieser Forschungen
einen Glücksfall für die gesamte Gemeinde darstellen. Die Heimatfreunde
werden diese spannenden und wichtigen Arbeiten nach besten Kräften
unterstützen.
Nachfolgend nun der etwas verkürzte
Bericht der beiden Bürger:
Gerhard Bullinger
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Reginbodo (II.), Graf
von Malsch und die erste urkundliche Erwähnung von Sulzbach
„Ohne
Zweifel hat Sulzbach eine lange Vergangenheit mit wechselvollen
Schicksalen als Siedlungsplatz und Bauerndorf. Seine begünstigte Lage,
hoch über dem sumpfigen Bruchgelände, war schon in der Römerzeit,
vielleicht auch schon früher von den Kelten erkannt worden und ist durch
Funde aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. belegt. Auch die sehr frühe,
heute in Vergessenheit geratene Bezeichnung „die alte Burg" für
das Gelände bei den Wickenwiesen könnte als Hinweis auf eine frühere
Besiedlung gedeutet werden. Ebenso lässt der alte „Hörweg"
(Heerweg), heute fälschlicherweise als Heuweg umgedeutet, auf römischen
Wegebau schließen. Eine reizvolle Spekulation ergibt sich durch Verlängerung
der Linie des „Heuweges" weiter in nordwestliche Richtung; trifft
man doch genau auf die, teilweise unter der Autobahn liegenden römischen
Gebäudereste am Hurstbuckel.
Da
bislang keine systematischen Grabungen durchgeführt wurden, kann
allerdings auch keine sichere Aussage darüber getroffen werden, ob sich
hier (vermutlich im Gelände der „Hellenreben") einer der
zahlreichen römischen Gutshöfe des Dekumatenlandes oder möglicherweise
auch ein kleineres Kastell befunden haben.
Unweit
der alten Römerstraße von Baden-Baden nach Ettlingen sind mehrere römische
Höfe/ villae rusticae in dichter Nachbarschaft nachzuweisen.
Nach
dem Alamannensturm und später in der Frankenzeit mag der Platz ebenfalls
besiedelt gewesen sein, obwohl die Germanen es in der Regel vermieden
haben, die alten Wohnplätze der Römer zu übernehmen, sondern sich eher
in der Nähe derselben ihre Holzhäuser errichteten.
Nach
ihrem Sieg über die Alamannen und der Übernahme des Gebietes durch die
Franken wurde ein straffes Verwaltungssystem eingerichtet und das eroberte
Land in Gaue und später in überschaubare Grafschaften eingeteilt.“
(gekürzt nach Gerhard
Bullinger, - „Die erste urkundliche Erwähnung von Sulzbach“ -
erschienen 2002 und 2003)
Fundstelle, Funde, Ergebnisse, Perspektiven
Der oben nahezu plateauförmig verlaufende Hügel,
Teil der Vorbergzone, ist wohl eine abgesunkene Scholle, die bei der
Grabenbildung des Schwarzwaldrandes entstand. In der Flurkarte mit der
Bezeichnung „Hellenreben“
versehen, erhebt er sich unmittelbar am östlichen Rand der
Kinzig-Murg-Rinne und besteht an der Oberfläche aus pleistozänen
Ablagerungen von Löss, der aus den eiszeitlichen Schottern der
Kinzig-Murg-Rinne bzw. der Rheinebene ausgeblasen wurde (glaziale bzw. spätglaziale
Fluglössauflage mit einer deutlichen, der Hauptwindrichtung
entsprechenden West-Ost-Strukturierung, deren Mächtigkeit nicht
verifiziert werden konnte).
Die Lössauflage ist - bedingt durch die Struktur der
Tonminerale (3-Schicht-Minerale), die neben einem hohen Mineralanteil auch
einen günstigen Wasserhaushalt besitzen – ungemein fruchtbar. Daher ist
es nicht verwunderlich, dass die „Hellenreben“ ursprünglich
landwirtschaftlich stark genutzt wurden, liegt doch im Westen die wenig
fruchtbare, teilweise versumpfte Niederung der Kinzig-Murg-Rinne und im
Osten der Anstieg des Schwarzwaldrandes mit den ebenfalls wenig
fruchtbaren Horizonten des Buntsandsteins. So ist auch verständlich, dass
der Siedlungskern des Dorfes Sulzbach sich eher zum Waldrand hin
orientierte.
Vielleicht hat man auch bewusst einen „römischen
Siedlungsplatz“ nicht mehr besiedelt, dessen Materialien (Sandsteine)
aber als Baumaterial benutzt.
Auffällig sind die unterschiedlich starken
Terrassierungen an der Westseite der „Hellenreben“ zur
Kinzig-Murg-Rinne sowie an den Nord- bzw. Südflanken zu den beiden Bachläufen
bzw. zum sog. „Hörweg“ (heute Heuweg) hin.
Zahlreiche behauene Sandsteine finden sich zum Teil
in den Stützmauern entlang des Wegrandes wieder (am Zugangsweg von der
Gartenstraße her). Dabei könnte es sich durchaus um Mauersteine von
ehemaligen Fundamenten handeln.

Die aufgefundene römische Fundamentmauer
Inzwischen wird im Gewann „Hellenreben“ nur noch
vereinzelt Landwirtschaft betrieben. Die ursprünglich intensiv
bewirtschaftete Fläche (wohl auch schon römischer / spätrömischer oder
mittelalterlicher Weinbau) wird derzeit weit weniger stark genutzt, als es
noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war.
Reinhard Jaksch, geboren und aufgewachsen in
Sulzbach, äußerte im Herbst 2009 bei einem Gespräch, dass sich nach
seinen Informationen im Gewann „Hellenreben“ ein römischer Gutshof
oder ein kleines „römisches Kastell“ befunden haben könnte,
zumindest eine kleine spätrömische Ansiedlung. Er habe schon in den 50-
und 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einige alte Scherben in den
damals noch intensiv bewirtschafteten „Hellenreben“ gefunden. Nach
Angaben seiner bereits verstorbenen Mutter (Maria Jaksch, geb. Eder)
sollen dort in den 1930-er Jahren auf einem Grundstück von Verwandten
unter der Leitung von Hauptlehrer Josef Geiger im Rahmen des Heimatkunde-
und Geschichtsunterrichts Grabungen durchgeführt worden sein, welche die
Vermutung einer römischen Anlage in den „Hellenreben“ bestärkt hätten
(so zuvor schon von Oberförster Schrikkel vom Markgräflichen Forstamt
Ettlingen beschrieben; vgl. Sulzbach – Ein Dorf im Wandel der Zeit, 2005
verlag regionalkultur, S. 20).
Bereits mehrere Fundstücke aus römischer Zeit (in
Sulzbach bzw. auf der Gemarkung Sulzbach), deren Originale sich im
Badischen Landesmuseum Karlsruhe befinden, deuten ohnehin auf eine frühere
römische Ansiedlung in oder bei Sulzbach hin.
Keramikfragment von Terra Sigillata- römisches
Tafelgeschirr
Im November 2009 fanden wir bei einem Erkundungsgang
in den „Hellenreben“ auf einem frisch gepflügten Feld einzelne
Scherben sowie kantige Sandsteinstücke, die eigentlich in mit aeolischem
Löss durchsetztem Ackerboden nicht vorhanden sein dürften. Die Fundstücke
waren durch vorangegangen Regen freigespült worden. Sie wurden von uns
gereinigt und gesammelt.
Daraufhin nahmen wir Kontakt mit Herrn Dr. Günther
Wieland vom RP Karlsruhe (Ref. Archäologische Denkmalpflege) auf und führten
eine gemeinsame Ortsbegehung in den „Hellenreben“ durch. Dr. Wieland
schloss dabei Anhaltspunkte für ein kleines römisches Kastell zunächst aus, konnte sich aber durchaus vorstellen, dass
sich eine „villa rustica“ in diesem Gewann befunden habe, zumal in
unmittelbarer Nähe (Gefällwald, Römerweg, Hurstbuckel) römische
Siedlungsspuren vorhanden seien. Fundplätze in den „Hellenreben“
seien aber bisher noch nicht kartiert.
Weitere Fundstücke im Frühjahr 2010
konnten die Vermutung erhärten, dass sich in den „Hellenreben“
jedenfalls eine römische Ansiedlung befand. So findet man wie schon
beschrieben an der Oberfläche (auf gepflügter Ackererde) neben
vereinzelten Tonscherben auch kantige Sandsteine, bei denen es sich wohl
um Teile des seinerzeit üblichen Füllmaterials von Mauern handelt. Bei
einem Aushub wurde diese Annahme bestätigt. Bereits in ca. 45 cm Tiefe
stießen wir auf größere bearbeitete Sandsteine und Mauerteile sowie
mehrere Ziegelfragmente, ausgeblühte Nägel und zahlreiche weitere
Scherben typisch römischer Grob- und Feinkeramik in unterschiedlicher
Form und Ausprägung.
Gemeinsam mit Herrn Dr. Wieland nahmen wir nochmals
eine entsprechende Ortsbesichtigung vor und informierten auch den
Ortsvorsteher von Sulzbach, Herrn Jörg Schneider, sowie die Herren Albert
Schneider und Gerhard Bullinger von den „Heimatfreunden Malsch e.V.“.
In einer nachfolgenden Besprechung am 8. November 2010 im Rathaus Sulzbach
wurden die samt Dokumentation präsentierten Hellenrebenfunde von Herrn
Dr. Wieland als „eindeutig römisch“ bewertet und zeitlich dem „2.
bis 3. Jahrhundert n. Chr.“ zugeordnet. Wegen Kapazitätsmangels komme
eine aufwändige Sondierungsgrabung unter der Leitung des RP in nächster
Zeit jedoch nicht in Betracht. Bei einer evtl. Ausstellung der Fundstücke
im Rahmen der 2015 stattfindenden Ortsjubiläumsveranstaltungen werde man
erforderlichenfalls aber gerne Hilfestellung leisten.
Bericht und
Abbildungen: Reinhard Jaksch - Sulzbach,
Bernd Schaller – Ettlingen |