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Heimat als Herausforderung und
Aufgabe
Zum
Beispiel: Kleindenkmale
Wer einmal über einen längeren
Zeitraum in der Fremde gelebt hat, weiß die Heimat zu schätzen. Heimat
ist nicht dort, wo wir uns gerade wohl fühlen, Heimat ist dort, wo wir
verwurzelt sind, es sind die unverwechselbaren Ortsbilder, es sind die
Menschen und ihre Tätigkeiten und es ist die typische Landschaft im
farbigen Wechsel der Jahreszeiten an die wir uns in der Fremde erinnern.
In Landschaften haben sowohl
archäologische Stätten als auch Klein- und Naturdenkmale ihren
überlieferten Platz, sie sind überkommen von unseren Vorfahren von deren
Leben und Schaffen sie dem Interessierten erzählen.
Was wäre das fränkische
Madonnenländchen ohne seine zahlreichen Bildstöcke oder auch unsere
badische Heimat ohne seine Vielfalt an Wegkreuze?
Die in den 60-er und 70-er Jahren
durch den Bau von Siedlungen, Straßen, Kanalisation etc. einsetzende
starke Veränderung des Landschaftsbildes hat dazu geführt, daß binnen
weniger Jahrzehnte ein nicht unerheblicher Teil dieser Kulturdenkmale
verloren gegangen ist.
Auch war mit dem Bruch mit der
Tradition in Deutschland ein weiteres Element dazu gekommen, das wenig
Wert auf Erhaltung solcher Kleindenkmale legt und so verschwand wohl
manches Kreuz und manch historischer Grenzstein als Relikt einer anderen,
vermeintlich längst vergessenen Zeit unter den Schaufeln der Bagger.
Die Fachleute unterscheiden die
Kleindenkmale in drei Hauptgruppen, die da sind:
Kleindenkmale im eigentlichen Sinn.
Beispiel: Feldkreuz oder Grenzstein.
Gelände- und Bodendenkmale.
Beispiel: Hohlweg oder altes Wegepflaster.
Unselbständige Kleindenkmale.
Beispiel: Hauswappen oder Marienschrein an Hausfassade.
Von Wegkreuzen
Wegkreuze, in der Literatur auch als
Kruzifix, Feld-, Flur- oder Hochkreuze bezeichnet, stellen eine
beachtliche und sehr augenfällige Gruppe unter den Kleindenkmalen dar.
Sie gelten, neben den historischen Grenzsteinen, sozusagen als das
Modellbeispiel eines Kleindenkmals. Da sich die Hochkreuze fast nur in
früher katholischen Gebieten finden lassen, sind sie sowohl Glaubens- als
auch Geschichtszeugniss.
Die Gründe für die Stiftung solch
eines Kreuzes waren sicher vielfältig. Oft war wohl damit die Erfüllung
eines Gelübdes verbunden, wenn sich auch heute die Absicht des Stifters
nicht mehr klar zu erkennen gibt. Der Glaube war eng mit dem täglichen
Leben verbunden und so sind uns die Feldkreuze auch ein Zeichen der
Volksfrömmigkeit früherer Generationen.
Nach einer Übersicht unseres
Mitgliedes Eugen Heinzler befanden sich allein auf der Gemarkung von
Malsch 30 Feldkreuze, von denen 28 noch erhalten sind.
Eines der Verschwundenen wurde in den
60-er Jahren nach seiner Beschädigung durch einen Autounfall wenig
respektvoll zum Auffüllen eines Brunnens mißbraucht. Beides, das
Desinteresse an einem beschädigten Feldkreuz sowie das gedankenlose Plattmachen"
eines historischen Brunnens ist verwerflich und kann nur als
Negativbeispiel dienen. Dank eines glücklichen Zufalls konnten damals
durch die Aufmerksamkeit eines Malscher Bürgers zumindest die beiden
Nebenfiguren dieses Flurkreuzes gerettet werden.
Das zweite nicht mehr vorhandene
Feldkreuz stand auf dem Gelände der ehemaligen Sägerei Lehmann, heute
Fa. Eckerle. Am Weißen Sonntag 1944 erfolgte vom Murgtal her ein Angriff
anglo-amerikanischer Jabos" auf Malsch, bei dem zwei Frauen, die
sich zum Kreuz unter die daneben stehenden Tannen geflüchtet hatten,
getroffen wurden. Eine überlebte diesen Angriff nicht.
Auch das Kreuz war zerstört, über
dessen weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Es kann als positiv gewertet werden,
daß sich die meisten der Kreuze in einem guten bis sehr guten
Erhaltungszustand befinden was nicht zuletzt dem Engagement einiger
Bürgerinnen und Bürger sowie der Unterstützung durch den Bauhof der
Gemeinde zu verdanken ist.
Ohne dieses, oft in der Stille
vollführte Engagement wäre wohl Manches schon verloren oder in einem
traurigen Zustand.
Doch Arbeit gibt es noch in Hülle
und Fülle. Als Anregung sei in Stichworten aufgelistet:
Erforschung der Historie der
Feldkreuze (hier berühren sich Ahnen- und Kleindenkmalforschung).
Exakte Vermessung.
Maßnahmen zur besseren Erhaltung
(z.B. Schutzdächer).
Pflege übers Jahr; vielleicht
lassen sich Paten für die einzelnen Kreuze gewinnen, das könnten
Vereine, Institutionen, Firmen oder auch Freundeskreise sein.
Erstellen einer vollständigen
Dokumentation und deren Fortschreibung.
(Damit ließe sich in fernerer
Zukunft ein kleines Handbuch erstellen, vielleicht auch unter
Einbeziehung der Feldkreuze von Sulzbach, Völkersbach und
Waldprechtsweier die ebenfalls einen reichen Schatz solcher
Kleindenkmale besitzen).
Dieser Aufsatz wollte anknüpfen an
einen Artikel, erschienen im Juni 2000 im Gemeindeanzeiger" der
unter der Überschrift Von Kleindenkmalen" (Historische
Grenzsteine) auf die so häufig übersehenen Kulturmale unserer Heimat
hingewiesen hat.
Der damals geäußerte Wunsch des
Verfassers, daß sich auch in Malsch eine tätige Gruppe von
heimatkundlich interessierten Bürgerinnen und Bürger zusammenfinden
möge, konnte mit der Gründung des Vereines Heimatfreunde Malsch",
fast auf den Tag genau zwei Jahre später verwirklicht werden.
Ein weites Feld heimatgeschichtlicher
Themen wartet nun darauf, erforscht, bearbeitet und dokumentiert zu
werden.
Jeder ist dazu aufgerufen sich nach
seinen Interessen und Möglichkeiten zu beteiligen; jede auch noch so
kleine Hilfestellung ist wichtig und zählt.
Wir
nehmen Sie ernst!

Das
schön gepflegte Wegkreuz (1896) am Ortsausgang nach Waldprechtsweier.

Das
vorbildlich renovierte Feldkreuz im Gewann Haft".
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