Startseite

Neues auf unserer Webseite

Historische Ansichten
Kleindenkmale / Wegkreuze
Heimat- und Zeitgeschichte
Malscher Mundart
Ehrenbürger
Jüdisches Leben
Bücher
Termine / Veranstaltungen
Verwaltung
Gästebuch
Links
Impressum
Weitere Arbeitskreise:
     Heimatmuseum / Archivwesen
     Tier- und Pflanzenwelt
     Ahnen- und Familienforschung

 

Besuch des Generallandesarchivs.

Einen ganz besonderen Streifzug durch die badische Landesgeschichte konnten die Mitglieder und Gönner der Heimatfreunde Malsch am Freitag, den 09.05.2003 durch die mehr als tausend Jahre alten Exponate des Generallandesarchivs Karlsruhe erleben. Die beim Generallandesarchiv beschäftigten Mitglieder Dr. Clemens Rehm und Manfred Hennhöfer erläuterten in einer kurzen Einführung die Bedeutung der Archive. Es wurde hierbei recht deutlich der Unterschied der geschichtlichen Überlieferung von früher und der heutige historische Anspruch an ein modernes zeitgemäßes Archiv herausgestellt. Die Entstehungsphase des Generallandesarchiv vor 200 Jahren galt keinesfalls nur der historischen Forschung, sondern ihre eigentliche Bedeutung war die Überlieferung der Rechte und Besitzansprüche im Feudalstaat des alten Reichs. Die Geschichte des stark zersplitterten Südwesten spiegelt sich hierbei besonders in der Bestandsbildung des Generallandesarchivs. Als mit dem Ende des alten Reiches im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhundert der badische Staat mit der Erhebung zum Großherzogtum eine beträchtliche Gebietsvergrößerung erfuhr, verloren diese Urkunden ihre Rechtsgültigkeit und wurden deshalb in großer Zahl an das Generallandesarchiv abgeliefert.

Aus diesem Fundus konnten die Anwesenden zwei typische Exponate bewundern. Genauso wie heute wurden diese Urkunden nach bestimmten Normen und Regeln erstellt. Sie hatten eine Einleitung und einen Schlussteil. Das eigentliche Rechtsgeschäft wurde in aller Kürze dargestellt. Für die meisten Teilnehmer war es eine einmalige Erfahrung diese Pergamenturkunden in aller Nähe bestaunen zu können.

Die eine Urkunde stammt vom 29. Juni 1286 und sicherte durch den Markgrafen Rudolf d. Ältere die Abgaben- und Dienstfreiheit der Güter, Bauleute und Hofsassen des Klosters Herrenalb auf der Hard.

Die andere Urkunde ist eine Bestätigung des Kaisers Ludwig IV. und des Pfalzgrafen Ruprecht der Ältere vom 26. Februar 1346, wodurch dem Kloster Herrenalb von Markgraf Hermann von Baden das Dorf Malsch als eigenes Eigentum zugesprochen wurde. Dem Markgraf wurde vom Kloster Herrenalb 120 Pfund Heller und das Dorf Mörsch zugesprochen. Außerdem musste das Kloster sämtliche Schuldscheine an die Markgrafschaft Baden zurückgeben.

Ein weiterer Glanzpunkt war die Kriegskarte der im Jahre 1796 infolge der französischen Revolution bei Malsch stattgefundenen Schlacht zwischen der kaiserlichen und der französischen Armee. Neben den besonderen topographischen Gegebenheiten sind in dieser Karte die Stellungen der jeweiligen Militärformationen minuziös eingezeichnet.

Ebenso interessant war der von dem badischen Baumeister Weinbrenner erstellte Plan, in Neumalsch eine Siedlung zu erstellen. Die Bewohner des durch die Rheinhochwasser gefährdeten Dorfes Dettenheim sollten auf Staatsdomänenbesitz bei Malsch umgesiedelt werden. Der Plan zeigt eine auf dem Reißbrett entworfene Dorfstruktur. Die Umsiedlung zerschlug sich und die Bewohner des Dorfes Dettenheim wurden in das heutige Karlsdorf umgesiedelt.

Von besonderem Interesse waren die von Malsch vorhandenen Beraine und Lagerbücher. Ähnlich den heutigen Grundbüchern ist darin die Lage der Grundstücke und der zu zahlende Zehnt aufgelistet. Ein besonderes Prachtstück stellt das Lagerbuch des Dorfes Untergrombach dar. Darin sind neben der Beschreibung der Grenzsteine auch die Pläne jedes einzelnen Gewannes aufgelistet.

Nicht minder interessant waren die gezeigten Exponate der neueren Geschichte. Vorgestellt wurden einige Gerichtsakten des Sondergerichts Mannheim. Diese Gerichte kamen aufgrund der Verordnung der Reichsregierung im Jahre 1933 zu den bereits bestehenden Strafgerichten hinzu. Sie dienten in erster Linie während der Zeit des Nationalsozialismus der Bekämpfung der politischen Betätigung. Später kam die wirtschaftliche Sicherung der Kriegsmaßnahmen hinzu. Vielen war hierbei die Kriegswirtschaftsverordnung und die Verordnung gegen Volksschädlinge (Volksschädlingsverordnung) noch aus eigener Erfahrung bekannt. Große Beklemmung erzeugten dabei die gefällten Todesurteile, die zum größten Teil nur wegen kleiner Kapitalverbrechen (Diebstahl von einigen Wurstkonserven, eines Fahrrades o.ä.) gefällt wurden.

Eine weitere Station bildeten die Entnazifizierungsakten. Nach Ende des Dritten Reiches mussten in der amerikanischen Besatzungszone, zu der Malsch gehörte, alle Deutschen, die bei Kriegsende 18 Jahre alt waren, einen politischen Meldebogen abgeben. Anhand dieses Bogens wurde ein einer Gerichtsverhandlung ähnliches Verfahren eröffnet, dem das Ziel der Entnazifizierung der Bevölkerung zugrunde lag. Malsch gehörte zur Spruchkammer Ettlingen. Als diese im Jahre 1949 aufgelöst wurde, war für neue Verfahren zunächst die Spruchkammer Karlsruhe und später die Zentralspruchkammer Nordbaden zuständig.

Leider konnte bei diesem Besuch nur ein kleines Spektrum der archivierten Unterlagen vorgestellt werden. Allerdings wurde bei allen das Bewußtsein geweckt, daß für Malsch die neuere Geschichte noch nicht aufgearbeitet wurde. Die Heimatfreunde Malsch –Fachgebiet Heimat- und Zeitgeschichte- haben sich die Aufarbeitung dieses Bereiches zum Ziel gesetzt. Begonnen wurde mit der Befragung von Zeitzeugen, die die Zeit des Nationalsozialismus, des Kriegsendes, des Neuaufbaus oder ähnlicher für Malsch bedeutender Zeitabschnitte persönlich erlebt haben.

Wenn ein Interesse an der Mitarbeit in dieser Projektgruppe besteht bzw. für weitere Fragen bei der Möglichkeit der Nutzung der Bestände des Gnerallandesarchivs Kalsruhe zur Erforschung der Orts- oder Familiengeschichte können Sie sich gerne an den Projektleiter Manfred Hennhöfer, Herrenstr, 5, 76316 Malsch-Waldprechtsweier, Tel, 07246/7272 wenden.