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Ehemalige
Malscher Geschäfte
1.
Lebensmittel-Läden (unn
Lädle)
Wenn
man sich heute, also 2005, mit diesem Thema beschäftigt, dann wird man
sich erst so recht bewusst, wie des
frior als gwä isch bei uns in Malsch. Mänsch hadds
do än Houfä Lädä gewwä,
die heit faschd alle nimme exischdierä dän! Bevor
wir über diese nun etwas erzählen,
wollen wir erst ein bisschen darüber nachdenken, warum mir
soviele kloine Lädle au broucht hänn..
Erinnern
wir uns noch, warum es bei uns auf dem Dorf vormittags äm Elfe und nachmittags äm
Viere, zumindest den Sommer über, gliddä
hat? Das war doch ein unüberhörbares Signal für die Hausfrauen,
jetzt aber schleunigst heim zu gehen, um das Mittagessen beziehungsweise
abends das Vesper herzurichten. Und wenn dann noch irgend etwas
einzukaufen war, dann sind die Frauen recht froh gewesen, wenn die Wege
zum nächsten Laden nicht lang waren. Viele wichtige Nahrungsmittel, also
Kartoffeln, Mehl, in Stannen eingemachte Gemüse wie Bohnen, Sauerkraut, Rüben,
auch Salzfleisch, vor allem aber Schmalz, waren ja fast immer im Keller
vorhanden. Trotzdem musste doch
oft noch so manche Kleinigkeit schnell eingekauft werden. Und da waren
kurze Wege Gold, sprich Zeit wert. Also wurden auch in allen Teilen des
Dorfes Läden gebraucht. Daher kommt es halt, dass es bei uns viele
solcher, wenn auch oft kleiner Läden gab. Diese
wollen wir nun ein wenig näher betrachten. Wir nennen zunächst
ihren (damaligen) Namen in Mundart, und dann erst die „richtigen“
Namen der Besitzer bzw. Inhaber.
Fangen
wir von Westen her kommend an:
s’Kiehnä
Elsa
: Bedient wurden die Menschen von
Elsa Balzer, geborene Kühn, anfangs aber auch von ihrer
Schwester Klara Fauth. Die beiden waren Töchter des Schlossermeisters
Emil Kühn, vom Maläschdä,
wie er bei uns allgemein genannt wurde. Der Laden befand sich in der
Hauptstraße, heute Sézanner Straße, gegenüber der Sturmstraße. Weiter
draußen gab es damals keinen weiteren Lebensmittelladen mehr. Deshalb hat
man bei ihr auch so gut wie alles fer’d
Kiche einkaufen können.
d’Klärlä :
Die Inhaber hießen Florian und Klara Kraft, geborene Nies. Der Laden
befand sich im Neudörfel, nahe der früheren Festhalle. Allein schon aus
dem Laden-Namen geht ja hervor, wer darin meistens tätig war. Dä Flore war halt mehr im Lager, im „Magazin“ beschäftigt.
Bei dä Klärlä
hat es sogar „Kolonialwaren“
gegeben; so stand es ganz groß über den beiden Schaufenstern. Mir denkt
dies noch sehr gut, weil ich in diesem Haus ja geboren bin. Und etwas
anderes denkt mir auch noch sehr gut: nämlich die guten Fische aus ganz
großen Blechdosen, vor allem Rollmöpse, Bismarckheringe und ganz
besonders die Bratheringe mit der feinen Haut!
Der
Laden war von 1927 noch bis 1961 in Betrieb.
Kolonialwaren
Florian Kraft
d’Maddäise : Die
Inhaberin hieß Franziska Lorenz. Ihr Laden war nicht groß. Sie bot halt
vor allem die wichtigsten Lebensmittel zum Kauf an. Der Laden befand sich
dort, wo später die „Genossenschaft“
ihr Lager in der Richard-Wagner-Straße einrichtete. Ihr Ehemann
Valentin betrieb im gleichen Anwesen eine gut gehende Schlosserei.
Franziska war, so wird mir heute noch erzählt, eine herzensgute Frau, vor
allem den Kindern der Umgebung gegenüber. Denn die bekamen von ihr so
manches geschenkt, allerdings nur, wenn sie auch „anständig“ waren.
So erzählte mir zum Beispiel Leopold Kassel, dä
Kassls-Bolde, dass er nur dann ebbäs
vunnorä griegt hadd, wenn er ganz artig zu ihr sagte: Maddäise, sei doch so gud unn gib mor ......
. Warum sie nicht Fränzl,
sondern Maddäise genannt
wurde oder werden wollte, habe ich auch noch erfahren können: einfach
deshalb, weil ihr Vater dä Hoinrich
Maddäis war.
s’Gräfingors :
Die Inhaber hießen Florian und Klara Gräfinger. Sie hatten ihren Laden
in der Richard-Wagner-Straße, in dä
Hohl, gegenüber der Bäckerei Dietz. Das Geschäft versorgte aber
Klara die meiste Zeit allein, denn Florian arbeitete ja als
Maschinenschlosser in Ettlingen.In späteren Jahren übernahm dann noch für
einige Zeit deren Schwiegertochter Maria geborene Kastner, des Sohnes Paul
Gräfingers Ehefrau, die Weiterführung des Geschäftes, bis es sich halt
nicht mehr lohnte. Neben Lebensmitteln konnte man aber bei ihnen auch
sonstige, im Haushalt ständig gebrauchte Dinge wie Stopfgarn, Faden,
Nadeln und dergleichen kaufen. Begonnen hatten die beiden 1927, zu Ende
ging dann der Betrieb 1972.
d’Hasäfuße: Der
kleine Laden wurde von Eugenia Hasenfuß betrieben, während ihr Ehemann
Martin anderweitig beruflich
tätig war. Uns Kindern denkt vor allem noch, dass wir von ihr unglaublich
feine, wenn auch kleine Gudsle (zum
Dreigewwä) bekommen haben. Dass einem so etwas
nach so langer Zeit noch so gut denkt!! Ihr Geschäft führte sie
bis ins hohe Alter weiter, bis sie ihren Laden dann zumachen musste.
Anzumerken
wäre noch, dass man bei ihr außer den wichtigsten Lebensmitteln aber
auch noch viele andere Sachen wie Schick, Duwwak
(Tabak) und sogar Petroleum fer’d
Stall-Laternä kaufen konnte. Diese Anmerkung gilt aber auch für
fast alle Lebensmittelgeschäfte in jener Zeit. Da konnte man im Frühjahr
sogar die wichtigsten Sämereien einkaufen. Unsere Mütter und Großmütter
hatten halt kaum Zeit zum Einkaufen; also waren kurze Wege, vor allem beim
Besorgen der wichtigsten Dinge für die Küche, aber auch vieler
notwendiger Kleinigkeiten für den bäuerlichen
Alltag, viel wert. Und dies möglichst in
e i n e m Laden!.

Spezereihandlung
Martin Hasenfuss
s’Glebborles : Der
kleine Laden befand sich in der heutigen Dr.-Heinrich-Götz-Straße. Während
Ehemann Anton im Telegraphenzeugamt arbeitete, stand seine Frau Rosa im
Laden und bediente ihre Kundschaft in ihrer freundlichen Art. Zu kaufen
gab es ebenfalls fast alles, so wie gerade geschildert, aber auch
Sattler-Erzeugnisse wie z. B. Gaislriemä
und Schuhneschdl, da ja der
Vater von Anton im selben Haus eine guthehende Sattlerei betrieb. Der
„Sondername Glebborle“ ist kein Schimpfname, sondern rührt
daher, weil - so erzählte man mir glaubhaft - an der Ladentür nicht die
übliche Schell,
sondern ein glepperndes Monstrum, halt ä
Glebbor angebracht war. Und daher übertrug sich dies als
Übername dann auch auf den Ehemann Anton, der damals ja der Initiator für
eine kleine Volksmusik-Gruppe war. Diese Gruppe, bei der auch dä
Herichsweiß mitspielte,
hieß bei den Malschern dann auch schlicht und einfach bloß d’Glebborles-Mussig.
(Über diese Gruppe besonders zu berichten, nehmen wir uns demnächst noch
extra vor.)
Rosa
Neukert, geb. Zimmer (zweite von links)
s’Knärrä
in dä Kesslgass bzw. d’Ochsä
Sofie : Bei den
Menschen der unmittelbaren Umgebung hatte früher der Laden den einfachen
Namen : d’Eigäne.
(Ja nicht verwechseln mit s’Eigäns
im Ewwordorf!)
Warum d’Eigäne?
Weil die Betreiberin, die
Ehefrau von Karl Knörr, mit Vornamen Eugenia hieß. Ihr Ehemann Karl war
ja in den Rastatter Schlossanlagen als Gärtner voll beschäftigt. Bevor
Eugenia in der Kesselgasse 1930 ihren Laden eröffnete, betrieb sie aber
schon ein kleines Geschäft in der Waldprechtsstraße, nämlich dort, wo
später, also nach ihr, die schon genannte Hasäfuße
unter eigener Regie den dortigen Laden weiterführte. Eugenia Knörr
schloss dann ihr Geschäft 1942. Zu gleicher Zeit war aber auch ihr Sohn
Karl im Krieg gefallen. Über dessen Betrieb in der Friedrichstraße
wollen wir anschließend berichten.
Doch
zunächst bleiben wir noch in der Kesselgasse.
Das
Ehepaar Sofie und Josef Ochs, die früheren Hirschwirts von Malsch (1933
bis 1937), betrieben nach zweijähriger Tätigkeit auf dem Heuberg dann
von 1939 bis 1942 die Wirtschaft „Zum Alten Fritz“ in Ettlingen. Als
dann Josef aber 1942 zu den Soldaten musste, beendete auch Sofie ihre
Wirtstätigkeit in Ettlingen, um in Malsch den Knörr’schen Laden in der
Kesselgasse weiterzuführen. Dazu musste sie aber nach den damaligen
Vorschriften erst einmal ein volles Jahr in einem Karlsruher Betrieb
volontieren, um dann endlich, nach bestandener Eignungsprüfung, ein
solches Geschäft auch führen zu dürfen.
Und das tat sie dann mit
großem Erfolg, nämlich von 1943 bis 1968!. Bei ihr konnte man es außer
dem Üblichen sogar noch Gemüse sowie auch allerlei Kurzwaren, vor allem
aber Nähutensilien, von der Stecknadel bis zum feinsten Seidengarn,
kaufen.
s’Knärrä
in dä Friedrichstroß : Der
Betreiber des Ladens, Karl Knörr, war ein Sohn von Karl und Eugenia Knörr
aus der Kesselgasse. In seiner Jugendzeit erlernte er erst einmal (wie
sein Vater?) einen landwirtschaftlichen Beruf auf dem Augustenberg und
arbeitete anschließend auf einem großen Hofgut in Biblis. Bald aber wanderte er
(aus ganz persönlichen Gründen) als Zwanzigjähriger nach Argentinien
aus, lernte dort die Deutsch-Argentinierin Hilda Limprich kennen und
heiratete sie. Dort wurde auch Tochter Eugenia geboren. Deren Großmutter
Eugenia aber lockte die Familie durch den Kauf eines Bauplatzes 1932
wieder nach Malsch zurück. Also wurde in der Friedrichstraße auch gebaut
und ein Ladengeschäft ähnlich dem der Eltern eingerichtet. Karl Knörr
starb im Krieg 1942 den Heldentod; Mutter Hilda aber betrieb den Laden
bis 1950 noch weiter. Danach führte Tochter Eugenia diesen bis in
die 70er Jahre weiter, um
anschließend dann als „Otto-Agentur“ noch tätig zu sein. Daneben
bietet deren Tochter Karin bis heute noch allerlei Edelsteine und
dergleichen zum Verkauf an. Der „Laden“ besteht also heute noch, wenn
auch nicht mehr als Lebensmittelgeschäft.
s’Kohmä
Lädl in dä nei Olag : Woher
kommt dieser Name? Dass er von Rösl Reichert bis kurz nach 1950 geführt
wurde., ist uns ja bekannt. Dass der Laden aber in der Zeit davor bereits
von Anton Kohm und dessen Ehefrau betrieben wurde, wissen nur noch wenige!
Doch eine 90jährige
Malscherin, d’Kohmä
Bert, oine vunns Londls, hat mich auf die richtige Spur
gebracht. Denn sie wusste auch, dass die vorherigen Ladenbesitzer sogar
mit dem „Zigarren-Kohm“ aus Karlsruhe verwandt waren, was sie selber
aber nicht war.
s’Geigor-Bertholds
in dä Mozartstroß : Er
kam aus der Sippe der „Waldmoischdor“,
und seine Frau Rosa war eine geborene Heinrich. In den letzten Jahren,
also bis nach 1950, bediente immer deren Tochter Rösl. Angeboten wurden
fast ausschließlich Lebensmittel.
d’Knommä
Ros : Der Laden von Rosa Knam befand
sich in der Weidgass. Da
sie ledig war, musste sie halt vieles allein schaffen, wobei sie aber doch
manchmal auch nachbarschaftliche Hilfe erfahren durfte. Erst nach 1950 gab
sie altershalber und auch zeitbedingt dann ihr Geschäft auf.
d’Däiwls
Friedl : Jetzt sind wir bereits in der Ortsmitte, etwas oberhalb der
alten Sparkasse. Den dortigen Lebensmittelladen betrieb so etwa seit
Kriegsbeginn die Tochter des Konditors Arnold Lorenz. Über dessen Geschäft,
iwwors Arnoldä, werden wir bei der Betrachtung der
Malscher Backwarenhersteller noch gesondert berichten. Frieda, oder Friedl,
wie sie von Malschern gern genannt wurde, war aber schon eine etwas
besondere Geschäftsfrau, denn sie legte neben dem üblichen
Lebensmittelsortiment ganz großen Wert auf auserlesene Produkte. So
konnte man bei ihr zum Beispiel auch
insbesondere feine, erlesene Pralinen, aber auch exquisite Weine
und Liköre kaufen. Im Dezember 1971 musste dann auch sie den Laden
dichtmachen.
s’Schneidormillors
: Die Erstbetreiber hießen Müller,
und der Mann war Schneidermeister! Daher der Name!
Diese beiden, also Anton Müller und seine Frau Magdalena, geb. Kistner,
versorgten in dem kleinen Haus gegenüber dem früheren Gasthaus
zur Krone
ihre Kundschaft, bis sie dann etwa 1930 den Laden ihrer Tochter
Johanna übergaben. Nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes heiratete
Johanna dann Otto Harlfinger aus Freiolsheim. Und ab da hieß das Geschäft
bei vielen Malschern dementsprechend auch s’Harlfingers.
Im wesentlichen verkaufte Johanna alle möglichen Lebensmittel,
jedoch ohne so viele andere alltägliche Dinge wie in anderen Läden. Aber
zu besonderen Zeiten bot sie auch schon mal besondere Dinge an, zum
Beispiel an Sylvester Knaller
und Raketen. Ein alter Malscher Fastnachter erzählte uns auch, dass es
bei ihr jedes Jahr die schönsten Lärvle zu kaufen gab. In den 70er Jahren musste sie dann, wie
so viele andere, ihren Laden halt schließen. Aber! Was vielen noch denkt:
sie hatte, so erzählt man sich heute noch, die besten Moorenköpfe von
Malsch.
Johanna,
Schneidermüllers Tochter
Laden
Otto Harlfinger
dä
Pfonnkuch : Dieses Geschäft
befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden zuletzt
genannten. Deshalb gab es dort auch nicht das große Sortiment von
Grundnahrungsmitteln. Pfannkuch, eine Filiale einer (damals) großen
Handelskette, bevorzugte daher lieber Spezialitäten, vor allem viele
Sorten Fisch. Das konnten sich die kleinen Läden schon aus kühltechnischen
Gründen gar nicht leisten. Deshalb ging der Laden auch relativ gut. Trotz
einigen Standortwechseln gab es den „Pfannkuch“ bei uns in Malsch doch
noch recht lange.
dä
Hansa : Ich glaube nicht, dass sich noch
viele an dieses kleine Geschäft erinnern können. Eine Zeit lang befand
es sich in Blechnermeister August Bornhausers Anwesen, zeitweise aber auch
im Hause des Uhrmachers Oskar Knam. Der Inhaber Otto Kunz war ein Sohn des
alten Löwenwirts Hermann Kunz.
Ortsmitte mit dem
„Hansa“-Laden
So,
ihr lieben Alt- und Jungmalscher! Ich meine, dass wir damit so ziemlich
alle ehemaligen Lebensmittelgeschäfte aufgezählt und beschrieben haben.
Aber da höre ich schon euren Einwand: Es gab aber doch noch einige Läden
mehr, wo man auch Lebensmittel einkaufen konnte! Das stimmt. Doch in
diesen konnte man überwiegend anderes, wie Stoffe, Kleider,
Haushaltsgegenstände und auch Eisenwaren kaufen. Deshalb werden wir über
diese Art Geschäfte in einem gesonderten Beitrag extra berichten.
Davor
aber wollen wir uns erst noch über alte Malscher Bäckereien, Metzgereien
und vor allem über die vielen Wirtschaften in Malsch unterhalten.
Bei
dä Helänä newwor dä Aldä
Post
Die
Besitzerin hieß Helene Speck, geborene Hartmann. Früher war das Anwesen
nur als Wohnhaus genutzt. Als Helenes Ehemann Franz Speck 1948 endlich aus
der Kriegsgefangenschaft wieder heimkam und als gelernter Kaufmann gleich
wieder in seinen alten Beruf - Spezialist für Verpackungsmaterial aller
Art - einstieg, also als Zulieferer für viele Malscher Betriebe tätig
war, keimte in Helene bald die Idee, auch einen eigenen Betrieb
aufzumachen. Lebensmittelgeschäfte gab es ja schon viele. Aber „Fisch-Läden"?
Eingelegte Salz- und Bratheringe konnte man ja in vielen Geschäften
kaufen. Doch frische Fische? Die gab es damals so gut wie nur beim „Pfannkuch"
mitten im Dorf. Und Fische waren in jener Nachkriegszeit ein gern
gekaufter Fleischersatz-Artikel, nicht nur für Freitage, sondern
besonders auch in der Karwoche.
So
entstand der neue (junge) Laden gleich nach der Währungsreform 1948.
Angeboten wurden neben üblichen notwendigen Alltagsartikeln für die Küche
ganz besonders frische Fische. Tochter Renate erinnert sich noch lebhaft,
wie der Vater damals mit seinem Fahrrad mit Hilfsmotor, den Anhänger mit
den Fischen in Holzfässern beladen, wöchentlich die Ware herbeischaffte.
Und
das Geschäft lief gut! Bald wurde auch noch eine Annahmestelle
für die Wäscherei Bardusch in Ettlingen eingerichtet.
Der
Laden in der damaligen Hauptstraße (Heute
Sezanner Straße)
Daneben
belieferte Franz Speck seine Malscher Kundschaft weiterhin mit Tüten,
Beuteln und Einschlagpapier und was sonst noch notwendig war.
Als
Franz dann 1970 starb, gab auch Helene den Laden auf. Sie war ja
inzwischen auch schon im
„Rentenalter" angekommen.
Helene
Speck, geb. Hartmann (1906-
1991)
Franz
Speck (1906 – 1970)
Helene
auf Jahrgangsausflug (ca. 1980)
s'Edlmonns
Maria im Fischweior
Dieser,
bei der „ersten Runde" auch übersehene Laden, bietet uns mal
wieder Gelegenheit, an das Dichterwort
„0 frag, solang du fragen kannst..." zu erinnern. Denn kurz bevor
sie 2008 starb, vereinbarten wir telefonisch noch einen Termin, um uns
miteinander über ihren „Laden im Fischweier" zu unterhalten.
Leider war der Tod schneller als unsere Vereinbarung!
Mit
Hilfe von lieben Nachbarn und Schulkameradinnen konnten wir aber doch noch
einiges in Erfahrung
bringen, was es uns nunmehr ermöglicht, über diesen „Laden", wenn
auch nachträglich, zu berichten.
Maria
Hornung, wie sie früher hieß, wurde 1925 in Waldprechtsweier geboren und
besuchte in Malsch
die Volksschule bis 1940. Nach dem sogenannten „Pflichtjahr" bei
Oskar Knam in Malsch und anschließendem erfolgreichem Besuch einer
Privathandelsschule in Karlsruhe war sie bis Dezember 1944 bei der
„Landesbauernschaft Baden-Elsass" in Mosbach beschäftigt, wie wir
aus ihrem Dienstzeugnis aus jener Zeit ersehen. Interessehalber zeigen wir
hier den Briefkopf eines solchen amtlichen Schreibens „aus jener
Zeit":
Erst
1949 eröffnete sie dann ihren Lebensmittelladen im „Fischweiher".
Und das war gut so.
Denn die Bewohner da draußen waren dafür sehr dankbar, zumal der nächste
Laden zum Einkaufen der täglichen Lebensmittel bis dahin erst weiter drin
im Dorf lag. Also lief ihr Geschäft recht gut, bis, ja bis sie 1971 den
Laden krankheitshalber wieder aufgeben musste. Leider konnten wir vom
„Laden" keine Bilder bekommen. Aus ihrem Leben in alten Tagen
dagegen fanden wir doch noch ein paar interessante Bilder, von denen wir
nachfolgend doch noch einige zeigen wollen:
Maria
Edelmann mit Schulkameradin Klara Hertig, geb.Hofmann; ca. 1985
Maria
mit ihren Schulkameraden bei der 70er Feier im Jahre 1995

Eines
der letzten Bilder von Maria; ca. 2006
s’Buchmaier
Marias Lädl im Fischweier
1953
errichteten Anton und Veronika Renz (Blases
vun dä Hohl), die Großeltern
von Maria Buchmaier, der Ehefrau von Seppi Buchmaier, draußen im
Fischweier, Ecke Friedrich-Ebert- / Albert-Schweitzer-Straße ein Wohnhaus
mit Laden. Und schon im Jahr darauf wurde darin von Tochter Maria ein
Lebensmittel-Laden eingerichtet.
Das
Wohnhaus mit dem „Buchmaier-Laden“
Auch
dieser kleine Laden wurde von den Menschen spontan angenommen, war er doch
ein richtiger „Tante-Emma-Laden“, also mit so vielen Dingen für den
Alltag, vor allem für die Küche. Durch ihre Menschenfreundlichkeit
sorgte Maria aber auch dafür, dass bei ihr gern ein Schwätzchen
abgehalten werden konnte. Besonders am Sonntag-Morgen, wenn Geschäfte
normalerweise „zu“ hatten, konnte man bei ihr (wie in so manchen
anderen Läden ja auch) immer noch anklopfen, um ein Fläschchen Maggi
oder Salz oder Essig, um nur einiges anzudeuten, schnell noch zu bekommen.
Und wenn man mal gerade kein Bargeld hatte, hat man auch bei ihr
„anschreiben“ lassen können, halt bis zum nächsten Zahltag des
Ehemannes.
Dankbar
waren die Menschen auch dafür, dass man bei ihr täglich frisches Brot
kaufen konnte, vom Robert Kratzmaier gebacken und Ehemann Seppi abgeholt.
Maria
Buchmaier mit ihrer guten Kundin Inge Lang im Laden
1963
gab Maria dann den Laden auf. Bis 1970 wurde er dieser noch anderweitig
vermietet, um dann entgültig geschlossen zu werden.
Bei
s’Krämors in Sulzbach
Das zweitälteste Geschäft,
das uns auch noch gut denkt, wurde 1910
vom früheren Ratschreiber Isidor
Gingelmaier als Kolonialwarenladen
in der damaligen Hauptstraße
eröffnet.
Isidor
Gingelmaier, Gründer des Ladens und Ratschreiber
Sein Sohn Zyriak baute
dann 1961 das Geschäft
zu einem modernen Selbstbedienungsladen
um.
Zyriak
Gingelmaier, Kaufmann, Landwirt, Ratschreiber und Posthalter
und
Ehefrau Maria, geb. Weber
Der 1961 modernisierte
Selbstbedienungsladen sah dann so aus:
s’
Krämers neuer Laden
Nachdem Zyriak 1978 starb,
führte sein Sohn Isidor das Geschäft als EDEKA-Laden bis zu seinem Tod
1991 weiter. Da er als Junggeselle starb,
gab es auch keinen Nachfolger.
Isidor
Gingelmaier einfügen; Text: Isidor, wie er leibte und lebte
Bei s’Edmundä in
Sulzbach
Middl im Dorf, fast wie
auf einer Insel, ganz nah beim
alten Kirchlein, dem Rathaus und dem Schulhaus, eröffnete Edmund Lumpp
1924 seinen Laden. Heute noch kann man am Haus den früheren Ladeneingang
erkennen.
Neben den üblichen
Lebensmittelzutaten, wie Essig, Oel, Salz und dergleichen, bot Edmund
Lumpp seiner Kundschaft alles mögliche Kleinzeug für den Haushalt an,
ganz besonders aber auch für Stall und Scheuer und landwirtschaftliche
Geräte. Als Betreiber einer Schmiede wusste er doch, womit man den vielen
Kleinlandwirten in Sulzbach ständig helfen konnte.
In zwei Ehen wurden der
Familie sieben Kinder geschenkt, wovon der Zweitälteste, Otto, später,
nach 1945, den Laden dann noch weiter führte.
Edmund Lumpp und
Ehefrau Luise geb. Reuter
Edmund war ja neben seiner
Tätigkeit als Dorfschmied, Landwirt und Ladenbetreiber von 1933 bis zum
Kriegsende 1945 auch noch Bürgermeister von Sulzbach. Nach dieser nicht
ganz spannungsfreien Zeit gab er dann mit Ausnahme der Landwirtschaft jede
weitere berufliche Tätigkeit, auch die Schmiede, auf. Erst als dann sein
Sohn Otto 1946/47 aus Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, wurde der
Laden wieder eröffnet. Von da ab gab es bei ihm, Otto, aber überwiegend
Haushaltwaren aller Art zu kaufen.
Otto Lumpp und
Ehefrau Lina geb. Ecker
Das Geschäft wurde dann
1969 endgültig geschlossen.
Bei
s’Adam’s in
Sulzbach
Der Inhaber des Ladens war
Emil Adam, ein Nachkomme aus dem alten Sulzbacher Geschlecht der Adams.
Emil war in erster Ehe mit der aus Malsch stammenden Franziska Adam, geb.
Krämer, (aus der Familie der
Basses) verheiratet.
Emil und Franziska Adam geb. Krämer
Da bei der Geburt des
elften Kindes Mutter und Kind starben, ging Emil begreiflicherweise
eine zweite Ehe ein, mit Frieda Schell aus Jöhlingen.
Als ungelernter
Fabrikarbeiter trieb Emil nebenbei schon immer gern Handel mit allerlei
Zeug.
Da seiner zweiten Frau der
Umgang mit Waren, vor allem aus dem Lebensmittelbereich, im Blut lag, kann
man verstehen, dass die beiden beim Umbau des Hauses gleich einen
Lebensmittelladen einplanten.
Und so geschah es dann
auch, dass 1953 in der Kelterstraße
ein neues Geschäft eröffnet wurde, im Volksmund immer
„bei s’Adams“ genannt.
Beliefert wurde der Laden
überwiegend von der Firmengruppe „Centra“, weshalb dieser auch bald
den Namen Centra erhielt.
Frieda bediente überwiegend
im Laden die Kundschaft, während Emil nebenbei immer noch gern Handel mit
besonderem Kleinzeug betrieb.
Es war ein gut gehendes
Geschäft, insbesondere mit Lebensmitteln und Getränken aller Art.

Emil Adam
und Ehefrau Frieda geb. Schell mit Enkel
1967 wurde dann das Geschäft
altershalber geschlossen und das gesamte Anwesen an die Firma Wildemann
verkauft und entsprechend den neuen Betriebsbedürfnissen umgebaut.
Beim
Awizor in Waldprechtsweier
Der eigenartige Name kommt,
so sagte man mir glaubhaft, daher, dass die Menschen in Waldprechtsweier
sich schwer taten, in Mundart den Namen „Alois" wie Allies, oder
Alwies auszusprechen. Und so entstand dann der Vorname Awizor, warum auch
immer.
Aber nicht nur der Vorname
des letzten Inhabers war eigenartig. denn das Angebot an Waren aller Art
ging weit über das übliche Maß der damaligen Zeit hinaus.
Denn beim Awizor hat man fast alles kaufen können,
was man im täglichen Leben, im Haushalt wie in der Landwirtschaft, ständig
brauchte, wie z. B. Salz und Zucker, Mehl und Hefe, Salz- und Bratheringe,
Schweizer- und Backsteinkäse, Essig und Öl, frisches Obst und Salat,
Ansichtskarten, aber auch Ernstrickle, Sensä, Stallschlappä und
Mistgawwlä, Metzlzubehör und, man kann es fast kaum glauben, auch
Sonntagsschuhe, Taufkleidchen und Sterbehemden, um nur einiges aus seinem
Angebot zu nennen.
Dieser Laden war doch ein Vorläufer unserer heutigen
Supermärkte!
Ansicht
des Ladens vor und nach dem Umbau des Hauses
Wir dürfen aber nicht vergessen: Vor dem
Alois Isidor Schindler, so hieß dä
Awizor amtlich,
wurde das Geschäft von seinem Vater Isidor Schindler bereits 1880 gegründet
und betrieben. Deshalb hieß das Geschäft früher nur Bei’
s Isedors.
Die
Großfamilie Isidor Schindler (ca. 1925)
In der Mitte vorne: Isidor und Luise Schindler, geb. Hitscherich mit
einem Enkel
Isidor
und seine Frau, wie später dann deren Sohn Alois und dessen Ehefrau
Caroline auch, waren ja nicht arm und daher insbesondere kirchlich immer
wieder engagiert und entsprechend spendabel, was damals den Glocken von
Sankt Michael, dem Taufstein, der Michael-Statue und sogar dem wunderschönen
Seitenaltar wie auch dem „Kreuzweg" in der neuen Kirche, oft aber
auch armen Priesteramtskandidaten und Waisenkindern, sehr zugute kam.

dä Awizor als Krieger des 1. Weltkrieges

Awizors Ehefrau
Carola in alten Tagen
Ein
Blick vor und in den ehemaligen Laden
Nachtrag zu vorstehendem
Bericht:
Die
Reaktion auf diesen Beitrag war ungewöhnlich!
Da
haben doch einige Malscher beim Betrachten der alten Bilder, vor allem auf
dem Familienbild
des Isidor Schindler, eine Menge Verwandter entdeckt! Darüber werden wir in einem gesonderten Nachtrag noch
extra berichten. Dass
wir aber eine Zuschrift von einem Völkersbacher Heimatfreund, von Egon Koch,
erhalten haben, hat uns schon arg gefreut. Und weil diese eine wertvolle Ergänzung zu unserem „Awizor
ist,
wollen wir sie hier wörtlich wiedergeben. Aber Vorsicht! Die Völkersbächer
reden in Mundart ä
bissl onnorscht wie mir in
Malsch.
Egon
Koch schreibt:
Mit
lebhaftem Interesse und Neugierde verfolge ich die heimatgeschichtlichen
Veröffentlichungen der Heimatfreunde Malsch. So auch den gelungenen und
ausführlich recherchierten und illustrierten Beitrag von Heimatfreund
Eugen Nies „Beim
Awizor
" im
Gemeinde-Anzeiger und MAZ vom Mai dieses Jahres. Ich selbst bin allerdings
ein Völkersbacher und daher mit der Malscher Vergangenheit „da unten" wenig vertraut. Aber zum
o.a. Beitrag über den Awitza, so hieß er bei uns, möchte ich eine kleine Ergänzung beisteuern.
Als
Kinder durften wir während des 2.Weltkrieges unsere Mutter oder den Großvater
zum Einkaufen in Malsch beim Schaiwle
oder
beim Uhramacha Knam begleiten - natürlich
auf Schusters Rappen. Das war immer ein freudiges Ereignis
und brachte etwas Abwechslung in die entbehrungsreichen Kriegstage. Wir wählten
stets den kurzen Weg übers „Pfad", zuerst kurz bergauf und dann steil
nach unten, oft auf dem Hosenboden! Wenn wir dabei jemand begegneten, wurden
wir voller Neugier begrüßt mit „So, gehn
da onamodis no
?" (=
So, geht
ihr irgendwohin?) Nicht jeder, der unterwegs war, wollte sein Ziel auch gleich preisgeben. Ältere Leute sagten einfach: Ich
geh üwwa Fell (=
Ich gehe übers
Feld). Das bedeutete soviel wie „größerer Ausmarsch in eine
benachbarte Ortschaft oder in die
Amtsstadt Ettlingen"
Gelegentlich führte unser Weg auch nach Walbatsweia
zum Ölmüller
oder zum Kaufladen
Awitza. Wir
Kinder fanden diesen Spitznamen besonders lustig und originell. Wir
wollten natürlich wissen, was sich dahinter verbirgt. So erfuhren wir als
Erklärung dieses Namens, von dem wir ja nicht wussten, ob es sich dabei
um einen Schimpfnamen handelt, folgende Story:
Als
der Alois Schindler ein ganz kleiner Junge war und noch nicht recht sprechen
konnte, erlebte er immer wieder, wie die Dorfbewohner unter der Last der täglichen Arbeit in der Sommerhitze stöhnten: Isch
des awara a Kreuz met dem
Schwitza (=
Ist das
aber ein Kreuz mit dem Schwitzen). Der
kleine Alois verstand schnell, dass es sich beim Schwitzen um eine
wichtige Sache der Erwachsenen handeln musste. Und da er schon als kleiner Bub
auch wie die großen Leute sein
wollte, soll er in seinem kleinkindhaften Dialekt immer wieder gesagt haben „a witza" (= auch
schwitzen). Und so soll sein Spitzname dann auch entstanden sein.
Ob diese Version und Deutung allerdings verbindlich und
eindeutig ist - fonetisch klingt es glaubhaft - das weiß der Kuckuck!
Meine Mutter hat es
mir so immer wieder erzählt!
Egon
Koch
Danke,
lieber Heimatfreund Egon Koch!
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