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24.
Was Malscher Glocken im Tages- und Jahresablauf so alles künden Interessant
ist sicher auch hier ein Vergleich
zwischen früher und heute. Und da es in Malsch „früher“ ja nur die
St.Cyriak-Kirche (neben der
Peterskapelle auf dem Friedhof) gab, beschränken wir uns im Folgenden auch nur
auf das Läuten von St.Cyriak. Über die Geschichte des Geläutes dieser Kirche
kann man einiges in Wilhelm Wildemanns Buch
„MALSCHER LEBEN“
nachlesen. In erster Linie, so meinen wir, dienen Glocken vor allem zum Läuten
bei Gottesdiensten. Da gab und gibt es heute immer noch Erschdmol-Läidä , dann eine Viertelstunde später
s’Zommäläidä
, (meist dreistimmig, an hohen Festtagen auch vierstimmig ) , in
Messen dann s’Wondlungsläidä . Früher hat es sogar noch zum
Seggä gliddä . Über das Beddlogg-
und Zwelfeläidä
werden wir uns demnächst bei den „Malscher
Uhrzeiten“ unterhalten. Darüber
hinaus hatten und haben aber auch heute noch Glocken eine ganz andere, wichtige
Funktion : Bei Todesfällen waren sie
für jedermann eine schnelle Nachrichtenquelle, dass da irgendwo jemand
verstorben war . Denn dann litt es Schaidlogg , zuerst
mit dem Dodägleggl,
der Elisabethglocke, allein, eine Weile später dann noch zusammen mit der etwas
tiefer klingenden Glocke, der Marienglocke . Bei zwei Todesfällen hat es halt
auch zweimal gelitten . (Schlaue Menschen wollen sogar aus der Länge des Läutens
herausgehört haben, wie „fromm“ die Verstorbenen gewesen seien) .
Anlässlich der Beerdigung hat es dann eine Viertelstunde vor Beginn der
Zeremonie mit der Elisabethglocke glängt . Den letzten Weg des Toten zu seinem
Grab haben dann drei Glocken, die Elisabeth- , Marien- und Konradsglocke traurig und doch feierlich begleitet. Und dazu
durfte dann auch das silberne Glöckchen der Peterskapelle erklingen. Dieses
Totengeläute hatte und hat auch heute noch also nicht nur kirchlichen, sondern
sehr wohl auch weltlichen Charakter. Nicht
vergessen wollen wir das freudige, ja fröhliche Einläuten eines
NEUEN JAHRES , das Silvesterläuten. Da
jubelten alle vier Glocken, also
auch die größte , die
Cyriakusglocke , wie um die Wette . Das
Einläuten zum Sonntag und zu
besonderen Feiertagen im Kirchenjahr muss
aber auch noch besonders erwähnt werden. Dazu läuteten und läuten auch heute
noch alle Glocken den nahenden Sonntag (,aber auch kirchliche Festtage,) bereits
am Tag zuvor um 16 Uhr (ämm
Viere!) feierlich ein , froh und jubilierend, dass jetzt endlich nach vieler
harter Arbeit der Tag des Herrn
beginnen kann . Dieses
Läuten hat seine Wurzeln schon seit altersher
in der Tradition der Kirche, insbesondere aber auch der Klöster . Denn
der Sonntag begann ja bereits mit der feierlichen Vesper am Vorabend des
Sonntags (Sabbat der Juden) oder
eines Festtages . Ich
erinnere mich noch ganz gut, wie
unser Großvater samstags beim Läuten dann ausrief : Kindor
, s’läid in d’Sunnigshossä , jetz werd nix mäh
gschaffd !
Und dann hockten wir im Sommer auf der Staffel, im Winter in der Stube ; und er erzählte uns alte
Geschichten von früher . (Für ihn wie auch für Großmutter durfte dieser fröhliche
Ausruf aber nicht so ganz gelten,
denn das Vieh im Stall musste auch noch nach dem Einläuten zum Sonntag versorgt
werden !) A b e r :
Unsere
Glocken hatten noch eine ganz andere, gar nicht fröhliche Aufgabe : Sie
schrieen geradezu , wenn es irgendwo brannte, dringend Hilfe also erforderlich
war. Und dies meist bei Nacht . Es gab doch keine Sirene ! So ist es also
durchaus auch heute noch verständlich, wenn unsere Vorfahren bei solchem Läuten
brüllten : s’läidt Schturm !
Dann hieß es vor allem für die Männer : Raus aus dem Bett und helfen,
helfen, helfen ! Und dies ganz schnell, denn es gab damals ja noch keine
motorisierte Feuerwehr. Zum Schluss noch eine Bitte an alle. die das Glockenläuten manchmal stört : Denkt daran, wie wichtig unsere Glocken vor allem in früherer Zeit waren . Seid froh, dass sie heute auch noch erklingen, nicht nur zum Lobe Gottes, sondern auch zur Freude (und manchmal auch zur Trauer) vieler Mitmenschen |