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42.
Unsere ehemaligen Malscher „Theater“
42.1
Ehemalige Malscher Kinos
Die
damaligen „Lichtspieltheater“
hat man bei uns ja nicht „Theater“, sondern schlicht und einfach „Kino“ genannt. Dieses Wort ist griechischen Ursprungs und
bedeutet nichts anderes als „Bewegung“. Anfangs, in Malsch seit 1912, wurden ja nur Geschichten in „bewegten“ Bildern gezeigt,
zunächst stumm mit dazu passender untermalender Musik. Erst viel später
gab es Filme mit zugehörigem Ton, also mit Sprache
und Musik!
Was dann
vorgeführt wurde, war ein so genannter Tonfilm.
Über die
Anfänge hat uns Wilhelm Wildemann in seinem Buch „Malscher Leben“
schon einiges erzählt. So wissen wir auch dank ihm, dass
das erste Malscher Kino
in einem Nebengebäude des Gasthauses zum Löwen eingerichtet war. Die
Malscher gaben diesem bald einen besonderen Namen und nannten es liebevoll
d’Flohkischt,
obwohl es offiziell Löwenkino
Malsch hieß. 1923 wurde es
dann in Alemannia-Lichtspiele
und schon 1926
in Union-Lichtspiele Malsch
umbenannt. Ab 1933 wurde das Kino Olymp-Lichtspiele
genannt und nach 1945 dann Olympia-Lichtspiele.

Das
Kino vor 1945

Otto Kunz mit Frau und Tochter vor
dem Kino ca. 1960

Werbung
im Gemeindeanzeiger im Juli 1956
Drinnen
war es zwar etwas eng, aber die Menschen fühlten sich wohl, auch wenn es
während jeder Filmvorführung einige „Pausen“ gab. Denn der Vorführer
musste einige Male die Filmrollen wechseln. Und das dauerte immer einige
Minuten. Erst Jahre später sorgte dann modernere Technik dafür, dass
solche Unterbrechungen nicht mehr notwendig waren.
Nachdem
es dann nach dem Krieg aber bald andere Möglichkeiten zur Unterhaltung,
ganz besonders das Fernsehen, gab, rentierte sich der Betrieb nicht mehr.
So wurde dieses Kino Mitte der 60er Jahre endgültig geschlossen.
Für uns
unvergessen bleibt die „Chefin“ Laura Kunz, eine Tochter des Löwenwirts
Hermann Kunz.
Laura
Kunz in jungen Jahren
Zu
fast jedem Film konnte beim Kauf der Eintrittskarte die Zeitschrift „Das
Neue Film-Programm“
für 10 Pfennig gekauft werden
Das
Gloria-Theater
gab es erst nach dem
Krieg in Malsch. Kurz vor 1950 wurde das Kino im ehemaligen Kaisersaal
eingerichtet. Dieser moderne Saalbau wurde bereits 1924 vom damaligen
Kaiserwirt Anselm Lang erbaut. Nach dem Krieg diente das Haus vor allem
dazu, die damalige große Not zu lindern. So wundert es nicht, dass der
große Saal bald zur Unterbringung der damaligen vielen Flüchtlinge
herhalten musste.
Erst als
Kurt Schneider mit Frau und Tochter 1949 nach Malsch kam, entstand die
Idee, in diesem Haus ein Kino einzurichten.

Kinobetreiber Kurt Schneider mit
Ehefrau vor dem Eingang des Kino´s
Über die
Anfänge damals lassen wir am besten Tochter Karin selber erzählen:
„Meine
Eltern kamen Anfang November 1949 nach Malsch, um im Saalbau Kaiser ein
Filmtheater einzurichten. Vorher waren in diesem Gebäude Flüchtlinge
untergebracht gewesen. Und davor muss es als Theater gedient haben, denn
wir haben noch gemalte Kulissen gefunden. Wir wohnten zuerst (notdürftig)
in der ehemaligen Schankstube recht primitiv mit 3 Personen zusammen. Aber
nach dem Krieg war ja vieles möglich gewesen.
Nach dem
Umbau begann Anfang 1950 der Kinobetrieb. Die beiden Vorführmaschinen
hatte mein Vater noch in Bayern, wo wir nach unserer Flucht aus Breslau
Unterschlupf und Arbeit gefunden hatten, selbst gebaut. Von Beruf war mein
Vater ja Toningenieur. Und als solcher hatte er schon vor seinem Militärdienst
für die UFA Kinos eingerichtet.
Soweit
ich mich noch erinnere, war unser erster Film „Truxa“,
ein Zirkusfilm. In denn ersten Jahren lief das Kinogeschäft sehr gut, so
dass mein Vater auch in Muggensturm ein Kino eröffnete. In Malsch wurde
das Kino noch einmal renoviert und mit einer Cinemascope-Leinwand und
Stereoton ausgestattet.
Werbung im Gemeindeanzeiger 1959

Langjährige Platzanweiserin Bertl
Koch
Als dann
aber die allgemeine Motorisierung einsetzte, fuhren viele unserer
ehemaligen Kunden lieber nach Karlsruhe, da dort die Filme früher liefen.
Einen
weiteren Einbruch erlebte das Kino mit dem Aufkommen des Fernsehens. Und
Ende 1969 war dann für uns endgültig Schluss. Zwei weitere Firmen haben
dann noch ihr Glück versucht, aber vergeblich. Heute ist das Haus
anderweitig genutzt.“
Soweit
Karin Kühn geb. Schneider

Zwei verschiedene Eintrittskarten
zum Gloria Filmtheater
Soweit
die Berichte über unsere ehemaligen Malscher Kinos.
Dabei dürfen
wir aber einen Menschen nicht
vergessen, der über viele Jahre hinweg sowohl mit der „Flohkischt“
als auch mit dem „Gloria“ ganz
eng verbunden war: Slavko Gerber (1929-2007). Denn er hat einige Jahre
beim damaligen Filmvorführer im Löwen-Kino, bei Alex Drexler aus
Muggensturm, den Umgang mit
der Filmmaschine freiwillig, also in seiner Freizeit, gründlich erlernt.
Und dadurch war er sogar bald in der Lage, in Karlsruhe eine offizielle Prüfung
abzulegen. Von 1950 bis 1955 war er dann sogar der Vorführer bei
Laura Kunz und wechselte danach ins Gloria-Theater zu Kurt Schneider. Dort
blieb er neben seinem Hauptberuf „Automechaniker“ als Filmvorführer
bis in die 60er Jahre. Seine Ehefrau Berta, geb. Adam, war in dieser Zeit
ebenfalls im „Gloria“ als Platzanweiserin tätig.

Filmvorführer Slavko Gerber
Laientheater
in Malsch
Der
Begriff „Theater“ hat bei
uns in Malsch noch eine ganz andere Bedeutung. Selbstverständlich ist
damit zunächst das klassische Theater auf der Bühne gemeint, also mit
Schauspielern, Kostümen, Bühnenbildern und den üblichen Requisiten. So
etwas gab und gibt es auch heute noch, jedoch meist nur in Städten, wo
halt das dazu erforderliche Geld vorhanden ist.
In
kleineren Gemeinden, so auch in Malsch, hat man trotzdem, soweit wir zurückdenken
können, immer wieder „Theater“ gespielt. Und dies nicht nur in der
Weihnachtszeit. Doch gerade in dieser Festzeit mussten die Vereine ihren
Mitgliedern, ganz besonders den Passiven, etwas Besonderes bieten, um sie
(auch als Beitragszahler) bei der Stange zu halten!
Auch
zu anderen Jahreszeiten haben solche Anstrengungen geholfen, die
Vereinskasse aufzufüllen. Also hat man schon deshalb
immer gern Theater gespielt.
Welche
Anstrengungen unsere vielen Malscher Vereine in noch gar nicht all zu lang
zurückliegender Zeit in dieser Beziehung unternommen haben, können wir
in diesem Rahmen kaum beschreiben. Deshalb werde ich versuchen, dies an
einem typischen Beispiel aufzuzeigen, an einem Beispiel, wo ich selber
nach 1945 aktiv, oft aber auch passiv, also nicht nur auf der Bühne,
mitgewirkt habe: Bei der Kolpingfamilie
,dem
früheren katholischen Gesellenverein,
in Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor
St. Cyriak. Und da brauchte ich auch nicht lange suchen, fragen,
bitten. Denn da genügte es mir schon, ein bisschen in der eigenen
Erinnerung zu schwelgen und in alte Protokollbücher hineinzuschauen. Und
das habe ich auch mit Hilfe einiger Zeitzeugen, insbesondere mit dem bald
88jährigen Karl Grässer, getan.
Karl Grässer mit seiner Ehefrau
Hedwig
Der
Gesellenverein wurde erst im
April 1931 gegründet.
Vordere
Reihe von links: Maisch Bertold, Fauth Josef, Heinrich Alois, Würth
Paul, Präses Kaplan Kreischer, Bechler Emil, Heinzler Oswald, Dietz
Josef, Rastetter Eugen.
Hintere
Reihe: Kunzenbacher Ludwig, Reichert Emil, Kunz Anton, Kraft Alois,
Schindler Franz, Lang Franz Karl, Lang Josef, Holl Eugen, Kunz August,
Kunz Alois, Mayer Josef, Heinzler Anton, Knam Josef, Kunz Franz Karl.
Es
fehlen: Speck Stefan und Müller Emil
Am
12. Juli des Gründungsjahres führten die Gesellen ihr
erstes Theaterstück, „Der Gesellenverein“, ein Festspiel von
Brauer, auf.
Schon am 26.12.1931 mit Wiederholung am 27. 12. folgten „Des Teufels Gloria“. und
(von Schulkindern gespielt) das
Stück „O,
Heil dem Haus, in das du kehrst“
Infolge
der damals beginnenden politischen
Wirren herrschte auch bei den „Gesellen“ etwas Flaute, so dass
erst im Oktober 1932 wieder ein Theaterstück zur Aufführung gelangte:
„Ave Maria“
oder „Durch Nacht zum Licht“. Und
schon an Weihnachten folgte die nächste Aufführung: „Das
Licht der Mutter“ von Josef Eckerskorn.
Die erste, große Theateraufführung
erfolgte dann bereits am 29. Januar 1933:
„Das Gift in der Jugend“,
ein Fünfakter von W. Webels und F. Schare, aufgeführt in der Festhalle,
und dies vor vollem Haus! Das Protokollbuch nennt auch die Namen der
Schauspieler: Kunz Alois, Würth Paul, Reisenauer Anton, Maier Hermann,
Lang Karl, Speck Stefan, Heinrich Alois, Zimmer Erwin, Mayer Josef, Maisch
Berthold, Schindler Emil, Lang Josef, Wipfler Martin und Lang Wilhelm. (Für
alte Malscher lauter bekannte Menschen)
Zum
ersten Mal tauchte dabei auch der Name des Regisseurs auf: Matthias Heinzler.
Das
Protokollbuch vermerkt hierzu wörtlich u.a.: „Meisterhaft und vollendet
das Spiel des Paul Würth in der Kerkerzone……. Den Höhepunkt bildete
die Abführung des verurteilten Franz zur Urteilsvollstreckung…… Das
aus tiefster Seele zum Himmel gerufene
ICH KLAGE AN des Pater
Johannes bildete unzweifelhaft den höchsten Wert des ganzen Stückes….(Großartige
Regieführung!)
Dieses
Stück wurde auch am 5. Februar 1933 in Freiolsheim aufgeführt.
Anlässlich
der Bannerweihe am 7. Mai 1933 wurde es in der Festhalle mit großem
Erfolg noch einmal gespielt.
Presse-Ankündigung
im Mai 1933
Damals
begannen die politischen Schikanen gegen die Gesellenvereine, die schließlich
mit dem Verbot des 1. Deutschen Gesellentages in München endeten.
Trotz
alledem führten die Gesellen in der Weihnachtsfeier 1933
zwei Theaterstücke auf:
„Heimgefunden“ und „Adam als König Balthasar“
Und
am 25. Februar 1934 folgte bereits das nächste (größere) Stück „Verdun“.
Angeregt
durch die gute Kritik folgten im März noch drei weitere Aufführungen in
der Festhalle Malsch, in Freiolsheim und in Sulzbach.
In
der Folgezeit wurde es für die Gesellen immer schwieriger. Erst im März
1935 versuchten sie es mit dem Stück „Schaffende
Hände“, zunächst in der Festhalle und dann noch einmal im Mai im
Theresienhaus.
Das
war dann auch das letzte Theaterstück des Vereins vor der endgültigen
Auflösung (Verbot) durch die
NSDAP.
An
Weihnachten 1935 fand auch keine Weihnachtsfeier mehr statt.
Im
Protokollbuch finden wir unter dem 1. Januar 1936 einen letzten, fast
nichts und doch alles sagenden Vermerk des Schriftführers. Danach hat es
ihm wohl die Stimme verschlagen!
Wie
ging es also nach dem schrecklichen Krieg weiter?
Vom
Krieg heimgekehrte frühere „Gesellen“ und viele neu hinzu gekommene
junge Menschen trafen sich nach dem Krieg zum ersten Mal im „Dachsbau“
am 7. Oktober 1946, um den früheren Gesellenverein, jetzt unter dem Namen
„Kolpingsfamilie“ wieder neu zu beleben.
Und das hat gleich gezündet. Denn schon bei der Neujahrsfeier 1947 in der
Festhalle wurden von eigenen Kräften zwei bemerkenswerte Stücke aufgeführt:
„Die
Herbergsuche“ und
„Der Wächter von
Minoriten“.
Programm Weihnachtsfeier 1947 der
Kolpingsfamilie
Warum
besonders bemerkenswert?
Das
war doch die Zeit, als unsere Malscher Bevölkerung mit einem ganz neuen
Problem fertig werden musste: Die vielen nach Malsch zugewiesenen
Vertriebenen aus dem Osten waren so schnell wie möglich einigermaßen
menschenwürdig unterzubringen. Und dies nicht in Massenquartieren,
sondern bei uns, bei den „alten“ Malschern. Dass dies damals nicht
immer reibungslos möglich war, denkt uns Alten ja nur noch all zu gut.
In
diese Notzeit hinein erklang die damals von Hedwig Hirth und Leopold
Kassel (Maria und Josef) und Heinrich Stöcklein (Stall-Quartiergeber)
gesungene „Herbergsuche“ wie eine zu Herzen gehende Aufforderung, doch
zu helfen. Diese Botschaft ging damals vielen unter die Haut und wurde oft
richtig, wenn auch manchmal widerwillig, verstanden, wo doch die
unverschuldete Not der Vertriebenen so groß war. Ich spüre heute noch,
den Gesang der drei am Klavier begleitend, wie dieses Singen vielen zu
Herzen ging und dann auch oft, sogar spontan geholfen wurde.
Dazu
passte auch das an diesem Abend gespielte Stück „Der Wächter von
Minoriten mit Schreinermeister Alois Koch in der Hauptrolle vorzüglich.
Schreinermeister Alois Koch mit
seinem Wanderer-Moped
Der
Chronist vermerkte dazu:
„Die
Herbergsuche von Klausen und Der Wächter von Minoriten von Hünermann
waren ein voller Erfolg, so dass die beiden Stücke noch einmal aufgeführt
werden mussten“.
Schon am
20. und 26. April 1947 wurde, wieder in der Festhalle, das Stück „Das Gift in der Jugend“
mit großem moralischem und finanziellem Erfolg aufgeführt.
Dass in
dieser Zeit die Idee der NEUEN
HEIMAT auch in Malsch geboren und mit viel Erfolg dann auch ausgeführt
wurde, haben wir besonders dem damals sehr rührigen Senior der
Kolpingsfamilie Hans Bechler zu verdanken.
Johannes Bechler an seinem
Arbeitsplatz im Marienhaus Malsch
Und mit
dem Theaterspielen ging es auch weiter. Es folgten nicht nur ernste Stücke,
sondern oft auch heitere, aufmunternde Couplets und Lustspiele Die Zeit
war ja ernst genug. Drum wollten damals die Menschen auch gern mal etwas
zum Lachen haben.
Kastner Schorsch und Grässer
Karle in einem Lustspiel im Theresienhaus 1960
Damals
wirkte auch schon bald der wieder ins Leben gerufene Gesellenchor (unter
meiner Leitung) oft mit.
In der
Erinnerung höre ich heute noch viele Lieder aus jener Zeit. Ganz
besonders denke ich jetzt an ein von unserem unvergessenen Kastner
Schorsch immer wieder gern gesungenes Liedchen:
Wänne
nummä wissä, wissä, wissä däd, wie des wär,
wämmor
so ä jungs Mädälä küssä, küssä
däd, ….
Ha
ich moin, des wär halt, wie wämmor Zuggor
schlotzä däd, ….
un
middl in dä Zuggorbüchs noch drinnä hoggä
däd, …. u.s.w.
Dä
Kurt, dä Alwies, däHoinor, dä Fronz (Basche) unn dä Schorsch
bei unserer Hochzeit 1951
All das,
was in den Nachkriegsjahren unsere mutigen und begabten Laienschauspieler
gewagt und geboten haben, zu beschreiben, ist in diesem Rahmen fast unmöglich.
Hier möge es genügen, wenn wir wenigstens die wichtigsten Aufführungen
in den folgenden Jahren der Reihe nach demnächst nennen.
Lasst uns
nun berichten über die weiteren Aufführungen der Kolpingsfamilie ab
1948.
1948:
„Der Waldhüter von Vierbach“, „Der Tierarzt kommt“, „Der
billige Jakob“,
„Die drei verliebten Nulpen“ und „Wolf von Falkenstein, der Brudermörder“
1949:
„Die Neue Heimat“, „Das Trauringel“ und „Nulpe in der
Klemme“
1950:
„Am Martelsteg“, „Gnadenbringende Weihnachtszeit“ „Man muss
helle sein“ und das Singspiel „Die Bettelprinzessin“
1951:
„Das Glöcklein im Tale“
1952:
„Solang dein Mütterlein noch lebt“ und „Unter dem Schutz der
Muttergottes“
1953:
„Die Schmiede am Mühlenteich“ und „Tod an der Wiege“ (§218;
mit Wiederholung in Schwenningen am Heuberg bei Pfarrer Leo Hug, dem früheren
Präses)
1954:
„Und dennoch läuten die Glocken“
1955:
„Ein Blinder geht durch die Welt“
1956:
Kirsch und Kern“ und „Die lustigen Freier“. Dieses Jahr brachte
auch noch einen ganz anderen, besonderen Höhepunkt: das 25jährige
Vereinsjubiläum mit der Festrede des damaligen Bundesministers Franz
Josef Strauss

Ehrengäste beim Festzug 1956 zum 25-jährigen
Jubiläum.
Erst 1958
folgte dann das Theaterstück „Die Tür der Gnade“
und
1959
„Meister Diels schönste Weihnacht“
und
1960
„Treffpunkt Parkhotel“
Und
danach?? Ja dann hörte das Theaterspielen dieser Gruppe zumindest laut
Protokollbuch offiziell auf. Warum wohl? Weil das aufkommende Fernsehen
den Menschen schon so viel Unterhaltung und Zeitvertreib bot, dass es sich
(fast) nicht mehr lohnte, zu unseren Vereinen zu gehen, um sich
unterhalten zu lassen! Schade, ja jammerschade, denn kein noch so
spannender Fernsehabend konnte doch das lebendige Spiel von Menschen und
die dabei erlebte Spannung auf einer Bühne ersetzen.
So war
das damals. Und so ging es auch den meisten anderen Vereinen. Denn diese
waren in den vorangegangenen Jahren mindestens genau so aktiv tätig wie
der gerade beschriebene Gesellenverein bzw. die Kolpingsfamilie.
Der
wiedererstandene Chor der Kolpingsfamilie (1955)
Was ich
damit besonders sagen will: Die Freude am Theaterspiel, die Begeisterung
der jungen und alten Menschen auf der Bühne und die Dankbarkeit der
frohen Zuschauer war doch bei allen Malscher Vereinen gleichermaßen zu spüren,
bei Gesangs- wie bei Sportvereinen, um nur zwei Gruppen zu nennen. Man
braucht nur die Titel der Theaterstücke auszutauschen, und schon gilt all
das Gesagte für unsere anderen vielen Vereine ja auch! Also ein Loblied
und großes Dankeschön Euch allen, die Ihr in früheren Jahren uns allen
immer wieder eine große Freude bereitet habt! Nur wer da selber
mitgemacht hat, weiß wirklich, was auch von Euch über viele Jahre hinweg
geleistet wurde. Schade, dass es so etwas heute so gut wie nicht mehr
gibt. Oder doch wieder?
Zum
Abschluss dieser Rückschau erlaube ich mir, ja muss ich aber doch noch über
zwei besonders herausragende Malscher Theater-Ereignisse aus jener Zeit
berichten.
Schillers
„Räuber“ bei den Malscher Fußballern
Man kanns fast nicht glauben, aber es war tatsächlich
so!
Im
Festbuch zum Jubiläum 50 Jahre FV Malsch fand ich folgende Notiz:
„Nach
1926 machte sich Arbeitsmangel in der Industrie bemerkbar, die nach 1928
große Arbeitslosigkeit brachte. Hier setzte wieder eine finanzielle
Krisenzeit ein, so dass die Verwaltung beschloss, sich noch auf anderen
kulturellen Gebieten zu betätigen, und führte 1930/1931 das Schauspiel
„Schillers Räuber“ auf, das mit großem Erfolg abschloss.“
„Dazu
kam noch, dass im Spätjahr 1930 eine Sturmböe das Dach des Clubhauses
abgedeckt und bis auf die Platzmitte geworfen hatte. Der Kassier weiß
nicht mehr, woher er das Geld nehmen soll.“
In
dieser Not hatten damals Männer des Vereins und eine Frau, (man bedenke:
Fußballer, und keine gelernten Schauspieler!) den Mut, sich an eine
solche Aufgabe heranzuwagen. Und das mit großem Erfolg, so dass das Stück
auch 1934 noch zwei Mal aufgeführt wurde. Also hatte sich die Mühe doch
gelohnt.
Aber
nicht nur der finanzielle Erfolg ist besonders erwähnenswert! Man
bedenke: Ein Fußballverein! Und Schillers „Räuber“, ein deutscher
Klassiker in fünf Akten! Bei uns in Malsch, auf dem Dorf! Unvorstellbar
und doch wahr. Schaudernd überkommt mich da heute noch ein Staunen und
große Hochachtung.
Über
den Inhalt des Stückes wollen wir uns hier nicht auslassen. Dieser ist ja
manchen aus der Schulzeit sicher noch in mehr oder weniger guter
Erinnerung. Hier möchten wir besonders die Leistung der damaligen Akteure
würdigen. Und das können wir ganz besonders dadurch tun, indem wir ihr
Andenken wieder aufleben lassen und sie durch Bilder von „früher“ zu
würdigen versuchen.
Dass
wir das nun können, verdanken wir insbesondere der fleißigen Sammlertätigkeit
eines Ehrenmitgliedes des Vereins, denn dieser hat mit viel Geduld Bilder
von fast allen Mitwirkenden erhalten und gesammelt:
Hier
folgen nun Bilder mit Rollen- und Namensangaben:
Alle
Mitspieler; hinten rechts der Spielleiter Adolf Reiß, damals Lehrer an
der Johann-Peter-Hebel-Schule
Des Grafen Sohn Karl und Amalie von Edelreich
(Adolf Bechler, späterer Bürgermeister von Malsch und Elise
Rieger) |

Graf von Moor (Theodor
Bechler) und |
Kosinsky (Hans Bechler) und |

Schweizer (Bechler Otto) |
|

Hermann,
ein junger Edelmann
(Karl Müller; än Klunker) |

Pastor Moser ( Buchmaier Seppi) |
Ein Pater (Kastner Konrad) |

Spiegelberg (Heck Josef) |
Grimm (Heinrich Theodor) |
|
Carl
Maria von Weber’s romantische Oper „D e r F r e i s
c h ü t z“
durch
den „Liederkranz“ 1927 bei uns in Malsch
An
dieses letzte Kapitel in der Reihe der Beschreibungen von allerlei
Theaterspiel in unserer Heimatgemeinde Malsch in früheren Jahren gehe ich
nur mit ganz großem Respekt und sogar mit Ehrfurcht heran, weiß ich doch
aus eigenem Erleben, was da alles dahinter steckt. Denn ich weiß wirklich
(nach bald 67 Jahren aktiver Kirchenmusik und Chorleitertätigkeit), was
es nicht nur für einen Chorleiter, sondern vor allem auch für
sangesfreudige und -willige junge wie auch ältere Menschen bedeutet, sich
auf anspruchsvolle musikalische Werke einzulassen, wie es in meiner besten
Zeit ja auch oft geschehen ist. Ich denke da besonders an Orchestermessen
von Mozart und Haydn, aber auch an Werke moderner Komponisten wie z. B.
Joseph Haas u..a..zurück. Dabei konnten die Mitwirkenden beim Singen aber
immer noch ihre Noten in den Händen halten und brauchten dabei nicht auch
noch „Theater“ spielen und ihre „Rollen“ auswendig lernen!
Doch
wie war das damals beim Liederkranz im Spätsommer 1927?
Männergesangverein
Liederkranz mit seinem Dirigenten Friedrich Schlager 1927
(unten mit Dirigentenstab)
Da
kommt der Dirigent plötzlich auf die Idee, seinem Verein zuzumuten, in
drei Monaten (!) tatsächlich eine klassische Oper einzustudieren und auch
aufführen zu wollen. Bei uns in Malsch! Auf dem Land? Verrückt? Oder
doch nicht?
Und
man kann es kaum glauben: In gerade einem viertel Jahr gelingt es diesem
Euphoriker (manche sagten damals „Spinner“), diese seine Idee zu
realisieren. Und dies mit lauter einheimischen und musikalisch nicht
ausgebildeten Kräften, ob als Solisten oder als Chorsänger-innen! Mit
einer Ausnahme: Die Rolle des „Eremiten“ musste damals ein fremder
Gastsänger übernehmen: Michael Reisenauer (,dä
Hasämichl) vom Bruderverein MGV Concordia Malsch! Ist das in der
Erinnerung nicht wunderschön?
Und
wer war der „Spinner“, der Initiator dieser Idee? Der vielen alten
Malschern sicher noch bekannte Studienrat Friedrich Schlager aus der
Weitgasse, damals Dirigent des „Liederkranzes“ und Seminar-Musiklehrer
in Karlsruhe. Seinen persönlichen Beziehungen zu Karlsruher
Orchestermusikern, seinem Durchstehvermögen und seiner Opferbereitschaft
an viel Freizeit, aber auch dem Spielleiter Johannes Heinzler, dem
„Techniker“ Franz Reichert und dem Bühnenbildner Leo Weber, war es
sicher zu verdanken, dass diese „verrückte“ Idee letztendlich
musikalisch wie technisch tatsächlich auch umgesetzt werden konnte, und
dies auch unter Einbeziehung von einigen einheimischen Streichern und Bläsern.
Von links: Spielleiter Johannes
Heinzler, Dirigent Studienrat Friedrich Schlager, Bühnenbildner Leo Weber
Dass
dieses Ereignis damals in Malsch wie eine Bombe einschlug, kann man
sowohl dem PROGRAMM wie auch einem damaligen Pressebericht
entnehmen.
Wie schon ioben angekündigt,
folgen hier noch Programm, ein Pressebericht von damals sowie einige
Bilder der „Malscher“ Solisten, soweit wir sie erhalten konnten.
Programm: Freischütz am 15. und 16. Oktober (1927)
Hier ein Pressebericht
zur Aufführung des „Freischütz“:
„Mit
berechtigtem Stolz darf der hiesige „Liederkranz“ auf seine Freischützaufführungen
am letzten Samstag und Sonntag zurückblicken. War es ihm doch geglückt,
eine Wiedergabe dieser herrlichen Oper zu bieten, die alle Erwartungen
weit überstieg. Wohl mancher Besucher ist zweifelnd gekommen. Doch als er
die Ouvertüre gehört hatte, wird er doch gestaunt haben über so
herrliche Musik. Als der Vorhang sich hob, Kilians Meisterschuß fiel, die
Scheibe von jenem schmucken, schwarzen Dirndl mit graziös-feurigem „Juhu“-Hopfer
in die freudige Menge hinein getragen wurde und zu diesem reizendfarbigen
Bild außer der bezaubernden Musik der Siegerchor „Victoria“ so prächtig
frisch und rein erklang, da lebten alle Herzen mit. Einwandfrei wie die
Musik und Chor folgte das Schauspielerische. Auch davon muß man sagen: Es
war sehr gut! Vor allem glänzte Kuno in Sprache und Ausdruck, wie
geschaffen für diese Rolle. Auch Kilian hielt sich wacker. Kaspar und Max
haben ihre schwere Aufgabe gesanglich und dramatisch gut, stellenweise
(Wolfsschlucht) sogar sehr gut hingelegt. Der schwarze Jäger Samiel hatte
seine Aufgabe gut verstanden. War nicht so einfach! Fürst Ottokar
gesanglich und dramatisch sehr nett, fein aristokratisch Sehr gut gefiel
der Eremit, dessen herrliche, reine Stimme allgemein bewundert wurde, hätte
nicht viel besser sein können.
Nun noch die zwei
Sterne am Freischützhimmel: Agathe und Ännchen, beide gesanglich
tadellos. Wirklich ausgezeichnet! Agathe, wie sie sein sollte: still,
ernst, gemessen. Und Ännchen: wie geschaffen hierzu. Frisch, heiter, mit
silberheller Stimme, sang und spielte auch tadellos. Künstlertisch
brachte sie die Bitte: O habt Erbarmen! Jägerchor und gemischter Chor,
die Spiel- und technische Leitung, alles war in feinster Harmonie. Der
Jungfernkranz verdient besonderes Lob. Alles zusammen: Orchester,
Solisten, Chor und Technik, alles war ineinander verwachsen – ein Guß
– und schön. …
Wenige wissen, welch ungeheure Arbeit es erfordert, um ein solches
Unternehmen zu zimmern. Hoffnung auf Gewinn darf diese Arbeit nicht
leiten. …….
Der Dirigent des
Liederkranzes, Herr Sem. Musiklehrer Schlager wird wissen, was Er in
seiner Liebe zur Sache geopfert hat. Aber je härter der Kampf, je schöner
der Sieg. Der Sieg war schön. Ihnen, Herr Musiklehrer Schlager, und allen
Helfern innigsten Dank für diesen herrlichen Genuß“.
Es folgen noch Bilder der
beteiligten Solisten, soweit vorhanden:
Ottokar, Regierender Fürst: Josef Balzer (mit Braut)
Cuno, Erbförsterr: Stefan Deubel (mit seinen Enkeln Erwin und Karl)
Agathe,
dessen Tochter: Klara Fauth
Ännchen,
eine junge
Verwandte: Veronika Zimmer (mit Bräutigam)
Ein Eremit: Michael Reisenauer (inmitten seiner Großfamilie)
Ich jedenfalls bin stolz
darauf, dass meine spätere Schwiegermutter Veronika Hirth, geb. Zimmer
(von der Zimmer-Mühle) damals eine ihr angemessene fröhliche Rolle (s’Ännchen)
spielen und singen durfte, wie sie ihren Kindern und Schwiegerkindern aus
der Erinnerung heraus erzählte
und auch immer wieder vorsang. (Dabei hatte sie sogar ihren „schlanken
Burschen“ (Karl Hirth), den sie in einer Arie besungen durfte, kennen
und lieben gelernt.
Euch allen, die Ihr damals
dazu beigetragen habt, dieses einmalige Ereignis (und viele andere
wunderschöne Aufführungen) zu ermöglichen, sei von uns, auch aus
heutiger Sicht, ein ganz großes Kompliment und Dankeschön gesagt.
Zusammenfassend kann man sagen: Die Malscher haben schon immer gern
Theater gespielt, au wänn se
monchmol sogar mit sich selwor unn au unnoränondor
oft Theator ghatt hänn. |