Gedenkfeier / Ausstellung „Das Kriegende in Malsch“
am 8. Mai 2005
- Zusammenbruch – Wiederaufbau -
Das Jahr 1945 hat viele Gesichter. Keine Phantasie
kann sie alle gleichzeitig vergegenwärtigen. Vieles überstürzte und überlagerte
sich in den Geschehnissen jener Tage. Diese Tatsache wird im Besonderen
verdeutlicht durch die Ausstellung der „Heimatfreunde Malsch e.V.“,
die am vergangenen Sonntagvormittag in der Rathausgalerie eröffnet wurde.
Vieles von dem, was hier in Bildern, Fotographien, Dokumenten, Worten und
Exponaten festgehalten wurde, darf nicht vergessen werden; denn die auf
diese Weise eingefangene Vergangenheit ist durchaus geeignet, uns zum
Nachdenken anzuregen.
Es ist eine äußerst schwierige Aufgabe für den
Berichterstatter, die von den Rednern vorgetragenen Sachverhalte,
Verhaltensweisen und Fakten wiederzugeben. Als Resümee aus dem Grußwort
von Bürgermeister Dieter Süss, den Vorträgen „Erinnerung
erforschen“ von Dr. Clemens Rehm, Referatsleiter im Generallandesarchiv,
und „Das Kriegsende in Malsch“ von Josef Bechler, Vorsitzender der
Heimatfreunde Malsch e.V. sowie der „Einführung in die Ausstellung“
durch ´Manfred Hennhöfer, Mitarbeiter im Generallandesarchiv, lässt
sich festhalten: Am Ende des Krieges herrschte große Not, das Elend war
weit verbreitet. Da waren die siegreich vordringenden Soldaten, Panzer und
Flugzeuge der Alliierten, da waren Frauen, Kinder, alte Menschen, die in
Luftschutzkellern das Ende des Krieges erwarteten, da war der Krieg, der
auf das Land zurückschlug, von dem er ausgegangen war. Endlich folgte am
8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation.
Der 8. Mai ist für uns ein Tag der Erinnerung, so
Dr. Clemens Rehm. Aber heute, da wir klarer sehen, müssen wir den 8. Mai
im Besonderen auch als ein Tag der Befreiung erkennen. Der 8. Mai 1945 hat
uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. „Niemand wird um dieser
Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit
dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im
Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit
sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener
Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte“ (Richard von Weizsäcker). Das
heißt konkret: Die Deutschen hatten 1945 nicht nur den Krieg verloren,
sie waren zugleich auch befreit worden von einem Regime, das sie aus
eigener Kraft nicht abzuschütteln in der Lage waren.
Der 8. Mai 1945 liegt nun lange zurück. Der
staatliche Zusammenbruch machte den Weg frei in eine neue Epoche deutscher
Geschichte, die durch die Rückkehr zu den Gütern der Freiheit, der
Gerechtigkeit und des Friedens bestimmt war, in Gemeinschaft mit den Völkern
der freien Welt – ein Argument das das Grußwort von Bürgermeister
Dieter Süss bestimmte.
Manfred Hennhöfer hatte bei der Eröffnung der
Ausstellung die Aufgabe übernommen, die Anwesenden zu begrüßen. Im
Besonderen waren willkommen zu heißen: Bürgermeister Dieter Süss,
Ortsvorsteher und Bürgermeisterkandidat Horst Sahrbacher, Kreisarchivar
Bernd Breitkopf, Prof. Dr. Volker Rödel, Leiter des Generallandesarchivs,
die Bürgermeisterkandidaten Elmar Himmel und Martin Oberle, die
anwesenden Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie die Vertreter der Presse.

Herren Dr. Clemens Rehm, Josef Bechler,
Bürgermeister Dieter Süss und Manfred Hennhöfer
Für die musikalische Umrahmung dieser Veranstaltung
sorgten Eugen Nies (Klavier) und Silvia Herzog ( Querflöte). Zur Aufführung
gelangten 3 Stücke für Flöte und Klavier von Joseph Haydn und Ave-Maria
von Bach-Gounod.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die
BersucherInnen die Ausführungen des 1. Vorsitzenden der Heimatfreunde
Malsch, Josef Bechler. Er schilderte in seinem breit angelegten Vortrag
die politischen und kriegerischen Vorkommnisse und Geschehnisse in Malsch
in den Jahren 1944 und 1945. In diese Zeit fiel nicht nur das offizielle
Kriegsende am 8. Mai 1945, sondern auch das Kriegsende für die Malscher
Bevölkerung am 11. April 1945. Die von Josef Bechler vorgetragenen und
referierten Ereignisse haben den Umfang einer kleinen Broschüre. Deshalb
können an dieser Stelle lediglich die Themenkreise genannt werden, nämlich
der Luftschutz einschließlich der hierbei zu treffenden Maßnahmen und
vorzunehmenden Anlagen, die Alarmanlagen, das Läuten der Kirchenglocken
im Krieg, die ersten Bomben auf unsere Gemarkung, der Absturz eines
englischen Bombers am 29. Juli 1944 im Gewann „Lautenäcker“, der
Luftkampf über Malsch am 17. November 1944, die immer häufigeren
Jabo-Angriffe, die Kriegsopfer, das Kriegsende mit Übergabe des Dorfes,
das Verhalten der Besatzungstruppen und die Ankunft der Heimatvertriebenen
und Flüchtlinge in Malsch.
Manfred Hennhöfer ist es in einer komprimierten Einführung
in die Thematik dieser Ausstellung gelungen, die zur Diskussion stehende
Materie verständlich zu umreißen. Sein Vortrag war – wie die
vorangegangenen Redebeiträge – ein Gewinn: Für die jüngeren Jahrgänge
eine Bereicherung ihres Wissensstandes und für die Kriegsgeneration eine
Wiedererinnerung an gemachte Erfahrungen.
Gliederung der Ausstellung:
1.
Kriegsalltag / Kriegsverhältnisse / Propaganda
2.
Soldaten an der Front / Gefangenschaft
3.
Unrecht und Widerstand
4.
Kriegsende
5.
Politische Befreiung / Besatzungszeit
6.
Neuanfang / Neue Herausforderungen
Dauer der Ausstellung:
08.05.2005 bis 05.06.2005
Am Schluss der Veranstaltung dankte Manfred Hennhöfer
im Auftrag der Heimatfreunde Malsch allen, die an der Verwirklichung
dieser Ausstellung mitgewirkt haben, nämlich Bürgermeister Dieter Süss,
den Mitarbeitern des Bauhofes, Hausmeister Bernd Kastner, den Personen,
die Ausstellungsstücke bereitstellten, den Referenten, Eugen Nies und
Silvia Herzog und dem Ausstellungsteam: Josef Bechler, Albert Deubel,
Renate Kraft, Thomas Meyer, Eugen Nies, Hermann Späth, , Rainer Walter und Wilhelm Wildemann.
Text: Gerhard Bach
Bilder: Rainer Walter |