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Die
Mesusa: Das Zeichen an der Tür
Von
dem Schicksal eines Malscher „Judenhauses“ sowie von
gutnachbarschaftlichen Beziehungen
Als Kind war
ich sehr oft bei meinen Großeltern welche in der Richard Wagner Straße
No. 19 wohnten. Das war um das Jahr 1937. Durch den Hof konnte man damals
noch zur Adlerstraße kommen.
Unmittelbar an
das großelterliche Anwesen war das Haus von „Bertale„ und „Löb“
Maier, dem Viehhändler angebaut.
Meine
Großeltern bezogen damals regelmäßig die „Badische Presse“ und es
war für mich nichts außergewöhnliches, dass sie mich, nachdem sie das
Blatt gelesen hatten, damit zu den Nachbarn schickten. „Komm Bub, bring
die Zeitung zum Löb“ hieß es dann und ich lief gerne hinüber, bekam
ich doch meist von den beiden ein Stück Berches (= ähnlich dem Weisbrot)
oder auch Matzen (= flaches Fladenbrot) dafür. Sie hatten ein gutes
nachbarschaftliches Verhältnis was in Malsch nichts Außergewöhnliches
war.

Eines der
zahlreichen „Judenhäuser“ von Malsch.
Man wusste, dass die Juden zu dieser Zeit keine Zeitung
beziehen konnten und so sorgten meine Großeltern auf diesem Weg dafür,
dass die jüdische Nachbarschaft doch einigermaßen auf dem Laufenden war
zumal die „Badische Presse“ damals noch nicht gleichgeschaltet war und
eher dem „Zentrum“ nahe stand.
Neugierig wie alle Kinder war mir damals schon aufgefallen, dass an allen
Türen, ob es sich nun um das Wohnhaus, den Stall oder den Keller
handelte, eine Kapsel, eine Handbreite lang, angebracht war, deren Sinn
sich mir aber nicht erschloss und zum Fragen kam ich nicht...
Später war ich Zeuge als in der Zeit einer gottlosen
Herrschaft, die Familie Maier ihr Haus verlassen musste; damals konnte ich
nicht ahnen, dass eben dieses Haus einmal mein Elternhaus werden sollte
Die beiden Alten wurden, wie die meisten Malscher jüdischen Glaubens nach
Gurs in Südfrankreich verbracht. Der alte Löb ist dort, fern seiner
Heimat, gestorben; „Bertale“ seine Frau, konnte mit Hilfe ihres
Bruders Friedrich, der in Amerika lebte, zu diesem ausreisen.
Unmittelbar nach Kriegsende
entwickelte sich zwischen den ehemaligen Nachbarn ein reger Briefwechsel.
Zahlreiche Briefe wechselten zwischen Malsch und Amerika.
Es war einem
glücklichen Umstand zu verdanken, dass meine Eltern dieses Malscher
Judenhaus und weitere Grundstücke erwerben konnten. Das war am 13.
Dezember 1950.
Als
in der folgenden Jahren das Haus umgebaut wurde, hat man auf die Zeichen
an den Wänden wenig Acht gehabt und ein Teil ging verloren jedoch hat
sich am Kellergewand eine, aus dem Stein herausgehauene Vertiefung bis
heute noch erhalten.
„Du
sollst die Worte, die ich Dir heute sage, schreiben an die Pfosten deines
Hauses und an Deine Türe“(5. Moses 6,9 und 11,20)
Die
Vertiefung, in welcher eine Kapsel mit beschriebener Pergamentrolle
eingelassen war.
Diese Worte,
geschrieben auf einem Pergament, dürften also auch hier, in einer Kapsel
verwahrt, im Stein eingelassen gewesen sein.
Zum Ursprung
dieses Zeichens lesen wir in der Bibel, im Alten Testament im Buch Exodus,
12. Kapitel vom Auszug der Israeliten aus ägyptischer Gefangenschaft in
das versprochene Land.
Danach gebot
der Herr ihnen ein Lamm zu schlachten, und mit dem Blut die Türpfosten zu
streichen. In der Nacht würde der Vorübergang sein. Dort wo dieses
Zeichen nicht angebracht ist, wird der Erstgeborene, gleich ob Mensch oder
Tier geschlagen werden. Dem jüdischen Kalender nach geschah dieses vor
nunmehr 5768 Jahren.
Wie mir ein
Rabiner versicherte, wird auch heute noch dort wo Menschen jüdischen
Glaubens leben die Mesusa in den Wohnungen angebracht.
Wer
interessiert ist, dieses Zeichen einmal in Augenschein zu nehmen, darf
sich gerne an mich wenden.
Eugen
Heinzler (07246) 8589
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