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Ehemalige Malscher „Spezial“-Läden Was
wir unter der Bezeichnung „Spezial“ verstehen, wird sehr schnell deutlich,
wenn wir uns den Briefkopf (Rechnung) eines
solchen Betriebes aus der damaligen Zeit anschauen: In
solchen Läden konnte man früher unglaublich verschiedene Dinge sozusagen aus
einer Hand erwerben. (Vorläufer unserer heutigen Supermärkte?)
Und davon gab es bei uns in Malsch eine ganze Reihe. Darüber wollen wir
nun im Folgenden berichten. Beginnen
werden wir mit dem eingangs schon erwähnten Laden des Eugen Kunz im Oberdorf. s’Eigäns:
Schon die
Tatsache, dass einige Läden in Malsch allein durch den Vornamen des Besitzers
genug beschrieben waren, zeugte doch von großem Vertrauen der Kundschaft, zumal
besonders die Hausfrauen beim Einkaufen von oft ganz verschiedenen Dingen (in
e i n e m Laden) halt viel
Zeit sparen konnten.
Eugen
und Maria Wallburga Kunz (1894)
Blick ins alte Oberdorf Wir
wissen, dass Eugen Kunz (* 1868)
zusammen mit seiner Frau MariaWallburga
(* 1870), geb. Görger, 1896 das
stattliche Anwesen Ecke Haupt- und Römerstraße, die frühere Köllreuter-Apotheke,
käuflich erworben hat, um darin ein Colonialwarengeschäft
einzurichten. Verkauft wurden aber von Anfang an nicht nur täglich
notwendige Lebensmittel, wie Salz, Zucker, Essig, Öl, Mehl,
Gewürze und dergleichen, sondern auch Textilien, Kurz- und Eisenwaren
bis hin zum Petroleum, aber auch Sensen und sonstige landwirtschaftliche
Kleingeräte. Das war sicher nur möglich, weil Eugen Kunz nach einer
Kaufmanns-Lehre in der Firma Wacker, Ettlingen, erst noch einige Jahre als
„Handelsvertreter“ tätig war. 1935
übergaben die beiden dann das Geschäft ihrem Sohn Albert und dessen Ehefrau
Balbina, eine Tochter vuns Dietzäbeggä.
Als Albert 1965 starb, führte seine Frau den Laden noch bis 1971 allein weiter.
Erst dann wurde das Geschäft endgültig geschlossen.
Albert und Balbina Kunz (1950) Eugen
und Wallburga hatten aber noch drei weitere Kinder, die Mädchen Marie und
Johanna und den Sohn Emil. Und
für Emil wurde in den Jahren 1929/30 das stattliche Geschäftshaus, heute
Waldprechtsstraße 4, erbaut. Ab da gaben die Eigäns im Ewwordorf dann den Handel mit
Eisenwaren aller Art auf, weil sich Sohn Emil in dem neuen Laden neben dem üblichen
„Sonstigen“ gerade darauf
spezialisieren wollte. Und so kam es dann ja auch! Beim
Emil (Kunz): 1931 heiratete Emil die Maria Antoni aus Karlsruhe. Ab da
betrieben die beiden dann das neue Geschäft in der Waldprechtsstraße
gemeinsam.
Haus
Emil Kunz ( 1930 – 1963)
Emil und Maria Kunz (1931) Selbstverständlich
wurden neben dem Schwerpunkt „Eisenwaren“ auch
in der Küche täglich benötigte Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker,
Salz usw. verkauft. Daneben wurde das Angebot noch wesentlich erweitert, nämlich
um den Sektor „Haushaltswaren aller Art“. Und die Malscher nahmen dies
dankbar an. So konnte man früher den Emil, manchmal auch zusammen mit seiner
Schwester Marie, das Kundendienst-Wägelchen durch die Straßen ziehend, sehen.
Emil und Schwester Marie (1950) 1934
wurde Sohn Konrad, der Nachfolger, geboren. Und als dieser 1960 dann die Maria
Jaschke aus Schwanheim bei Heidelberg geheiratet hatte, konnten die „Alten“
ihren Betrieb in aller Ruhe den „Jungen“ übergeben.
die „Alten“ (ca. 1960)
die „Jungen“ (1960) ABER: Diesen Laden gibt es heute noch! Und das Besondere an ihm? Beim
„Konrad“, wie man heute den
Laden oft vereinfacht nennt, da
kann man auch bloß mal ein paar Holzschrauben,
Unterlagscheiben, Sprengringe oder Dübel, um nur einige Beispiele zu
nennen, bekommen, ohne gleich ganze Päckchen, so wie in den Supermärkten,
kaufen zu müssen. Und das wissen viele Bastler und vor allem Heimwerker, nicht
nur Malscher, arg zu schätzen. Noch
etwas sollte erwähnt werden: Dass inzwischen Konrads Sohn, ebenfalls Konrad
genannt, also „Konrad jun.“, gemeinsam mit seinen Eltern die Kundschaft
bedient, ist doch ein gutes Zeichen. Gründer
„Eugen“ könnte stolz sein, dass sein Werk nunmehr schon in der vierten
Generation weitergeführt wird. s’Schwonähonsä
: Wo sich dieses Geschäft befand,
wissen sicher noch alle alten Malscher, nämlich ganz nahe an der ehemaligen
Ochsenbrücke. Woher kommt aber dieser eigenartige Name? Wir wissen, dass
Johannes Kastner (daher auch die ehemalige Inschrift über der Ladentür „J.
Kastner“!) 1880 das Anwesen Ecke Kreuz-Adlerstraße, früher Spitalstraße
597, käuflich erworben hat. Vorher hatte er aber eine dreijährige kaufmännische
Lehre bei der Malscher Firma Merkel, Tabak-Handlung und Fabrikation, erfolgreich
durchgemacht. Und da er der Sohn des Schwanen-Wirtes Johannes Baptist Kastner,
des „Schwanen-Hans“, und dessen Ehefrau Magdalena, geb. Rübel aus Oberweier
war, übertrugen die Malscher den Übernamen des Vaters halt auch auf dessen
Sohn, den Gründer des oben genannten Ladens. Da er der einzige Überlebende von elf Kindern aus der Schwanen-Hans-Ehe war, kann man diese
Namensübertragung ja gut verstehen.
Der Gründer Johannes Kastner (ca.
1900)
Ausschnitt aus alt. Postkarte Johannes
Kastner heiratete 1885 die Anna
Weishaupt. Und ab da führten die beiden das Geschäft gemeinsam, bis sie es
dann 1920 ihrem Sohn Hermann übergaben. Anna Weishaupt starb 1928, Johannes
Kastner erst 1937. Hermann
betrieb als neuer Firmeninhaber zusammen mit seiner Ehefrau Sofie, geb.
Hitscherich, des damaligen Lammwirts älteste Tochter, den Laden. Verkauft
wurden insbesondere sogenannte Aussteuerware (Bettzeug, Tischwäsche), aber auch
Schurzstoffe, Kleider- und Anzugsstoffe, Unterwäsche, Handarbeitswolle,
Krawatten, Taschentücher, Reißverschlüsse, Knöpfe und viel anderes
Kleinzeug, wie Nadeln, Garne u.dgl. Daneben wurden, wie ja früher in vielen Läden
üblich, wichtige Grundnahrungsmittel und sogar Rauchwaren angeboten. „Ladenschlusszeiten“
im heutigen Sinne gab es damals so gut wie nicht. Denn die Kundschaft, auch
solche droben vomGebirge, also besonders aus Freiolsheim und auch aus Völkersbach,
kam halt grad, wenn sie wollte oder etwas dringend brauchte, oft auch
„hintenherum“, auch abends oder auch sonntags. Ja es kam sogar vor, dass ein
junger Mann am Heiligen Abend noch schnell ein Weihnachtsgeschenk für seine
Braut suchte und auch fand.
1965: Sofie (1897-1992) und Hermann Kastner (1895-1974) Hermann
und Sofie Kastner gaben ihren Laden 1972 altershalber auf. s’Striggors
: „Es waren einmal zwei Brüder...“,
so könnte diese Erinnerung auch anfangen. Denn da gab es in Malsch Anfang des
letzten Jahrhunderts tatsächlich zwei Brüder, die miteinander einen
florierenden Handel mit Strickwaren aller Art betrieben, so von Haustür zu
Haustür, von Malsch aus bis weit
in die Acherner Gegend. Und dies waren der Bertold und der Georg Huck, im
Volksmund kurz nur s’Striggors genannt.
Irgendwann aber beschlossen die beiden, sich häuslich, also in festen Läden,
niederzulassen, der eine etwas außerhalb, der andere mehr in der Ortsmitte. Der
Sonder-Name s’Striggors blieb
aber an beiden, nämlich am Bertold wie auch am Georg, hängen. Mit ihm, dem Striggorschorsch,
wollen wir unsere Erinnerungen beginnen. Georg
war eng befreundet mit Emil Hornung, dem ehemaligen Mahlbergwirt und dem späteren
Erbauer des Gasthauses Rössel. Doch bevor er dort Wirt werden konnte, starb er
und hinterließ eine Frau mit den vier Töchtern Anna, Marie, Hedwig und Klara.
Auf dem Sterbebett, so erzählte man mir, habe er seinen Freund Georg Huck inständig
gebeten, sich nach seinem Tod doch um seine Familie zu kümmern. Und so heirate
später unser Georg die aus Schiftung stammende Witwe Emma Hornung, geb. Lorenz,
zusammen mit ihren vier Töchtern. So wurden aus den vier Hornung-Mädchen im
Volksmund halt bald auch vier Stricker-Mädchen.
Bilder aus alten Zeiten: s’Striggor-Briggl
und dä
Ladäeigong in dä Addlorstroß Wie
damals üblich, wurden im Laden viele alltägliche Nahrungsmittel (offen!)
verkauft. Der Schwerpunkt des Angebotes lag aber neben Kautabak (Schick!)
insbesondere bei Schaffschuhen, Holzschlappen, Wolle und vielen sonstigen Dingen
für den Alltag. Nach
Georgs Tod führte dann Mutter Emma den Laden mit Hilfe ihrer Töchter weiter,
übergab diesen dann später der Tochter Hedwig. Und Hedwig betrieb das Geschäft
zusammen mit Schwester Marie noch bis 1954 weiter. (Mutter Emma war schon 1945
gestorben.)
Hedwigs Helferin Marie Müller, geb.
Hornung Nach
1954 wurde dann der Betrieb durch die Firma Baumann noch weitergeführt. Und
schließlich richtete darin die Fa. Fertig bis in unsere Tage einen
Reinigungs-Salon ein. Nachtrag: Mit diesem „Nachtrag“ gebe ich weitere Zusatzinformationen. Fangen wir bei der letzten, bei der Hedwig, an. Sie ist ja die, an welche sich die meisten noch gut erinnern, stand sie doch lange Zeit im Laden. Sie war mit Sebastian Lang, dem Longä Baschdl, verheiratet und starb ja erst 1995 Die Marie hieß Müller, weil sie mit Karl Müller, ämmä Glunggor, verheiratet war. An sie erinnern sich auch noch viele Leute gut, half sie doch oft ihrer Schwester im Laden aus. Die dritte, die Anna, wurde von vielen auch sofort erkannt, war sie doch die Frau vum Wetzlbegg im Ewwordorf. An die vierte aber, die Klara, können sich die meisten nicht erinnern. Das hat einen ganz einfachen Grund. Sie war verheiratet mit Alois Balzer, dem Balzor Alwies, oinor vuns Herichs, und starb bei der Totgeburt ihres einzigen Kindes. Da kann man jetzt sicher auch verstehen, warum sie vielen Malschern so gut wie nicht mehr denkt.
Und
nun zu’s s’Striggorbertoldä.
Der Laden (um 1900) : Oben links:
Bertolds Frau Anna; unten links: Bertold Huck; unten Mitte: Töchter Luise und
Bertl Neben
den üblichen Grundnahrungsmittel verlegte Bertold aber den Schwerpunkt seines
Angebotes auf Kappen, Hüte, Krawatten und Schirme. Man kann dies gut erkennen
am Bild:
Blick in den Laden : Bertolds Frau
Maria Anna (+ 1944); Bertold (+ 1953); Tochter Luise (+ 1968) Nach Heimkehr aus dem Krieg führte dann Schwiegersohn Josef Kühn, gelernter Schneidermeister, zusammen mit seiner Frau Luise das Geschäft weiter, allerdings unter späterer Aufgabe des Lebensmittelbereiches. Dafür aber verlegte er sich mehr auf den Sektor „Bekleidung“. Ja bei ihm konnte man sich die feinsten Maßanzüge schneidern lassen. Ein Bild aus dieser Zeit zeigt die
beiden beim Bedienen einer jungen Kundin.
Josef und Luise Kühn, geb. Huck, in
„ihrem“ Laden ; ca. 1950 Später
wurde dann der Laden an einen Apotheker aus Karlsruhe verpachtet, bis dann der
Sohn der beiden, Gerald, selber darin eine Apotheke betrieb, und dies bis in
unsere Tage. Noch zwei Anmerkungen seien gestattet. Man sagte mir mehrfach, dass beide Hucks ganz streng auf peinlichste Sauberkeit in ihren Läden bedacht waren! Und die beiden Söhne der Kühns waren in ihrer Jugendzeit, wohin sie auch kamen, immer bloß s’Striggors ihnä Junge. s’Blechnormaxä: Bereits 1875 wurde om Uffgong zum Soubuggl von der damals noch ledigen Franziska Maier, oine vuns Maior-Michls, ein Laden eingerichtet, und zwar in dem heute noch existierenden dortigen Altbau. Kurz darauf kam ein junger Blechner und Installateur, Ferdinand Kunz (1851 - 1912), mit dem auf der „Walz“ erworbenen Meisterbrief wieder nach Malsch, sah die junge Frau, verliebte sich in sie - und schon drei Jahre später, also 1878, wurde dann auch geheiratet. Ab da finden wir in dem Anwesen nicht nur den Laden der Franziska, sondern auch ein gut gehendes Blechner- und Installationsgeschäft. Sohn August Max wurde vom Vater handwerklich ausgebildet und als Nachfolger herangezogen. Bald nach der Heirat von August Max Kunz (1894 - 1959) mit Veronika, geb. Lang (1897 - 1976), ein Nachbarmädchen, wurde neben dem Altbau ein modernes Gebäude mit Laden und Werkstatt errichtet. Warum der Gesamtbetrieb dann bei den Malschern allgemein nur s’Blechnormaxä genannt wurde, weiß heute kein Mensch mehr so richtig. Denn August Max Kunz wurde immer, so sagte man uns, mit seinem ersten Vornamen angesprochen. Der zweite, heute noch lebende Sohn der beiden erhielt die Taufnamen Max(imilian) August(inus). Dass er dann (immer noch) dä junge Blechnormax, genannt wird, ist ja für Malscher verständlich.
Doch zurück zur Ladenbetreiberin Veronika. Bei ihr konnte man alle möglichen Dinge für den Haushalt, aber auch allerlei Spielzeug für Kinder kaufen. Das Ladengeschäft wurde dann 1960 aus Altersgründen aufgegeben. Leider konnten wir weder Bilder vom frühen Laden im älteren Seitenbau des Anwesens, noch vom späteren Geschäft im Neubau, auch nicht von der langjährigen Inhaberin Veronika Kunz, geb. Lang, erhalten. s’ Schaibles: Offiziell
war das Geschäft bis in unsere Tage hinein nach dem Erbauer und Inhabers des
stattlichen Anwesens, nach OTTO
SCHAEUBLE benannt. Älteren Malschern denkt aber noch gut, dass der
Laden etwa bis zum Ende des ersten Weltkrieges in Malsch nur Beis Maischä hieß. Die Gründung geht nämlich zurück auf Josef Maisch, einen Malscher Bauernsohn. Von diesem wissen wir aber, dass er 1910 beim Anblick des brennenden Rathauses vor Angst und Schreck einen Herzschlag erlitten hat. Sein Sohn Josef heiratete später die aus Kuppenheim stammende Wirts- und Metzgertochter Berta Hertweck, starb aber bald darauf.
So heiratete die junge Witwe bald wieder, und zwar den schon genannten und auch aus Kuppenheim stammenden Otto Schäuble. Und da Otto sowohl gelernter Blechner als auch Einzelhandelskaufmann war, passte er ja gut in dieses Geschäft. Doch es war ihm halt einfach zu klein! Anfang 1930 errichtete er dann das heute noch stehende Geschäftshaus am Kirchplatz, für die damalige Zeit geradezu ein Monumentalbau. Seine Zielstrebigkeit war deutlich zu erkennen an dem über seinem Schreibtisch hängenden Spruch O scheue nicht den Morgen, der Müh’ und Arbeit gibt. Es ist so schön zu sorgen für Menschen, die man liebt. Die Familie Schäuble wurde aber - wie so viele andere auch - im 2. Weltkrieg hart getroffen, erst durch den Tod des ältesten Sohnes Heinrich in Stalingrad und später dann auch noch durch den bei einem Fliegerangriff auf Bruchsal verschütteten und umgekommenen zweiten Sohn Erich. Die Jüngste, Tochter Hildegard, führte dann, erst zusammen mit den Eltern und später auch mit ihrem Ehemann, das Geschäft weiter. Infolge einer schweren Behinderung musste sie dann das Geschäft vor einigen Jahren aufgeben. Hildegard Bertsch lebt heute in einem Pflegeheim in Mörsch, ganz in der Nähe ihres ebenfalls behinderten ältesten Sohnes, der, so gut es geht, sich um seine schwerkranke Mutter kümmert. Gott sei Dank aber hat sie noch eine Freundin, die sich auch um sie sorgt. Das einzige persönliche Bild, das wir bekommen konnten, zeigt die beiden bei der 70-er Feier des Schuljahrgangs 1926/27.
Beis
NIESä Lina: An die
Beschreibung dieses Ladens gehe ich mit ganz besonderer Freude heran, ist es
doch das Geschäft, in dem ich einen Großteil meiner Jugendzeit verbracht und
erlebt habe, aber ganz besonders auch, weil die Lina (1899-1974) ja unsere
Mutter war. Obwohl Vater Otto
(1900-1977) eigentlich der
“Chef“ war, wurde der Ladenbetrieb bei den Malscher Leuten so gut wie immer
nach der Lina benannt. Und das mit gutem Grund! Denn s i e und nicht ihr Ehemann Otto stand ja fast immer Laden Und nicht nur
im Laden! Ich denke jetzt spontan an die „Büchsenmaschine“ im Nebenraum.
Wieviele Dosen von ihr erst von Hand „abgeschnitten“ und später dann (gefüllt)
„zugemacht“ wurden, kann man nur erahnen! Und was da alles „in jener
Zeit“ sogar heimlich, meist bei Nacht, erledigt wurde, wissen auch nur
diejenigen Menschen, die damals genügend Mut besaßen, auch mal „schwarz“
zu metzeln und zu ihr auch viel Vertrauen hatten. Nur gut, dass Lina schweigen
konnte. Schweigen, wo einem der Mund manchmal mit Macht aufgehen wollte, war
Gott sei Dank eine besondere Stärke von ihr. Da half ihr oft ein besonderer
Grundsatz, indem sie, wenn nötig, unhörbar zu sich selber sagte : „Geschl,
halt dei Gosch!“
Lina´s Büchsenmaschine Doch
nun zu „ihrem“ Laden. Das Haus wurde 1900 erbaut. Mit Sicherheit wissen wir,
dass darin zeitweise die „Sparkasse“, später dann der „Pfannkuch“
untergebracht waren, ehe Schneidermeister Vinzenz Reichert das Anwesen kaufte
und seinen Sohn Wilhelm darin einen Lebensmittelladen
betreiben ließ. Von
Vinzenz Reichert erwarben dann unsere Eltern 1935 das Haus, nachdem Vater Otto
1933 die Meisterprüfung als
Elektroinstallateur abgelegt hatte. Und dies als gelernter Bauschlosser beim
Schlosser-Done! Otto war damit
der erste „Elektromeister“ in Malsch. Praktische Fertigkeiten hierzu erwarb
er sich in einigen Karlsruher Elektrofirmen, aber auch im „Gaswerk“ Malsch,
welches in der damaligen Frühzeit der jungen Elektro-Technik mit einem eigenen
Generator unser Dorf mit Strom, also nicht nur mit Gas, versorgte. Die
theoretischen Kenntnisse erwarb er sich mühselig durch längeren Besuch von
Wochenend-Kursen in Karlsruhe, und dies sogar oft mit dem Fahrrad. Das kann man
sich so heute gar nicht mehr
vorstellen.
Dieses
Haus lud unsere Eltern ja geradezu ein, darin auch ein Ladengeschäft zu eröffnen.
Die Konkurrenz sah dies damals aber gar nicht gern. Drum war der Anfang ja auch
nicht leicht. Otto (und nicht Lina!) musste daher erst noch eine Art Eignungsprüfung
vor der Handwerkskammer ablegen, und dabei nachweisen, dass er nicht nur von
„elektrischen“ Dingen etwas versteht, sondern auch in Sachen
„Haushaltwaren“ fachkundig anbieten kann und daher auch verkaufen darf. Den
Haushalt der Familie versorgte damals über viele Jahre Hildegard Föry, eine
treue und zuverlässige Hilfe, so dass sich Mutter Lina nicht auch noch
darum kümmern brauchte. Bald
waren die Anfangsschwierigkeiten überwunden, und das Geschäft lief gut.
Angeboten wurden in erster Linie natürlich Elektroartikel aller Art, von Glühbirnen
und Batterien über Bügeleisen und Zimmerlampen bis hin zu Staubsaugern, Kühlschränken
und Elektroherden. Aber auch sonst noch alles mögliche, was immer zum Führen
eines Haushaltes gebraucht wurde,
insbesondere alle Arten von Gscherr.
Otto
dagegen war oft draußen auf den Baustellen zu finden bei den Monteuren, aber
auch daheim in seinem kleinen Büro, um halt den nötigen Schreibkram zu
erledigen. Zeitweise waren in seinem Handwerksbetrieb bis zu 20 Leute beschäftigt. Da fanden sogar Männer wie
Karl Deubel (d’Biddlschell) und
Franz Buhlinger (dä Dullor)
auch in ihren alten Tagen noch Arbeit!
„Otto am Schreibtisch“ (1955) So ging das dann jahrelang
weiter, auch über die schwierige Kriegszeit hinweg. Was war das eine Freude,
wenn dann nach dem Krieg mal wieder genug Eindünstgläser eingetroffen waren,
oder wenn es Taschenlampen und Glühlampen und Batterien und so viel anderes,
jetzt auch ohne
„Bezugschein“, gab. Zwei
besondere Höhepunkte im Ablauf eines Jahres sollten aber doch noch kurz erwähnt
werden. In der Adventszeit, also vor
Weihnachten, musste so manches im Laden umgestellt werden. Denn da wurden vor
allem Spielwaren für Kinder angeboten.
Da war immer was los! Und nicht nur Kinder, sondern auch die Großen hatten ihre
Freude daran. Doch
am zweiten Weihnachtsfeiertag, am Stephanstag, wurde der Laden schon wieder
unter Mithilfe der ganzen Familie aus- und umgeräumt, denn Sylvester und Neujahr
standen ja gleich danach vor der Tür. Und das spezielle Angebot hierzu war groß,
von einfachen Schießblättle, Salzpropfor
unn Knall-Fresch bis hin zu den herrlichsten Raketen, also alles mögliche an Feuerwerkskörpern. Wir, die Familienangehörigen, können
dies alles noch so recht nachfühlen, waren wir doch oft in den Geschäftsbetrieb
mit eingebunden. Neben den im Büro zeitweise tätigen Frauen Maria, Anneliese
und ganz besonders Helga (bis zur Geschäftsafgabe) war Tochter Liesel besonders
mit der Buchhaltung betraut. Und da der als Vaters Nachfolger vorgesehene Sohn
Karl, wie so viele andere, aus dem Krieg (Stalingrad) nicht mehr heimgekommen
war, erlernte ich vor meinem Studium beim Vater erst einmal den Beruf des
Elektroinstallateurs, selbstverständlich mit Gesellenprüfung. Denn so konnte
auch ich damals meine „elektrischen“ Kenntnisse gut einbringen. Vor allem
aber hatte ich dabei gelernt, was „schaffen“ heißt. Auch meine Frau Hedwig war
oft im Einsatz, im Lager wie auch im Laden, besonders dann, wenn es der Mutter
mal nicht gut ging, was in ihrer letzten Zeit ja oft, fast regelmäßig der Fall
war. So hat halt alles seine Zeit, auch im Leben eines Menschen. Eines Tages musste Lina aus gesundheitlichen Gründen den Laden aufgeben. Das war so mitten der 60er Jahre. Und auch Otto übergab seinen Handwerksbetrieb, zwar etwas später, an einen von ihm in jungen Jahren ausgebildeten Elektromeister.
Lina und Otto in alten Tagen (ca. 1965) Was
aber immer bleiben wird, ist eine gute Erinnerung und ein Gefühl der
Dankbarkeit, nicht nur bei uns, den Angehörigen und den sechs Enkelkindern von
Otto und Lina, sondern auch bei vielen Malschern, wie man uns immer wieder sagt.
Frontansicht
des Hauses mit Laden
In
diesem Laden konnte man auch viele Dinge kaufen, vor allem aber Häfelchen (Häffele)
aller Art: Kochhäffä, Souhäffä, Mosthäffele, Millichhäffele,
Nochthäffele, Schmalzhäffele aber auch größere Gebilde aus Ton, sogenannte Stonnä,
zum längeren Aufbewahren von rohem Gemüse den Winter über. Über
so viele verschiedene Häffeles-Arten kam
dann der Betreiber Lorenz Strickfaden
zu seinem besonderen, sehr eigenartigen „Namen“. Er,
der Lorenz, bediente ja vor allem
die Tankstelle und die Reparaturwerkstätte für Fahrräder (siehe dort; Kap.
31.7). Im Laden aber betreute meistens seine Frau Stephanie zusammen mit Tochter
Liesel die Kundschaft.
Hochzeitsbild von Lorenz und Stephanie Strickfaden
(1920)
Blick in den alten Hof mit Misthaufen und Mistlachpumpe
(1946) Während
ich dies niederschreibe, kommt mir spontan ein Ausdruck in den Sinn, der mit dem
Thema „Häffele“, oberflächlich betrachtet, ja kaum was zu tun hat, nämlich das Wort „Haffäkäs“.
Oder vielleicht doch? Im
volkstümlichen Sprachgebrauch versteht
man darunter oft etwas Einfaches, nicht sehr Wertvolles, nichts Kostbares und
nichts Teures. Beim weiteren Nachdenken fand ich dann aber doch noch eine
sinnvolle, plausible Deutung: Früher
stellten die Landfrauen, wie unsere Mütter ja auch noch, manchmal einen Teil der frischen Milch in sogenannten Millichhäffälä
zum „Sauerwerden“ auf; so sagte man damals dazu. Der dabei gewonnene Rahm
wurde abgeschöpft und zum Kochen oder zum Butter-Plumbä
verwendet. Die restliche, saure Milch, sogenannte gstonnene Millich, ließ man „abtropfen“ und zu einem
ganz einfachen, aber guten und billigen Käse werden, dem sogenannten Bibbeleskäs.
Dieser war dann zwar nicht so kostbar wie z. B. Schweizer Käse, Camembert,
Maasdamer oder ähnliche Sorten. Aber er kostete ja so gut wie nichts, und man
hatte ihn fast immer zum Vespern (und auch für die jungen, grad ausgeschlüpften
Bibbele; daher auch der Name Bibbeleskäs!) zur Verfügung! Stimmt´s, Ihr
Frauen? Jetzt
wissen wir also, dass än Haffäkäs
an sich nichts Minderwertiges, sondern ebbäs
Guts gewesen und auch heute noch ist. So hat er also doch etwas mit unserem
Thema Häffele zu tun, weil er halt
erst über den Weg eines besonderen Häfelchens zum Bibbeleskäs werden konnte!
So hängt er, dä Haffäkäs,
zumindest sprachlich, doch mit unserem Häffele
etwas zusammen! Und wo habe ich so ein besonderes „Häffälä“ tatsächlich noch finden können? Ihr
werdets kaum glauben, aber bei den beiden Konrad Kunz in der Waldprechtsstraße
kann man ein solches auch heute noch finden und kaufen!
Käsehäfelchen
bei Konrad Kunz in Malsch
Die
Übergabe an Tochter Luise und deren Ehemann Karl Karcher erfolgte erst 1963,
kurz vor Lorenz Strickfadens Tod. Endgültig geschlossen wurde der Laden dann
1996.
Karl
Karcher und Ehefrau Liesel; letzte Betreiber des Ladens Bei
dä Haller Paula in
Waldprechtsweier Schade,
dass ich von der Paula Haller,
geborene Durm (1925), selber nichts mehr erfahren konnte, denn sie liegt zurzeit
schwer krank im Marienhaus und kann sich an nichts mehr erinnern. Da kommt mir mal wieder das Dichterwort in den
Sinn: „O frag’, solang du fragen kannst….“. Gott
sei Dank aber gibt es noch nahe Verwandte und auch Bekannte, die mir doch
einiges Erzählenswertes mitteilen konnten. So
sagte mir zum Beispiel ein damals junges Mädchen (namens Hedwig) aus der
Malscher Bahnhofsgegend, dass die Schulkinder, wenn ihnen die Paula auf dem
Schulweg begegnete, oft fröhlich gesungen haben: „Sturm, Sturm, Sturm, jetzt
kommt die Paula Durm!“ Und
so war sie ja auch, die Paula. Immer wieder wurde mir gesagt, dass sie nicht nur
lebhaft und lustig, sondern auch hilfsbereit, freundlich und fröhlich war,
nicht nur in ihrer Jugend beim damaligen BDM, sondern auch später beim
Turnverein, beim „Roten Kreuz“ und besonders in ihrem „Laden“ in
Waldprechtsweier .Gut, sie war ja eine tüchtige Geschäftsfrau, vergaß dabei
aber nie die Sorgen ihrer Kundschaft. So ist es doch nicht verwunderlich, dass
sie neben dem vielen Kleinkram, was unsere Frauen für den Haushalt und die Küche
täglich brauchten, auch manches andere, nicht ganz so notwendiges Zeug im
Angebot hatte. Den dafür notwendigen Raum richtete sie im Keller ihres Hauses
ein und nannte ihn sinnigerweise „Fundgrube“.
Dass sie nebenbei auch noch Avon-Beraterin war, passt gut zu ihr. Und dass sie
mit befreundeten Dorf-Frauen in der Fastnachtszeit mit einem Leiterwägelchen
singend und johlend und schlempelnd
durchs Dorf zog, denkt auch noch vielen. Sie bot ihrer Kundschaft sogar
Kuchen, besonders feine Torten, an. Diese kamen aus einer Ettlinger Konditorei über einen ihr vom Roten Kreuz
bekannten und in Malsch wohnenden Konditormeister zur damaligen Filialleiterin
der Sparkasse Malsch in Waldprechtsweier, Rita Harlacher. Von dieser wurden sie
dann in der Mittagspause zur Paula
in den Laden hoch gebracht. (So hat es mir die Rita neben manchem anderen
glaubhaft erzählt.)
Paula
(1980) bei der 55-er Feier ihres Jahrgangs beim fröhlichen Sackhüpfen
Klassenbild
von 1990 (65-er Feier; Paula auf dem Boden neben Elsa Grimm) Paula
am 70. Geburtstag; Gratulation durch Herrn Heck von der Spk. Malsch Ihren
Laden in der Talstraße betrieb Paula seit 1958 und gab dann das Geschäft1984
altershalber auf. Wir
wünschen ihr auf diesem Wege Alles Erdenklich Gute, vor allem aber, dass ihr
bald wieder eine noch lebenswerte und frohe Zeit beschieden sein wird.
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