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31.
Unsere „ Malscher
Jahreszeiten “ und Schulferien Die üblichen Kalenderjahreszeiten
Frühling ,
Sommer , Herbst
und Winter
gibt es ja in aller Welt , sind also gar nichts Besonderes . Bei unserer
Betrachtung aber wollen wir diese zunächst unter dem Aspekt der Bäuerlichen
Arbeit im Ablauf eines Jahres , dann aber vor allem unter dem Einfluss auf
Kinder, vor allem auf Schulkinder , sehen . Denn gerade da hat sich gegenüber
„heute“ doch so manches verändert . Beginnen wir zunächst in aller Kürze
mit dem bäuerlichen Jahr . „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“ , so sagt
ein altes Volkslied . Das heißt aber nicht, dass die paar Großbauern und die
vielen Landwirte in der Zeit davor nichts zu tun gehabt hätten . Selbstverständlich
war Feldarbeit den Winter über so gut wie nicht möglich . Um so mehr musste während
dieser relativ ruhigen Phase eifrig
dafür gesorgt werden, dass das „ Gschirr“ wieder alles in
Ordnung gebracht ist . Da hatten vor allem auch die vielen in Malsch tätigen
Schmiede einiges zu tun . Die Männer waren im übrigen häufig den Winter über
im Holzmachä , sei es, um ein
paar Groschen nebenbei zu verdienen, oder aber auch, um sich selbst für die
kommende kalte Zeit mit Brennmaterial zu versorgen . Der Frühling ,
die Zeit um Ostern herum , war dann die Zeit des Aufbruchs, des Zackerns, des
Einsähens , des Pflanzens und Setzens . Den Sommer kann man als die Periode des Wachsens , des Reifens , des
Werdens bezeichnen . Im Herbst
endlich konnte geerntet werden , was bis dahin nicht schon während des Sommers
in Scheuer und Speicher eingelagert war , wie zum Beispiel Heu und Getreide.
Dann endlich im Winter durfte
wenigstens ein bisschen ausgespannt werden , sozusagen als Lohn für die harte
Arbeit das Jahr über . Diese Zeit wurde früher von unseren Müttern und Großmüttern
dann ausgiebig genutzt zum Stricken, vor allem von Männersocken, Frauenstrümpfen
, Pullovern und noch so manchem Brauchbarem ! Mehr über das bäuerliche Leben zu erzählen überlasse
ich gern anderen Menschen , denn in unserer Familie gab es außer einem
Hausschwein, zwei Ziegen und ein paar Hühnern und Hasen ja keine „Großtiere“,
somit waren wir auch keine „Landwirte“ . Also kann ich darüber aus eigener
Erfahrung fast nichts berichten . Doch wie es uns als Kinder , besonders als Schulkinder ,
das Jahr über ergangen ist , das weiß ich sehr wohl! Gab es doch zu ganz
bestimmten Zeiten im Jahresablauf für uns Kinder „Schulferien“!
Ferien ? Freizeit ?
Erholung ? Ausruhen ? Faulenzen
? O jee ! Zwei rühmliche Ausnahmen will ich
zunächst erwähnen : Die schulfreie Zeit um Weihnachten und Ostern herum
. Diese Tage hatten den Namen „Ferien“ wahrhaftig verdient ! Doch gemessen
an den anderen Ferienzeiten des Jahres waren dies nur wenige Tage , halt ums
Weihnachtsfest und Ostern herum . Alle anderen Ferientermine wurden so gut wie
nicht im voraus festgelegt , waren sie doch immer vom jeweils gerade
herrschenden Wetter abhängig . Wie man dies verstehen soll ? Die Namen der
einzelnen Ferienzeiten verraten da einiges : Meist um Pfingsten herum gab es ein
paar Tage Hai-Feriä
. Im Hochsommer , also zur Haupterntezeit für Getreide aller Art ,
folgten dann etwa drei Wochen lang die Ern-Feriä , und etwas später dann noch einige
schulfreie Tage für die Ohmäd-Haiäd
. Mitten im Herbst , zur Zeit der Kartoffelernte , gab es noch einmal besondere Grumbierä-Feriä
. Endlich im Dezember bekamen wir Kinder dann „richtige“ Ferien , nämlich
echte „f r e i e“ Tage
über Weihnachten und Neujahr . Das Wort SCHULFERIEN
war also für uns Kinder meistens gleichbedeutend mit
s e h r f r ü h a u f s t e h e n ,
m i t h e l f e n , m i t s c h a
f f e n und nicht ausruhen , ein
bisschen faulenzen , sich erholen ( , was wir ja auch notwendig gehabt hätten )
. Könnt Ihr , liebe Leser/innen , nun auch verstehen ,
warum unsere Ferien im Voraus zeitlich nicht festgelegt werden konnten ? Sie
waren doch fast immer vom Wetter und Reifezustand der Feldfrüchte abhängig .
Dazu kam noch , dass „Kinderarbeit“ , natürlich altersgemäß , in unserer
Jugendzeit eine Selbstverständlichkeit war ! Auch für die wenigen , die nicht
in einer bäuerlichen Familie aufgewachsen waren , so wie ich ja auch. Gab es
doch in jeder Sippe genügend Onkels und Tanten , die in solchen Saisonzeiten
auf unsere Mithilfe geradezu warteten . Und wir halfen ja auch gern , bekamen
wir doch immer wieder am Erntedankfest ein kleines Geschenk als Lohn . So oder so ähnlich liefen für uns Kinder damals „unsere“
Jahreszeiten ab , heute kaum mehr zu verstehen ! Und doch waren und sind auch
jetzt noch damit viele , meist gute Erinnerungen verbunden . Gerade in
der nahenden Weihnachtszeit denken wir sogar gern an unsere Jugendzeit zurück ,
wenn sie auch manchmal hart war . Und Ihr , die Jungen von heute , vergesst über
Eurer auch nicht leichten Zeit , unser Leben in früheren Jahren wenigstens
etwas zu verstehen . |