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Ehemalige
Malscher Geschäfte
Bäckereien
Bei der näheren Betrachtung dieser Gruppe ist uns etwas
besonderes aufgefallen: Wusstet ihr, dass es bei uns in Malsch früher 15
(in Worten fünfzehn!) Bäckereien gegeben hat? Unglaublich, wenn
man bedenkt, dass in den meisten Häusern vor allem Brot doch selber
gebacken wurde! Gut, manchmal haben unsere Großmütter zwar daheim den
Teig gemacht, um dann das Brot halt doch in einem Bäcker-Backofen backen
zu lassen. Das kann man auch verstehen, vor allem in bäuerlichen
Hoch-Zeiten! Und trotzdem erscheint uns die Zahl 15 arg hoch. Aber es war
halt so, wie wir gleich sehen werden.
Und noch etwas anderes ist uns aufgefallen:
Nur von dreien wissen wir mit Sicherheit, dass sie aus
alten Malscher Geschlechtern abstammen, nämlich dä Kastnorbegg, dä Balzorbegg unn dä
Hitschorichbegg. Alle anderen sind, früher oder später, von
auswärts nach Malsch zugezogen. Und alle haben sie in Malsch, bis in die
Neuzeit hinein, ihr
„Brot“ verdient! Das ist
doch sicher bemerkenswert.
Versuchen wir nunmehr, die alten Malscher Bäckereien der
Reihe nach zu beschreiben.
Doch zuerst möchten wir über ein paar „ehemalige“
kleine Bäckereien berichten, an die sich heute kaum noch jemand erinnert:
dä
Beggä-Done: Sein Name war Anton Lefrank, und er war der Großvater vuns
Bändors Flora in der Hauptstraße. Auf alten Bildern
erkennt man noch die große Eingangsstaffel vor dem Haus, das ja erst kürzlich
dem „Fortschritt“ weichen musste. Der Backbetrieb wurde aber bereits
Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt.
dä Hoinzlor-Begg: Seine Bäckerei befand sich in dem kleinen Gässchen
zwischen Adlerstraße und dä
Hohl, also fast hinter der Arztpraxis Dr. Götz.
Anselm Heinzler musste das Backen
noch in den 20er Jahren wegen einer Mehlstauballergie, ganz
besonders aber auch wegen neuer Konkurrenz im Neudörfel, durchs Mayorbeggä, einstellen. Seine 10 Kinder ernährte er
später dann durch langjährige Tätigkeit als Feldschütz. 1869 in
Sulzbach geboren, starb er 87-jährig in Malsch.
dä Schlämmor-Begg hieß offiziell Ferdinand Löb, war Jude und musste als
solcher im Zuge der Judenverfolgung im dritten Reich seinen Betrieb
einstellen. Uns Buben denkt aus jener Zeit aber noch, dass es bei ihm
besonders feine Matzen gegeben hat, insbesondere in den jüdischen
„Tagen der ungesäuerten Brote“. Und seine Schneckennudeln waren auch
nicht schlecht. Der Laden befand sich dort, wo später d’Hoinorich-Gärtnorn
ihren Berieb einrichtete.
s’Hitschorichs-Beggä
hatten ihren Laden ebenfalls in der Adlerstraße neben s’Hügle
Ferdnonds Friseurgeschäft. Mangels „Nachfolger“
wurde die Bäckerei kurz nach Kriegsende geschlossen. Das schöne
Fachwerkhaus fiel dann in späteren
Jahren (leider) einem „modernen“ Umbau zum Opfer.
Und nun zu den bis in unsere Zeit hinein, so bis nach dem
2. Weltkrieg, überlebenden Bäckereien in Malsch.
s,Rexorbeggä: Weiter draußen, also Richtung Bahnhof, gab es früher
ja keine Bäckerei, so dass der Betrieb recht gut florierte. Und dies über
drei Generationen! Der Malscher Stammvater, Wilhelm Rexer, begann den
Backbetrieb zusammen mit seiner aus Bühlertal stammenden Ehefrau Karolina
schon 1912, aber nicht im längjährigen Stammhaus an der Adlerbrücke,
sondern erst einmal im Gasthaus zur Krone, und zwar in einem Seitenbau vum Kronäbuggl her. Er selber kam von
Langenbrand bei Pforzheim. Von Anfang hieß sein Motto: „Packen wir’s
an“. Dies übertrug sich 1949 dann auch auf seinen Sohn Albert und 1973
auf den Enkel Walter, wobei aber deren Ehefrauen Berta und Annemie nicht
vergessen werden dürfen. Die Ära „Rexer“ endete erst 2001 mit der
Weiterführung des Betriebes durch die Firma Nussbaumer.
Erwähnenswert ist sicher noch, dass Wilhelm seinerzeit
oft mit dem Handwagen voller Backwaren sogar nach Sulzbach gezogen ist, um
die Menschen dort mangels einer eigenen Orts-Bäckerei mit seinen
Erzeugnissen zu versorgen.
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| Wilhelm
Rexer
1912
Albert
Rexer
1949
Walter Rexer 1973 |
s’Maiorbeggä kamen
anfangs der 20er Jahre nach Malsch, er, Josef, aus Eisental und seine Frau
Stephanie, geb. Zink, aus Sachbachwalden. Das Haus im Neudörfel, in dem
sie eine Bäckerei einrichteten, war vorher eine Schlosserei vum
Maläschdä, genau so, wie ja auch das Anwesen, in welchem die
Rexers ihre Bäckerei betrieben.
Nach dem 2. Weltkrieg übernahm dann Sohn Hermann zusammen
mit seiner Frau die Backstube und den Laden, auch trotz einer erheblichen
Kriegsverletzung, bis er dann etwa 1980 altershalber aufhörte.
Für mich unvergesslich sein immer mittwochs gebackenes
Bauernbrot!

Bäckerei
Meier
In der Backstube
s’Hörmonns auf dem Schwanenbuckel übernahmen
1931 die dortige Bäckerei von Bäckermeister Kretz, der damals nach
Ettlingen ging. Adolf Hörmann wie auch seine Frau Friedel kamen aus
Zweibrücken und führten den Betrieb erfolgreich weiter, bis Adolf 1940
als Soldat in den Krieg musste. Ende 1944 aus dem Lazarett (sehr krank)
nach Hause entlassen durfte er dann wenigstens daheim im August 1945
sterben.
Ab 1947 wurde dann die Bäckerei von Walter Soller und
seiner Frau Hedwig, geb. Glastetter, später
von Karl Gräßer und seiner Frau Maria, geb. Kühn, und anschließend,
als dieser die Bäckerei Fritz übernahm, von Karl Werthwein zusammen mit
seiner Frau Trudlinde, geb. Boppel bis fast in unsere Tage weitergeführt.
Bäckerei
Hörmann
1931
Bäcker Hörmann
s’Melchorbeggä:
Der erste uns
bekannte Melcherbeck kam aus Oberweier,
hieß mit Vornamen Eduard und wurde von den Malschern daher kurz und bündig
bloß dä Eddäbegg genannt.
Er betrieb
seine Bäckerei in der Hauptstraße, fast gegenüber dem früheren
Gasthaus Rössel. Aus seiner Ehe mit der Malscherin Helena Kühn
entsprossen zwei (uns bekannte) Kinder, sein Sohn und Nachfolger Stefan
und dessen Schwester, die später dann auch einen Bäcker, nämlich den Hitschorichbegg,
grad gegenüber auf der anderen Bachseite, heiratete.
Melchers
Sohn Stefan erlernte zwar auch das Bäckerhandwerk,, jedoch trieb es ihn
erst einmal hinaus in die weite Welt. Und man soll es kaum glauben: Er
suchte sein Glück bei Goldgräbern in Afrika! Mal wieder daheim auf
Urlaub lernte er im Gasthaus Adler die aus Sachbaldwalden stammende
Emma Bohnert kennen, verliebte sich in sie, heiratete sie, und
blieb ab da in Vaters Backstube, auch bald als Nachfolger.
Mangels männlicher
Nachkommen mussten halt die beiden Töchter im Betrieb oft mithelfen,
Maria viel in der Backstube beim Vater, Friedl mehr im Laden bei der
Mutter. Und so sind die Melchorbeggä
vielen älteren Malschern heute noch in guter Erinnerung.
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Stefan
Melcher
Fenster: Tochter Maria;
Ladentür: Ehefrau Emma |
Nach dem
2. Weltkrieg wurde dann die Bäckerei zunächst an den Emmlorbegg, später an den Siedlorbegg und schließlich (bis heute) an die Firma Käshammer
übergeben.
s’Fritzäbeggä
: Kurz nach dem ersten Weltkrieg kaufte Bäckermeister Emil Fritz aus
Plittersdorf zusammen mit seiner Frau Elisabeth, geb. Siedler aus Malsch,
ein Haus in der Hauptstraße und
baute darin im Erdgeschoss
eine Bäckerei ein. In den dreißiger Jahren wurde in den oberen Räumen
auch noch ein Café eingerichtet.
Sohn Emil, heute ein anerkannter Kunstmaler, brachte seine künstlerischen
Fäghigkeiten bei der Gestaltung der Räume
mit ein. Sein Bruder Richard erlernte bei seinem Vater das Bäckerhandwerk
und bediente sonntags im Café die legendäre Eismaschine. Die Leute
brachten dazu die Zutaten für das köstliche Eis meist selbst mit.
Besonders an Fastnacht , beim Kappenabend, war immer viel los. Die ältere
Schwester Hilda hatte dann immer viel zu tun und wurde dabei später auch
von Richards Frau Lina immer kräftig unterstützt. Die beiden halfen aber
auch oft im Laden aus. Noch
in den 40er Jahren war das Haus eine gute Adresse zum Feiern.
Leider
wurde Mutter Elisabeth noch in den letzten Kriegstagen bei einem
Bombenangriff durch Splitter tödlich getroffen. Vater Emil und Sohn
Richard führten den Backbetrieb bis etwa 1953
noch weiter, bis sie dann, aus gesundheitlichen Gründen, die Bäckerei
an Bäckermeister Karl Gräßer übergaben.
Noch eine
kleine Anektode. 1947/48 fuhr Richard auf einem alten, klapprigen Motorrad
zusammen mit Robert Kratzmeier viele Abende nach Durlach, um dort
Vorbereitungskurse auf die Meisterprüfung zu besuchen. Und dies, obwohl
Richard aus dem Krieg mit einem Holzfuß heimgekommen war. Beide haben
diese Prüfung dann auch im Juni 1948 bestanden.
Die Bäckerei
mit den Eltern
Innenansicht des Cafés, 1939
und Sohn Richard, 1930
s’Kastnorbeggä
: Die „Kastner“, ein altes Malscher Geschlecht, unter ihnen
einige Vögte, Bürgermeister und auch Ratschreiber! Und ein solcher war
sicher auch der Vater von unserem ersten
Kastnorbegg Hermann
senior, denn dessen Bäckerei hieß bei den Malschern oft nur dä Ratschreiworbegg.
Hermann war mit Barbara Kühn aus Waldprechtsweier, und sein Sohn,
ebenfalls Hermann geheißen, war mit Julia Schwab aus Busenbach
verheiratet. Die Gründung des Betriebes geht vermutlich noch bis vor 1900
zurück. Der Junior Hermann übernahm dann nach Ende des 2. Weltkrieges
die Backstube und den Laden vom Vater, wobei er immer wieder tatkräftige
Hilfe, vor allem im Laden, durch seine Schwester Laura Ihli erfahren
durfte.
Etwa 1965
wurde dann die Bäckerei altersbedingt geschlossen.
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| Bäckerei Kastner
1980
Bäcker Hermann Kastner sen. |
dä
Wetzlbegg : Die Bäckerei befand sich in der Rosenstraße, zweites
Haus rechts. Der erste Malscher Wetzel, Bertold mit Vornamen, kam aus
Kuppenheim. Die Zeit ist leider nicht bekannt.
Dieser übergab den Betrieb später an seinen Sohn Valentin, den
alte Malscher mit Sicherheit noch kennen. Dessen erste Frau, Carolina
Hitscherich, brachte sechs Kinder zur Welt. Nachdem sie gestorben war,
heiratete Valentin ein zweites Mal, diesmal
Anna Hornung. Und an diese Frau erinnern sich bestimmt auch noch
viele. Unter den noch folgeneden Kindern war zwar auch ein Bube, Sohn
Emil, der später aber dann aus gesundheitlichen Gründen den Bäckerberuf
leider nicht ausüben konnte. Daher wurde dann die Bäckerei nach dem
Krieg bis 1948 anderweitig verpachtet, bis sie dann Jahre später endgültig
zugemacht wurde.
Erwähnenswert
ist vielleicht noch, dass Valentins erste Frau während der Abwesenheit
ihres Mannes als Soldat im ersten
Weltkrieg, der Not gehorchend, selber Brot gebacken und im Laden auch
verkauft hat.
Valentin
Wetzel Blick in die
Rosenstraße Valentin Wetzel
mit erster
Ehefrau
mit zweiter Ehefrau
s’Reichertsbeggä
: Der Betrieb befand sich in der Römerstraße, gegenüber vom Sodorwassorle
Kastnor. Der Gründer hieß Vinzenz Reichert und kam aus
Waldprechtsweier. Er übernahm eine dort schon befindliche Bäckerei von Bäckermeister
Raber, der sich dann in Gernsbach niederließ. Der Übergang auf Vinzenz
Reichert, ein Mann mit herrlichem Doppelspitzbart, vollzog sich 1929. Wann
dieser dann seinem Sohn Fritz den Betrieb übergab, konnten wir leider
nicht herausfinden, ebensowenig, wann Fritz den Backbetrieb nach dem Krieg
dann endgültig einstellte.
Erwähnenswert
vielleicht noch, dass im gleichen Anwesen zur Zeit der Rabers Lore Ernst
gewohnt hat. Und sie hat sich nach Aussage einer Raber-Tochter damals ganz
herzlich und liebevoll um die Raberkinder gekümmert. Auch
d a s war unsere Lore
Ernst !
s’Dietzäbeggä
: Der älteste Malscher Dietz hieß Karl und kam aus Boxberg. Karl
blieb vermutlich während der damals obligatorischen dreijährigen
Gesellen-Wanderschaft bei uns in Malsch „hängen“ und heiratete hier dann seine Frau Balbine Degler aus
Geroldsau. Exakte Zeit-Daten waren nicht zu erfahren. Seinem Sohn Pius und
dessen Ehefrau Carolina Kunz übertrug er
1896 die Leitung des Backbetriebes. Pius übergab dann die Bäckerei
1936 dem Sohn Josef und dessen Ehefrau Anna Seekircher. Zwischen 1940 und
1948 ruhte der Betrieb, halt kriegsbedingt. Erst 1974 ging dann die Bäckerei
auf deren Sohn Bernhard über, und dies mit großem Erfolg bis auf den
heutigen Tag.
Nicht
vergessen dürfen wir die langjährige und tatkräftige Mithilfe, vor
allem im Laden, durch Josefs Schwester Franziska.
Bäckerei Dietz ca. 1935
s’Balzorbeggä
: Gründer der Bäckerei war im Jahre 1900 der Bäckermeister
Josef Balzer, der Großvater des heutigen Eigentümers Dieter Balzer.Während
des ersten Weltkrieges wurde die Bäckerei, da er selber ja Soldat war,
von seinem Sohn Karl weitergeführt. Nach dem Krieg aber baute Sohn
Hermann den Betrieb weiter aus, um ihn schließlich 1935 zusammen mit
seiner Frau Rösel Herm zu übernehmen. Unvergessen seine
Speiseeis-Produktion in jener Zeit, auch in „Milchkannen“ für seine
Kundschaft, Eis mit Eiern, Milch, Zucker und nur natürlichen
Aromastoffen! Über die Kriegszeit war das Geschäft zeitweise verpachtet.
Nach dem Krieg aber wurde es von Hermann nicht nur fortgeführt, sondern
auch modernisiert.
1968 übergab
er es dann seinem Sohn Dieter, Konditor- und Bäckermeister,
und dessen Ehefrau Monika Schmitt. Noch moderner ausgebaut lebt der
Betrieb heute als „Balzers Backhaus“
weiter.
Hermann
Balzer
1925 Luftbild Bäckerei Balzer 1960
s’Kratzmaiors
: Karl Kratzmeier kam 1914 von Neibsheim nach Malsch, heiratete
die Pauline Hoffart, oine
vuns Londls. Noch vor Kriegsbeginn kaufte er von einem in die Römerstraße
wechselnden Bäcker, Rudolf Raber, dessen bisheriges Backhaus in der
Mozartstraße. Da er aber von 1914 bis 1918 im Krieg war, konnte er den
Backbetrieb erst ab 1918 beginnen. Diesen übergab er dann Ende 1952
seinem 1923 geborenen Sohn Robert, der die Bäckerei mit viel Engagement,
ja Idealismus, trotz kaputtgeschossener Hand, bis 1995 weiterführte.
Nebenbei war er ja auch viele Jahre Obermeister seiner Bäckerinnung.
Leider verstarb vor nicht alluzu langer Zeit, so dass wir ihn halt nichts
mehr fragen können. Er hätte uns sicher noch viel Erwähnenswertes über
seine Zunft erzählen können. Schade.
Karl
Kratzmeier 1966 Robert Kratzmeier 1952
Robert Kratzmeier in der Backstube 1970
Es gab früher aber noch zwei weitere Geschäfte,
die zwar keine alltäglichen Dinge, wie Brot, backten, trotzdem aber ganz
feine Sachen wie Kuchen, Torten, Pralinen und dergleichen herstellten und
verkauften, unsere Malscher
Konditoreien : Friedrich Pfeiffer, bei der ehemaligen Eintrachtbrücke,
und Arnold Lorenz, kurz nur s’Arnoldä genannt, neben der Metzgerei Kastner. Der Vollständigkeit
halber dürfen diese nicht ganz vergessen werden.
Ehemalige
Sulzbacher Läden
In einem Pressebericht in
den Badischen Neuesten Nachrichten vom 14. Juli 2009 anlässlich der
Verabschiedung des Sulzbacher Ortsvorstehers Bernd Lehnhardt konnte man
u.a. folgende Aussage von ihm lesen:
„Schade für die älteren
Menschen sei, dass das Dorf viele kleine Geschäfte verloren habe. Wir
hatten sogar einmal eine Tankstelle.“
Über die Tankstelle
Wildemann haben wir ja schon berichtet. Nun möchten wir
über die „alten ehemaligen Läden“ noch einiges erzählen.
Sicher hat es auch in
Sulzbach schon vor 1900 Möglichkeiten gegeben, notwendige Dinge für den
Alltag, besonders Kleinzeug für die Küche einzukaufen. Solches
„Zeug“ nannte man bei uns schon immer „Kram“. Bestimmt kommt daher
auch der Ausdruck „Kramladen“. Und der Betreiber hieß im Volksmund
kurz und bündig oft bloß dä Krämor.
Es braucht uns also nicht
zu wundern, dass einer der früheren Läden in Sulzbach von den Leuten auch „bei s’Krämors“
genannt wurde.
Und noch einige allgemeine
Bemerkungen.
Normale wichtige
Lebensmittel, wie Kartoffeln, Weiß- und Schwarzmehl, Öl, frisches Gemüse
in der warmen Jahreszeit, für die kalte Jahreszeit in „Stannen“
eingemachtes Gemüse wie Sauerkraut, Rüben, Bohnen und auch Gurken, um
nur einige zu nennen, waren damals in (fast) jedem Haus genug vorhanden.
Doch über Möglichkeiten zum Einkauf von so vielen Alltags-Kleinigkeiten,
wie z. B. Essig, Salz, Gewürze, Zucker, Paniermehl, Reis, Grieß und
Teigwaren, aber auch Schuhnestl, Reißneggl und
derlei sonstiges „Zeug“ konnte uns niemand etwas Konkretes sagen.
Sicher hat man solchen Kleikram auch schon früher in unseren Dorfläden,
wenn auch nur in bescheidenem Rahmen, einkaufen können.
Nun zu den uns noch
bekannten ehemaligen Sulzbacher Läden.
Bei
s’Beggäs (Bäckerei Lumpp)
So wurde dieses Geschäft
im Volksmund allgemein genannt. Wie der Name schon andeutet: Es handelte
sich um eine Bäckerei.
Der Bäckermeister Vinzenz
Lumpp gründete zusammen mit seiner Frau Theresia, geb. Trapp, im
Jahre 1907 im Ortszentrum von Sulzbach seinen Betrieb.
Gründerehepaar
Vinzenz und Theresia Lumpp geb. Trapp
Erst 1948, also nach
über 40 Jahren, erfolgte die Übergabe an deren Sohn Erwin Lumpp und dessen Ehefrau Theresia, geb. Günter. Die beiden
modernisierten dann den Verkaufsladen 1967.
Eheleute Erwin und Theresia Lumpp
geb. Günter

Ansicht der modernisierten
Ladenfront
1969 legte dann deren Sohn
Alfons die Meisterprüfung im Bäckereihandwerk ab und übernahm dann
ab 1. Januar 1976 zusammen mit seiner Ehefrau Maria, geb. Herhalt den
Betrieb von Alfons Eltern.
Hochzeit von Alfons Lumpp und
Maria geb. Herhalt
1977 wurde dann auch die
Backstube modernisiert.
Blick in die erneuerte Backstube
1982 konnte dann das 75
jährige Betriebsjubiläum der
Bäckerei Lumpp gefeiert werden.
Alfons und Maria Lumpp in der
Backstube
Alfons und Maria Lumpp
entschlossen sich dann Ende 2006 aus Altersgründen zur Aufgabe des Bäckereibetriebes,
da ja kein männlicher Nachfolger vorhanden war. Doch davor erhielten sie
noch einige besondere Auszeichnungen, wie die folgenden Bilder zeigen:
1983: Preisverleihung
durch Präsident Freiherr von Heeremann in Bonn an Maria Lumpp
Verliehene
Medaillen in Hülle und Fülle
Dä Hitscherich-Begg
Fast
am Anfang der Talstraße, neben der Unteren Mühle, richtete Johannes Hitscherich
(1895-1952), ein Sohn des Adlerwirts Karl Hitscherich und dessen Ehefrau Luise,
geb. Schindler, im Anwesen seiner Schwiegereltern 1921 eine Bäckerei mit
Verkaufsladen ein. Den Laden versorgte meist seine Ehefrau Anna, geborene Heinzmann, lange Zeit auch zusammen mit Tochter Elfriede.
Von
den vier Kindern Robert, Elfriede, Alfred und Bertram erlernte nur der Jüngste,
Bertram, den Beruf des Vaters.
Fröhliches
Kinderquartett (ca. 1934)
Der
Vater Johann mit Sohn Bertram in der Backstube (ca. 1941)
Mutter Anna Hitscherich, geb. Heinzmann und
Tochter
Elfriede (ca. 1940)
Blick auf den Ladeneingang: Mutter Anna und drei Kinder
(ca. 1943)
Sohn Bertram, inzwischen auch „Bäckermeister" geworden, übernahm
vom Vater im Jahre 1955 dann zusammen
mit seiner Ehefrau Veronika, geb. Zimmer, die Backstube samt Laden.
Bertram und Veronika im modernisierten Laden und
Blick
in den Laden (ca. 1960)
Bertram musste 1986 Backstube samt Laden
krankheitshalber aufgeben. Der Verkauf
von Backwaren aller Art erfolgt aber immer noch durch die Firma Fritz aus
Muggensturm.
Während des Krieges geschah in diesem Hause ein Vorfall, der zwar mit
der „Bäckerei" selber nichts zu
tun hat, aber in der damaligen Zeit ähnlich sicher oft passiert ist, dass man darüber auch hier, kurz gefasst, berichten
sollte. Sohn Alfred, der dies
damals selber miterlebte, hat es mir so erzählt:
Bei's Hitscherichs war mal wieder Metzeltag. Amtlich
angemeldet war ja nur eine
Sau, gemetzelt wurden aber (wie öfters) heimlich zwei! Klein-Marte,
der amtliche örtliche Kontrolleur und Fleischbeschauer war informiert. Der
junge Bertram wurde auf die Straße
hinaus geschickt, um das Kommen vom Marte so früh wie möglich lautstark zu melden, hatte sich aber beim Spielen
etwas vergessen. Also kam sein Warnruf auch etwas zu spät! Metzger Anton
Kühn und Vater Johann schnappten dann schnell zwei der vier Sauhälften
und legten sie in der Eile in
Tochter Elfriedes Bett nebenan, gut zugedeckt! Nun konnte Klein-Marte doch
kommen. Und er kam - erledigte
sein amtliches Geschäft - und
ging wieder, ohne etwas bemerkt
zu haben! Oder doch? Alle waren beruhigt, und das Metzeln
ging (fast) normal weiter.
Lange Zeit später, nach dem Krieg, erzählte
Klein-Marte in einer fröhlichen Männerrunde, Alfred war auch dabei,
spitzbübisch folgendes: „
Also ich
häbb domols
unnorm
Krieg jo viel erlebt. Awwor
dass oi
Sou
zwai Schwänzle hat, des häwwe bloß
oimol erlebt, beim Hitscherich-Beck,
gell, Alfred!?
Dä Kurvä-Begg
in Waldprechtsweier
Schon
wieder ein ganz eigenartiger Sondername, aber leicht zu erklären:
Das Haus lag (und liegt heute noch, wenn auch nicht mehr
als Bäcker-Laden) direkt
an der Kurve der Straße nach Freiolsheim hinauf. Und daher auch dieser besondere
Name. Wenn eine Mutter zum Kind sagte: „Geh
nuff zum Kurväbegg ", dann
wusste man gleich, zu welchem Bäcker man gehen sollte! Die
Menschen in Waldprechtsweier sagten damals aber meistens „zum
owworä_
Begg". Denn es gab damals im Dorf ja z w e i Bäckereien, obwohl in vielen Familien
Brot für den täglichen Bedarf fast immer „daheim" gebacken
wurde.)
Das
Haus heute, in der Freiolsheimer Straße
Nachdem
der junge Bäcker Lorenz Wipfler (1873 - 1955)
von der damals oft üblichen
„Walz" der Gesellen und dann auch nach bestandener Meisterprüfung wieder
in der Heimat angekommen war, eröffnete er noch vor 1900 zusammen mit
seiner Frau Karoline, geb. Bechler (1875 - 1963) einen Bäckerladen mit Backstube.
Mit fünf Kindern waren die beiden auch bald eine große Familie.
Lorenz
und Karoline Wipfler in alten Tagen (1953)
Das Geschäft florierte, aber nur, weil die Familie auch
in schwierigen Zeiten bis ins hohe
Alter der beiden zusammenhielt, und nicht nur im Laden und in der Backstube,
sondern auch in der großen Landwirtschaft mit den Tieren im Stall! So
arbeitete Enkelin Elsa, eine Tochter vum
Neggorschwarz in Malsch,
auch noch nach ihrem so genannten
„Pflichtjahr" über lange Zeit bei den Großeltern gerne mit.
Und dies war eine gute Zeit, wie sie mir sagte.
Elsa Grimm und Mutter Stefanie (1944)
Lorenz
Wipfler mit Urenkel Edgar (1954)
Doch auch Tochter Rosa musste schon früh nicht nur in
der Landwirtschaft, sondern auch im Laden und in der Backstube mithelfen,
ganz besonders nach Vaters
plötzlichem Tod 1955. Denn er stürzte damals so unglücklich vom Schöpfel,
als er spezielles Holz für den Backofen herunterholen wollte. Also musste
Rosa halt wieder einspringen, auch wenn sie keine „Bäckerin" war! Dabei
half ihr auch Tochter Reinhilde tatkräftig mit aus, vor allem im Laden.
Karolina Wipfler mit Tochter Rosa (1960)
Rosas
Tochter Reinholde Kühn
Erst
als Rosas Sohn Albert Kühn, ein gelernter Bäcker, 1959 zusammen mit seiner
Ehefrau Hilde in den Betrieb einstieg, lief wieder alles normal weiter,
bis, ja bis die Bäckerei dann im
Jahre 1979 endgültig geschlossen wurde.
Der
letzte „obere Beck" mit seiner Ehefrau Hilde (1978) |