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931 Jahre Kirche zu Malsch
Ein
Diskussionbeitrag zur frühen Malscher Kirchengeschichte
„Im
Jahre 1065, im achten Jahr der Regierung Heinrichs IV., wurde diese
Schenkung von sechs Hufen
gemacht, die der getreue Verwalter Gottes Abt Samuel aus eigenem Zins
gekauft und an die Altäre des Hl. Erlösers und der Hl. Mutter Gottes
geschenkt hat, um in gewöhnlichen Nächten das Licht anzuzünden.
Aus
denen ergeben sich die vier, die in Bickesheim liegen, vier Unzen und zwei
Spulen Hanf, die eine in Malsch zwei Unzen und eine Spule Hanf. Eine in
Waldprechtsweier ergibt drei Unzen, die an den Festtagen des hl. Serginus
und Bachus alle neun darzubringen sind“…..
Mit diesem
Text erfahren die Dörfer Malsch und Waldprechtsweier ihre erste
urkundliche Erwähnung und
treten heraus aus dem Dunkel der Geschichte.
...im Jahre 1065…, seit nunmehr 941 Jahren
also wissen wir eindeutig von der Existenz unseres Dorfes und wir
erfahren, dass Kloster Weissenburg/Elsaß Besitz im Ort hatte. Wie viel
wissen wir nicht. Auch wird uns verschwiegen von wem Abt Samuel diese
Hufen (Höfe) erworben hat
Keineswegs
war also das gesamte Dorf im Besitz des Klosters. Das soll aber wiederum
nicht heißen, dass Weissenburg in noch früherer, vielleicht
karolingischer Zeit (um 800), vollständig Eigentümer von Dorf und Mark
gewesen war. Doch offensichtlich hatten sich bis zum Jahre 1065 die
Besitzverhältnisse zu Ungunsten des Klosters verändert.
Malsch und
sein Ausbauort Waldprechtsweier lagen damals im fränkischen
Verwaltungsbezirk des Ufgau.

In der Zeit,
als .der Salier Heinrich IV. das Reich regierte, erlebt auch unser Dorf
einige Veränderungen. So wird es um das Jahr 1100 Sitz eines
Adelsgeschlechts, der Herren von Malsch, die zu dieser Zeit Inhaber des
Grafenamtes und somit oberster Verwalter dieses Gaues waren. Malsch war an
der Wende vom 11. zum 12. Jhd. sowohl Grafensitz als auch Gerichtsort in
einem.
Von diesem König
und Kaiser sind uns einige, auch Malsch berührende Urkunden überliefert,
so dass wir uns kurz mit dieser Herrschergestalt beschäftigen wollen. Man
nannte Heinrich IV., er starb 1106, vor also 900 Jahren, oft den „unglücklichen
Kaiser“ oder er wird als „Kaiser, Kämpfer und Gebannter “
bezeichnet.
Geboren wurde
Heinrich am 11. November 1050, vermutlich in der Königspfalz von Goslar.
Sein Vater Heinrich III., seiner dunklen Haare wegen „der Schwarze“
genannt, regierte ein Reich, das sich von der Elbe bis zum Tiber
erstreckte. Staat und Kirche hatte er fest im Griff.
Die Mutter
Heinrichs IV., Agnes von Poitou, war eine, der Kirche ergebene Frau und
sollte später für den noch unmündigen Sohn die Leitung des Reiches übernehmen
wobei sie nicht immer glücklich agierte. Sie hinterließ, der momentanen
Befriedung willen, ihrem Sohn manches Problem mit den auf Vergrößerung
ihre Hausmacht erpichten Großen des Reiches (Hochadel; Markgrafen und
Erzbischöfe) hinterließ.
Im altehrwürdigen
Dom zu Aachen wurde der gerade Vierjährige, der Tradition entsprechend,
offiziell zum König des deutschen Reiches gekrönt.
Ein Jahr
darauf, an Weihnachten 1055, wurde seine Verlobung mit Bertha von Turin,
in der Nähe von Zürich gefeiert. Eine Vielzahl von Eindrücken bewegen
in diesen Jahren den heranwachsenden König.
Er erlebt
Aufstände in Sachsen und Franken. Ein Mordanschlag auf das Leben des
Siebenjährigen wird durch einen Zufall verhindert. Intrigen, Untreue und
Betrug am Hof machen ihn misstrauisch.
Eine Verschwörung
plant im Frühjahr 1062 die Entführung des Königs, um so direkten
Einfluss auf ihn nehmen zu können. Als die Kaiserfamilie zur Feier des
Maifestes zur Rheininsel Kaiserwerth kommt, sind viele der Großen des
Reiches dort versammelt. Auch Anno, der Erzbischof von Köln ist mit einem
prächtig aufgeputzten Schiff gekommen. Man lädt den jungen Heinrich ein,
das Schiff zu besichtigen, doch kaum hat er es betreten, werden die Leinen
losgemacht und das Gefährt legt ab. Der König wittert die Gefahr, glaubt
an einen Mordanschlag und stürzt sich in den eiskalten Rhein. Mit Mühe
wird er gerettet und zurück an Bord gebracht. Am Ufer steht die
fassungslose Mutter, beklagt die Entführung und unternimmt nichts. Das
Schiff fährt mit dem König nach Köln. Die Reichsinsignien folgen
unmittelbar nach, man hatte sie planvoll aus der königlichen Kapelle
gestohlen. Anno übernimmt die Vormundschaft über Heinrich.
Kaiserin
Agnes resigniert, überlässt ihren Sohn seinem weiteren ungewissen
Schicksal und geht nach Rom um dort den Schleier zu nehmen.
Eine andere,
bis heute noch lebendige Episode aus dem Leben Heinrichs ist der berühmte
„Gang nach Canossa“.
Worum ging es
bei diesem Streit der unter dem Namen „Investiturstreit“ (Investitur=
Einsetzen der Bischöfe) in die Geschichte einging?
Bisher waren
die Bischöfe vom König eingesetzt worden, was sie somit zum Reichsfürsten
mit reichem Grundbesitz machte. Mit der Investitur der Bischöfe durch den
König schuf sich dieser mit der Reichskirche treue Verbündete. Auch
fielen deren Lehen nach dem Tode des ehelosen Eigentümers wieder an ihn
zurück und konnte neu vergeben werden. Eine Aufgabe dieses Privilegs hätte
den König noch mehr in die Abhängigkeit des Adels gebracht, der stets
eifersüchtig darauf bedacht war, die Königsmacht zu beschneiden.
Der neue
Papst, Gregor VII. (1073 -1085) bestritt nun dieses Vorrecht und
beanspruchte es für den Heiligen Stuhl.
Dadurch
bildeten sich innerhalb des Adels wie auch innerhalb der Kirche zwei
Lager, mit allerdings oft wechselnden Fronten.
Der im
Verlauf des Investiturstreites über Heinrich IV. ausgesprochene
Kirchenbann war ganz im Sinne der auf größtmögliche Unabhängigkeit vom
König bedachten Reichsfürsten, der aber tapfer und unbeirrt für das Königtum
und seine überkommenen Rechte stritt.
Um die Loslösung
vom Kirchenbann zu erreichen zog der König mit seiner Familie und kleiner
Gefolgschaft im bitterkalten Winter 1076/77 über die Alpen und traf in
der Burg Canossa auf den Papst der ihn vom Bann lossprach. Damit hatte
Heinrich seine politische Handlungsfähigkeit zurück gewonnen.
Die letzten
Lebensjahre Heinrichs wurden überschattet von Auseinandersetzungen mit
seinen Söhnen. Konrad fiel von ihm ab und auch sein zweiter Sohn, der spätere
König Heinrich V. hatte sich ab 1104 der Fürstenopposition angeschlossen
und setzte den Vater ein Jahr später auf der Burg Böckelheim an der Nahe
fest. Doch Heinrich kann entfliehen und fast scheint es, als könnte er
das Blatt erneut wenden. Die kaiserlichen Truppen bringen Heinrich V. eine
schwere Niederlage bei. Doch bevor es zu einer Entscheidungsschlacht
kommt, stirbt Heinrich IV. in Lüttich, es ist der 7. August 1106. Als er
sein Ende nahen fühlte, schickte er Ring und Schwert durch die
feindlichen Linien zu seinem Sohn, gibt ihm noch seinen väterlichen Segen
und bittet um Vergebung für alle die zu ihm gehalten haben.
Ein
großer deutscher Kaiser hatte „ein
stürmisches Reich gegen ein stilles, ein vergängliches gegen das ewige,
ein irdisches gegen das himmlische“ eingetauscht. (Vita)
Nach dieser, zugegebener Maßen sehr gestrafften Lebensbeschreibung
Heinrichs IV., wollen wir versuchen, eine Bogen zu spannen von dessen
Reichspolitik in unser Dorf.
Betrachten
wir die Urkundenlage, so finden wir mehrere, für unsere Heimat recht
bedeutende Dokumente aus dieser Zeit, sogenannte Königsdiplome, d.h. in
der Kanzlei Heinrichs ausgestellte und von ihm abgezeichnete und
besiegelte Urkunden.
„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Heinrich
durch göttliche Gnade König. Der Eifer aller jetzigen und auch der zukünftigen
Gläubigen der heiligen Kirche Gottes möge erfahren, dass in unserem
Reich in der Provinz, die das deutsche Franken heisst, im Bistum Speyer im
sogenannten Würmgau in der Grafschaft Ingersheim in einem Wald, der der
Schwarze heisst, an einem Fluß namens Nagold ein gewisses Mönchskloster
gelegen ist, das Hirsau oder Kloster des heiligen Aurelius genannt wird,
in dem dieser Heilige auch leibhaftig ruth“….
So
beginnt, aus dem Lateinischen übersetzt, eine dieser Urkunden, das Diplom
Nr. 280 Heinrichs IV.
Es handelt
sich um ein äußerst interessantes und für die Belange der
Heimatforschung sehr aufschlussreiches Dokument. Es wurde ausgestellt zu
Worms am 9. November 1075 und
dort vom König bestätigt.
In dieser
Urkunde, sie ist auch bekannt unter dem Begriff „Hirsauer Formular“,
werden, vereinfacht ausgedrückt, die Rechte und Pflichten des neu gegründeten
und sich im Wiederaufbau befindlichen Klosters Hirsau im Nagoldtal und
denen des Grafen Adalbert von Calw, des Stifters, formuliert.
Ganz am Ende
eines recht umfangreichen Textes steht der Vermerk, dass die Kirche zu Malsch aus den Händen des Grafen von Calw in jene des
Klosters Hirsau gehen soll.
Nun ist man
einigermaßen überrascht, hatte man doch erwartet, dass das Kloster
Weissenburg/Elsaß der Dorf- und Kirchherr von Malsch sei. Doch nichts von
alledem. Kirchherr zu Malsch waren die Herren von Calw, und nicht nur das,
auch weiterer Besitz dieses Adelsgeschlecht in Malsch kann man
feststellen. Einer Handschrift zufolge, dem Codex Hirsaugiensis, übergibt
die Calwer Grafenfamilie zwei Höfe in
Malsch an die Klosterleute von Hirsau.
Folgendes
können wir festhalten: Im Jahre 1075 hatte das Haus Calw Besitztümer in
Malsch und offensichtlich war die Kirche ganz in ihrem Besitz, was
wiederum auf eine Gründung durch sie schließen lässt.
Nun stellt
sich natürlich die Frage: um welche Kirche handelt es sich in dieser
Urkunde?
Geht es um
Vorgängerbauten von St. Peter, der heutigen Friedhofskapelle oder um St.
Cyriak, der Pfarrkirche? Gab es gar eine zweite Pfarrei am Ort?
Wenn St.
Cyriak eine Gründung der Grafen von Malsch um das Jahr 1100 ist, worauf
vieles hindeutet, kann nur St. Peter gemeint sein.

Kirche aus der
Salierzeit (Rekonstruktion)
(Quelle: Das Dorf der Salierzeit, Sigmaringen 1992)
Einen
weiteren Anhaltspunkt dazu liegt in Gestalt des uralten Tympanon
(Giebelfeld) begründet, welches sich an der Westseite der
Friedhofskapelle befindet.
Ein erster
Artikel über dieses Tympanon erschien an dieser Stelle im Jahre 2004
(nachzulesen unter: www.heimatfreunde-malsch.de).
In den beiden
Jahren, die inzwischen vergangen sind, bemühte ich mich, mehr über
stilistische Merkmale des Reliefs in Erfahrung zu bringen. Ebenso habe ich
versucht, herauszufinden, in welchen möglichen Zusammenhang dieses
Tympanon zur frühen Kirchengeschichte von Malsch zu bringen ist.
Eine große
Hilfe fand ich in den Aussagen von Dr. Peter Marzolff, nach dessen Ansicht
das Relief aus dem frühen 12. Jhd. stammen dürfte und durchaus
stilistische Ähnlichkeiten mit dem bekannten Eulenturm von Kloster Hirsau
aufweist. Zu dieser Zeit war das Kloster dabei, den nördlichen
Schwarzwald zu missionieren („Zeit der hirsauischen Aufrüstung des
offenen Landes“).

Das Tympanon der
St. Peterskapelle aus der Zeit um 1100. Es dürfte sich um das älteste
Kleindenkmal von Malsch handeln.
Wenn Kloster
Hirsau in den Besitz der Malscher Kirche kommt, so ist es auch nahe
liegend, dass das Tympanon sehr wohl hirsauischen Ursprungs ist.
Hatte man
bisher die Malscher St. Peterskapelle in Beziehung zu St. Peter und Paul
von Kloster Weissenburg gebracht so drängt sich eine vielleicht noch stärkere
Verbindung zu einer anderen Kirche St. Peter und Paul, nämlich jener von
Hirsau auf, die, genau wie das Malscher Tympanon, ebenfalls um das Jahr
1100 entstand.
Hier soll zur frühen Malscher Kirchengeschichte nicht mehr als ein erster
Hinweis gegeben werden, der noch weiter verfolgt werden müsste. So bedarf
es z.B. noch weiterer Nachforschungen, in welchem Verhältnis Kloster
Weissenburg und die Calwer Adelsfamilie standen; oder wie kamen die Calwer
zu Besitz in Malsch etc.?
Leider
ist, vom Standpunkt der Archäologie betrachtet, unser Malsch „terra
incognita“ (= unbekanntes Land), von dem wir kaum etwas wissen, von dem
uns keine Fundstücke überkommen sind, welche es ermöglichen würden,
weitere Folgerungen oder Erkenntnisse zur Ortsgeschichte des Mittelalters
zu gewinnen.
Was verbirgt
sich noch unter dem Kirchenhügel von St. Cyriak oder welche Art von Vorgängerbauten
befindet sich im Bereich der St. Peterskapelle?
Wird man es
in Zukunft besser machen und sorgfältiger und respektvoller mit unser
aller Vergangenheit umgehen?
Wir wollen
unseren Teil dazu beitragen und so bemühen wir uns seit geraumer Zeit
nach Kräften ein wenig die Geschichte unserer Burg
Waldenfels in den Spielfinken zu erhellen, die Mauerreste, Trümmer
und Gräben zum Sprechen zu bringen und all dem, was sich dort auf dem
Burggelände noch planlos darstellt, ein Gesicht zu geben.
Über unsere
Aktivitäten und unsere Pläne für die Zukunft der mittelalterlichen Burg
Waldenfels wollen wir sie demnächst unterrichten.
Gerhard Bullinger
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