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42.  Unsere ehemaligen Malscher „Theater“

42.1  Ehemalige Malscher Kinos

Die damaligen „Lichtspieltheater“ hat man bei uns ja nicht „Theater“, sondern schlicht und einfach „Kino“ genannt. Dieses Wort ist griechischen Ursprungs und bedeutet nichts anderes als „Bewegung“. Anfangs, in Malsch seit 1912, wurden ja nur Geschichten in „bewegten“ Bildern gezeigt, zunächst stumm mit dazu passender untermalender Musik. Erst viel später gab es Filme mit zugehörigem Ton, also mit Sprache und Musik!

Was dann vorgeführt wurde, war ein so genannter Tonfilm.

Über die Anfänge hat uns Wilhelm Wildemann in seinem Buch „Malscher Leben“ schon einiges erzählt. So wissen wir auch dank ihm, dass  das erste Malscher Kino in einem Nebengebäude des Gasthauses zum Löwen eingerichtet war. Die Malscher gaben diesem bald einen besonderen Namen und nannten es liebevoll  d’Flohkischt, obwohl es offiziell Löwenkino Malsch hieß. 1923 wurde es dann in Alemannia-Lichtspiele und schon  1926 in Union-Lichtspiele Malsch umbenannt. Ab 1933 wurde das Kino  Olymp-Lichtspiele genannt und nach 1945 dann Olympia-Lichtspiele.

 

Das Kino vor 1945

Otto Kunz mit Frau und Tochter vor dem Kino ca. 1960

 

 Werbung im Gemeindeanzeiger im Juli 1956

 

Drinnen war es zwar etwas eng, aber die Menschen fühlten sich wohl, auch wenn es während jeder Filmvorführung einige „Pausen“ gab. Denn der Vorführer musste einige Male die Filmrollen wechseln. Und das dauerte immer einige Minuten. Erst Jahre später sorgte dann modernere Technik dafür, dass solche Unterbrechungen nicht mehr notwendig waren.

Nachdem es dann nach dem Krieg aber bald andere Möglichkeiten zur Unterhaltung, ganz besonders das Fernsehen, gab, rentierte sich der Betrieb nicht mehr. So wurde dieses Kino Mitte der 60er Jahre endgültig geschlossen.

Für uns unvergessen bleibt die „Chefin“ Laura Kunz, eine Tochter des Löwenwirts Hermann Kunz.

 

Laura Kunz in jungen Jahren

 Zu fast jedem Film konnte beim Kauf der Eintrittskarte die Zeitschrift „Das Neue  Film-Programm“ für 10 Pfennig gekauft werden

       


Das Gloria-Theater gab es erst nach dem Krieg in Malsch. Kurz vor 1950 wurde das Kino im ehemaligen Kaisersaal eingerichtet. Dieser moderne Saalbau wurde bereits 1924 vom damaligen Kaiserwirt Anselm Lang erbaut. Nach dem Krieg diente das Haus vor allem dazu, die damalige große Not zu lindern. So wundert es nicht, dass der große Saal bald zur Unterbringung der damaligen vielen Flüchtlinge herhalten musste. 

Erst als Kurt Schneider mit Frau und Tochter 1949 nach Malsch kam, entstand die Idee, in diesem Haus ein Kino einzurichten. 

Kinobetreiber Kurt Schneider mit Ehefrau vor dem Eingang des Kino´s

Über die Anfänge damals lassen wir am besten Tochter Karin selber erzählen:

„Meine Eltern kamen Anfang November 1949 nach Malsch, um im Saalbau Kaiser ein Filmtheater einzurichten. Vorher waren in diesem Gebäude Flüchtlinge untergebracht gewesen. Und davor muss es als Theater gedient haben, denn wir haben noch gemalte Kulissen gefunden. Wir wohnten zuerst (notdürftig) in der ehemaligen Schankstube recht primitiv mit 3 Personen zusammen. Aber nach dem Krieg war ja vieles möglich gewesen.

Nach dem Umbau begann Anfang 1950 der Kinobetrieb. Die beiden Vorführmaschinen hatte mein Vater noch in Bayern, wo wir nach unserer Flucht aus Breslau Unterschlupf und Arbeit gefunden hatten, selbst gebaut. Von Beruf war mein Vater ja Toningenieur. Und als solcher hatte er schon vor seinem Militärdienst für die UFA Kinos eingerichtet.

Soweit ich mich noch erinnere, war unser erster Film „Truxa“, ein Zirkusfilm. In denn ersten Jahren lief das Kinogeschäft sehr gut, so dass mein Vater auch in Muggensturm ein Kino eröffnete. In Malsch wurde das Kino noch einmal renoviert und mit einer Cinemascope-Leinwand und Stereoton  ausgestattet.

  

Werbung im Gemeindeanzeiger 1959

 

Langjährige Platzanweiserin Bertl Koch 

Als dann aber die allgemeine Motorisierung einsetzte, fuhren viele unserer ehemaligen Kunden lieber nach Karlsruhe, da dort die Filme früher liefen.

Einen weiteren Einbruch erlebte das Kino mit dem Aufkommen des Fernsehens. Und Ende 1969 war dann für uns endgültig Schluss. Zwei weitere Firmen haben dann noch ihr Glück versucht, aber vergeblich. Heute ist das Haus anderweitig genutzt.“

Soweit Karin Kühn geb. Schneider 

   

Zwei verschiedene Eintrittskarten zum Gloria Filmtheater 

Soweit die Berichte über unsere ehemaligen Malscher Kinos. 

Dabei dürfen wir aber einen Menschen  nicht vergessen, der über viele Jahre hinweg sowohl mit der „Flohkischt“ als auch mit dem „Gloria“ ganz eng verbunden war: Slavko Gerber (1929-2007). Denn er hat einige Jahre beim damaligen Filmvorführer im Löwen-Kino, bei Alex Drexler aus Muggensturm,  den Umgang mit der Filmmaschine freiwillig, also in seiner Freizeit, gründlich erlernt. Und dadurch war er sogar bald in der Lage, in Karlsruhe eine offizielle Prüfung abzulegen. Von 1950 bis 1955 war er dann sogar der Vorführer bei Laura Kunz und wechselte danach ins Gloria-Theater zu Kurt Schneider. Dort blieb er neben seinem Hauptberuf „Automechaniker“ als Filmvorführer bis in die 60er Jahre. Seine Ehefrau Berta, geb. Adam, war in dieser Zeit ebenfalls im „Gloria“ als Platzanweiserin tätig.

Filmvorführer Slavko Gerber


Laientheater in Malsch

Der Begriff „Theater“ hat bei uns in Malsch noch eine ganz andere Bedeutung. Selbstverständlich ist damit zunächst das klassische Theater auf der Bühne gemeint, also mit Schauspielern, Kostümen, Bühnenbildern und den üblichen Requisiten. So etwas gab und gibt es auch heute noch, jedoch meist nur in Städten, wo halt das dazu erforderliche Geld vorhanden ist.

In kleineren Gemeinden, so auch in Malsch, hat man trotzdem, soweit wir zurückdenken können, immer wieder „Theater“ gespielt. Und dies nicht nur in der Weihnachtszeit. Doch gerade in dieser Festzeit mussten die Vereine ihren Mitgliedern, ganz besonders den Passiven, etwas Besonderes bieten, um sie (auch als Beitragszahler) bei der Stange zu halten!

Auch zu anderen Jahreszeiten haben solche Anstrengungen geholfen, die Vereinskasse aufzufüllen. Also hat man schon deshalb  immer gern Theater gespielt.

Welche Anstrengungen unsere vielen Malscher Vereine in noch gar nicht all zu lang zurückliegender Zeit in dieser Beziehung unternommen haben, können wir in diesem Rahmen kaum beschreiben. Deshalb werde ich versuchen, dies an einem typischen Beispiel aufzuzeigen, an einem Beispiel, wo ich selber nach 1945 aktiv, oft aber auch passiv, also nicht nur auf der Bühne, mitgewirkt habe: Bei der Kolpingfamilie ,dem früheren katholischen Gesellenverein, in Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor St. Cyriak. Und da brauchte ich auch nicht lange suchen, fragen, bitten. Denn da genügte es mir schon, ein bisschen in der eigenen Erinnerung zu schwelgen und in alte Protokollbücher hineinzuschauen. Und das habe ich auch mit Hilfe einiger Zeitzeugen, insbesondere mit dem bald 88jährigen Karl Grässer, getan. 

 

Karl Grässer mit seiner Ehefrau Hedwig 

Der Gesellenverein wurde erst im April 1931 gegründet. 

 

Vordere Reihe von links: Maisch Bertold, Fauth Josef, Heinrich Alois, Würth Paul, Präses Kaplan Kreischer, Bechler Emil, Heinzler Oswald, Dietz Josef, Rastetter Eugen.

Hintere Reihe: Kunzenbacher Ludwig, Reichert Emil, Kunz Anton, Kraft Alois, Schindler Franz, Lang Franz Karl, Lang Josef, Holl Eugen, Kunz August, Kunz Alois, Mayer Josef, Heinzler Anton, Knam Josef, Kunz Franz Karl.

Es fehlen: Speck Stefan und Müller Emil

Am 12. Juli des Gründungsjahres führten die Gesellen ihr erstes Theaterstück, „Der Gesellenverein“, ein Festspiel von Brauer, auf.
Schon am 26.12.1931 mit Wiederholung am 27. 12. folgten „Des Teufels Gloria“.  und (von Schulkindern gespielt)  das Stück  „O, Heil dem Haus, in das du kehrst“

Infolge der damals beginnenden politischen Wirren herrschte auch bei den „Gesellen“ etwas Flaute, so dass erst im Oktober 1932 wieder ein Theaterstück zur Aufführung gelangte:

„Ave Maria“  oder  „Durch Nacht zum Licht“.  Und schon an Weihnachten folgte die nächste Aufführung: „Das Licht der Mutter“ von Josef Eckerskorn. 

Die erste, große Theateraufführung erfolgte dann bereits am 29. Januar 1933:

„Das Gift in der Jugend“, ein Fünfakter von W. Webels und F. Schare, aufgeführt in der Festhalle, und dies vor vollem Haus! Das Protokollbuch nennt auch die Namen der Schauspieler: Kunz Alois, Würth Paul, Reisenauer Anton, Maier Hermann, Lang Karl, Speck Stefan, Heinrich Alois, Zimmer Erwin, Mayer Josef, Maisch Berthold, Schindler Emil, Lang Josef, Wipfler Martin und Lang Wilhelm. (Für alte Malscher lauter bekannte Menschen)

Zum ersten Mal tauchte dabei auch der Name des Regisseurs auf: Matthias Heinzler.

  

Das Protokollbuch vermerkt hierzu wörtlich u.a.: „Meisterhaft und vollendet das Spiel des Paul Würth in der Kerkerzone……. Den Höhepunkt bildete die Abführung des verurteilten Franz zur Urteilsvollstreckung…… Das aus tiefster Seele zum Himmel gerufene  ICH KLAGE AN  des Pater Johannes bildete unzweifelhaft den höchsten Wert des ganzen Stückes….(Großartige Regieführung!)

Dieses Stück wurde auch am 5. Februar 1933 in Freiolsheim aufgeführt.

Anlässlich der Bannerweihe am 7. Mai 1933 wurde es in der Festhalle mit großem Erfolg noch einmal gespielt. 

 

Presse-Ankündigung im Mai 1933 

Damals begannen die politischen Schikanen gegen die Gesellenvereine, die schließlich mit dem Verbot des 1. Deutschen Gesellentages in München endeten.

Trotz alledem führten die Gesellen in der Weihnachtsfeier 1933  zwei Theaterstücke auf:

„Heimgefunden“  und  „Adam als König Balthasar“

Und am 25. Februar 1934 folgte bereits das nächste (größere)  Stück  „Verdun“.

Angeregt durch die gute Kritik folgten im März noch drei weitere Aufführungen in der Festhalle Malsch, in Freiolsheim und in Sulzbach.

In der Folgezeit wurde es für die Gesellen immer schwieriger. Erst im März 1935 versuchten sie es mit dem Stück „Schaffende Hände“, zunächst in der Festhalle und dann noch einmal im Mai im Theresienhaus.

Das war dann auch das letzte Theaterstück des Vereins vor der endgültigen Auflösung (Verbot)  durch die NSDAP.

An Weihnachten 1935 fand auch keine Weihnachtsfeier mehr statt.

Im Protokollbuch finden wir unter dem 1. Januar 1936 einen letzten, fast nichts und doch alles sagenden Vermerk des Schriftführers. Danach hat es ihm wohl die Stimme verschlagen!


Wie ging es also nach dem schrecklichen Krieg weiter?

Vom Krieg heimgekehrte frühere „Gesellen“ und viele neu hinzu gekommene junge Menschen trafen sich nach dem Krieg zum ersten Mal im „Dachsbau“ am 7. Oktober 1946, um den früheren Gesellenverein, jetzt unter dem Namen „Kolpingsfamilie“ wieder neu zu beleben.
Und das hat gleich gezündet. Denn schon bei der Neujahrsfeier 1947 in der Festhalle wurden von eigenen Kräften zwei bemerkenswerte Stücke aufgeführt:

„Die Herbergsuche“    und   Der Wächter von Minoriten“.

                    

Programm Weihnachtsfeier 1947 der Kolpingsfamilie 

Warum besonders bemerkenswert?

Das war doch die Zeit, als unsere Malscher Bevölkerung mit einem ganz neuen Problem fertig werden musste: Die vielen nach Malsch zugewiesenen Vertriebenen aus dem Osten waren so schnell wie möglich einigermaßen menschenwürdig unterzubringen. Und dies nicht in Massenquartieren, sondern bei uns, bei den „alten“ Malschern. Dass dies damals nicht immer reibungslos möglich war, denkt uns Alten ja nur noch all zu gut.

In diese Notzeit hinein erklang die damals von Hedwig Hirth und Leopold Kassel (Maria und Josef) und Heinrich Stöcklein (Stall-Quartiergeber) gesungene „Herbergsuche“ wie eine zu Herzen gehende Aufforderung, doch zu helfen. Diese Botschaft ging damals vielen unter die Haut und wurde oft richtig, wenn auch manchmal widerwillig, verstanden, wo doch die unverschuldete Not der Vertriebenen so groß war. Ich spüre heute noch, den Gesang der drei am Klavier begleitend, wie dieses Singen vielen zu Herzen ging und dann auch oft, sogar spontan geholfen wurde. 

Dazu passte auch das an diesem Abend gespielte Stück „Der Wächter von Minoriten mit Schreinermeister Alois Koch in der Hauptrolle vorzüglich.  

Schreinermeister Alois Koch mit seinem Wanderer-Moped 

Der Chronist vermerkte dazu:

„Die Herbergsuche von Klausen und Der Wächter von Minoriten von Hünermann waren ein voller Erfolg, so dass die beiden Stücke noch einmal aufgeführt werden mussten“.

Schon am 20. und 26. April 1947 wurde, wieder in der Festhalle, das Stück „Das Gift in der Jugend“ mit großem moralischem und finanziellem Erfolg aufgeführt.

Dass in dieser Zeit die Idee der NEUEN HEIMAT auch in Malsch geboren und mit viel Erfolg dann auch ausgeführt wurde, haben wir besonders dem damals sehr rührigen Senior der Kolpingsfamilie Hans Bechler zu verdanken. 

Johannes Bechler an seinem Arbeitsplatz im Marienhaus Malsch

Und mit dem Theaterspielen ging es auch weiter. Es folgten nicht nur ernste Stücke, sondern oft auch heitere, aufmunternde Couplets und Lustspiele Die Zeit war ja ernst genug. Drum wollten damals die Menschen auch gern mal etwas zum Lachen haben. 

Kastner Schorsch und Grässer Karle in einem Lustspiel im Theresienhaus 1960 

Damals wirkte auch schon bald der wieder ins Leben gerufene Gesellenchor (unter meiner Leitung) oft mit.

In der Erinnerung höre ich heute noch viele Lieder aus jener Zeit. Ganz besonders denke ich jetzt an ein von unserem unvergessenen Kastner Schorsch immer wieder gern gesungenes Liedchen:

Wänne nummä wissä, wissä, wissä däd, wie des wär,

wämmor so ä jungs Mädälä küssä, küssä däd, ….

Ha ich moin, des wär halt, wie wämmor Zuggor schlotzä däd, ….

un middl in dä Zuggorbüchs noch drinnä hoggä däd, ….            u.s.w. 

Dä Kurt, dä Alwies, däHoinor, dä Fronz (Basche) unn dä Schorsch
bei unserer Hochzeit 1951
 

All das, was in den Nachkriegsjahren unsere mutigen und begabten Laienschauspieler gewagt und geboten haben, zu beschreiben, ist in diesem Rahmen fast unmöglich. Hier möge es genügen, wenn wir wenigstens die wichtigsten Aufführungen in den folgenden Jahren der Reihe nach demnächst nennen.

Lasst uns nun berichten über die weiteren Aufführungen der Kolpingsfamilie ab 1948.

1948: „Der Waldhüter von Vierbach“, „Der Tierarzt kommt“, „Der billige Jakob“,
„Die drei verliebten Nulpen“ und „Wolf von Falkenstein, der Brudermörder“

1949: „Die Neue Heimat“, „Das Trauringel“ und „Nulpe in der Klemme“

1950: „Am Martelsteg“, „Gnadenbringende Weihnachtszeit“ „Man muss helle sein“ und das Singspiel „Die Bettelprinzessin“

1951: „Das Glöcklein im Tale“

1952: „Solang dein Mütterlein noch lebt“ und „Unter dem Schutz der Muttergottes“

1953: „Die Schmiede am Mühlenteich“ und „Tod an der Wiege“ (§218; mit Wiederholung in Schwenningen am Heuberg bei Pfarrer Leo Hug, dem früheren Präses) 

1954: „Und dennoch läuten die Glocken“

1955: „Ein Blinder geht durch die Welt“

1956: Kirsch und Kern“ und „Die lustigen Freier“. Dieses Jahr brachte auch noch einen ganz anderen, besonderen Höhepunkt: das 25jährige Vereinsjubiläum mit der Festrede des damaligen Bundesministers Franz Josef Strauss

           Ehrengäste beim Festzug 1956 zum 25-jährigen Jubiläum.

Erst 1958  folgte dann das Theaterstück „Die Tür der Gnade“   und

1959 „Meister Diels schönste Weihnacht“  und

1960 „Treffpunkt Parkhotel“

Und danach?? Ja dann hörte das Theaterspielen dieser Gruppe zumindest laut Protokollbuch offiziell auf. Warum wohl? Weil das aufkommende Fernsehen den Menschen schon so viel Unterhaltung und Zeitvertreib bot, dass es sich (fast) nicht mehr lohnte, zu unseren Vereinen zu gehen, um sich unterhalten zu lassen! Schade, ja jammerschade, denn kein noch so spannender Fernsehabend konnte doch das lebendige Spiel von Menschen und die dabei erlebte Spannung auf einer Bühne ersetzen.

So war das damals. Und so ging es auch den meisten anderen Vereinen. Denn diese waren in den vorangegangenen Jahren mindestens genau so aktiv tätig wie der gerade beschriebene Gesellenverein bzw. die Kolpingsfamilie.

 

Der wiedererstandene Chor der Kolpingsfamilie (1955) 

Was ich damit besonders sagen will: Die Freude am Theaterspiel, die Begeisterung der jungen und alten Menschen auf der Bühne und die Dankbarkeit der frohen Zuschauer war doch bei allen Malscher Vereinen gleichermaßen zu spüren, bei Gesangs- wie bei Sportvereinen, um nur zwei Gruppen zu nennen. Man braucht nur die Titel der Theaterstücke auszutauschen, und schon gilt all das Gesagte für unsere anderen vielen Vereine ja auch! Also ein Loblied und großes Dankeschön Euch allen, die Ihr in früheren Jahren uns allen immer wieder eine große Freude bereitet habt! Nur wer da selber mitgemacht hat, weiß wirklich, was auch von Euch über viele Jahre hinweg geleistet wurde. Schade, dass es so etwas heute so gut wie nicht mehr gibt. Oder doch wieder?

Zum Abschluss dieser Rückschau erlaube ich mir, ja muss ich aber doch noch über zwei besonders herausragende Malscher Theater-Ereignisse aus jener Zeit berichten.


Schillers „Räuber“ bei den Malscher Fußballern

Man kanns fast nicht glauben, aber es war tatsächlich so!

Im Festbuch zum Jubiläum 50 Jahre FV Malsch fand ich folgende Notiz:

„Nach 1926 machte sich Arbeitsmangel in der Industrie bemerkbar, die nach 1928 große Arbeitslosigkeit brachte. Hier setzte wieder eine finanzielle Krisenzeit ein, so dass die Verwaltung beschloss, sich noch auf anderen kulturellen Gebieten zu betätigen, und führte 1930/1931 das Schauspiel „Schillers Räuber“ auf, das mit großem Erfolg abschloss.“

„Dazu kam noch, dass im Spätjahr 1930 eine Sturmböe das Dach des Clubhauses abgedeckt und bis auf die Platzmitte geworfen hatte. Der Kassier weiß nicht mehr, woher er das Geld nehmen soll.“

In dieser Not hatten damals Männer des Vereins und eine Frau, (man bedenke: Fußballer, und keine gelernten Schauspieler!) den Mut, sich an eine solche Aufgabe heranzuwagen. Und das mit großem Erfolg, so dass das Stück auch 1934 noch zwei Mal aufgeführt wurde. Also hatte sich die Mühe doch gelohnt.

Aber nicht nur der finanzielle Erfolg ist besonders erwähnenswert! Man bedenke: Ein Fußballverein! Und Schillers „Räuber“, ein deutscher Klassiker in fünf Akten! Bei uns in Malsch, auf dem Dorf! Unvorstellbar und doch wahr. Schaudernd überkommt mich da heute noch ein Staunen und große Hochachtung.

 

 

Über den Inhalt des Stückes wollen wir uns hier nicht auslassen. Dieser ist ja manchen aus der Schulzeit sicher noch in mehr oder weniger guter Erinnerung. Hier möchten wir besonders die Leistung der damaligen Akteure würdigen. Und das können wir ganz besonders dadurch tun, indem wir ihr Andenken wieder aufleben lassen und sie durch Bilder von „früher“ zu würdigen versuchen.

Dass wir das nun können, verdanken wir insbesondere der fleißigen Sammlertätigkeit eines Ehrenmitgliedes des Vereins, denn dieser hat mit viel Geduld Bilder von fast allen Mitwirkenden erhalten und gesammelt: 

Hier folgen nun Bilder mit Rollen- und Namensangaben: 

                 

Alle Mitspieler; hinten rechts der Spielleiter Adolf Reiß, damals Lehrer an der Johann-Peter-Hebel-Schule

Des Grafen Sohn Karl und Amalie von Edelreich 
(Adolf Bechler, späterer Bürgermeister von Malsch und Elise Rieger)
 

Graf von Moor  (Theodor Bechler) und 

Kosinsky (Hans Bechler) und

Schweizer (Bechler Otto) 

Hermann, ein junger Edelmann 
(Karl Müller; än Klunker) 

Pastor Moser ( Buchmaier Seppi)  

Ein Pater (Kastner Konrad) 

Spiegelberg (Heck Josef) 

Grimm (Heinrich Theodor)


Carl Maria von Weber’s romantische Oper   „D e r  F r e i s c h ü t z“

durch den  „Liederkranz“  1927  bei uns in Malsch 

An dieses letzte Kapitel in der Reihe der Beschreibungen von allerlei Theaterspiel in unserer Heimatgemeinde Malsch in früheren Jahren gehe ich nur mit ganz großem Respekt und sogar mit Ehrfurcht heran, weiß ich doch aus eigenem Erleben, was da alles dahinter steckt. Denn ich weiß wirklich (nach bald 67 Jahren aktiver Kirchenmusik und Chorleitertätigkeit), was es nicht nur für einen Chorleiter, sondern vor allem auch für sangesfreudige und -willige junge wie auch ältere Menschen bedeutet, sich auf anspruchsvolle musikalische Werke einzulassen, wie es in meiner besten Zeit ja auch oft geschehen ist. Ich denke da besonders an Orchestermessen von Mozart und Haydn, aber auch an Werke moderner Komponisten wie z. B. Joseph Haas u..a..zurück. Dabei konnten die Mitwirkenden beim Singen aber immer noch ihre Noten in den Händen halten und brauchten dabei nicht auch noch „Theater“ spielen und ihre „Rollen“ auswendig lernen!

Doch wie war das damals beim Liederkranz im Spätsommer 1927? 

 

Männergesangverein Liederkranz mit seinem Dirigenten Friedrich Schlager 1927
(unten mit Dirigentenstab)

 

Da kommt der Dirigent plötzlich auf die Idee, seinem Verein zuzumuten, in drei Monaten (!) tatsächlich eine klassische Oper einzustudieren und auch aufführen zu wollen. Bei uns in Malsch! Auf dem Land? Verrückt? Oder doch nicht?

Und man kann es kaum glauben: In gerade einem viertel Jahr gelingt es diesem Euphoriker (manche sagten damals „Spinner“), diese  seine Idee zu realisieren. Und dies mit lauter einheimischen und musikalisch nicht ausgebildeten Kräften, ob als Solisten oder als Chorsänger-innen! Mit einer Ausnahme: Die Rolle des „Eremiten“ musste damals ein fremder Gastsänger übernehmen: Michael Reisenauer (,dä Hasämichl) vom Bruderverein MGV Concordia Malsch! Ist das in der Erinnerung nicht wunderschön?

Und wer war der „Spinner“, der Initiator dieser Idee? Der vielen alten Malschern sicher noch bekannte Studienrat Friedrich Schlager aus der Weitgasse, damals Dirigent des „Liederkranzes“ und Seminar-Musiklehrer in Karlsruhe. Seinen persönlichen Beziehungen zu Karlsruher Orchestermusikern, seinem Durchstehvermögen und seiner Opferbereitschaft an viel Freizeit, aber auch dem Spielleiter Johannes Heinzler, dem „Techniker“ Franz Reichert und dem Bühnenbildner Leo Weber, war es sicher zu verdanken, dass diese „verrückte“ Idee letztendlich musikalisch wie technisch tatsächlich auch umgesetzt werden konnte, und dies auch unter Einbeziehung von einigen einheimischen Streichern und Bläsern. 

Von links: Spielleiter Johannes Heinzler, Dirigent Studienrat Friedrich Schlager, Bühnenbildner Leo Weber

Dass dieses Ereignis damals in Malsch wie eine Bombe einschlug, kann man  sowohl dem PROGRAMM wie auch einem damaligen Pressebericht entnehmen.

Wie schon ioben angekündigt, folgen hier noch Programm, ein Pressebericht von damals sowie einige Bilder der „Malscher“ Solisten, soweit wir sie erhalten konnten. 

 

Programm: Freischütz am 15. und 16. Oktober (1927)

Hier ein Pressebericht zur Aufführung des „Freischütz“:

 „Mit berechtigtem Stolz darf der hiesige „Liederkranz“ auf seine Freischützaufführungen am letzten Samstag und Sonntag zurückblicken. War es ihm doch geglückt, eine Wiedergabe dieser herrlichen Oper zu bieten, die alle Erwartungen weit überstieg. Wohl mancher Besucher ist zweifelnd gekommen. Doch als er die Ouvertüre gehört hatte, wird er doch gestaunt haben über so herrliche Musik. Als der Vorhang sich hob, Kilians Meisterschuß fiel, die Scheibe von jenem schmucken, schwarzen Dirndl mit graziös-feurigem „Juhu“-Hopfer in die freudige Menge hinein getragen wurde und zu diesem reizendfarbigen Bild außer der bezaubernden Musik der Siegerchor „Victoria“ so prächtig frisch und rein erklang, da lebten alle Herzen mit. Einwandfrei wie die Musik und Chor folgte das Schauspielerische. Auch davon muß man sagen: Es war sehr gut! Vor allem glänzte Kuno in Sprache und Ausdruck, wie geschaffen für diese Rolle. Auch Kilian hielt sich wacker. Kaspar und Max haben ihre schwere Aufgabe gesanglich und dramatisch gut, stellenweise (Wolfsschlucht) sogar sehr gut hingelegt. Der schwarze Jäger Samiel hatte seine Aufgabe gut verstanden. War nicht so einfach! Fürst Ottokar gesanglich und dramatisch sehr nett, fein aristokratisch Sehr gut gefiel der Eremit, dessen herrliche, reine Stimme allgemein bewundert wurde, hätte nicht viel besser sein können.

Nun noch die zwei Sterne am Freischützhimmel: Agathe und Ännchen, beide gesanglich tadellos. Wirklich ausgezeichnet! Agathe, wie sie sein sollte: still, ernst, gemessen. Und Ännchen: wie geschaffen hierzu. Frisch, heiter, mit silberheller Stimme, sang und spielte auch tadellos. Künstlertisch brachte sie die Bitte: O habt Erbarmen! Jägerchor und gemischter Chor, die Spiel- und technische Leitung, alles war in feinster Harmonie. Der Jungfernkranz verdient besonderes Lob. Alles zusammen: Orchester, Solisten, Chor und Technik, alles war ineinander verwachsen – ein Guß – und schön.    Wenige wissen, welch ungeheure Arbeit es erfordert, um ein solches Unternehmen zu zimmern. Hoffnung auf Gewinn darf diese Arbeit nicht leiten.  …….

Der Dirigent des Liederkranzes, Herr Sem. Musiklehrer Schlager wird wissen, was Er in seiner Liebe zur Sache geopfert hat. Aber je härter der Kampf, je schöner der Sieg. Der Sieg war schön. Ihnen, Herr Musiklehrer Schlager, und allen Helfern innigsten Dank für diesen herrlichen Genuß“.

Es folgen noch Bilder der beteiligten Solisten, soweit vorhanden: 

Ottokar, Regierender Fürst: Josef Balzer (mit Braut)

  

Cuno, Erbförsterr: Stefan Deubel (mit seinen Enkeln Erwin und Karl)

  

Agathe, dessen Tochter: Klara Fauth

 

 Ännchen, eine  junge Verwandte: Veronika Zimmer (mit Bräutigam) 

 

Ein Eremit: Michael Reisenauer (inmitten seiner Großfamilie) 

Ich jedenfalls bin stolz darauf, dass meine spätere Schwiegermutter Veronika Hirth, geb. Zimmer (von der Zimmer-Mühle) damals eine ihr angemessene fröhliche Rolle (s’Ännchen) spielen und singen durfte, wie sie ihren Kindern und Schwiegerkindern aus der Erinnerung  heraus erzählte und auch immer wieder vorsang. (Dabei hatte sie sogar ihren „schlanken Burschen“ (Karl Hirth), den sie in einer Arie besungen durfte, kennen und lieben gelernt.

Euch allen, die Ihr damals dazu beigetragen habt, dieses einmalige Ereignis (und viele andere wunderschöne Aufführungen) zu ermöglichen, sei von uns, auch aus heutiger Sicht, ein ganz großes Kompliment und Dankeschön gesagt. 

Zusammenfassend kann man sagen: Die Malscher haben schon immer gern Theater gespielt, au wänn se monchmol sogar mit sich selwor unn au unnoränondor oft Theator ghatt hänn.