|
|
|
11.) Die Geschichte vom
M ä l s c h e r
B ä r b e l e In
unserer Mundart erzählt Liebe
Freunde unserer Malscher Mundart! Ich
bin gebeten worden, zunächst erst einmal eine zusammenhängende
„Geschichte“ in Mundart wiederzugeben, bevor wir uns speziellen Malscher
Besonderheiten zuwenden. Und da bietet sich doch die Geschichte vom „Malscher
Bärbele“, wie sie schon in Wilhelm Wildemanns Buch „Malscher Leben“
(Seite 33) zu lesen ist, geradezu an. Im folgenden habe ich nun versucht, diese „Gschiechd“ in etwas verkürzter Form und unserer Lautschrift
noch mehr angepasst, also im Sinne der vorausgegangenen Teilberichte 1 bis 10,
nachzuerzählen: Des
war schu vor iwwor deihunnordfuchzig Johr, im Dreißig-
Das
war schon vor über dreihundertfünfzig Jahren, im Dreißig- jährigä
Krieg, immä gonz kaldä Windor. D’Leid hänn jährigen
Krieg, in einem ganz kalten Winter. Die Leute haben schdännig
in Ongschd unn Schreggä glebt; unn s’isch ä ständig
in Angst und Schrecken gelebt; und es ist eine große Hungorsnod
gwä. Do ischs oft bassierd, dass Solda- große
Hungersnot gewesen. Da ist es oft passiert, dass Solda- dä, Freind
wie Feind, bleddslich s’Dorf iwworfallä hänn, ten,
Freund wie Feind, plötzlich das Dorf überfallen haben, um z’blindorä
unn z’holä, was nummä meglich war. um
zu plündern und zu holen, was nur möglich war. Deswäggä
sin d’Leid, soball d’Schdurmglogg gliddä hat, Deswegen
sind die Leute, sobald die Sturmglocke geläutet hat, nix wie uff unn dävu,
mimm nodwännigschdä Zeigs immä nichts
wie auf und davon, mit dem notwendigsten Zeugs in einem Sagg
uffm Buggl. Wänn se noch Zeit ghadd hänn, isch au
Sack
auf dem Rücken. Wenn sie noch Zeit gehabt haben, ist auch noch
s’Vieh midgnummä worrä, nous in d’Schlupflechor
noch
das Vieh mitgenommen worden, hinaus in die Schlupflöcher im Bergwall. im
Bergwald. S’Bärbälä
isch domols ugfähr zeh Johr ald gwä unn hat
Das
Bärbele ist damals ungefähr zehn Jahre alt gewesen und hat schu
long kei Eldorä mäh ghat. Wahrscheinlich isch’s,
wu’s
schon
lange keine Eltern mehr gehabt. Wahrscheinlich ist es, wo es mol widder
grad Schdurm gliddä hat, bei Bekonndä gwä. mal
wieder gerade Sturm geläutet hat, bei Bekannten gewesen. Des
hänn sei Pflegeeldorä halt gmoint. Dort
war’s awwor
Das
haben seine Pflegeeltern halt gemeint. Dort war es aber nedd, warum au immor!? nicht,
warum auch immer!? Wie
g’sagt, alle sinn se schnellschdäns abb, d’Hohlbergschdaig
Wie
gesagt, alle sind sie schnellstens ab, die Hohlbergsteige nous in ihnä
Vorschdegg. Äm Bärbälä sei Pflegevaddor
hat hinaus
in Ihr Versteck. Dem Bärbälä sein Pflegevater hat sichor dängt,
s’kommt jo mit onnorä Leid, awwor
bei dännä sicher
gedacht, es kommt ja mit anderen Leuten, aber bei denen isch’s halt nedd
gwä. ist
es halt nicht gewesen.
Was
hat’s Bärbälä jetz wahrscheinlich so gonz älloi
gmoocht?
Was
hat das Bärbele jetzt wahrscheinlich so ganz allein gemacht? Ich
dängg mor halt, daßäs sich solong uffm Haischdall vor-
Ich
denke mir halt, dass es sich auf dem Heustall ver- schdegglt hat, bis
d’Soldadä widdor fort gwä sinn. Nood erschd steckt
hat, bis die Soldaten wieder fort gewesen sind. Dann erst hats sich rousdrout
ousäm Hous unn isch mudorseeläälloi ford hat
es sich herausgetraut aus dem Haus und ist mutterseelenallein fort Richdung Bergwall.
Dort isch des Maidl awwor nedd okommä. Richtung
Bergwald. Dort ist das Mädchen aber nicht angekommen. Alle
hänn se jetz Ongschd griegt ums Bärbälä. Wu se
sich nood
Alle
haben sie jetzt Angst bekommen um das Bärbele. Wo sie sich dann noch zwai,
drei Dääg ändlich widdor ins Dorf zriggdrout hänn, nach
zwei, drei Tagen endlich wieder in das Dorf zurückgetraut haben, hänn se
immä Hohlweg Bludschpurä, än Fetzä
vummä Klaid haben
sie in einem Hohlweg Blutspuren, einen Fetzen von einem Kleid unn änn
Schuh vumm Bärbälä gfungä. Jetz hänn ses gwißt: und
einen Schuh vom Bärbele gefunden. Jetzt haben sie es gewusst: S’Bärbälä
isch vunn Welf ogfallä, vorrissä, unn vor
Hungor
Das
Bärbele ist von Wölfen angefallen, zerrissen,
und vor Hunger
gfrässä
worrä. gefressen worden. Do
sinn se gschdonnä, z’erschd
schdumm vor Schmerz; des
Da
sind sie gestanden, zuerst stumm vor Schmerz; das Maidl
haddännä so onn du. Awwor nood uff oimol hadd
se
Mädel
hat ihnen so leid getan. Aber dann auf einmal hat sie d’Wud packt! Unn
gschrouä hänn se gegor dä Pflegevaddor, die
Wut gepackt! Und geschrieen haben sie gegen den Pflegevater, er
hedd oifach bessor aachdho miesä uffs Bärbälä.
Unn so er
hätte einfach besser Acht haben müssen auf das Bärbele. Und so ischs a kei Wunnor
gwä, dass dä Kastnor Wernor, so hat der ist
es auch kein Wunder gewesen, dass der Kastner Wernher, so hat der arm Däifl ghaißä,
uffm nägschdä Grichtsdag zuorä safdigä arme
Teufel geheißen, auf dem nächsten Gerichtstag zu einer saftigen Schdroof
vordonnord worrä isch. Awwor des hat dämm
Strafe
verdonnert worden ist. Aber das hat dem armä Bärbälä
nimme gholfä. armen
Bärbele nicht mehr geholfen. (In „Schriftdeutsch“ sinngemäß nachzulesen in der „Geschichte des Dorfes Malsch“ von Lore Ernst) |