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Aus der Chronik von Pfarrer Karl Riehle

 

Am Montag, dem 9. April. erfolgte in den Nachmittagsstunden wie­der ein Angriff. Diesmal brannten etwa zwölf Scheunen im Ortsteil „Neu­dörfchen“ nieder. Ein Mann wurde tödlich getroffen. In der Nacht vom Montag auf Dienstag setzte wieder Artilleriefeuer ein, das in vielen Häusern schwere Schäden verursachte. Menschenleben waren nicht zu beklagen. Alle brachten die Nacht in den Kellern zu.

In den Nachmittagsstunden des Dienstag, 10. April, gab es plötzlich ein Bombardement mit Splitterbomben. In unmittelbarer Nähe des Pfarr­hauses gingen welche nieder. Alle Fensterscheiben wurden demoliert, das Dach blieb gut, auch die Kirche kam gut davon. Eine Scheune brannte nieder. Die ganze Umgebung von Kirche und Pfarrhaus war in eine dichte Rauch- und Staubwolke gehüllt. Zwei Männer, drei Frauen und ein Kind mussten bei diesem Angriff ihr Leben lassen. Der Abend des Tages war unheimlich still. Vereinzelt hörte man aus dem Wald Artillerie- und Maschinengewehrfeuer. „Der Feind steht am Ortsein­gang“ von Freiolsheim und Völkersbach. In banger Erwartung wird der kommende Tag erwartet. „Malsch soll bis aufs Äußerste verteidigt wer­den“, das war geplant. Es wurde viel gebetet.

Mittwoch. den 11. April: Französische Soldaten bewegen sich vor­sichtig durch die Straßen. Es fällt kein Schuss. Der Volkssturm ist abge­rückt in Richtung Waldprechtsweier. Noch einmal fallen Bomben und fordern unter den Franzosen drei Menschenleben, man hatte noch kei­ne Information darüber, dass Malsch kampflos in französische Hände gefallen war. Nun wurden weiße Tücher auf den Boden gelegt. Malsch war nun besetzt. Kein Mensch wagte zu hoffen, dass alles so gut ablau­fen werde. War doch das Urteil gefällt: Auf der einen Seite sturmreif machen mit etwa 200 Flugzeugen. auf deutscher Seite: Artillerie-Trom­melfeuer. Der Schlachtenlenker über uns hatte einen anderen Plan. Ihm sei Lob und Dank!

In den Nachmittagsstunden kam es da und dort zu Plünderungen, besonders in Geschäftshäusern. Der reichliche Genuss von Wein war bei Soldaten und russischen Arbeitern und Arbeiterinnen von Einfluss. Aber auch ein Teil der Bevölkerung glaubte, die Gelegenheit ausnutzen zu dür­fen. Das Verhalten vieler war gar nicht schön, am wenigsten christlich. Mitbestimmend war schließlich die Tatsache, dass in letzter Zeit kaum Wein zu erhalten war, da 80% des Bestandes für die Wehrmacht beschlag­nahmt war, auch wurde überall mit der Abgabe der Restbestände zurück­gehalten. So machte sich die Unzufriedenheit durch Räubereien Luft.

Die französischen Soldaten kamen als Eroberer und als Rächer für die von der deutschen SS in Frankreich begangenen Gräueltaten. Es waren lauter junge Freiwillige, doch die allermeisten hielten sich in der Gewalt und erklärten, doch nicht so grausam handeln zu wollen wie die Deutsche SS; sie seien als Franzosen vornehmer und katholisch. Fast alle trugen eine Medaille bei sich. Gegenüber der Geistlichkeit waren alle nobel. In der Kirche, die in zwei Nächten nicht geschlossen wurde, war alles intakt geblieben. Exzesse sind in einzelnen Häusern wohl vor­gekommen. was sehr zu bedauern war. Doch im Allgemeinen ging die Besetzung des Dorfes Malsch in Ordnung vor sich. Wesentlichen Anteil an dem günstigen Verlauf hatten die beiden elsässischen Lehrer Hptl. Charton und Rektor Schneider, auch einige franz. Kriegsgefangene, die hier seit Jahren untergebracht waren und eine gute Behandlung erfah­ren hatten, zeigten sich recht dankbar.