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38. Ehemalige Malscher Geschäfte

Metzgereien  

Auch hier gilt wieder, dass wir unter „ALT“ nur solche Betriebe meinen, die auch schon vor dem 2. Weltkrieges existierten. Über „jüngere“, erst danach gegründete Geschäfte wird also hier (noch) nicht berichtet werden.

Bei „Metzgereien“ erkennen wir rückblickend drei verschiedene „Arten“:

Metzgereien nur mit Ladenbetrieb, ohne Wirtschaft, also richtige Metzlä,

Metzgereien zusammen mit einer Wirtschaft betrieben,

und, nicht zu vergessen, die vielen Hausmetzger.

Eine saubere Trennung wird nicht immer möglich sein, haben sich doch bei einigen im Laufe ihrer Geschichte  die Verhältnisse geändert, wie zum Beispiel bei’s Sternenwirts, die ja schon in unserer Jugendzeit längst nicht mehr uffm Sternä  waren, und dennoch auch als „Nur“-Metzger immer noch  s’Sternäwirts genannt wurden. (Gell, euch alten Malschern denkt das sicher auch noch!) Da diese Metzgerei in Malsch nachweislich schon seit 1785 als solche geführt wird, wollen wir auch mit ihr als dem uns ältesten bekannten Metzger-Betrieb beginnen.

 

s’Kastnormetzgors : Der Urahn der nunmehr schon über neun Generationen bestehenden Metzgerfamilie Kastner hieß Johann Adam. Er war es, der das Gasthaus Sternen von seinem
Vater Isaias nicht nur übernommen, sondern in dem Anwesen auch ein Schlachthaus mit allem „drum und dran“ eingerichtet hat. Und dies 1785 !  Seit dort wurde die Wirtschaft samt Metzgerei  immer wieder von einem Sohn weitergeführt, bis, ja bis im Jahre 1889 Josef Wilhelm aus gesundheitlichen Gründen den Wirtschafts-Betrieb nicht mehr weiterführen konnte, den  „Sternen“ also aufgab, dafür aber weiter unten in der Hauptstraße ein neues Wohnhaus mit einer Metzgerei erbauen ließ. Und seit dort sind die „Sternenwirts“ halt in dem heute noch existierenden Metzgerladen, zwischen s’Arnoldä und dem früheren Gasthaus Rössl, tätig.

Der uns Älteren noch gut bekannte Großvater Eugen des jetzigen, den Betrieb führenden Kastners, Metzgermeister Andreas, hatte bereits 1936 seinen Betrieb erheblich modernisiert. Und Edwin Kastner war es schließlich, der nach der Übernahme des Betriebes 1958 zusammen mit seiner Frau Anita, einer Metzger- und Wirtstochter aus Sandweier, seinen Wohn- und Geschäftsbereich schließlich 1972 in die Adolf-Kolping-Straße verlegte, ohne aber den Laden in der Hauptstraße aufzugeben. 

Ein echter Familienbetrieb seit vielen Generationen!

   

 

 Eugen und Josef Wilhelm 
(der „letzte“ Kastner-Sternenwirt)
 vor ihrer Metzl;  ca. 1915  

 

 

Familienbild.
Hinten Mitte : Maria und Eugen Kastner
vorne Mitte   Die beiden Söhne Ludwig und Edwin; ca. 1935  

Edwin mit Frau Anita und Mutter Maria; 
ca. 1955   mit Gehilfe Toni Hofmann  

 

Edwin Kastner mit Gehilfe und Schlachtkuh  

 


 

s’Metzgorbertholdä : Der Familienname dieser alten Malscher Metzgersippe hieß Hitscherich. Das frühere Metzger-Lädchen befindet sich (heute noch fast unversehrt) in der Hauptstraße 40. Das alte Schlachthaus musste inzwischen aber einer Modernisierung weichen.

(Über die „Hitscherichs“ wird sicher noch viel zu erzählen sein, vor allem, wenn es demnächst um unsere alten Malscher Wirtschaften gehen wird. Doch darüber später mehr.)

Den Namen s’Metzgorbertholdä verdanken wir dem Metzgermeister Berthold Hitscherich, der in dem genannten Anwesen eine Metzl samt Schlacht- und Kühlhaus betrieb, sich aber, wie fast alle Metzgerei-Inhaber in früheren Zeiten, als Hausmetzger nebenbei noch etwas dazuverdiente. Berthold lebte von 1835 bis 1905 und übergab zu geeigneter Zeit seinem Sohn Franz den Laden mit allem, was dazugehörte. Leider starb Franz schon 1920, so dass die Witwe Klara den Betrieb schließen musste. Denn deren Sohn August war damals ja erst sechs Jahre alt. Doch das „Metzeln“ lag dem August halt auch im Blut. Und so wollte er, der Tradition folgend, nach Heimkehr aus dem 2. Weltkrieg da unten in der Hauptstraße wieder eine Metzgerei einrichten, was ihm aber wegen interner Schwierigkeiten nicht möglich war. Und deswegen wurde er erst etwas später dann aber doch noch Besitzer einer Metzgerei, nämlich im Lamm. Doch darüber  später noch etwas mehr.

   

d’ ald Metzl  

 

Der Gründer der Metzgorbertholdä
Berthold Hitscherich , ca. 1885  

 

Franz und Klara Hitscherich, geb. Zimmer ,  1896  

Familienbild 1903 :
hinten : Bertholds Frau Elisabeth, geb. Speck  /  Berthold  /  Sohn Franz
davor : Klara, Ehefrau von Franz  mit Töchtern Flora / Theresia / Elisabeth

 


 

dä Metzgorwürth : Mitten im Dorf, ganz nahe bei der alten Eintrachtbrücke, war das kleine Geschäft angesiedelt. Ob sich schon vor den Würths dort eine Metzgerei befand, konnte nicht geklärt werden. Der „alte“ Hermann Würth, in Stühlingen 1875 geboren, kam vermutlich während seiner Gesellenwanderschaft nach Malsch, bekam als Geselle dann auch Arbeit bei’s Metzgerkastners, lernte die Hermine Klee aus Ettlingen kennen, heiratete sie auch, wurde aber  von Beginn bis zum Ende des des 1. Weltkrieges Soldat.

 

Der junge Geselle und der alte Hermann Würth
ca. 1900

1950

Hermine und Hermann Würth mit dem  siebenjährigen Paul ; 1916

 

Gleich danach machte er sich selbständig und begann sein Geschäft, wie schon gesagt, nahe bei der Eintrachtbrücke. Adoptivsohn Paul, 1909 geboren, lernte bei seinem Vater das Metzgerhandwerk und übernahm nach Krieg und Gefangenschaft 1948 den Metzgerbetrieb samt Ladengeschäft. Vater Hermann starb 1954, die Mutter Hermine 1964. 1960 heiratete Paul nach dem Tod seiner ersten Frau die aus Ungarn stammende Käthe Taller, die lange Zeit, bis zum Ende der Metzgerei, sowohl den Laden wie auch Schwiegermutter Hermine und ihren Paul, aber auch die Kundschaft gut versorgte. Da keiner von seinen insgesamt vier Söhnen das Metzgerhandwerk erlernt hatte, wurde die Metzgerei samt Laden 1970, krankheitsbedingt, geschlossen. Paul starb 1985. 

 

Käthe und Paul Würth; 1960

Paul im Laden an seinem 6o. Geburtstag; 1969

               

   


 

dä Metzgorschmid : Älteren Malschern auch bekannt als dä Schmid-Otto uffm Spidalbuggl. Diese Metzgerei befand sich (auch noch lange nach ihm)  neben dem Theresienhaus. Otto kam aus dem Raum Freudenstadt, aus Flühen, vermutlich in den Jahren seiner Gesellenwanderschaft auch nach Malsch, wo er die Lina Gräfinger, seine spätere Ehefrau, kennenlernte und heiratete. Der dann gegründete Metzgerbetrieb geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg zurück. 1947 übergab er dann die Metzgerei samt Laden dem gerade aus englischer Gefangenschaft heimgekehrten Metzgermeister Hermann Zimmer, einem Sohn des damaligen Ortsbaumeisters Josef Zimmer. Und ab da hieß der Laden ganz allgemein bloß bei’s Zimmormetzgors. Hermann betrieb dann das Geschäft zusammen mit seiner aus Ettenheim stammenden Ehefrau Margarethe . Die beiden hatten sich schon vor dem Krieg in einer Karlsruher Großschlächterei kennengelernt und anlässlich eines Heimaturlaubes von Hermann 1940 dann auch geheiratet. Nach einigen Jahren in Miete erwarben die beiden dann das Anwesen und bauten es nach und nach um, machten es also zu einem modernen Betrieb, wobei der alte Otto aber mit seiner Frau bis zu beider Lebensende im Haus wohnen bleiben konnten.

Erst 1971 übergaben dann die Zimmers den Betrieb an ihre Tochter Erna und deren Ehemann, den Metzgermeister Karl Flassak. Nach fast 20 Jahren weiterer erfolgreicher Tätigkeit wurde dann der Betrieb altershalber 1989 endgültig geschlossen.

Hermann Zimmer, geboren 1913, starb 1974, seine 1915 geborene Frau Margarethe erst 2002.

 

Otto   und    Lina Schmid  ; ca 1945

Hermann   und    Margarethe  Zimmer : ca. 1940

Der alte Laden in der Muggensturmer Straße  ;  ca. 1948

 


       

s’Kühnämetzgors : Der Gründer Konrad Kühn kam aus Waldprechtsweier und erlernte das Metzgerhandwerk beim „letzten Sternenwirt“-Metzger Josef Wilhelm Kastner, Edwin Kastners Großvater. Etwa 1930 erbaute er dann zusammen mit seiner Frau Eliese, geborene Maisch, ein Geschäftshaus Ecke Friedrich-Fasanenstraße und machte sich ab da selbständig. Seine beiden Söhne Kurt und Konrad wurden ebenfalls selbständige Metzger, Kurt im Neudörfel und Konrad etwas später im elterlichen Betrieb. Während des zweiten Weltkrieges war Konrad senior wie so viele andere auch Soldat, so dass der Betrieb lange eingestellt werden musste. Nach Kriegsende aber florierte das Geschäft  wieder, wobei die Hausschlachterei zusätzlich viel Arbeit mit sich brachte.

Leider starben die Kühns recht früh, Vater Konrad  1979, Sohn Kurt 1987 und Sohn Konrad 1994.

 

Der Lehrmeister Josef Wilhelm Kastner und sein Geselle Konrad Kühn; ca 1930

Die Metzgerei; davor: Konrad Kühn mit den Töchtern Johanna und Gisela; ca 1932

Familie Kühn; ca. 1943

Die Gesellen Kurt Kühn und Albert Oberle ; ca 1951

 


Wir kommen nun zur zweiten Gruppe : Metzgereien zusammen mit einer Wirtschaft betrieben.

 

s’Metzgor-Bouors im Addlor : Wie lange die Bauers „auf dem Adler“ waren, beziehungsweise, ob und wer vor ihnen dort schon war, konnte ich leider nicht erfahren.. Mit Sicherheit aber wissen wir, dass sie, Hermann  Bauer und seine Ehefrau Frieda, geb. Bohnert, schon lange vor den dreißiger Jahren, vermutlich schon vor dem ersten Weltkrieg, sowohl die Wirtschaft wie auch die angeschlossene Metzgerei samt Schlachthaus betrieben haben. Nachfolger auf der Wirtschaft wie auch auf der Metzl  waren dann so um etwa 1931 herum über zwei Jahre lang  Markus Heck mit seiner  Frau Rosa, geb. Ochs, ehe die Bauers aus Sandweier wieder „heimkehrten“, um den Adler noch einmal zu übernehmen. Dann bewirtschaftete Eugen Harlacher sen., der vorher uffm Sternä war, ab 1936/37 den Adler über viele Jahre hinweg zusammen mit seiner Frau Lina, geb. Engelhard Doch davon später mehr. Und noch etwas wissen wir sicher : Von den zwei Kindern der Bauers blieb nur eines in Malsch „hängen“: Des Albert Kohlbeckers Ehefrau Maria. Das folgende Bild zeigt daher neben den Eheleuten Bauer auch deren Enkelkinder Kurt und Irmgard Kohlbecker.

 

  Hermann Bauer mit Frau Frieda, Enkelkindern Irmgard und Kurt

 

Anzumerken wäre noch, dass drei Schwestern von Fieda Bauer auch nach Malsch eingeheiratet haben, Emma Melcher (vunns Beggä) , Rosa Faber und Eliese Reck. Diese drei Frauen denken sicher auch noch vielen alten Malschern.

 

s’Ochsäwirts mit ihnorä Metzl : Mir denken vor allem noch zwei Besitzer beziehungsweise Betreiber : dä Ludwig Jordan mit seinorä Frau Sophie, geborene Balzor, ä Dochdor vum aldä  Herichsweis, (siehe Bild : Sofie auf der Ochsenstaffel) und später dann dä Adam Knauber unn sei Frau Katharina , geborene Fritsch, von uns (damals noch) jungen Buben bloß Käthor genannt. Das waren noch Zeiten, wo ein richtiges Vesper nach der Singstunde, oft ein  ganzer Ring heiße Fleischwurst, viel wert war. Den Krieg über war die Wirtschaft samt Metzl lange Zeit zu. Da das Theresienhaus in jener Zeit für militärischen Zwecke genutzt wurde, diente der „Ochsen“ damals auch zum Abhalten von sogenannten Jugendstunden, halt „illegalen“, also geheimen Treffen katholischer Jugendlicher zusammen mit Kaplänen aus jener Zeit. Und wer denkt jetzt nicht spontan an Kaplan Mangold !! Also auch dafür „durfte“ der Ochsen damals herhalten.

  Sofie auf der Ochsenstaffel

 

 

Nach den Knaubers übernahm dann den Ochsen samt Metzgerei Norbert Nägele, zusammen mit seiner Frau, allerdings nicht für lange Zeit. Denn schon bald darauf wurde das gesamte  Ochsen-Areal an die Volksbank Ettlingen verkauft. Und seit dort, also 1968/69, befindet sich an gleichem Platz eine Bank, nämlich die Volksbank Ettlingen, Filiale Malsch.

 

 Adam und Katharina Knauber

 

Käthor lebt heute noch, 92-jährig, bei ihrem Sohn Albert in Mörsch.

  

s’Lommwirts und ihnä Metzl : Seit Menschengedenken schon war das „Lamm“ eine Wirtschaft mit angeschlossenener Metzgerei! Mit dem „Lamm“ ist der Name „Hitscherich“ seit eh und je verbunden, zwar verschiedene „Hitscherich“, die jedoch aber nah miteinnander verwandt waren.   

Wir wissen, dass der alte Metzger-Berthold das Gasthaus Lamm erwarb, um darin für seinen Sohn Florian, also des Franz Hitscherichs Bruder, auch eine Metzl einzurichten.

Florian starb 1927. Trotzdem gab seine Frau Frieda, zusammen mit den Töchtern Barbara und Amelie die Wirtschaft wie auch den Metzgerladen erst 1931 auf. In der männerlosen Zwischenzeit half den dreien im Schlachthaus nämlich der Metzger Otto Schmid vom Spitalbuckel  aus.

Das Lamm war damals nicht nur ein besonders von Schullehrern besuchtes Ess-Lokal, sondern auch eine beliebte Hochzeits-Wirtschaft.

 

  Die alten Lammwirts  Florian und Frieda Hitscherich

 

Nach 1931 übernahmen dann die vom Mahlberg kommenden Staigers, zusammen mit den Töchtern Martha und Emilie, bis etwa 1937, das Lamm.

Auf diese folgte dann bis Kriegsausbruch  August Balzer, ein Sohn vom Herichs-Rot. Dieser ist wie so viele andere im Krieg gefallen.

In dieser Zeit wurde auch ein Teil des Hauses als Schlafquartier für französische Kriegsgefangene genutzt.    

Erst 1947 übernahmen dann August Hitscherich und seine Frau Maria, auf Anraten des damaligen Bürgermeisters Franz Karl Kastner, das total heruntergewirtschaftete Anwesen. Sie mussten also alles total neu einrichten.

1974/75 übergaben sie dann die gut gehende Wirtschaft ihrem Sohn Ernst, dem heutigen Lammwirt.

                     

 

August, Maria und Helmut Hitscherich  

Außer den gerade beschriebenen drei Wirtschafts-Metzgereien haben aber auch fast alle anderen Wirte von Malsch zumindest für den Eigenbedarf in ihrer Wirtschaft gmetzlt, denn die meisten von ihnen waren ja auch „Metzger“. Denken wir jetzt besonders on dä Lindäwirt, dä Kronäwirt, dä Löwäwirt, dä Eitrachtwirt unn ons Hirschwirts, awwor au on dä  alde Feschhalläwirt Zimmor Luie,obwohl er selber nicht gmetzlt hat, aber sich halt metzlä hat lassä.. Bei diesen (und einigen anderen auch)  konnte man immer dann, wenn gerade gmetzlt war, auch  „über die Straße“, vor allem Hausmacherwurst kaufen. Und die war immer  g u u d

Und nun zur dritten Gruppe : Unsere Hausmetzger 

Für die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch- und Wurstwaren, besonders die Wintermonate über, sorgten aber auch neben den schon genannten „offiiziellen“ Metzgern die vielen, vielen Hausmetzger in unserer Gemeinde. Stellvertretend will ich hier nur einige, uns noch sehr gut denkende Metzger nennen :

Bader Paul, Balzer Johann (än Herichsweis), Balzer Willi, Bornhauser Eugen, Fritsch Walter, Hofmann Toni, Kraft Josef, Kunz Karl, Kunz Bruno, Michls Fred, Oberle Albert, Reichert Georg (dä Bierwirtschorsch), Zimmer Dieter, und sicher noch einige mehr.

 

Haben Sie noch Bilder von den Genannten? Bitte geben Sie uns diese für einen eventuellen „Bild“-Nachtrag. Denn einen solchen hätten die Aufgezählten wie auch die bei der obigen Namensliste wahrscheinlich doch noch Vergessenen  sicher auch verdient.


 Unsere Hausmetzger

 

Als Reaktion auf unsere obengenannte Bitte  haben wir erfreulicherweise Bilder einer Hausschlachtung erhalten, die es wert sind, unserer Bevölkerung gezeigt zu werden. So ging es früher bei einem Schlachtfest immer zu, auch beim Hermann Glastetter (Babbsack), den ich in der Aufzählung unserer Hausmetzger ja vergessen hatte.

Der Hausmetzger in den folgenden (fast kommentarlosen) Bildern ist der uns sicher noch gut bekannte Willi Balzer, ein Enkel vum Herichsrot:

 

 

Erst kommt „sie“

dann kommt er ..

dann ist’s um „sie“ geschehen ...

dann wird „sie“ gebadet und enthaart ..

aufgehängt und enthauptet ...

von Willi aufgeschnitten ...

die Innereien sorgfältig entnommen ...

die Sau geteilt ...

und gewartet bis „er“ kommt ...

der Fleischbeschauer Theodor Muck.

Erst dann wird gewurstelt und ...

weitergeschafft .

bis zum guten Ende.


Dä Wurstmichl  unn  sei Berta aus Waldprechtsweier 

Diesen besonderen „Titel“ haben sich die beiden redlich verdient. Mit bürgerlichem Namen hießen sie Michael und Berta Strickfaden. Ihren Übernamen haben sie in der Zeit um 1929 herum erhalten. Wie dies damals passiert ist, habe ich aus zuverlässiger Quelle erfahren, nämlich von Robert, dem  Sohn der beiden. So will ich ihn im Folgenden auch selber erzählen lassen. Robert berichtet uns aus dem Leben seiner Eltern: 

 

Der Erzähler Robert Strickfaden und Ehefrau Christa 

„Damals war unsere Mutter Berta bei der Metzgerei Schempp in Rastatt in Stellung, und der Vater Michael arbeitete im Dianawerk in Rastatt. Michael war auch Vorstand des Gesangvereins „Einigkeit“. Und als solcher war er besonders bei Vereinsfesten fast für alles zuständig. So veranstaltete 1929 sein Verein mal wieder ein Gartenfest. Und da seine Frau ja in einer Metzgerei beschäftigt war, war es für die beiden ein Leichtes, für das leibliche Wohl der Sänger und Gäste zu sorgen. Denn Michael fuhr täglich mit seinem Motorrad und mit einem großen Rucksack auf dem Buckel nach Rastatt. So brachten sie auch Würste aller Art für die Fest-Gäste herbei. Hatten sie zuviel eingekauft? Denn am Ende war doch noch einiges übrig geblieben. Also heim damit; und die nächsten Tage den Rest über die Straße verkauft. Den Menschen schmeckte dies anscheinend so gut, so dass Michael und Berta bald darauf einen provisorischen Laden einrichteten und dann regelmäßig Wurstwaren anboten, immer mit dem Motorrad und im Rucksack herbeigeschafft.

Bei den Menschen in Waldprechtsweier hießen sie ab da dann nur noch 

 

Dä Wurstmichl unn sei Wurstberta
(1900 – 1982)             (1900 – 2003) 

Zur damaligen Zeit gab es auf dem Land zwar kühle Keller, aber keine Kühlschränke. Also musste eine Kühlmöglichkeit her. Und da die beiden auch bald Getränke, besonders Bier, anboten, wurde mit dem Bier auch Stangeneis geliefert. Dieses sorgte dann auch für die Kühlung der Wurstwaren! Das Eis war in einer großen speziellen Kiste im Keller gelagert. Und der Schrank im Laden musste regelmäßig mit frischem Eis nachgefüttert und das Schmelzwasser immer wieder abgelassen werden. Das Geschäft florierte, die Leute hockten manchmal schon auf der Ladentreppe und warteten auf gutes, frisches Vesper und kühle Getränke. 

 

Blick in den Hof des damaligen Hauses 

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 hat sich dann doch einiges geändert. Es genügte nicht mehr, den alten Eisschrank weiter zu betreiben. Ein großer viertüriger elektrischer Kühlschrank musste her, geliefert von der Elektrofirma Otto Nies aus Malsch.

Zu dieser Zeit betrieb die Wurstberta auch die Milchzentrale. Dadurch wurde dann der Ladenverkauf noch erweitert für Milch, Molkereiprodukte und Süßigkeiten, aber auch für Getränke aller Art.

Bis 1953 sorgte Michael soweit wie möglich noch per Motorrad selber für Nachschub. Danach wurden die Waren immer angeliefert.

Mit abnehmendem wirtschaftlichem Erfolg und aus altersbedingten Gründen gaben dä Wurstmichl unn sei Berta ihren Laden 1970 dann auf.“

    

Michael (1977)  und   Berta  (2001) mit Sohn Heinz und Tochter Inge