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29.   Wenn Malscher mit Nicht-Einheimischen reden müssen

(Malscher „Hochdeutsch“)

Dass   j e d e   M u n d a r t   eine eigene Sprache ist, haben wir ja schon einige Male aufgezeigt. Sie kann deshalb auch nur von  d e n  Menschen  vollständig verstanden werden, die sie von Kindheit an erlebt und erlernt haben.  Das gilt ja nicht nur für uns in Malsch, das gilt genau so für Schwaben, Bayern, Sachsen, Pfälzer und auch für Norddeutsche, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Lassen wir uns doch nichts vormachen : Die vom „Ohnsorg-Theater“ sprechen doch in ihren Fernsehsendungen kein echtes Hamburger Platt-Deutsch, genau so wenig wie in den fünfziger Jahren  dä Häborle unn dä Pfleidoror in ihren unvergesslichen Rundfunk- und Fernseh-Sendungen echt schwäbisch gschwätzt heddäd . Das hätte doch fast kein Mensch außerhalb ihrer Umgebung verstanden ; und deshalb wären sicher auch keine hohen Einschaltquoten erreicht worden ! Also mussten diese Schauspieler doch in einer etwas gepflegteren , für möglichst viele Menschen  weitgehend  zu  verstehenden  „Mundart“  sprechen . 

Wenn wir in Malsch auch keine solche berühmte Bühne und keine so bekannten Künstler haben, Menschen aus anderen Gegenden, aus anderen Sprach-Bereichen, kommen doch immer wieder nach Malsch, oft ortsunkundig, sprechen halt Leute auf der Straße an und bitten um Hilfe. Und dann können wir Ur-Malscher doch nicht Antwort geben  mittels unserer ur-eigenen Mundart, wir müssen uns dann schon anstrengen,  um  überhaupt  verstanden  zu werden  Wu wunn se dänn noo ?, zum Beispiel, können wir da nicht sagen.  Das würde kein  Främmor“ verstehen . Also sagen wir halt in etwas besserem Deutsch : Wo wolle se dänn hi ?  Dass d a s manchmal etwas komisch  klingen mag,  wissen wir ja selber. Aber wir wehren uns innerlich dagegen, wenigstens „in etwa“  Hochdeutsch  zu sprechen. das liegt uns einfach nicht .

An ein paar Beispielen wollen wir solche  (möglichen)  Dialoge schildern .

 

Beispiel 1 : Ein Fremder (F)  fragt einen Malscher (M) nach dem richtigen Weg .

F: Hallo! Können Sie mir sagen, wo es da zum Kaufmannsbrunnen geht ?

M: Zu wem wolle se dänn ?

F: Da gibt es doch ein „Haus am Walde“ ,  oder so ähnlich .

M: A ja . Sie mechdä sichor zum „Waldhous. Jetz fahre se ugfähr noch fimfhunnord Medor  immor gradous weidor bis zurä Rächtskurv. Dort fangt dann ä gloins Schdräßl o . Unn dort missese links nei abbie . Dann sinn se, wo se hin wollä . Awwor Achdung ! Kurz davor schdeht links ä großes Wegkreuz .

F: Vielen Dank . Sie haben mir sehr geholfen .

M: Kei Ursach !. Gern gscheä .

 

Beispiel 2 : Patientin (P) beim Hausarzt (Dr) .

P: O Herr Doggdor, ich komm halt schonn widdor. Do hindä am Buggl beißt mes ganz arg .

Dr: Was ist los? Ich verstehe nicht ! Wer oder was hat Sie gebissen ?

P: Ha noi . Mich hadd nix gebissä . Om Riggä  juckt michs seit geschdorn so arg .

Dr: Dann lassen Sie mich mal schauen . - O das ist nicht schlimm. Nur eine kleine Entzündung .

P: O do binn ich awwor froh, dassäs nix arges isch. Jetz binne beruigt. Vielän Dank. Sie hawwormor jo sichor noch wass zum Eireiwä  fer me.  Also nochmols Danke .

 

Diese zwei Beispiele mögen für’s erste genügen. (Etwas kurios, und doch köstlich, nicht wahr ?)            

So simmor hald, mir Mälschor .