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28.    Ein bisschen   M a l s c h e r   G r a m m a t i k

 

Ojeh !  Mus dess werglich sei ?  So höre ich jetzt viele Leser stöhnen .  Denn wer von uns  hat denn schon gute Erinnerungen an seine Schulzeit, wenn er dieses Wort hört !

 In der früher  V o l k s s c h u l e   genannten  Bildungsstätte gab es zwar den Begriff  „Grammatik“ nicht ;  man sagte dazu  S p r a c h l e h r e .  Aber :  Weder Schüler noch Lehrer hatten ihre Freude an diesem Fach und in den dazu (lehrplangemäß) aufgewendeten Unterrichtsstunden. Es war,  einfach gesagt,  halt eine Qual für beide Seiten .

Ohne  O r d n u n g , ohne feste  R e g e l n  kann aber eine Sprache, und sei diese noch so einfach, nicht existieren,   l e b e n  .

Das Zusammenspiel von Hauptwörtern, Eigenschaftswörtern und vor allem Zeitwörtern lernt ein Mensch von früher Jugend an ja ganz automatisch, ohne auch nur  e i n e   R e g e l   zu kennen , ganz gleich, ob er zum Beispiel in Deutschland, Frankreich, England, (oder China), oder in  M a l s c h aufwächst . Als Kind lernt man  halt ganz unbewusst, ja automatisch , seine Muttersprache zu hören , zu verstehen  und auch zu sprechen .

Für viele heutige Jugendliche mag diese Einleitung sinnlos klingen, denn die meisten lernen doch schon in der Hauptschule, ganz bestimmt aber in der Realschule oder im Gymnasium, mindestens   e i n e   F r e m d s p r a c h e . Und da geht ohne den Begriff „Grammatik“ so gut wie nichts. Denn durch Wörter büffeln allein kann man eine andere Sprache weder verstehen noch selber sprechen.

Für unsere Heimatsprache, für unsere Malscher Mundart, ist daher wenigstens ein bisschen  Grammatik  genau so wichtig wie für jede andere Sprache . Also wollen wir uns auch darüber ein paar Gedanken machen.  Aber keine Angst ! Es wird nicht schlimm werden .

Wenden wir uns zunächst den Hauptwörtern zu .

Hauptwörter kommen entsprechend der Fragestellung wer? wessen? wem? wen? in vier Formen (vier „Fällen“), auch Nominativ, Genetiv, Dativ und Akkusativ genannt, vor.

Und da passierte mir vor Jahren Folgendes :  Ein Mensch, von nördlich des Mains, sagte zu mir spöttelnd : „O ihr mit eurem badischen Akkusativ! Ihr esst ja  „d e r  Käs“ ! (Bloß well mir dä Käs essäd .)   Um nun aber diese „nordische“ Behauptung zu entkräften,  vergleichen wir einmal vier Sprachen miteinander :

Englisch (E),  Französisch (F),  Malscher Mundart (MM)  und  Hochdeutsch .

Beispiel:  Mein Vater  

  E    F    MM          HD 
1.Fall:   my father  mon père       mei Vaddor   mein Vater  
2.Fall:  of my father   de mon père        vunn meim Vaddor   meines Vaters  
3.Fall:   to my father  à mon père  meim Vaddor meinem Vater
4.Fall:  my father mon père  mei Vaddor meinen Vater  

 

Welche der vier genannten Sprachen macht hier also eine besondere Ausnahme ??

Wie man leicht erkennen kann, fällt nur „Hochdeutsch HD“ aus der Reihe.

Wir befinden uns also mit unserem „Badischen Akkusativ“ in bester internationaler Gesellschaft . Der norddeutsche Spötter kann seinen Spott also ruhig für sich behalten !

Egal, wieviele Beispiele wir weiter noch vergleichen würden, wir kämen zu keiner anderen Erkenntnis als zu der gerade festgestellten.

Bleiben wir einen Moment noch beim Käse. Vier Sätze mit diesem Hauptwort könnten also in Mundart lauten : Käs isch halt wass feines  /  Dä Gschmack vunn dämm Käs isch arg salzig  /

Dämm Käs fehlt noch ebbäs  /  Mir essäd dä Käs nedd bloß Freidigs gern .

 

Im folgenden  wenden wir  uns nun den Zeitwörtern, den sogenannten „Tunwörtern“,  zu.

Bleiben wir zunächst bei den häufigsten „Hilfszeitwörtern“, also bei „sein“ und „haben“.

In der Gegenwartsform, im sogenannten Präsenz, sagen wir in unserer Malscher Mundart :  

Ich bin  ich häbb
Du bisch Du hasch
Er,  sie,  es  isch  Er , sie , es  hadd
Mir,  dir,  sie  sinn Mir,  dir,  sie  hänn  

In der „Frageform“ aber klingt das aber schon wesentlich komplizierter :  

Binn-e ? Häwwe ?
Bisch ?   Hasch ?
Isch-or ?  Hadd-or ?
Isch-se ? Hadd-se ?
Isch-s  ? Hadd-s ?
Simmor ? Hämmor ?
Sinndor ? Hänndor ?
Sinnse ? Hännse ?  

Im Vergleich dazu betrachten wir noch kurz das sehr oft gebrauchte Zeitwort  w o l l e n :

Wir sagen : Ich will;  du willsch;  er, sie, es will;  mir, dir, sie wunn .      Und fragend :

Wille ? Willsch ? Willor ? Willse ? Wills  ?  Wummor ?  Wundor ?  Wunnse ?

 

Mensch, da sage noch  jemand , unsere Mundart sei keine eigene,  besondere Sprache !

 

Noch einige Bemerkungen zu den verschiedenen „Zeiten“, also zu Gegenwart (Präsenz), Erzählzeit  (Imperfekt), Zukunft  (Futur)  und  Vergangenheit  (Perfekt) .

Die gibt es in unserer „Sprache“ selbstverständlich auch .  Mit   e i n e r   A u s n a h m e  ! Bei uns in Malsch redet von den „echten“ Malschern so gut wie niemand in der sogenannten Erzählzeit, dem Imperfekt .  Wir sagen zum Beispiel statt   ich wollte  lieber  ich häbb gwellt .  Oder statt  ich musste  lieber  ich häbb gmiest .  Oder statt  ich durfte  lieber ich häbb därft. Eine Ausnahme macht hier lediglich das Hilfszeitwort sein : Da hört man manchmal doch auch Sätze wie  wu warsch dänn die gonze Zeid ?  Oder  mir waräd au däbei .   

 

Liebe Leser!  Macht euch mal selber ähnliche Beispiele ; und ihr werdet sehen, dass es stimmt : Wir verwenden die „Erzählzeit“, das Imperfekt, so gut wie nicht.    

 

Und die sogenannte Möglichkeitsform, der Konjunktiv der Fremdsprachen, macht uns auch keine Schwierigkeiten .  Mir sad hald : Mir wäräd , heddäd, woddäd, dädäd, soddäd ..usw.

 

Zum Thema  ein bisschen Malscher Grammatik möge das Gesagte (vorläufig) genügen .

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer feiner Unterschiede . Aber die sollen uns im Augenblick gar nicht besonders  blogä  (plagen) .  Einverstanden ?

 

Vielmehr sollte uns demnächst ein Kompromiss beschäftigen, nämlich der, wie alde Malschor mit „Fremden“ reden, wenn sie von diesen wegen irgend etwas auf der Straße oder am Telephon  oder auch sonst wo angesprochen werden.